Hääfelimärt und Magenmorsellen

Karussell Petersplatz
Die Basler Herbstmesse hat eine sehr lange Jahrmarkts-Tradition. Am Reichstag in Regensburg 1471 gewährte Friedrich III, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation einer Basler Abordnung das Privileg, dass die Stadt je eine Messe im Frühjahr und im Herbst abhalten dürfe. Verbrieft auf ewige Zeiten. So geschah es denn bis heute. Sie beginnt jeweils 14 Tage vor dem Sankt Martinstag. Auch wenn der lärmige Jahrmarkstrummel längst auch hier Einzug gehalten hat, so gibt es doch noch eine Nische, die ihren Liebreiz erhalten hat. Der Markt auf dem Petersplatz. Gemüseraffeln, Putzmittel, Buchantiquariate, gebrannte Mandeln, Würste, Lebkuchen, Weihnachtsmitbringsel, warme Wollwaren, Gebasteltes, Magenmorsellen, Springerliformen und der Hääfelimärt (Chachelimärt). Hier mein Messebericht.

Frittenbuden, Wurststände, Frühlingsrollen und dergleichen lassen wir mal beiseite. Kulinarisch interessieren mich eher die Erinnerungen an meine Kindheit, als da sind:

Magenmorsellen Magenbrotreklame auf Lebkuchen
Rosenkiechli Türkischer Honig

Magenmorsellen. Seit über 100 Jahren werden sie hier von der gleichen Familie angeboten. Eine Art Fondant-Zuckermasse, aromatisiert von Bergamotte bis Zimt, in allen Farben des Spektrums, in Formen gegossen, dann in viereckige Plättchen geschnitten. Absolut wirkungslos bei Magenbeschwerden. In früheren Jahrhunderten wurden die Magenmorsellen dazu benutzt, unangenehm schmeckende Kräuterpulver in eine gut essbare Darreichungsform zu bringen. Echter werden sie noch in einer Apotheke in Lübeck hergestellt: aus Zucker, 15 Gewürzen und Kakao.

Magenbrot. Daran habe ich in früher Jugend all mein karges Messegeld verwendet. Leider findet man heute kaum mehr gutes Magenbrot. Zu trocken, viel zu süss, billiger Schokoguss. Irgendwann werde ich es selber versuchen. Anleitung gibt es ja hier (deutsche Version) und hier (Schweizer Version).

Rosenküchlein. Ein Teig aus Mehl, Eiern, Milch, Zucker und Salz wird mit Hilfe eines spezielles Modelleisens in Fritieröl ausgebacken, um die gewünschte Rosenform zu erhalten. Anschliessend wird mit Puderzucker überschneit. Ziemlich fett, da erleichtern weder Magenbrot noch Magenmorsellen.

Türkenhonig – Eine früher regenbogenfarbig gefärbte Nougatmasse, die mit einem Spachtel von einem Block heruntergeschabt wird. Die süsse Version eines Kebabs. Klebrig. Kaum mehr begehrt. Aber es gibt ihn noch.

Anis-Model (Springerle-formen) Flohzirkus

Und dann zum Hääfelimärt: Ein kurzer Strassenzug, in welchem ausschliesslich Geschirr, Keramik angeboten wird. Früher konnte man zu jedem Hafen, der des Deckels verlustig ging, ein mehr oder minder passendes Ersatzstück finden. Heute wird eher Auslaufware angeboten. Ein paar Impressionen:

vom Himmel hoch… China-Bone oder Steingut ?
getupft, zeitloser Tachismus. Kaffee-Kunst. Mehr Kaffee als Kunst.
Tomatensaison vorbei. Geschirr auch. Manufaktur Meissen Volksedition

Morgen Montag, 12. November ist Schluss am Petersplatz für dieses Jahr. Der Hääfelimärt schliesst einen Tag später.

