Wirsing-Marroni-Köpfli

Wirsing-Marroni-Köpfli 0_2009 03 14_9033

Der Markt schon voller Frühjahrsgemüse, Cicorino, Barba di frate, Grünspargel, Artischocken, Spinat, Salätchen, Flugspargeln. Das lässt mich alles eiskalt. Interessiert mich nicht. Der letzte, äusserlich schon etwas angetrocknete Wirsing muss es sein. Der und nur der. Schliesslich ruft Barbara zum Wirsing-event und der will beschickt werden. Frau L. schickt sich ebenfalls in ihr Schicksal, rückt sogar eines ihrer alten, guten Hausfrauenrezepte aus den 70-er Jahren heraus… hilft mir kochen, kurz, ein vegetarisches Wirsing-Köpfli, halb mit Marroni-Zwiebeln-Datteln, halb mit den Wirsingresten gefüllt. Das Köpfli war gut, mein Marronibrater zufrieden, dass ich nochmals eingekauft habe, in 2 Wochen stellt er auf Eis um; Frau L. zufrieden, weils ebensogut wie bei ihr geschmeckt hat und ich zufrieden, weil ich einen event abhaken kann. Soll einer sagen, Wirsing mache nicht glücklich. Aber nun Schluss damit, jetzt ist Frühling.

Wirsing

Zutaten
für 4 kleine Portionen als Hauptgericht, als Vorspeise zu gross
1 mittlerer Wirsing
250 g Marroni gebraten
2 Meedjol Datteln
1 mittlere Zwiebel
Salz, Muskatnuss, 1/2 Tlf. Piment d’Espelette
Puderzucker
300 ml Passata di pomodoro (zugekauft, meins ist alle)
40 g Butter

Wirsingkörbchen
Wirsingkörbchen
der Füllprozess
der Füllprozess

Zubereitung
(1) Vom Wirsing 8-9 schöne, grosse Blätter abschneiden, in kochendem Salzwasser ca. 8 Minuten blanchieren, kalt abschrecken und mit Küchentuch trocknen. Die dicke Blattrippe mit dem Messer abflachen. Den restlichen Teil des Wirsings (ohne Strunk) in 1 cm breite Streifen schneiden und etwas 5 Minuten blanchieren, dann kalt abschrecken und auf einem Sieb abtropfen lassen.
(2) Marroni schälen, 4 schöne Exemplare beiseitelegen, Rest grob cuttern oder hacken, Dattelen entkernen und in feine Würfelchen schneiden. Zwiebel fein schneiden.
(3) Zwiebel in heisser Butter leicht anschwitzen, aber nicht braun werden lassen, Marronibrösel und Dattelhack zugeben und gut vermischen. Würzen mit Salz, Muskat und Piment d’Espelette.
(4) 4 runde Kaffeetassen mit etwas Butter einfetten und die 4 grössten Wirsingblätter mittig einpassen. Marroni-Zwiebel-Dattel-Brösel in die 4 Tassen verteilen, dann die abgetropften, leicht ausgedrückten Wirsingstreifen, alles gut und satt in die Tasse drücken, mit den 4 kleineren Blättern abdecken, die noch überstehenden Blätter vom Rand her darüberklappen, satt andrücken, allenfalls herausgedrücktes Wasser abgiessen.

aufgeschnitten
aufgeschnitten

(5) Die Tassen in einen mit einem Tuch belegten und mit kochendem Wasser befüllten Bräter stellen, so dass der Wasserspiegel etwa 3/4 der Tasse erreicht. Nötigenfalls mit Untertellerchen beschweren. Im auf 150°C vorgeheizten Ofen (U/O-Hitze, Schiene 2) ca. 40 Minuten fertiggaren.
(6) Inzwischen die Tomatensauce erwärmen, die beiseitegestellten Marroni in wenig Butter und einem Stäuber Puderzucker glasieren.
(7) Mit der Tomatensauce auf vorgewärmten Tellern einen Spiegel giessen, die Köpfchen aus den Tassen stürzen und auf die Teller legen, Marroni auf den Kulminationspunkt legen.

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31 Gedanken zu “Wirsing-Marroni-Köpfli”

  1. Schön sieht aus – ich schaus gerne aus der Ferne an, denn Wirsing und Maronen – gar nicht meins. Brauche heute kein Asyl. Aber der Herr der Cucina würde sicher um Aufnahme bitten.

  2. sehr schönes gericht…
    besonders der abschluss mit dem Kulminationspunkt :-)

    kommt auf jeden fall in meine sammlung. ein schönes wochenende

    lg ute

  3. ich habe auch diese Woche bei Sonne und 20° den letzten verrunzelten Wirsing von Paris gekauft…..Maronen gibt’s schon lange nicht lehr hier………Mischung ist gut, mache ich gerne zu Wild!

