Verfasst von: lamiacucina | Februar 5, 2007

Sauce Hollandaise, Béarnaise & Co., 8 Gebote

Meine 8 Gebote zeigen klar auf, worauf es ankommt, weder auf Mondphase noch Ihren Biorythmus. Zuwendung ist das Wichtigste. Natürlich gehts auch in Ruck-Zuck Manier: Reduktion, Eigelb und die gesamte Butter in der Rührschüssel in das Bain-marie stellen und solange mit einem kräftigen Stabmixer durchbrettern bis die Sauce die gewünschte Konsistenz hat. Geht das ? Antwort: Ja. Für mich ist es aber wie Fallschirmspringen ohne Fallschirm, man ist zwar schneller am Ziel, aber die Sache macht einfach weniger Spass. Weniger? Ja doch, bedeutend weniger.

Meine 8 Gebote:

1] strikte Temperaturkontrolle:Die Sauce wird von Anfängern am besten im Wasserbad zubereitet. Die Temperatur des Wasserbads soll 80°C nicht überschreiten. Eigelb denaturiert ab ca. 45°C. Beim Denaturieren ändern die Proteine ihre äussere Form, sie dehnen sich zunächst aus, ab ca. 65°C bilden sie ein molekulares Netzwerk aus, was zum erwünschten Dickwerden der Emulsion führt. Ab 80°C bilden sich langsam Klümpchen (am Pfannenboden und an den Seitenwänden), die sich letztlich zu Rührei verdichten.
2] Stärkezugabe:
Die Zugabe einer kleinen Menge Stärke, die zuvor in der Wasserphase der Sauce aufgekocht wurde, hemmt die Klümpchenbildung der Proteine. Dieser Trick macht die Sauce weniger empfindlich auf Überhitzung.
3] Eier:
Frische Eier verwenden, diese enthalten mehr Lezithin als zu lang gelagerte. Lezithin, als grenzflächenaktive Substanz, unterstützt das Emulgieren der Fetttröpfchen in der Wasserphase.
4] Verhältnis Fett zu Wasser:
Je nach den Mengenverhältnissen der beiden nicht mischbaren Phasen spricht man von Öl-in-Wasser (O/W)-Emulsionen oder Wasser-in-Öl (W/O)-Emulsionen. Um für unser Rezept eine stabile Emulsion entstehen zu lassen, braucht es genügend Wasser in der Sauce. Oft wird die Essigreduktion zu stark reduziert, zudem verdunstet während der Saucenherstellung weiteres Wasser, so dass zu wenig Wasser vorhanden ist.
Das Verhältnis von Fett zu Wasser darf höchstens etwa 3:1 betragen. Andernfalls “kippt” die Sauce. d.h. die Öl-in-Wasser-emulsion schlägt in eine Wasser-in-Öl-emulsion um und trennt sich dabei. (in unserem Fall in flüssige Butter und Eigelb/Wassergemisch).  Das wird als Phaseninversion bezeichnet. Wenn man das rechtzeitig merkt, kann die Sauce oft noch gerettet werden, indem man sofort einen Elf. kaltes Wasser einrührt.
5] Rühren:
Ununterbrochenes Rühren ist notwendig um das Überhitzen und Ankleben am Boden oder an den Seitenwänden zu verhindern. Für den Buttereintrag verwende ich die Schlagscheibe eines Stabmixers. Damit werden die Fett-tröpfchen feiner zerschlagen als mit dem Schwingbesen und die Emulsion stabiler.
6] Säure:
Säuren (Essig, Zitrone) trennen bestimmte intramolekulare Bindungen der Proteine und erhöhen ihre Löslichkeit; zudem stabilisiert Säure die Emulsion, denn sie verstärkt die elektrische Ladung des Emulgators und damit die Abstossung der Öltröpfchen untereinander, was die Viskosität weiter erhöht. Wenn eine Béarnaise umkippt, weil zuwenig geschlagen wurde, kann kräftiges Schlagen unter Zusatz von ganz wenig Salz oder Zitronensaft helfen, den Schaden zu beheben.
7] Salz:
Erst am Schluss salzen. Die Natriumionen von Kochsalz schirmen die negativen Ladungen des Lecithins ab und hemmen damit die abstossende, emulsionsfördernde Wirkung.
8] Butter oder flüssige Butter:
Kalte Butter schmilzt in der Wärme langsam ab und wird auch bei schwachem Schlagen fein dispergiert. Bei flüssiger, abgekühlter Butter muss man schon recht kräftig schlagen oder einen Stabmixer verwenden.

