Bergwandern mit lamiacucina

Wanderwege
Wanderwege

Ferien am Meer: Sonnenbaden, Schwimmen, Faulenzen. Eine Selbstverständlichkeit. In den Bergen gilt das alles nicht. Hier herrscht der unausgesprochene und von allen stillschweigend akzeptierte Zwang, jeden Tag Wanderwege begehen zu müssen, Bergspitzen zu benennen oder schlimmer noch, zu besteigen. Schlechtes Wetter gibt es angeblich nicht, also wird das Wanderritual auch bei schlimmsten Unwettern abgehalten. Hier meine Erfahrungen und Impressionen aus den letzten Ferien:

1) Einer reichhaltigen Verpflegung ist grösster Wert beizumessen. Spaghetti, wie diese ein Meter langen aus Poschiavo, haben sich als Wanderproviant bei uns nicht bewährt. In Bergbahnen, Engpässen stösst man damit immer an und wenn sich der Hunger meldet, sind weder Wasser noch Kessel noch Feuer zur Stelle.

Spaghetti Giganti
Ungeeignet: Spaghetti Giganti

Zweckmässiger sind Wurstbrote: hier meines mit Salami und Bresaola und Butter. Noch besser Alpsennereien, in denen frische Milch und Alpkäse im Überfluss vorhanden sind.

Wurstbrote
sehr gut: Wurstbrote
Alpsennereien
ideal: Alpsennereien

2) Wandern in Berggebieten ist mit grossen Gefahren verbunden. Ständig ist man von Bergstürzen, Schnee- und Schlammlawinen bedroht. Frau L. hat grosses Glück gehabt, als die vielen Felsbrocken haarscharf neben ihr niederkollerten.

Achtung Bergsturz
Achtung Bergsturz
Frau L. verdutzt im Steinhagel
Frau L. verdutzt im Steinhagel

3) Das Auftreten einer Fata morgana ist nicht nur auf heisse Wüsten beschränkt. Das Phänomen wird auch in den Alpen beobachtet und kann Wanderer vom rechten Weg ab und in die Irre führen:

Fata Morgana in den Alpen
Fata Morgana in den Alpen

4) Lila Weidezäune bedeuten nicht unbedingt, dass auf der Weide lila Kühe anzutreffen sind. Die farbliche Ausbildung weidender Kühe ist oft enttäuschend eintönig und grau:

lila Weidezaunhalterung
lila Weidezaunhalterung
grau die Realität
grau die Realität

5) Das Auftreten von Alpenblumen am Wegesrand kann auch dem einfachen Wanderer als Sehtest für aufkommende Farbenblindheit dienen. Zulange sollte man sich aber nicht mit der Farb- und Namensbestimmung aufhalten, der Marschplan ist auf alpinen Wanderungen strikte einzuhalten, will man die letzte Seilbahn nicht verpassen.

gelber Enzian
gelber Enzian
blaue Alpenveilchen
blaue Alpenveilchen

6) In den Bergen können Hochgebirgspfade plötzlich und ohne Ankündigung gesperrt sein. Ärgerlich, wenn man 1 Stunde unterhalb des Piz Palü plötzlich ausgesperrt wird und unverrichteter Dinge wieder umkehren muss. Vorzuziehen sind deshalb einfache, breit angelegte, ebene Wegstrecken.

Wanderweg zum Gipfel gesperrt
Wanderweg zum Gipfel gesperrt
0 % Steigung
Viel bequemer: 0 % Steigung

7) Der ungeordnet herumliegende Steinreichtum der Berge wirkt verstörend. Würde jeder Wanderer (wie ich) nur ein paar wenige Steine aufheben und sie andernorts geordnet zu Türmchen aufschichten, sähe die Alpenwelt ordentlicher aus.

vom Chaos
vom Chaos
zur Ordnung
zur Ordnung

(8) Nach spätestens einer Stunde Wanderzeit ist ein Marschhalt auf einer geeigneten Sitzgelegenheit einzuplanen. Aussichtspunkte sind zu bevorzugen, die dann gegen zudringliche Fremde durch Auslegen von Rucksäcken und  Wurstpapieren  verteidigt werden müssen.
Nach spätestens zwei Stunden werden vernünftige Wanderer ein Ziel festgelegt haben, an welchem Kaffee und ordentliche Kuchen angeboten werden. Unscharfes Sehen ist ein Zeichen für Überanstrengung und bedarf zweier Tage Ruhe.

