Salsa verde L.

Kräuter, wilde Mischung
Kräuter: wilde Mischung

Warum ich unsere “Salsa verde L.” der Frankfurter Grien Soss vorziehe ? Hat man von Geheimrat Goethe je gelesen, dass er sich nachts über den Kühlschrank hergemacht und einen halben Topf Grien Soss nackt, ich meine ohne jede Beilage – Er vermutlich schon mit Schlafrock bekleidet – gegessen hätte ? Hat man nicht. Von mir und unserer Salsa verde L. hingegen liesse sich solches berichten. Das “L.” steht übrigens nicht für Carl von Linné, der die Grundlagen der modernen botanischen Taxonomie geschaffen hat, sondern für Frau L., welche die Sauce, basierend auf einem Frühwerk der Marianne Kaltenbach, hierorts eingeführt hat. Eine undogmatische Sauce, zu Fleischwurst, kaltem aufgeschnittenem Kalbsbraten-, Tafelspitz, zu harten Eiern oder als Brotaufstrich oder als Universalsauce zum sommerlichen Picknick. Oder, ganz einfach mit dem Löffel, vorzugsweise nach Mitternacht, im Pyjama.

Zutaten
2 harte Eier
2-3 gehäufte Tlf. Moutarde de Meaux (Körnersenf)
3-4 Umdrehungen Meersalz
6 Umdrehungen weisser Pfeffer
6 Elf. natives Olivenöl
2 Elf. bester Rotweinessig, kein Balsamico
1 Elf. Rotwein
1 Büschel glatte Petersilie
1 Bund Schnittlauch
1 grosse, junge Knoblauchzehe
1/2 rote Zwiebel oder eine Schalotte
Kräuter was der Garten her gibt, völlig unpuristisch:
sehr empfohlen:
ca. 5-10 Blättchen Estragon
ca. 5-10 Blättchen Minze
2 Zweige Basilikum
fakultativ:
Pimpinelle (Wiesenknopf), wenig Selleriekraut, wenig Liebstöckel etc.
1/2 Tlf. Herbes de Provence, oder etwas frischen Thymian, Majoran.

in der Saucière
in der Saucière

Die Sauce schmeckt jedesmal etwas anders, je nach den verwendeten Kräutern, aber jedesmal toll.

Herstellung der Saucenbasis, beobachtet von Graf von Salis-Zizers
Herstellung der Saucenbasis, beobachtet von Graf von Salis-Zizers

Der freundlich lächelnde Herr mit der Allongeperücke auf der Essigflasche ist übrigens Giovanni Salis-Zizers, der mit dem Palazzo in Tirano.

Zubereitung
(1) In einem hohen Mixbecher die grob zerteilten harten Eier, Öl, Essig, Wein, Salz und Pfeffer kurz durchmixen. Das gibt die Saucenbasis.
(2) Zwiebel und Kräuter (die Blätter) mit einem scharfen Messer fein schneiden, das Hacken überlassen wir den Fernsehköchen und in die Saucenbasis einrühren. Knoblauch pressen. Nicht mehr mixen, sonst gibts Kräuterbrei.
(3) Die fertige Sauce nochmals abschmecken, dann etwa 2 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Am andern Tag wird nichts mehr da sein, Serviervorschläge erübrigen sich dadurch.

nicht mit der Sauce kleckern, klotzen !
nicht mit der Sauce kleckern, klotzen ! Lieber am Fleisch sparen

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28 Gedanken zu “Salsa verde L.”

  1. Ist irgendwo so mittendrin, zwischen salsa, Frankfurter, Béarnaise und was weiss ich!

    Ob ich nachts dafür aufstehe weiss ich aber nicht, ich bin dann doch zu faul……….

  2. tatsächlich ein bild für götter (und weniger eins für den herrn geheimrat), sich Dich nachts mit dem finger im saucentopf vor dem kühlschrank auszumalen. eine sauce die das vermag, muss jedenfalls probiert werden. wir machen uns schon mal ans nachkochen.

  3. @Gay: its an easy recipe that can be translated electronically. Sorry.

    @mipi: schmeckt tagsüber nicht minder gut.

    @Dandu: da muss ein Missverständnis vorliegen :-)

    @Bolli: Wecker stellen !

    @sammelhamster: Estragon tut auch Fischen gut.

    @Eva: Warst Du das, die die letzte Portion geklaut hat ?

    @Klara: Löffel ? das Fleisch durch die Sauce ziehen, geht ohne Löffel.

    @genussmousse: kräftig Kräuter reinhauen.

    @kochundbackoase: Kartoffeln, an die habe ich nicht gedacht, aber dazu passt sie auch.

