Potage Malakoff

Potage Malakoff

Weit hat ers gebracht, der Sohn einfacher, tschechischer Eltern, Aimable Pélissier. Erst Lieutenant, Aide-Major, Major, General, Generalstabschef, später Oberbefehlshaber der französischen Truppen während des Krim-Krieges (1853–1856), in welchem der Versuch Russlands, sein Gebiet auf Kosten des zerfallenden Osmanischen Reiches zu vergrößern, durch allierte Truppen (Türken, Franzosen, Engländer, ab 1855 auch Piemont-Sardinien mit einigen Schweizer Södnern) vereitelt wurde. 1855 eroberte er nach verlustreichen Kämpfen die Festung Fort Malakow (franz. Malakoff) vor Sewastopol. Potage Malakoff Aimable_Pelissier

Nach Frankreich zurückgekehrt wurde er zum Marschall von Frankreich, später zum Duc de Malakoff geadelt. Höhepunkt seiner Karriere (aus meiner Sicht) war die Verwendung seines Namens für diverse kulinarischer Spezialitäten. Eine davon das Malakoff-püree, bzw. die Malakoffsuppe, einer Suppe, die ihre Bindung durch Purieren der Hauptbestandteile (Kartoffeln, Gemüse) erhält. Wir essen derzeit fast jeden Abend Suppe. Bewährtes Schlankheitsmittel gegen Weihnachtsspeck, füllt den Magen. Andererseits verunmöglicht der Lärm im Haus und die häufigen Fluchtabwesenheiten im Moment einen geregelten Kochbetrieb. Deshalb schnelle Küche.

Zutaten
für 4 Portionen
500 g Kartoffeln, geschält (Nachtrag: festkochende)
400 g Champignons, gewaschen, geschnitten (ich habe nur 250 g verwendet)
1 Zwiebel, gehackt
1-2 Elf. Butter
2 Elf. Tomatenpüree
100 g Blattspinat (meiner tiefgekühlt)
1 l Gemüsebrühe
2 dl Rahm (habe ich weggelassen, beisst sich mit dem Weihnachtsspeck)
1 Prise Salz
1 Prise Pfeffer aus der Mühle
etwas frischen Basilikum
etwas frischen Majoran (anstelle der beiden Kräuter habe ich Anna Fornos Kräuterpaste verwendet)

Garnitur: Kräuter, Cherry-tomätchen geviertelt (waren bei mir alle, ich habe einen halben Peperoncino verwendet) sowie 2  Champignons.

Potage Malakoff ungemixt

Zubereitung
(1) Zwiebeln in Butter leicht andünsten, Kartoffeln und Champignons (2 schöne beiseite legen) zugeben und weiterdünsten. Tomatenpüree beifügen und mitdünsten, dann mit der Gemüsebrühe auffüllen.
(2) würzen und etwa 30 Minuten weichkochen, am Schluss die Kräuter dazugeben. Die Suppe in einem Mixer fein pürieren. Durch ein Sieb in die Pfanne passieren, aufkochen lassen und den Rahm unterziehen. Abschmecken.
(3) Spinat grob hacken, in wenig Butter anziehen und unter die Suppe ziehen.
(4) Anrichten und garnieren mit Kräutern, lamellierten Champignons und Tomätchen.

Anmerkung
Eine dicke, kräftige und doch feine Gemüsecreme. Das Rezept hab ich von hier. Im Rezept meiner Quelle soll der Spinat angeblich mitgemixt werden, was aber nicht stimmen kann, da die Suppe sonst grau-braun würde und bei einer Malakoffsuppe auch nicht üblich ist. Ich habs gerade noch gemerkt und konnte ihn grösstenteils wieder herausfischen :-) Rezepte, bei denen food-stylist und Autor in verschiedene Richtungen losgehen, sind für den Leser ärgerlich.

Neben der Malakoffsuppe wurde dem Feldherrn noch die Malakofftorte gewidmet. Von Schweizer Södnern, die im Krimkrieg mitwirkten, sind die Käsebeignets, die Malakoffs, auf uns gekommen.

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29 Gedanken zu “Potage Malakoff”

  1. Die Suppe kommt mir gerade recht, bei diesem kalten, unfreundlichen Wetter ist so eine wärmende Suppe am Abend eine Wohltat!
    Bisher kannte ich nur die Malakofftorte, das hat sich jetzt geändert. Danke!

  2. @Rosa: j’aime les recettes avec histoire.

    @Eva: ja, heute gibts Mehlsuppe.

    @Bolli: in den Kantinen der Schulen des Städtchens Malakoff gibts heute:
    Betterave vinaigrette
    Rôti de veau au jus, Frites/Patatoes
    Yaourt velouté fruits Clémentine
    In dieser Vorstadt wird Kultur gelebt !