  4. Ein echter Hingucker und erst der Kulminationspunkt! :-)

    Nee, im Ernst – schon toll, wenn das so als geschlossenes Etwas serviert wird und dann diese wunderschön geschichtete Füllung zum Vorschein kommt! Schmeckt mit den Marroni und Datteln bestimmt sehr lecker

  5. Der Maronibräter hat es bei seinem diesjährigen Winterumsatz doch sicher nicht nötig, auf sein Sommersortiment umzusteigen :-D .
    Aber gut, dass der Winter jetzt abgehakt ist – nächste Woche für mich bitte Barba di frate ;-)

  6. Oh ja, auf den Frühling warten wir hier auch schon. Wirsing zu bekommen war auch schon vor 2 Wochen noch eine Glanzleistung, 1 Bauer hatte den noch, alle anderen waren schon weg vom Wintergemüse und da war noch Ekel-Wetter. Aber angeblich soll es heute wieder schneien, soviel zum Winter-Vorbei.

  7. @kulinaria: ich sehe keinen Kopf :-)

    @Nathalie: solange du kochst wirst du wohl kein Asyl brauchen :-)

    @velvet: Danke :-) auch dir ein schönes WE.

    @Rosa: ja, das wars, delicious ist es überhaupt oft hier, wenn auch nicht immer.

    @Bolli: nach Wild ist mir im Moment auch nicht mehr.

    @Eva: die Handlichkeit ist in der Tat ein Vorzug gegenüber einem ganzen Wirsingkopf.

    @sammelhamster: das erste Riesenbüschel barba di frate ist schon verzehrt, muss mir erst ein neues Rezept einfallen lassen.

    @rike: die events machen ganz schön Sucharbeit.

    @Elisabeth: als Tropenhelm gäbe er zu warm.

    @Tobias: in Athen lebend würde ich mir am Omoniaplatz einen gerösteten Maiskolben kaufen und einfüllen :-) aber im Herbst.

  8. Das Ufo sieht fantastisch aus. Könnte auf dem Deckblatt eines Fooddesignbuches landen. Das Foto müsstest Du dem Maronibräter aber mal zeigen.

  9. Bei uns schneit es immer noch, da freut man sich über Winterrezepte, und bei einem so tollen bleibt einem fast die Spucke weg. Meine Verehrung!

  10. Da bin ich ja begeistert im Anblick dieser Aufopferungsfähigkeit. ;-)

    Bei uns ist es noch winterlich, da passen die Köpfli perfekt…

    Danke fürs Mitmachen beim Garten-Koch-Event!

  11. @Poulette: er wäre vermutlich entsetzt, was ich mit seinen Marroni anstelle. Marroni isst man doch einfach so aus der Schale.

    @multikulinaria: die Rezepte der Frau L. sind alle aus dieser Zeit, da waren wir noch jung bzw. jünger :-)

    @Sebastian: da garantiere ich für nichts :-)

    @Nathalie: um Asyl habe ich nachgefragt in Deinem Weinkeller. Wiewohl ich ein in den Keller runtergebrachtes Häppchen aus der Küche nicht ablehnen würde.

    @Buchfink: ich werde das Lob an die Rezeptgeberin weiterleiten.

    @entegut: wieder mal was Grünes :-)

    @Barbara: keine Angst, was Essen betrifft, bin ich leidensfähig.

  12. Sieht sehr köstlich aus! Was für ein Trick mit den Tassen … Bin mal gespannt was mich in Ungarn an Essen erwartet …

  13. Das sieht auch wieder verdammt lecker aus! So langsam glaube ich, dass ich bei Dir alles essen würde! Wirsing ist für mich sonst nicht mal eine Überlegung wert. Als Kind gab es bei uns zu Hause immer Kohl als Eintopf. Aber das sieht richtig lecker aus!

  14. @Anikó: da sind wir auch gespannt, die jüngeren und älteren Tanten werden sich doch sicher ins Zeug legen.

    @Heidi: die Marroni geben auch so genug Süsse.

    @SchnickSchnackSchnuck: Die Kopfnuss lässt sich drehen :-)

    @Elisabeth: zu spät, hätte ich vorher auf Dich gehört, bin heute auf dem Markt fast erfroren und jetzt ist eine Erkältung im Anzug.

    @nina: Wirsing geschädigtes Kind ? Das kann man, wie das Beispiel und sicher auch der event zeigen wird, leicht therapieren.

  15. WOW! Eine Klasse Idee das mit den Tassen! Fas ist ein feines Hingucker den man unbedingt seinen Gästen servieren sollte! Habs mir notiert. Danke für das Rezept und ein schönes Wochenende ;)

  16. Also optisch auf jeden Fall der Hammer. Ob ich mit der Fülle anfreunden würde weiß ich nicht. Ist Geschmacksache und ich steh einfach nicht auf Datteln.
    Aber wenns so schön ausschaut würde ich sogar probieren. Sogar gerne :-))

  17. @suesse-mahlzeit: Heut hab ich Wirsing gegessen, der mit wenig Honig gewürzt war. Das würde auch gut passen.

    @Petra: Du belagerst Deine Herren aus sicherem Bunker ?

    @Kochsinn: Honig statt Datteln ?

    @Claudia: in Espressotässchen wäre es ein wenig viel Bastelarbeit :-)

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