Literatur:
Hervé This, Molecular Gastronomy: Exploring the Science of Flavor, 2006
Thomas Vilgis, Die Molekül-Küche, 2006


Antworten

  1. Hm, warum wird meine Hollandaise/Bearnaise auch etwas
    - ohne Stärkezusatz (hat darin meiner Meinung nach gar nichts zu suchen)
    - mit nussbrauner Butter gemacht (gibt einen Super-Geschmack!)
    ?

  2. Stärke gehört nicht in die originale Hollandaise/Béarnaise, hat aber die wunderbare Wirkung, das Rezept gegen Überhitzung robust zu machen, besonders wenn mitten in der Sauce das Telefon klingelt. Gerade geschmacksverbessernd wirkt sie ja nicht, ist aber in geringen Mengen in dieser Sauce kaum wahrnehmbar.
    Nussbutter, das bayrische Olivenöl, tut allem gut.

  3. Bei einer Hollandaise muss das Telefon eben warten ;-)

  4. [...] Tipp: Chemische Hintergründe und die 8 Gebote für ein sicheres Gelingen der Sauce Hollandaise, gibt es sehr ausführlich von lamiacucina: Sauce Hollandaise, Béarnaise & Co., 8 Gebote [...]

  5. auf keinen Fall Stärke benutzen; und probiert mal anstatt Zitrone- Limettensaft; super frisch und leicht.

  6. Wer die Sauce im Griff hat braucht keine Stärke. Anfänger tun sich leichter damit. Schaden tut die Messerspitze Stärke nichts. Siehe mein comment oben. Bei WDR gibts noch ein schönes Video über Hollandaise von “Ran an den Herd”, der aufzeigt, wie unproblematisch die Sauce ist, wenn man/frau es begriffen haben. Video: Kochtipps von Martina

  7. [...] die physikalisch-chemischen Grundlage solcher Buttersossen informiert dieser tolle Beitrag auf dem Blog [...]

  8. [...] Hollandaise Entsprechend vielleicht nicht ganz orthodox, dafür aber mit der Geling-Garantie. Hier gibt es eine schöne Beschreibung, was denn bei der richtigen Hollandaise chemisch so passiert, [...]

  9. Jau, muss ich den obrigen Zustimmen… Im Grunde, wenn man sie ein zwei mal gut hinbekommen hat, ist es ganz einfach.. wichtig ist ja eigentlich nur das man sie nicht zu sehr Überhitzt… und sachte die Butter einrührt so das sie nicht gerinnt.

  10. [...] 8 Gebote für ein sicheres Gelingen der Sauce Hollandaise  VN:F [1.1.5_471] [...]

  11. Wer eine Mikrowelle hat, kann auf das Wasserbad verzichten: Für 1 bis 2 Personen: der Saft einer Zitrone und ca. 50 g Butter wird in der Mirkowelle kurz erhitzt, bis die Butter anfängt zu schmelzen, dann wird ein Ei (bei kleinen Mengen Eiweis und Eigelb, bei größeren: nur Eigelb) mit dem Schneebesen untergerührt mit Salz und Pfeffer gewürzt. Jetzt wird die Sauce wiederholt kurz (ca. 5 bis 10 Sekunden) in der Mikrowelle erhitzt und immer wieder mit dem Schneebesen aufgeschlagen, bis die Sauce eine sämige Konsistenz annimmt.

    • @Wolf Herman: wusste ich nicht, man muss das für sein Gerät einfach mal ausarbeiten, die Kürze der Dauer und Leistung sind wohl entscheidend für das Ergebnis.

  12. [...] Dazu habe ich simpel eine kleine Reduktion aus Wasser, Rotweinessig (Weiß hatte ich nicht im Haus) und Pfeffer gemacht und diese mehrmals eingekocht. Auf einen Esslöffel Essig kamen dabei jeweils 4 Esslöffel Wasser hinzu. Das ganze habe ich dann einreduziert und jeweils wieder mit 4 Esslöffel Wasser aufgekocht. Das letzte Mal habe ich das ganze dann erkalten lassen und danach mit 2 Eigelb verrührt. Nun geht es auf das Wasserbad und dann fleißig rühren, bis das ganze richtig fein schaumig wird. Nun erst ein wenig flüssige Butter hinzugeben und einarbeiten, danach die Butter langsam in einen feinen Strahl hinzugeben. Dabei immer weiterrühren. Entscheidend ist hierbei die Temperatur, viele Tipps habe ich mir hier geholt:  –8 Regeln– [...]


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