    @sammelhamster: Ende Februar soll in den Rohbau eingezügelt werden. Dann ist hoffentlich Schluss mit dahinvegetieren.

    @Ursula: Gemüsecremesuppen sind ja nicht gerade unbekannt in Mitteleuropa, aber die Spinatfetzchen passen gut zum Geschmack der Champignons.

    @mipi: Paris war damals ein beliebter Aufenthaltsort für reiche Russen.

    @musi: Guten Appetit an die stillen Mitleser der Familie Musi :-)

    @Nathalie: auch diese Creme darf frei mit dem Inhalt des Kühlschranks variiert werden. oft wird noch Lauch dazugetan.

    @nina: denk an die tszahnlosen :-)

  3. Bei dir gibt es ja jetzt wirklich eine Suppen-Reihe! Sieht gut aus und ich mal gebunkert für den Fall, dass hier jemand eine außergewöhnliche Suppe möchte.

    Gute Nerven und Durchhalten gegen den Lärm!

  4. Bei mir gibt es ja auch gerade eine eher unfreiwillige Suppenreihe – aber eine andere Frage: ich habe irgendwann mal gelernt, dass man eine Kartoffelsuppe nicht zerzauberstaben soll, da sie sonst eher wie angerührter Kleister schmecke. Kann man hier denn gefahrlos pürieren?

  5. @Petra: langsam habe ich genug, nun wird auch noch die Abwasserleitung mit Einleitungsrestriktionen saniert und mir das tägliche Bad vermiest.

    @nina: nach langem nachdenken hab ich die Lösung gefunden, nicht mixen, dann sieht sie so aus, wie im zweiten Bild :-)

    @kochschlampe: das ist richtig für Kartoffelpüree und mehligkochende Kartoffeln. Dabei werden die Zellwände aufgebrochen, die Proteine herausgelöst, die sich zu klebrigen Ketten zusammenlagern. In einer Suppe sind die Scherkräfte jedoch geringer als in Püree, zudem hat ein Haushaltmixer, wie im Rezept angegeben, eine geringere Umdrehungszahl als der Zauberstab. Aus dem gleichen Grund benutze ich im Haushalt nur noch festkochende Kartoffeln, die viel weniger empfindlich sind auf Kleisterbildung. Das werd ich im Rezept noch nachtragen.

  6. werden die Kantinenmenüs der Pariser Vorstädte jetzt schon in der CH veröffentlich?

    Ich befürchte, dass es dort eher:

    carottes râpée
    steak haché et frites
    pudding

    gibt…..

  7. Ich würde wohl auch das Süppchen vom zweiten Bild nehmen. Und statt Spinat noch Kräuter, Kräuter, Kräuter hinein! Dann wird’s endlich mal richtig warm ums Herz.

  8. @Weinnase: bei einer Vichyssoise (Lauch+Kartoffel) unbedingt. Bei dieser rustikaleren form gehts auch ohne Sahne.

    @Bolli: das hab ich doch von der homepage der ville de Malakoff, die den ganzen Wochenmenuplan publiziert. Nicht dass Du die Metro dort hinaus nehmen müsstest…

    @Franz: mit unserer Nachschublogistik klappts derzeit nicht richtig, immer fehlt was.

  9. Hätt ich da jetzt Lust drauf! Allerdings könnte ich auf den rohen Peperoncino verzichten, obwohl es hübsch aussieht.
    Wenn food-stylist und Autor sich nicht einig sind, rege ich mich immer auf. Man denkt, man hätte das falsche Bild zum Rezept. Ist aber mit Sicherheit auch nicht so einfach wie man sich das vorstellt, mit so einem Kochbuch.
    Wie hast Du das Bild gemacht, ohne das die Linse beschlägt?

  10. @Sivie: bis jetzt hats noch nicht geholfen :-(

    @Poulette: der Peperoncino war nur Notbehelf nach dem griff in die leere Tomätchendose. weg von der Hitze, unterm Abzug, Kamera entfernt und herangezoomt.

    @Heidi: und Deine Malakofftorte !

    @april: es gibt viele Bauwerke die den Namen des lange umkämpften Fort Malakoff tragen. Massive Festungsbauten oder sogar bergmännische Fördertürme-türme. http://de.wikipedia.org/wiki/Malakow-Turm . Daran war unser Malakoff nicht beteiligt, im Gegensatz zum französischen Festungsbaumeister Vauban, der im 17. Jhdt. unzählige, nach ihm benannte Fortifikationen geplant und hinterlassen hat.

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