16 thoughts on “Hääfelimärt und Magenmorsellen”

  1. Ich esse bei solchen Gelegenheiten immer ganz viel, besonders gebrannte Mandeln, Zuckerwatte, Bratwürste….Mit dem Ergebnis, dass es mir danach nicht so gut geht, da hilft dann auch kein Magenbrot mehr……UNd wenn man dann noch danach auf den Karusell steigt, ist alles aus……

  2. Schööön! :-)

    Jetzt habe ich das Gefühl, dieses Jahr auf der mir bisher völlig unbekannten Basler Herbstmesse dabei gewesen zu sein. Auch von Magenmorsellen hatte ich noch nie gehört.

    Magenbrot liebe ich auch von früher, als es noch nicht so süß war und früher gab’s auch bei uns im Großraum Stuttgart auf den Jahrmärkten den türkischen Honig vom Block – der war unheimlich lecker, ich habe so etwas schon Jahre lang nicht mehr gesehen.

  3. ….soo lange will ich schon mal einen Ausflug nach Basel machen, zu all den Museen und überhaupt in die Stadt…. immer dachte ich, das muss im Sommer sein, nun muss ich doch im Winter kommen, zu diesem tollen Markt. Oder im Sommer mal und im Winter mal…. vielleicht gibt es einen “Geheimtipp” für eine preiswerte zentrale Übernachtung…? Viele Grüße Osteria – Petra

  4. schlechtes Wetter, Ihr sitzt alle am PC ?

    @Barbara: die Basler Herbstmesse ist die grösste in der Schweiz mit etwa 1 Mio. Besucher.

    @Ulrike: glaub ich, mein Vater war Apotheker und hatte ein gutes Rezept… und ich habs in jungen Jahren mal weggeworfen !

    @Lavaterra: und sonst helfen heisse Marroni oder Glühwein

    @Hedonistin: einmal im Jahr ist erlaubt.

    @Osteria: lieber im Winter. Nächstes Jahr ist Fussball-Euro, da spinnen alle. Die Museen hier sind wirklich sehenswert. Preiswert übernachten hier: Jugendherberge. Alter egal. schön, ruhig, zentral gelegen. Oder Easy Jet Hotel Teurer, weniger ruhig, kleine Zimmer, aber sehr beliebt. Vor Weihnachten gibts noch den Weihnachtsmarkt am Barfüsserplatz. Nicht Nürnberg, aber schön.

  5. Türkischer Honig jaaaa seit meiner Kindheit auf`m Oktoberfest! Leider auch hier immer weniger im Angebot und trotzdem so aus dem Pergamentpapier wo die abgeschabten Honigschnipsel dann so ballenartig zu einer Masse sich wieder verbinden,
    warum wird eigentlich nicht gleich ein Stück abgeschnitten? für mich Volksfest! eben die Freuden in Erinnerung und Gegenwart.
    Danke für den Bericht und die assoziativen Bilder!

  6. Wohoow, da gerät man ja ins Schwelgen, sogar bei den Dingen, die nicht mehr so sind wie früher. ;)
    Von Magenmorsellen hab ich auch noch nie was gehört. Und überhaupt, ich glaube, ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit meiner Tochter reden. Die ist seit über zwei Jahren Wahlbaselerin und hat mir noch nichts von diesem wunderbaren Jahrmarkt erzählt.
    Danke. Und Grüße von der Hex’ aus Berlin

  7. @Richard: als Block geschnitten steinhart, als Schnipsel auch steinhart, wenigstens mundgängig und klebrig. Das war immer so. Auf diesem Platz ist es noch so, wies einmal war. Die übrigen Messeplätze in Basel sind Rummelplatz.

    @hochhaushex: die hat vielleicht vom Türkenhonig gegessen und bringt die Zähne nicht mehr auseinander :-)

  8. ja gelblich und rosa so hat er ausgeschaut der türkische honig….und nicht so wie in allen rezepten die ich gesehen habe , mit mandeln un früchten.
    wo kann man den noch kaufen oder wo finde ich das rezept dazu ?
    mit freundlichem gruss

  9. Sali René
    du denkst dabei womöglich an Nougat, im richtigen “Dirggehonig” hats keine Nüsse.
    grüsse von einer Einheimischen:-)

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