CH-8200 Schaffhausen: Erker und Kasematten

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Die zweite Ausreise führte uns nach Schaffhausen. Neben Basel die einzige grössere Schweizer Stadt, die nördlich des Hochrheins liegt.
Schaffhausen war seit dem Jahr 1000 aufgrund einer Furt ein wichtiger Umschlagplatz für Waren, die vom Bodensee Richtung Basel transportiert wurden. Wegen des unterhalb gelegenen Rheinfalls musste umgeladen und die Güter ein Stück weit auf dem Landwege transportiert werden.
Die Stadt wurde 1330 von Ludwig dem Bayern an Österreich verpfändet, erlangte jedoch 1415 ihre Reichsunmittelbarkeit wieder, d.h. sie war direkt und unmittelbar dem Kaiser untergeben. Bedrängt vom österreichischen Adel, schloss Schaffhausen 1454 ein 25-jähriges Bündnis mit den Eidgenossen, das nach einer Verlängerung am 19. August 1501 durch den Beitritt zur Eidgenossenschaft abgelöst wurde.

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Güterhof, ehem. Salzlager
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Weidlinge im Rhein am Lindli

Bei heissem Wetter war uns nach einem netten Mittagessen draussen. In der durch die Tochter des Mövenpick-gründers Ueli Prager geführten Sommerlust, direkt am Rhein fanden wir eine uns zusagende Gaststätte. Freundliche Bedienung. Als Hauptgericht Kalbsstreifen in einer Zitronenpanade, mit Asiagemüse aus dem Wok und Reis. Von Zitrone war nichts zu merken, das Gemüse im Wok verkocht, aber der Garten schön und erholsam.

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Garten der Sommerlust
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unser lunch

Danach ein kleiner Hupf bis zur Bergkirche in Büsingen am Hochrhein. Ein kleiner deutscher Ort, der, als einzige deutsche Exklave, vollständig von Schweizer Hoheitsgebiet umgeben ist. Geschichtlich war der Ort seit Jahrhunderten zwischen D und Schaffhausen, bzw. der Schweiz umstritten. 1406 zunächst an Schaffhausen verpfändet, gelangte die Gemeinde zur österreichischen Landgrafschaft Nellenburg. In der Folge einer gewaltsamen Entführung des Inhabers der österreichischen Lehensherrschaft verlor Schaffhausen die Pfandschaft über die mehrere Dörfer, zu denen Büsingen gehörte und konnte diese erst 1728 teilweise zurückkaufen. Büsingen hingegen wurde von den Österreichern einbehalten, zum ewigen Ärgernis der Schaffhauser. Allen Versuchen der Schaffhauser zum Trotz, wurde das Dorf im Pressburger Frieden von 1805 erst dem Königreich Württemberg zugeschlagen und gelangte später an das Großherzogtum Baden. Daran änderte auch der Wiener Kongress nichts mehr.
Bei einer 1918 durchgeführten Volksabstimmung entschieden sich 96 % der Büsinger Bürger für eine Angliederung ihres Dorfes an die Schweiz. Was Wunder, 1918. Weil sich aber keine Schweizer Gemeinde fand, die im Austausch sich an Deutschland anschliessen wollte, blieb Büsingen beim Deutschen Reich. Auch das kein Wunder. Zurück nach Schaffhausen.

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Bergkirche Büsingen
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Schiffshaltestelle Schaffhausen

Die kleine Wanderung durch die Stadt begannen wir am Fronwagplatz, dem zentralen und belebtesten Platz der Stadt.

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Blick in die Oberstadt
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Fronwagplatz, Südseite

In der Mitte des Platzes der Mohrenbrunnen, König Kaspar darstellend, Säule und Trog aus dem frühen 16. Jhdt. Auffallend die vielen schön verzierten Erker. Die rund 170 Erker haben der Stadt den Übernamen “Erkerstadt” gegeben.

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Mohr mit Doppeladler
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Erker am Fronwagplatz

Weiter Richtung Unterstadt das schöne Portal der Schmiedenzunft.

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An der Vordergasse steht eines der schönsten Schaffhauser Bürgerhäuser mit den bedeutendsten Renaissancefresken nördlich der Alpen. Er-/umgebaut 1566 durch Ritter Hans von Waldkirch, der um die 1569 die Fassadenbemalung von dem berühmten Schaffhauser Maler Tobias Stimmer ausführen liess. Weiter unten das prachtvolles Doppelhaus aus dem Jahre 1738 mit zwei Rokoko-Portal-Erkern. Vor dem Hause ein achteckiger Brunnen mit Wilhelm Tell als Symbol des freiheitsbewussten Schweizers.

