Löffelmania

Dörrfruchtmus 1_5917

Als Löffelgericht wird in europäischen Armeen ein Gericht bezeichnet, das man mit einem Löffel aus der Gamelle löffelt. Etwa Gulasch, Krautfleisch, Gemüseeintopf. Die Gourmetwelt, ermüdet von amuse gueules, hat vor ein paar Jahren stehende Löffel (happy spoons) erfunden, um ihren Kreationen eine pfiffiges Aussehen zu geben und um die Betriebskosten für Material und den Abwasch zu senken. Verborgene Tore zu neuen intensiven Geschmackswahrnehmungen will man damit öffnen. Den Weg zu Aromen, Texturen und Temperaturen weisen. Beeindruckende Umschreibungen.

In meinem Alter muss ich diese Modeströmungen nicht mehr mitmachen.  In unserem 2-Personenhaushalt gibts keine amuse-geules und schon gar keine auf Löffeln. Wir ziehen das Essen in normalen Portionen vor. Wenn etwas gelungen ist, freuen wir uns umsomehr aufs Nachschöpfen.

Im Kochkurs der Berufsfachschule Basel denkt man moderner. Hier haben wir in der Vorspeisengruppe im Frühjahr Löffel aus Basler Staatsbesitz mit einer Creme aus gehackten Dörrfrüchten gefüllt. Dazu, für mein ästhetisches Empfinden reichlich ungelenk, ein Stücke Käse draufgelegt und bei hausüblich schlechter Beleuchtung in der Kochschule fotografiert. Für mich das Hintertüchen, dennoch einen Beitrag zum Kochtopf-Event XLVII: Löffel-Food, abzuliefern. Der event wird diesmal ausgerichtet durch Ursula von kochfun. Das Rezept stammt von einer Fachtagung der Schweizer Milchproduzenten zum Thema: Passt Käse auch zu Thymian ? Das Rezept passt vielleicht eher in das Winterhalbjahr, aber Käse schmeckt auch im Sommer.

Blog-Event XLVII - Löffel-Food (Abgabeschluss 15. Juli)

Zutaten
für ca. 30 Esslöffel:
100 g Dörrpflaumen
100 g Dörrfeigen
50 g Mascarpone
2 Elf. Baumnüsse, gehackt
1-2 Elf. roter Portwein
1 Msp. Zimt
Salz, Pfeffer, Macisblüte
150-200 g Greyerzerkäse in Scheiben geschnitten

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Zubereitung
(1) Dörrpflaumen und -feigen in Wasser bedeckt über Nacht einweichen, Wasser abgiessen, fein hacken.
(2) Mascarpone, Baumnüsse und Portwein darunter mischen, würzen. Die Esslöffel mit der Mischung füllen
(3) Käse in 5-10 g grosse Stücke schneiden und schräg auf jeden Löffel legen.

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26 Gedanken zu “Löffelmania”

  1. E interessanti Mischig wo beschtimmt guet zämme passt. Und au s’Photeli losst kaini Wynsch offe.

    Trotzdäm, i ha grad am letschte Samschtig beschlosse, dass i kaini söttige Löffel in mi Huushaltinventar wird ufnäh.

    Firs Noschschöpfe isch s’Wärkzyg bereits vorhande.

  2. Bin absolut Deiner Meinung, “Essen in normalen Portionen”. Trotzdem, hübsch aussehen tuts ja schon, wenn auch die Nachteile eindeutig der normalen Portion überwiegen.

  3. Die Kombination und das Rezept klingen gut – allein am passenden Löffel würde es hier scheitern und meine Herren mögen auch lieber die richtigen Portionen, also wohl keine Löffel hier.
    Viele Grüße

  4. Hört sich nicht schlecht an und die Löffelarmee sieht auch gut aus. Das Käsestück (zu klobig) paßt auch für mein Empfinden nicht dazu. Einige grob geraffelte Streifen könnte ich mir als “Auflage” vorstellen.
    Davon abgesehen, wird es auch in meinem Kleinhaushalt keine stehenden Löffel geben, auch wenn es den Abwasch verringern würde :-).

  5. Dieser Löffel könnte aus einer Heeresküche stammen – als konzentrierte Nahrungsaufnahme vor (oder während?) einem langen Marsch.
    Das Schöne am Löffel-Food-Bewerb ist, dass ich in vielen Beiträgen Gleichgesinnte treffe, die mit der Löffelmania nichts anfangen können ;-). Dabei habe ich nichts gegen kleine Portionen. Aber die Löffel sind meist viel zu üppig belegt, dann muss man den oft kunstvoll aufgetürmten Inhalt in den weit aufgesperrten Mund balancieren. Schluck, würgh!

  6. Trockenfrüchte, Nüsse und Käse kann ich mir gut zusammen vorstellen – mal ganz unabhängig von der Portionsgröße! :-)

  7. @Basler Dybli: Nachschöpfen ist auch mir die liebste Beschäftigung.

    @Rosa: like always, when swiss cheese is involved.

    @Bolli: ist auch mal schön, wenn man im nichtveröffentlichten Archiv etwas findet.

