CH-7500 St. Moritz: Schieflagen

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Dabei habe ich mir geschworen, nie über St. Moritz berichten zu wollen. Bis 1880 war St. Moritz ein kleines, bescheidenes Dorf im Engadin. 1856, mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, begann der touristische Aufstieg des Ortes. Heute ist St. Moritz eine kosmopolitische Kleinstadt. Eine grausliche Mischung aus Armani, Versace und schlimmster Bausünden an jeder Strassenecke. Luftverschmutzung und Bodenpreise teils höher als in Städten des Unterlandes. Aber den Reichen und Schönen, bzw. Label-Shoppers und Botox-Gespritzten scheint es hier zu gefallen.

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Spontan wollen mir nur wenige Gründe einfallen, St. Moritz aufzusuchen:
1. die Bushaltestelle als Umsteigeort für Reisen im Oberengadin
2. der grosse COOP Laden
3. Konditorei Hanselmann, obwohl das Angebot vergleichbar dem anderer Konditoreien ist.
4. Die Hatecke-Boutique, mit wirklich guten Trockenfleischspezialitäten und einem anständigen espresso.
5. Das Studium der Restaurant-Aushänge, um zu sehen, was in den Töpfen der Profikonkurrenz so köchelt. Morgen gibts bei mir eine Nobelpizza, gesehen im Aushang der Chesa Veglia !

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Hanselmann Fassade
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Hanselmann Eingang
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Hatecke Wurstauswahl
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Chesa Veglia, Nobelpizzeria

Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm, ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500. Neigung: 5.5 Grad

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St. Moritz: Schiefer Turm
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St. Karl 1894, bolzgerade

Wie wohltuend ist dagegen, wenige Kilometer von St. Moritz entfernt in Celerina, die Einkehr in der Kirche San Gian. Teile des Langhauses, der Chor sowie der kleinere Turm stammen aus der Zeit um 1100. In der Spätgotik wurde ein grösserer Turm daneben erbaut. Im Innern nimmt einen die prachtvoll mit Ornamenten bemalte gotische Holzdecke von 1478 sofort gefangen. Die Wandmalereien entstammen der lombardischen Frührenaissance. Der grosse Turm wurde 1682 durch einen Blitzschlag getroffen, jedoch nicht mehr wieder hergestellt, da das Dorf seit 1669 eine Kirche mit Glockenturm im Dorfzentrum besass.

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Celerina: San Gian
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Celerina: San Gian Holzdecke

Wundervoll die verwitterte Arvenholztüre:

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Celerina San Gian: Pforte

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27 thoughts on “CH-7500 St. Moritz: Schieflagen”

  1. Schieflagen paßt bei St. Moritz :-). Mehr als schade, daß der Ort so verschandelt worden ist. Celerina wäre auch meine Wahl; wunderschöne Fotos der Kirche San Gian – ein Genuß!

  2. hab mal tante google bemüht, um auch einen blick auf die übrige architektur zu werfen: das erinnert ja schon an die käfig-menschenhaltung an einigen spanischen stränden…

    und doch hast du noch schöne bilder aus diesem ort gepresst. :-)

  3. Die Fotos und Deine Ausführungen gefallen mir. Dank Dir schön. Die Holztüre ist fantastisch. Ich mag solche alten Türen an kann nie ohne zu fotografieren daran vorbei gehen.
    LG,
    Thea

  4. St. Moritz…lange her. Ist schon schade mit den Betonklötzen, aber schön dass es immer noch was für ein sehendes Auge gibt.

    Hmm.. Nobelpizza.. liegt der Druck auf dem o oder auf dem e?
    Ich schau morgen mal nach. :-)

  5. Dankeschön für Deine Einschätzung und Beschreibung von St. Moritz… ich war noch nie dort und werde wohl auch nie dorthin kommen :-)
    Die Fotos sind wunderschön und die alte Holztür ist phantastisch, trotz, oder gerade wegen, ihres Alters ” lebt ” diese Tür.
    Das Schloss ist ein Meisterwerk !
    Auf die Nobelpizza Morgen freue ich mich schon und bin gespannt was da ” nobles ” drauf sein wird

  6. @Bolli’s Kitchen: Schnee deckt (fast) alles zu !

    @Nathalie: ich klaue mir dort gerne Ideen. Das Lesen der Aushänge kostet nichts.

    @Eva: dort gibts auch ein Grand Hotel :-)

    @Charlotte: die Chaletburgen an andern Orten sind auch nicht viel besser, aber es hat schon seinen berechtigten Grund, dass viele im Oberengadin Ferien machen wollen.

    @Isi: unbedingt hingehen, nicht wegen St. Moritz, wegen dem Engadin.

    @SchnickSchnackSchnuck: halbgeöffnete Türen gefallen mir, sie lassen alles offen.

    @amuse-gueule: ich neige dazu, den Fotoapparat nur in die schöne Richtung zu halten. Reporter machen das Gegenteil.

    @bee: ein schöner Aphorismus. Gibt es von Dir etwas Gedrucktes ?

    @Thea: Ich hätte gerne im Innern noch fotografiert, aber der Bewachungsdrache hatte etwas dagegen.

    @sammelhamster: Pizza gibts bei uns zwar oft, aber immer dieselben.

    @aftenstjerne: eitel Sonnenschein, kein Nebel.

    @Karin: den Ort will ich niemandem vergraulen, mir gefällt er einfach nicht, neben all dem Schönen nebenan.

    @Christine: Jeder halbwegs empfindsame Mensch kann die Aura eines Ortes wahrnehmen, ohne auf chemische Analysen angewiesen zu sein.

    @Rosa: so unterschiedlich urteilen die Menschen :-)

  7. Hallo,
    ein sehr gut gemachter Blog, mit viel Information und tollen Rezepten. Von den guten Fotos gar nicht erst zu reden.
    Werde gerne oft hier stöbern und mich Inspirieren lassen.

    So einen Blog sollen viele lesen, daher verlinke ich dich gerne bei mir.

    Mit vielen Grüßen aus Barcelona

    Rico

    1. Es ging mir nicht um die Wahrnehmung der Aura; ich stellte mir eher die Frage, warum Orte einen Anziehungspunkt für Reiche oder Menschenmassen schlechthin ist … andere (schönere, reizvollere Fleckchen) nicht … (Reiche Menschen haben nicht a priori eine schöne Aura/Austrahlung …aber irgendetwas mit dem jeweiligen Ort übereinstimmendes wird es wohl geben) … soviel zur “fatto-casa-filosofia”.

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