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Haus zum Ritter
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Zur Wasserquelle mit Wilhelm Tell

Am Fusse des Munothügels die ehemalige Trinkstube der Gerberzunft. 1708 – 1710 in heiterstem Rokoko erbaut. Nahebei führt eine bei Hitze sehr, sehr lange Treppe zum Munotturm, der eindrucksvollen Stadtfestung hoch über Stadt und Rhein.

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Gerbernstube
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Blick vom Munottörli auf den Rhein

Die kreisrunde Bastei wurde von 1564 bis 1589 von den Schaffhauserbürgern in Fronarbeit im Stil von Albrecht Dürers Rondellbefestigung erbaut und erlaubte eine ideale Rundumverteidigung. Militärisch wurde sie nur einmal genutzt, von den Franzosen, 1799 während des Rückzugs vor den Österreichern.

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Vorwerk des Munot
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Kühle Kasematten

Der Bericht ist lange geworden. Dabei habe ich die Stadt nur  punktuell gestreift und viele weitere Sehenswürdigkeiten ausgelassen. Ein andermal, bei tieferen Temperaturen.

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15 thoughts on “CH-8200 Schaffhausen: Erker und Kasematten”

  1. Schaffhausen hat mir sehr gut gefallen, nur hätte man viel mehr Zeit für diese schöne Stadt gebraucht. Wir waren sogar kurz in Büsingen. Vielen Dank für diesen wunderbaren Reisebericht und die tollen Fotos. – Schade, daß die Küche der Sommerlust mit dem Garten nicht mithalten konnte.
    Noch einen schönen Sonntag!

  2. Was ihr für hübsche Städtchen rundherum habt… *staun* Wundervoll! Da möchte ich gerne eine Reise hin machen… und nehme nun die sonnendurchfluteten Bilder tief in mein Herz auf…
    Danke! :-)

  3. Ein wunderbarer Sonntagmorgen-Spaziergang durch das malerische Schaffhausen. Ich erinnere mich noch ganz schwach an den Munot und den Rheinfall natürlich (‘mein’ Vater Rhein so jung ;-), aber es ist schon lange her und ich müsste die Erinnerung mal wieder auffrischen. Wie immer, ein wunderbarer Bericht mit schönen Fotos (auch wenn das Essen nicht gut war).

  4. Sehr schön – immer was zum Lernen. Danke.

    Aber der Mohr mit Doppeladler? Nicht aus Venedig, dafür mit Gral in der Hand … der irrt ganz schön durch die Szenerien. ;)

  5. Ja Ja, das mit dem Essen auswärts ist so eine Sache wenn man selbst gerne und gut kocht! Der Bericht liest sich sehr gut, da sollte man vorbei schauen.

  6. @kitchenroach: Büsingen kannst Du auslassen, Schaffhausen bietet mehr.

    @Nathalie: unseren Niagara Falls sollte ich auch wieder mal einen Besuch abstatten.

    @Rosa: von Genf aus leider etwas weit.

    @Charlotte: Das trifft für alle Kurzvisiten in Städten zu. Um eine Stadt kennenzulernen, müsste man einige Zeit Wohnsitz nehmen.

    @Elisabeth: jetzt weisst Du, warum ich es nicht bis Wien schaffe, ich werde aufgehalten, von all den hübschen Städtchen um mich herum :-)

    @april: da wir öfters hier sind, haben wir schon unsere Lokale. Der Rhein, nach Durchlaufen des grossen Klärbeckens Bodensee, ist hier so sauber, dass man gerne baden möchte.

    @the rufus: die Mohren kommen doch aus dem Osten, deshalb der Doppeladler und der Name Mon-Ost-atos :-)

    @Eva: wo Du nicht überall schon warst :-)

    @Alex: Stein am Rhein bitte auch noch gleich mit einplanen.

    @Hannes: von Stuttgart auf der Autobahn rasch erreichbar.

    @buntköchin: ich war dafür auch schon in Wien :-)

  7. Und DAS kann ich wirklich nur zu gut verstehen! Ein schönes Fleckchen Erde…
    Und ich kanns nur schwer verkraften, dass du am MI nicht mehr bloggst… ;-) Aber auch DAS kann ich verstehen… gute Einrichtung!

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