CH-2525 Le Landeron: Altstadt

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Tage ohne  Internet-Anschluss sind angeblich beschaulich und erholsam. Quatsch. Am Morgen der Abreise ging in Basel die Heizung kaputt. In unsern Fasnachts-Ferien im Jura regnete es Bindfäden, die dem Schnee rasch den Garaus machten.

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Im Häuschen war es  dank Holzfeuerung wenigstens gemütlich warm und auch bei den Katzen hatte sich die Wiedereröffnung der Küche rasch herumgesprochen.

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Um dem Dauerregen zu entfliehen, führte uns ein kleiner Ausflug in einer Stunde Fahrzeit hinunter an den Bielersee. Auch hier trübes, immerhin trockenes Wetter. Am Südufer des Bielersees liegt das malerische Kleinstädtchen Le Landeron. Erbaut auf einer sandigen Moräneninsel im ehemals sumpfigen Seeland zwischen Flussarmen der damals noch unkanalisiert mäandrierenden Zihl, dem Fluss, der Neuenburger- und Bielersee verbindet.  Der Flecken wurde von den Grafen von Neuenburg 1325 als befestigte Siedlung erbaut, um der Expansion der Bischöfe von Basel Einhalt zu gebieten. Das Städtchen wurde anstelle der bei Grenzstreitigkeiten vollständig zerstörten, nahegelegenen Vorgängerfestung Nugerol neu aufgebaut.

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Der Uhrturm (1631)
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Südtor (Portette)

Der Ort, nahe der Wasserwege auf Zihl und dem See gelegen, entfaltete sich aufgrund der guten Verkehrslage rasch zu einem prosperierenden Marktstädtchen. Im  Jahre 1449 schlossen die Bürger mit der Stadt Solothurn einen ewigen Bund. Zu jener Zeit gehörte die Grafschaft Neuenburg noch zum Einflussbereich Berns. Solothurn wie Bern suchten in jener Zeit, ihre Territorien auszudehnen. Nach der Reformation im 16. Jhdt. erreichten die Streitigkeiten ihren Höhepunkt. Die Berner versuchten, Le Landeron zu reformieren, womit sie bei den von Solothurn unterstützten Bürgern auf heftigen Widerstand stiessen. Der Städtebund mit Solothurn wurde mehrmals erneuert. Noch heute unterhält Solothurn in Le Landeron ein bedeutendes Weingut, die Domaine de Soleure, die im Besitz der Bürgergemeinde Solothurn steht.

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Ostseite

Die Absichten Solothurns, sich am Jurasüdfuss in Richtung Welschland auszudehnen, nahmen 1707 ein Ende, als die über zwei Jahrhunderte währende Regentschaft des Hauses Orléans-Longueville über Neuenburg mit dem Tod der kinderlosen Fürstin Marie de Nemours erlosch. Durch einen geschickten Schachzug Berns erkannten die Neuenburger ihr Fürstentum dem König von Preussen zu. Damit wurde das Fürstentum dem Zugriff Frankreichs entzogen. Friedrich Wilhelm III. von Preussen “überliess” das Fürstentum 1806 Napoleon I., der seinen Feldmarschall Louis Alexandre Berthier als Fürsten von Neuenburg einsetzte. Nach dem Sturz Napoleons verzichtete Berthier gegen eine lebenslängliche Rente auf das Fürstentum Neuenburg zu Gunsten Preussens, welches davon wieder Besitz nahm. 1815 anerkannte der Wiener Kongress Neuenburg als “Schweizer Kanton und preussisches Fürstentum”. Marschall Berthier konnte sich seiner Rente jedoch nicht lange erfreuen, er stürzte noch im selben Jahre aus dem Fenster der fürstbischöflichen Residenz Bamberg zu Tode.  1857 verzichtete Preussen auf seinen Anspruch auf das Fürstentum Neuenburg.

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Westseite

Die Hauptgasse ist das Zentrum des Städtchens Le Landerons. An den Enden der Gasse findet sich der um 1549 erbaute Brunnen des Tapferen (fontaine du Brave) und der Brunnen des Stadtpatrons Mauritius von 1574. Die beiden Brunnen sind durch eine breite Lindenallee verbunden, die unter der Herrschaft des Marschalls Louis-Alexandre Berthier angepflanzt wurde. Nicht von ihm, er hat sein Fürstentum nie gesehen.  Die Häuser der Altstadt stammen grösstenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert, mit Kern aus dem 14. Jhdt. Alles noch erhalten, ein einziges Haus fehlt, dasjenige, neben dem Südtor, der Portette. Es wurde abgerissen, weil der Tor-Durchgang zu eng war.

