Nachgekocht: Senfrisotto (mit geräuchten Rippli)

Senfrisotto 0_2010 03 16_5861

Endlich, endlich komme ich dazu, als vorläufig Letzter einer langen Reihe von Epigonen das in der Blogwelt so beliebte  Senfrisotto nachzukochen. Senfrisotto ist jedoch nicht gleich Senfrisotto.  Als verhinderter Historiker habe ich gleich erkannt, dass sich der Stammbaum des Senfrisotto schon relativ früh in zwei Linien aufgeteilt  hat. Die Linie Herbert Hintner geht auf seinen im Jahre 2007 aufgetretenen Bucherstling zurück, während die Linie Meuth-Duttenhofer im Dezember 2009 das Scheinwerferlicht des WDR erblickte.

Genealogische Stammtafel von Senfrisotto der Linie Hintner:

Genealogische Stammtafel von Senfrisotto der Linie Meuth-Duttenhofer:

Dazu kommt noch ein ganz früher Senfrisotto aus dem Jahre 2008 der hüttenhilfe (mit Calamari), der aber keine Blutsverwandschaft zu den erwähnten Linien aufweist.

Da ich das Buch von Herbert Hintner besitze, habe ich mich der Einfachheit halber seiner Linie angeschlossen und den Risotto mangels Kaninchen mit einem geräuchten Schweinsrippli samt karamellisierten Schalotten serviert. Nicht schlecht.

Zutaten
Hauptmahlzeit für 2 Personen, reduzierte Mengen
200 g Risottoreis (z.B. Carnaroli)
35 g Pommery-Senf (Moutarde de Meaux)
4 g Dijon-Senf
0.7 L Gemüsefond (selbstgemacht)
20 g Parmesan, gerieben (L.: Sbrinz)
40 g kalte Butter (L.: 30 g)
Olivenöl
ca. 50 g gehobelter Cheddar (L.: Sbrinz) zum Aufstreuen

für die karamellisierten Zwiebeln (Originalmengen)
1 Zwiebel (L.: 50 g Eschalotte), fein gehackt
15 g Zucker
30 g Butter
1 Prise Salz (nicht im Original)

das Fleisch:
1 vakuumiertes, geräuchtes, ungekochtes Schweinsrippli

Zubereitung
(1) Zucker in einer Pfanne mit einem Tlf. Wasser erhitzen und karamellisieren, vom Feuer nehmen, die fein gehackten Zwiebeln und Butter dazugeben. Auf kleinem Feuer ungefähr 30 Minuten glasig dünsten. Mit einer Prise Salz würzen. Auf einem Küchenpapier abtropfen und auskühlen lassen.
(2) Das vakuumierte Rippli im Plasticbeutel in Wasser bei 80°C ca. 25 Minuten ziehen lassen.
(3) Für den Risotto den Reis mit etwas Olivenöl im Topf anlaufen lassen, so viel heißen Gemüsefond aufgießen, dass der Reis bedeckt ist, salzen und pfeffern. Unter ständigem Rühren 13-15 (L.: 20 !) Minuten kochen lassen, dabei immer wieder Gemüsefond nachgießen. Mit kalter Butter und geriebenem Parmesan abbinden, zum Schluss den Senf unterrühren und sofort auf Teller verteilen. Ich mag ihn all’onda und nicht im Metallring verfestigt, das Fleisch aufschneiden und samt einem Löffel der karamellisierten Eschalotten mit dem Reis servieren.

AddThis Social Bookmark    Button

30 Gedanken zu “Nachgekocht: Senfrisotto (mit geräuchten Rippli)”

  1. Danke für die Erstellung der Genealogie. Ich bin mal gespannt, in welche Richtung sich die Senfrisotto-Evolution weiterentwickelt.

  2. “Nicht schlecht.” ist aber auf vielseitigste Weise interpretierbar. Wenn das der Herr der Cucina sagen würde, wüßte ich, daß ich es nicht mehr kochen muß.

  3. Das Hintner-Buch mag ich sehr und habe auch schon einiges daraus gekocht. Allerdings noch nie das Senfrisotto…vielelicht stell ich mich ja bald ans Ende der Blog-Senfrisotto-Köche :o)

  4. Ich habe noch nie Senfrisotto gekocht – irgendwie sträubt sich da was in mir. Ich liebe Senf, ich liebe Risotto, aber zusammen? Um etwas abzulehnen, sollte man es aber vorher kennengelernt haben. Vielleicht probier ich es doch demnächst mal aus.

  5. Senf ist speziell, er schmeckt oft zu sehr hervor. Meine beiden Versuche waren auch nicht wirklich gelungen, aber das lag auch daran, dass ich mit selbst gemachtem Senf experimentierte, der recht grob ist, nicht zu sagen: stückig.

