Grütze all’Arance

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Hört sich ja seltsam an, Blutorangengrütze wäre verständlicher. Die norddeutsche Nationalnachspeise erhält von mir eine Schlankheitskur in Sachen Stärkekleister verpasst. Ob mein Rezept deshalb zur Völkerverständigung beiträgt, weiss ich nicht. Franz von einfachköstlich hat seine hübsche Idee mit einem kussfreudigen Model aus Frankreich und zwei guten antipasti in die Welt gesetzt. Mit einer entsprechend kussfreudigen Sizilianerin kann ich nicht aufwarten, ich musste mich mit der Grütze trösten. Doch: sowas von Trost !  zum Rezept

Als Kind hab ich die glibberige, froschlaichartige Tapioka ja nicht gemocht. Damals gabs noch kein wiki und ich konnte nicht wissen, dass die nahezu geschmacksneutrale Stärke aus der bearbeiteten und getrockneten Maniokwurzel hergestellt wird.
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Zutaten
für 4 Portionen
6-8 Blutorangen, je nach Grösse
2.5 dl Blutorangensaft (aus der Flasche)
1 Bio-Zitrone, die abgeriebene Schale der ganzen und der Saft der halben Zitrone
30 g Perl-Tapioka (oder Perl-Sago), gekörnt, nicht pulverförmig !
50 g Zucker (Süssheimer nehmen mehr)

Zubereitung
(1) 4 Blutorangen (pro Glas 1 Orange) mit einem scharfen Messer bis auf das Fruchtfleisch freilegen und die Filets herausschneiden. Filets beiseitestellen. Zwischenhäute ausdrücken, den ausgelaufenen Fruchtsaft auffangen.
(2) 30 g Perl-Tapioka mit dem Blutorangensaft aus der Flasche bei milder Hitze aufkochen und 5-10 Minuten leise köcheln lassen. Nur wenig umrühren, damit die Tapiokakörner nicht zerfallen. Vom Feuer ziehen. Ein paar Minuten nachquellen lassen, die Körner müssen durchgehend glibberig sein (probieren!). D.h. die Stärke muss im Innern der Perlen vollständig gequollen, die Perlen sollen aber noch aldente sein. Dann durch ein Sieb abgiessen und mindestens 2/3 des Stärkekleisters von den Perlen entfernen.
(3) 2 Blutorangen und eine halbe Zitrone auspressen, Säfte vereinigen (etwa 200 ml) und mit den gequollenen Perlen mischen, nochmals kurz erwärmen, gut verrühren aber nicht mehr kochen, die abgeriebene Zitronenschale und die Orangenfilets in die lauwarme Stärkesuspension geben, mischen, auf Raumtemperatur erkalten lassen und servieren.

Anmerkung
Der Trick mit dem Abfiltern eines Teils des Stärkekleisters führt zu einer leichten Grütze, das kann individuell gesteuert werden, indem man beim Abseihen mehr oder weniger Kleister bei den Perlen belässt. Die Grütze soll nur eine leichte Stärkebindung erhalten, dafür dürfen sich darin viele gequollene Tapiokakörner tummeln. Die Orangenfilets und die Zitronenschale koche ich nicht mit, das erhält dem Dessert die Frische. Der Idee zu diesem Dessert liegt mein Lieblings-Orangendessert zugrunde. Das Titelfoto ist ungeschönt. Das Dessert ist einfach der Sonne im Wege gestanden.

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13 thoughts on “Grütze all’Arance”

  1. Gute Idee!!!!

    Ich liebe Topiaca, und finde es witzig, wenn man dann auf die kleinen Kügelchen beisst.
    Na, das ist doch ein sehr gutes Gericht für JN und mich! Ohne Sahne, Butter etc.

    Wird sicherich ausprobiert, Tapioca habe ich im Haus!

  2. Und ich bin gestern beim EInkaufen an den Blutorangen vorbeigegangen… Tapioka habe ich nämlich auch im Haus…
    Sieht wirklich toll aus!
    Viele Grüße

  3. Das Wort “Grütze” mag ich nicht so… aber sonst ist das Dessert ein sonnendurchfluteter Traum!

    Bei uns hat es Schneematsch, da sehnt man sich nach solch einem Trost – da braucht’s auch keine kusswütigen Sizilianer/-innen… ;-)

  4. Das ist ja ein gutes Zeichen!!!!

    Aber, ich kann Frau L. auch gut verstehen, ich glaube, ich werde nach meinem molukar-Experimenten auch wieder auf Tapioca zurückkommen…..

  5. Ich liebe Tapioka – sieht niedlich aus, weckt ferne Kindheitserinnerungen an Perlenfädeleien und fühlt sich im Mund ulkig an. :-)

    Das Foto ist toll! Sommer pur.

  6. In Italien habe ich mal einen ähnlich tollen Blutorangennachtisch gegessen, der den Stärketräger wegläßt und noch viel einfacher zuzubereiten ist: In ein Glas jungen, kühlen Rotwein wirft man die frisch geschälten Spalten einer Blutorange und löffle das ganze mit Genuß, weitere Zutaten sind nicht notwendig.

  7. @Petra: halbsoschlimm, Blutorangen sind jetzt gerade schön rot und bleiben es noch ein paar Wochen.

    @Cascabel: meine lichtschwache Billigkamera ist vom Sonnenlicht abhängig. Gelegentlich muss ich mir mal was Besseres kaufen.

    @Barbara: an die Sizilianer hab ich gar nicht gedacht :-)

    @Hedonistin: das ist es, genau.

    @duni: wird gleich ausprobiert, wenn ich darf ? Orangen wären noch da und Wein sowieso. Kannte ich nur mit frischen Pfirsichspalten.

    @kulinaria: Morgen solls regnen und schneien, damits mir nicht zu wohl wird.

    @Sivie: bei mir wärs auch fast gescheitert. So ist aus Sago Tapioka geworden.

    @Ulrike: ich hab auch noch ein Küchenbehältnis mit dieser Aufschrift. jetzt sind Maggi-würfel drin. Im Supermarkt hab ich eben Tapiokawurzeln gesehen. Wüsste aber nicht was damit anstellen.

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