Das Alt-Städtchen wirkte bei unserem Besuch wie ausgestorben. Im September findet hier der grösste Antiquitätenmarkt der Schweiz statt, die Fête de la Brocante. In der Stadt haben sich einige Antiquare und Kunsthandwerker niedergelassen, die wohl in der wärmeren Jahreszeit ihren Geschäften nachgehen.

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Brunnen
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Tor im Uhrturm

Im Café Restaurant L’Escarbot, mitten im Städtchen, ist gut essen. Da der Menuteller an diesem Tag nicht nach unserm Gusto war, haben wir uns in Lüscherz  im Gasthof  zum Goldenen Sternen getröstet. Fritierte Felchen als Vorspeise und Kalbssteak mit Currysauce und Früchten. Frau L. hat sich das gewünscht. Richtig altmodischer Landgasthof, aber sehr gut und gepflegt gekocht.

Quellen: Histoire de la commune Le Landeron und wiki

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20 Gedanken zu “CH-2525 Le Landeron: Altstadt”

  1. Das sieht ja wirklich menschenleer aus oder hast du alle verscheucht, damit sie nicht die Fotos verunstalten? :o)
    Die Häuserfronten sehen aber in der Tat sehr hübsch aus.

  2. @Nathalie: genau ! Nach der Heimkehr wars noch kalt, am nächsten Tag wurde die defekte Pumpe ersetzt.

    @Suse: Du solltest das Städtchen sehen, wenn Brocante ist.

    @Isi: die Uhrzeit am Turm zeigt halb drei.

    @Elisabeth: hmm, freie Kost und Logis und jede Menge weicher Diwankissen könnte ich bieten, Mäuse haben wir keine…. was zögerst Du noch ?

    @bee: die Katzen warten vor dem Jurahäuschen auf uns. Aufrgund der Spuren im Schnee muss ich annehmen, dass sie jeden Tag vorbeikommen um nachzusehen, ob wer da ist.

    @Anikó: In der Schweiz können auf engstem Raum die unterschiedlichsten regionalen Baustile beschaut werden. Da wurden Häuser eben noch von Baumeistern erbaut, die ihr Handwerk von Generation zu Generation weitergegeben haben. Heute hingegen studiert man Architektur auf der Hochschule. Das Resultat: ein moderner Einheitsbrei. Mal interessant, mal zeitgebunden, meist öde.

  3. Super, die bunten Häuserfronten, aber beschaulich und erholsam sind die Internet-freien Zeiten wirklich nicht … entweder irgendwas löst sich auf – wie Du richtig feststellst – oder man hastet von Termin zu Termin, wie ich immer wieder feststelle.

  4. Wieder ein schöner Kurzurlaub!
    Da hast Du aber Glück, dass die Katzen mit der geöffneten Küche zufrieden sind. Hier ist Roastbeef noch nicht mal mehr gut genug….

  5. Nun hat das Internet dich wieder und du das Internet. – Aber: ob ihr nicht doch ‘ein bisschen’ Wasser hierherschickt?? Der Rhein steigt und steigt …
    Le Landeron scheint ein zauberhaftes Örtchen zu sein. Die bunten Häuser muten schon fast italienisch an und die vielen Fensterläden gefallen mir sehr.

  6. Ja, diese Zwischenzeit – kein Schnee (mehr), viel Regen, Natur (noch) eingeigelt – idR im November oder eben häufig an den Fasnachtstagen ist auch nicht mein Ding! Da würde ich doch eher irgendwo ans Wasser fahren mit einem schönen, großen Thermalbad o. ä. und den Schwerpunkt mehr auf Wassergymnastik, Sauna, Wellness und Entspannung legen …

  7. Buchfink: Brocante auf keinen Fall, bei uns steht schon genug Gerümpel herum :-)

    @the rufus: sobald man sich frei wähnt, halten andere ihre Hand (bzw. ihre Pfoten) auf einen.

    @Rosa: not too far from Geneva.

    @nina: Roastbeef stinkt zu wenig.

    @april: nein, hier fliesst immer noch die Normalmenge vorbei. Die Farben machen einen Strassenzug gleich viel frühlicher als mit dem Einheitsgrau.

    @Christine: da hat es uns zuviele Leute, zudem sind wir wasserscheu, lieben die Saunahitze nicht, regen uns lieber auf, als dass wir uns entspannen und Wellness genügt uns in Form eines Glases Orangensaft :-)

  8. Sieht fast aus, wie eine Filmkulisse. Brocante klingt schön, aber Portette natürlich auch. Trinkt die Katze tatsächlich aus einer Pastetenform, oder ist das ein Blumentopf?

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