  6. Im Schwabenland heißt es sogar: “Wenn i net schempf, isch globt gnuag” (wenn ich nicht schimpfe, ist das genug Lob).
    So ein geräuchertes Schweinsripple hätte mir auch zu dem Senfrisotto geschmeckt.

  7. Die Rippli lass ich weg, außer sie ergeben einen einzigartigen Geschmack, dann müssen sie wohl sein ;-)
    Mhm, Risotto kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit essen… :-)

  8. @reibeisen: ihr habt das Buch ja auch :-)

    @mipi: Evolutionssprünge sind immer interessant.

    @Nathalie: Komplimente werden in der Schweiz kaum gemacht. “Nicht schlecht” bedeutet hier höchstes Lob.

    @Bolli’s Kitchen: auf dem Teller ist knapp neben der Wurst und das ist schlecht gezielt.

    @Rosa: Danke, Dir scheint alles zu schmecken.

    @Suse: die Letzten werden die Ersten sein (ungefähr nach Matthäus 20,16)

    @tobias kocht!: mipi und mestolo waren schneller :-)

    @Eline: erwartungsgemäss degradieren die Senföle in der Hitze rasch und das Risotto wird milde. Der Senfgeschmack herrscht keineswegs vor. Ich musste noch zusätzlich Senf aufs Rippli streichen.

    @nina: ich bewundere die Historiker, ihr Wissen, ihre Fähigkeit, Zusammenhänge zu konstruieren. Obwohl wir von ihnen keine Antwort erhalten, was eigentlich geschehen ist.

    @bee: alles eine Frage der Menge. Stückiger Senf wundert mich, grösser als die Senfkörner können die Stücker kaum werden.

    @Linda: die allemannische Zurückhaltung :-)

    @Elisabeth: Rippli kannst Du ruhig weglassen. Nachts isst Du Risotto ? Da greife ich nur noch zu Schokolade.

    @Claus: Das liegt an der fehlenden Distanz zum Senfmüller.

  9. Senfrisotto – noch nie gehört, macht mich neugierig! Nur die Verbindung mit dem Rippli ist mir nicht ganz geheuer (auch wenn zu den Ripplis Senf gehört) vielleicht würde ich es ganz klein geschnitten unter den Risotto mischen …

  10. ..und schon bekomme ich wieder Lust auf Senfrisotto :-))
    in Kombination mit Deinen Rippli kann ich esmir sehr gut vorstellen !
    Beim nächsten Mal werde ich mich auch mal für die Linie Hintner entscheiden

  11. Tolle Kombination! Und vielen Dank für den “Stammbaum”, mir war gar nicht bewusst, dass es zwei Senfrisotto-Entwicklungslinien gibt…

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  12. @Mestolo: auch ich bin senfophil. Meine Nachkochliste ist einfach zu lang.

    @Christine: ein weniger deftiges Fleisch, Kaninchen oder Huhn, wäre mir auch lieber gewesen. Aber… schlecht wars nicht :-)

    @Magdi: der Senfgeschmack ist auch so sehr mild.

    @Karin: geschmacklich wird kein grosser Unterschied vorhanden sein.

    @Juliane: der Stammbaum war nur der Aufhänger für die lange linkliste :-)

  13. Das Senfrisotto sollte man unbedingt ausprobieren. Ein kulinarischer Hochgenuss! Vielen Dank für die unterhaltsame und originelle Zusammenfassung, so toll wie das Gericht.

  14. ..Risotto muß ich auch einmal probieren.
    Dein Senfrisotto scheint dazu sehr geeignet.
    …übrigens waren wir wieder im Berner Oberland.
    Hat uns sehr gut gefallen bei Euch!

    HBG
    eibauer

  15. @kulinaria: danach wird am Samstag gesucht.

    @Paule: die Fortschreibung deiner Liste :-)

    @eibauer: oh ja, wir haben uns die Berner Alpen gestern von Thun aus angesehen.

  16. Habe das Rezept erst jetzt entdeckt. Beim besten Risotto der Alpennordseite-Rezept von meinem Bruder wird mit Grappa abgelöscht, mit Rosmarinzweiglein gewürzt – und es gehören 7 cm Thomi-Senf dazu (das mit der cm-Angabe hat mir immer gefallen – ist immer lustig zum abmessen). Schmeckt aber auch vorzüglich!

    Liebe Grüsse
    Birdie

      1. Tönt ja schon ähnlich, bei uns ohne getrocknete Tomaten – dafür mit Rosmarin und Senf – beim Rest sind wir uns ja einig! und möglichst viel mit dem Risotto sprechen während dem Kochen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s