    @Johannes: dafür sind die events da, dass man über den eigenen Nasenspitz hinaus sieht, das ist auch bei diesem event der Fall, habe schon ganz hübsche Sachen gesehen :-).

    @Heidi: geht sicher auch als Brotaufstrich mit einem Käsewürfel.

    @the rufus: aus Heeres- oder Privatbeständen ?

    @BerlinKitchen: Danke Martin, werd mir mal zwei Probeflaschen besorgen. Nicht gerade billig.

    @Nathalie: dann werde ich aus dem Rest ein Dörrfruchtkompott machen.

    @Petra: event und private Vorlieben sind zweierlei :-)

    @Charlotte: ich hab erst daran gedacht, aus dem Käse mit Weihnachtsstern-ausstechern Sterne auszustechen :-)

    @Eline: bin nie auf Stehparties anzutreffen, mit bleibt das deshalb erspart. in gewissen Restaurants erfreuen sich Löffel auch zur Beschickung mit Resten vom Vortag. Das freut mich überhaupt nicht.

    @Eva: die Kombi passt durchaus. Auf ein kleines, viereckig geschnittenes Brot. Creme und Käse drauf, mit Zahnstocher fixiert, erfüllt den Zweck auch.

  8. @DerSilberneLoeffel: jedoch in Sterlingsilber.

    @Elisabeth: in der Kochschule gabs zwei bis drei.

    @Hedonistin: das hier war nur ein Nebenschauplatz. ich möchte annehmen, dass der Thymian schon einen Auftritt hatte.

    @lavaterra: Löffelarmee :-)

  9. Ich denke ,diese Löffelgerichte machen deswegen in der Regel so wenig Sinn, weil sie nur xxs-Varianten von Speisen sind, die man auch gleich in normaler Protionsgröße servieren könnte. Viele Restaurants denken da auch nicht weiter und minimieren einfach ihre Vorspeisen- fertig ist das amuse bouche. Pfiffiger ists, das Miniformat zu nutzen, um Dinge anzubieten, die nur im Kleinen funktionieren: Ich serviere zB gern als amuse zum kräftigen Champagner ein thailändisches Eiercurry. Das ist naturgemäß sehr scharf , wer davon einen Teller ißt, hat Schweißausbrüche und ungezügelten Bierdurst. Bereite ichs aber in minimierter Form zu, mit 2, 3 Wachteleiern pro Person, in kleinster Menge, entsteht ein zwar immer noch scharfer, aber überraschender und amüsanter Appetitmacher; außerdem kann ich auf die Sättigungsbeilage Reis verzichten.

  10. @duni: das ist ein Aspekt, den ich noch gar nicht bedacht habe. Ob ich allerdings zum feinen Champagner etwas so scharfes essen möchte ?

    @Chaosqueen: ich weiss nicht, woher die Kochleherein die hat, vermutlich vom Elch.

    @kulinaria: die stehen in schweizerischer Militärformation, d.h. auf relatv krummer Linie.

  11. Wenn der Champagner kräftig ist, gehts gut, ein floraler blanc de blanc ginge natürlich unter. Und wie gesagt-es läuft einfach viel über Menge und Portionsgröße. Viele Leute naschen ja auch gern Oliven , oder diese mit einer Sardelle und einer Kaper gefüllten Minipaprikas, geben Chutney zum Käse-die wenigsten aber würden und könnten einen Suppenteller Oliven etc. in sich reinschaufeln.

  12. Optisch ist es mit dem dicken Stück Käse kein Hingucker. Auch haptisch empfinde ich diese dicken Keramiklöffel eher als unangenehm. Genausowenig mag ich es, aus dickwandigen Gläsern und Tassen zu trinken.
    Die einzige Ausnahme ist der Pekingsuppenlöffel. Ist albern, aber zu einer Pekingsuppe gehört der dicke Löffel irgendwie dazu. Wahrscheinlich stört es mich dort nicht, weil es schon immer so war und die Suppe fließt oder geschlürft wird. Bei einer Dörrobstcreme muß man den Löffel wahrscheinlich ganz in den Mund nehmen. Buahh, aber die Alternative, das Ganze geräuschvoll mit den Zähnen abzustreifen ist genauso schlimm.

    Ja, ja, so hat jeder seine Empfindlichkeiten (hoffe ich zumindest). Aber toll, dass Du sofort den Beitrag zaubern konntest. Wann wäre er denn sonst gekommen? Oder hättest Du die Dörrobstcreme nochmal gemacht und anders angerichtet?

  13. @duni: das stimmt, all diese Dinge essen wir aber sozusagen auch nie, da sie auf uns eher appetitverderbend denn als -anregend wirken. Da ich immer noch auf Champagner verzichte, habe ich nur noch leichtere Schweizer Provenienzen im Keller.

    @Poulette: ich hatte den Beitrag schon längere Zeit pfannenfertig bereit, konnte mich aber nie entschliessen ihn zu bringen. Essen tut man die Creme indem man sie mit Hilfe des Käsestückes in den Mund schiebt :-) Pekingsuppe habe ich noch nie gegessen, meine Essvorlieben sind auf Europa beschränkt.

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