  4. und im Gegensatz zur Franfurter Version ohne saure Sahne – der Chefkoch wird begeistert sein ;-)
    Ich danke (mal wieder) für die tolle Anregung!

  5. Schön ich habe neulich schon überlegt, was ich mit den gut wachsenden Kräutern im Garten anstelle. Du hast nicht zufällif noch eine Massenvernichtung von Salbei auf Lager?
    Liebe Grüße

  6. @Marcie: ich lass den Chefkoch grüssen. Übrigens keine schlechte Idee, die fertige Frankfurter Kräutermischung in die Basissauce zu häckseln.

    @Petra: unsre Salbeiverwertung besteht aus Einfrieren, Die schönsten Blätter auf einem beschichteten Kuchenblech ausbreiten, einfrieren, danach in einem Tiefkühlbehälter eingefroren aufbewahren. Dann hat man im Winter jederzeit schöne Blätter für Salbeibutter oder zum Umwickeln von Schnitzeln etc. Es kommt nur selten vor, dass mal eines beim Auftauen schwarz wird.

  7. seit 2 stunden im kühlschrank, allerdings mit weniger senf und mehr minze, absolut der hammer.
    vielen dank!

  8. hmm … dachte pimpinelle und wiesenknopf sind unterschiedliche pflanzen … hmm
    aber die sauce wird definitiv ausprobiert nach dem nächsten marktbesuch!

  9. Zum Salbei: Der ist auch im Winter noch gut und genügend zu ernten, da brauche ich keinen einfrieren und soviel Salbeischnitzel kann ich auch nicht machen… Aber Salbeibutter wäre eine Möglichkeit…
    Danke und liebe Grüße

  10. @andreas: Geheimrat Goethe hätte das Gleiche vielleicht anders formuliert :-)
    An diesem Rezept darf frei geschraubt werden, meine Version ist senflastig, oft werfe ich viel mehr Kräuter rein.

    @aniko: Bei Wiki gilt der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor) als eine Pflanzen-Art aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist auch unter den Namen ..u.a. Falsche Bibernelle, Rote Bibernelle, Wiesenbibernelle, Kleine Bibernelle, Welsche Bibernelle, Gartenbibernelle, Pimpinelle oder Pimpernelle bekannt. Der Bibernell dagegen ist ein Doldenblütler. Copy/paste ist eine nützliche Erfindung :-)

    @Petra: bei uns erfriert er immer, drum die Einlagerung.

  11. Wunderschön in Szene gesetzt, wie bei Dir gewohnt – und draußen wächst gerade eh alles, was rein kann, üppigst – fehlt bei uns dann nur der Kühlschrank, aber auf den kann man ja nach Deiner Beschreibung auch verzichten – nächtliche Ausflüge in die Vorratskammer bei Vollmond (und ohne Pyjama) könnten ihn erübrigen:-)…

  12. Beste Grüße von meiner Frau Mutter, die Ihnen herzlichst für dieses Rezept dankt. Sie liest Ihr Blog mit großem Vergnügen (wie ich übrigens auch) und war gestern am Telefon hin und weg von der Salsa, die sie nachgekocht hatte. Meine Mutter servierte dazu geräucherte Pute in Scheiben, die sie im Ofen nochmals leicht erwärmt hatte, es war himmlisch, deutete sie an.

  13. Epilog: Eine gute Hühnchenbrust in der Soße ca. 3 Stunden marinieren lassen, bei mittlerer Hitze von beiden Seiten kurz anbraten und dann 30 Minuten ca. 100 grad Umluft geben. Um jetzt mit Goethe zu sprechen: Ganz heiliger Genius versinck ich vor dir :)

  14. @Iris: es geht auch ungekühlt.

    @Herr Paulsen: Danke ! kann ich mir gut vorstellen.

    @andreas: die Sauce als Marinade zu verwenden, wäre mir nicht eingefallen, dabei ist doch so naheliegend. Danke für den tipp.

  15. Jauchzet, frohlocket – wieder so ein Hammer.

    Auch wenn ich die Grie Soß verehre und Goethe mein allerlieblingster Liebling ist, so kann, darf und will ich Dir nicht vorenthalten, dass der Goethe gar nicht zum nicht vorhandenen Kühlschrank gehen konnte – dafür war er nachts viel zu besoffen, weil er doch literweise den Wein in sich hineingeschüttet hat.

    Ich könnte glatt schwach werden und dieser Salsa eine Paltz im Saucenolymp gleich neben der Frankfurter… aber nein, das wäre ein Beleidigung. Für die Salsa, ich muss es leider zugeben.

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