Neuchâtel a.o.c. non filtré 2006

Auvernier non-filtréSeit Mittwoch, 17. Jan. 2007, ist er wieder zu haben: der Neuenburger «Non Filtré», Jahrgang 2006. Der unfiltrierte, leicht trübe Wein aus der Chasselas-Traube fasziniert mit seinem in guten Jahren typischen Bouquet (leichte Hefenote, Linden-blüten und Zitrusfrüchte), viel Frische und Geradlinigkeit im Gaumen. Nach einer (bösen) Legende sollen die Schweizerischen Bundesbahnen früher Haupt-abnehmer des Neuenburgerweins gewesen sein. Der Wein sei über längere Zeit als Unkrautvernichter in den Geleisen eingesetzt worden. Bis den Bähnlern aufgefallen ist, dass Schweizer Schienen schneller vom Rost zerfressen werden als anderswo.

Besser weiss es Jeremias Gotthelf. In “Annebäbi Jowäger” lässt er den Professor sagen: “aber solange es noch Neuenburger und Fisch gibt, wollen wir den Rest ertragen und albeeinist Einen nehmen.”

Vor etwa 35 Jahren ist er erstmals abgefüllt worden. Seither hat der Wein Jahr für Jahr an Beliebtheit zugelegt. Der Wein wird bei ca. 18°C auf der Hefe vergoren. Die erste Abfüllung im Januar zeigt sich denn auch frisch prickelnd, sollte aber bis zum Herbst leergetrunken sein. Die zweite Abfüllung im Frühsommer ist durch das natürliche Absetzen deutlich klarer und 1-2 Jahre haltbar. Der Charakter verändert sich beim Lagern auf der Hefe. Durch den Verzicht auf die Filtration verbleiben im Wein Duft- und Aromastoffe, die sonst im Filter hängenbleiben. Die Neuenburger Winzer schütteln den Wein vor dem Öffnen massvoll, damit die Hefe aufgewirbelt wird. Wenn die Trauben in klimatisch “guten” Jahren viel Sonne erhalten, dann ist der sensorische Unterschied zwischen normalem Chasselas und “non-filtré” nicht gross. Wenn aber kalte Winde vom Chasselas herunterwehen, dann läuft der non-filtré zu Hochform auf. Das war 2006, erstmals seit 2001 wieder einmal der Fall.
Informationen über die Bezugsquellen des «Non Filtré» gibt’s beim Office des Vins et des Produits du Terroir . Die Jahresproduktion ist insgesamt nicht viel grösser als etwa 100’000 Liter. Ich habe meinen non-filtré dieses Jahr in der Domaine E. de Montmollin Fils gekauft. Ich kann das jetzt ja ruhig bekanntgeben, mein Jahresbedarf ist im Trockenen. Gottseidank ist es den Schweizern gelungen, Neuchâtel 1857 aus preussischer Herrschaft loszueisen. Sonst hätte ich meinen Neuenburger umständlich aus Deutschland beziehen müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s