Sils
Europas zweitschönste Sitzbank: Sils
Patisserie bei Kochendörfer
Patisserie bei Kochendörfer

Wer seriöse Bergwanderungsbeschreibungen lesen möchte, liest besser bei der Genussmousse-Crew.

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15 thoughts on “Bergwandern mit lamiacucina”

  1. Herrliche Bilder von deiner Wanderung in den Bergen, da zieht es mich wie ein Magnet auch dorthin, aber vorher werde ich mir Tipps und Tricks von dir einholen.

    Am schönsten und am passendsten aber das Bild

    con gli spaghetti giganti – perfetto,

    auch beim Wandern denkt lamiacucina schon an das, was als nächstes im Kochtopf sein Dasein fruchten wird.

    Buon apetito ! ;)

    P.S. Bewegung tut gut, gell :?:

  2. Wie immer, in jeder Beziehung köstlich – hat hatte ich einen Augenblick Angst um die gute Frau L. – aber sie war so prima getarnt, dass die Brocken sie nicht fanden, gell? Konntest Du ihr, Spaghetti als Hebel nutzend, die Steine aus dem Weg räumen? Gut, dass die Kohlenhydratspeicher nach diesen Anstrengungen an diversen Orten aufgefüllt werden konnten. Beim nächsten Mal komme ich mit, laufe vor und reserviere schon mal die Bänke.

  3. Welches ist Europas schönste Sitzbank? jetzt hast du mich neugierig gemacht…! Wunderschöne Bilder, wo ist das? – Da wären wir gerne mitgewandert, hätten auch was zum Proviant mit beigetragen :-)

  4. Vielen Dank für diese pointierte Zusammenfassung. Sie hat mich darin bestätigt, dass meine vor Ewigkeiten getroffene Entscheidung, um Berge einen möglichst großen Bogen zu machen, höchst vernünftig war. :-)

  5. VORSICHT: wenn Ihr noch zwei, drei mal losmarschiert, packt Euch die sucht (von hinten und unerwartet)! dann müsst Ihr plötzlich auch mindestens jedes wochenende irgendwo hinauf. im fortgeschrittenen stadium nimmt sich mensch dann bei schönwetter sogar wochentags frei, um der wanderlust zu frönen. ja, ja, so ein ausflug kann weitreichende folgen haben.

  6. @Barbara: hab ich mir gedacht, Du isst auch gerne Torten.

    @Sivie: wir auch.

    @ultraistgut: Bewegung tut schon gut, aber als Affe klettert man lieber als dass man läuft.

    @Jutta: die Gesteinsbrocken sind eine Panzerabwehrsperre der Schweizer Armee gegen Alarichs Westgoten :-) Die Spaghetti dienen zum Brückenbau bei der Überwindung reissender Bergbäche. Danke fürs Reservieren der Sitzbänke, ich teile mit Dir mein Wurstbrot.

    @Eva: im Oberengadin, die zweitschönste Bank steht auf der Halbinsel in Sils. Die Schönste im Tessin beim Abstieg von Carona herkommend nach Morcote.

    @Hedonistin: ein weiser Entscheid, den man am Fuss des Kahlenbergs bei einem Heurigen feiern sollte.

    @Marcie:
    @Petra:
    das gäbe eine lustige Seilschaft, ich bin weder schwindelfrei noch trittsicher.

    @reibeisen: keine Angst, die Sucht nach etwas Essbarem ist stärker und nach 2 Stunden Wandern ist für uns Schluss, da packt uns keiner mehr.

  7. Ich gehe supergerne bergwandern. Nur müssen wir dieses Jahr im Urlaub auch irgendwie das Kind mit auf den Gipfel bekommen… Mal sehen, wie das dann funktioniert… Ich werde berichten…

  8. Am besten, von den genialen Schluchtstopperspaghetti mal abgesehen, gefallen mir ja die Kühe im Eselskostüm. Ob die wohl nachts ein Bärenfell anziehen?

  9. @rike: Traggestell und Dein Mann als Sherpa :-)

    @entegutallesgut: mitten in Wien gibts doch keine Esel !

    @Der grüne Tisch: das würde zumindest die vielen Bären erklären, die bei uns durchziehen.

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