CH-6422 Steinen: Restaurant Adelboden

 Restaurant AdelbodenDas Adelboden von Franz Wiget stand schon lange auf meiner Besuchsliste. Steht doch ein erfahrener Koch mit Auszeichnungen (17 GM, 1 Michelin) am Herd. Sehr freundlicher Empfang durch Personal und der Frau des Hauses. Auf unsere Platzwünsche wird mit professioneller Selbstverständlichkeit eingegangen. Wir haben das Tagesmenu mit kleinen Änderungen bestellt. Zum Aperitiv und als Amuse-geules werden viele winzige Kleinigkeiten aufgetragen, u.a. Bretzelchen, süss-salzig geröstete Kürbiskerne, ein Schraubdeckelgläschen mit 10 ml hausgemachtem Ziegenmilchjoghurt, eine winzige Minibulette auf winzigem Auberginen-gemüse, ein Ministück Edel-Schwartenmagen (mit Gänseleber), ein Fetzchen Kalbfleisch mit Thonsauce, ein haselnussgrosses Stück weisses Tomatensorbet auf einem gleichgrossen Tomatenriemchen. Alles in puppenstubenhaften Portionen und winzigen Geschirrchen. An den Nebentischen Aaah… und Oooh… Bei uns eher Ratlosigkeit und Konsternation.

Einen einzigen, dafür herzhafteren Gruss aus der Küche (zB den Schwartenmagen, der wirklich herausstach) hätten wir vorgezogen. Genuss verlangt nach Bestätigung und Wiederholung und das ist bei diesen Portiönchen nicht möglich. An der servierten Zusammenstellung konnte ich ohnehin keinen tieferen kulinarischen Sinn entdecken.

Vorspeise: Vier Variationen zum Thema Gänseleber. Terrine, Praline auf einer ungesüssten Crème brulée, dann gebraten sowie roh mariniert. Alles sehr gut zubereitet. Wiederum sehr kleine Portionen, wobei ich hier aufgrund des Produktpreises Verständnis aufbringe. Die dazu gereichten Briochescheiben viel zu buttrig-fett geraten.
Hauptgang: ein Stück Kalbsrücken mit Gremolata und Rosmarinjus. Gummelistunggis. Das Fleisch perfekt gegart, saftig, zart, der Jus gut. Der Gummelistunggis ist die grosse Spezialität des Hauses, Kartoffelpüree im Glas serviert, mit Milchschaum getoppt. Das Püree wird mehrfach durch ein Sieb getrieben. Sehr fein und cremig, ein bisschen klebrig war es aber schon, wir haben es lieber leicht.
Käse: ein Riemen Schweizer Brie, serviert mit Honig und einem Stücklein Tarte aus eingekochten Birnen. Eine nette Kombination.
Dessert: Blätterteig-Millefeuille mit Aprikosen und Mandeleis. Zum Kaffee ein Teller Friandises.

Fazit: Franz Wiget kanns schon. Schade um das Puppenstuben-Theater. War das nicht vor Jahren mal Mode ? Oder sind Frau und Herr L. ausser Mode ? Leicht möglich.
Zuger KirschtörtliImmerhin, das von uns anschliessend in der Confiserie Zumbach in Unterägeri verspiesene, köstliche Zuger-Kirsch-törtchen, eingelegt in eine Plasticschale und deshalb nicht ausgetrocknet, hat uns mit den Urkantonen wieder versöhnt.

(Das Bild “Restaurant Adelboden” stammt von Steinen-online)

7 Gedanken zu “CH-6422 Steinen: Restaurant Adelboden”

  1. Ein schöner Bericht. Aber was heißt “Gummelistunggis” übersetzt? Das Kirschtörtchen nehme ich auch. Und bitte auch ein Stück Birnentarte mit Käse. Vielleicht einen gehobelten Tête de Moine? Stelle ich mir noch schmackhafter vor.

  2. @zorra: reserviert.

    @Claudia: Gumelistunggis: Gumeli = Innerschweizerisch für Kartoffeln. Stunggen=pressen, drücken. Beides zusammen= Kartoffelpüree. Das mit dem reifen Brie war schon ok.

  3. Küche im Puppenstubenformat: Leider leiden immer noch viele Köche unter Mutipler Amusebouchitis und dem funktionellen Variationssyndrom. Zum einen läßt sich so Großzügigkeit vor dem Gast demonstrieren, zum anderen Zaghaftigkeit kaschieren: In der Miniportion schmeckt alles zumindest “irgendwie interessant”, weils so neckisch anzusehen ist und nach einem Haps im Mund verschwunden, auch eben Kreationen, die so eigentlich nicht stimmig sind und funktionieren. Wer eine “normale” Menuportion von irgendwas vorgesetzt bekommt, weiß erst nach ein paar Gabeln, ob das Gericht funktioniert oder nicht. Wer nur ein Spielzeugportiönchen erhält und dann rasch ein anderes und noch eins, verliert den Überblick.

  4. @duni: Danke für die Unterstützung. Einen Moment lang war ich ganz verunsichert. Das wars dann wieder einmal für lange Zeit bei Edelköchen. Mein Rosmarinjus am Sonntagsbraten war auch besser.

  5. Da schaut man ein paar Tage nicht bei den lamiacucina’s rein, und, schon ist alles anders! Gefällt mir gut das neue “Gewand”, der Inhalt ist zum Glück unverändert bis stark verbessert…..
    Das Sorbet hätte ich auch gerne, und, nein, Ihr seid nicht altmodisch, ich kann das auch nicht ab…..Komisch, da doch die Bistros mit der Terrine gleich auf dem Tisch im Kommen sind….

    Robert, Geduld, über den Pass dauert’s halt länger….

  6. Wahrscheinlich hätte das Ehepaar Wiget nicht so viele Punkte und diese Adresse wäre wohl nicht seit Jahren ein derartiger Dauerbrenner, wenn das dortige Kulinarische Highlight ein Puppenstübchen Theater wäre. Es ist nur für jene, welche dies wollen und auch schätzen. Braucht halt etwas geniesserische Fähigkeiten und die Dankbarkeit für feines Essen aus gehobener Künstlerhand. En Guetä.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s