Essbare Zapfen und andere zapfologische Merkwürdigkeiten

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Nicht nur unter den Weinen, auch unter den Zapfen kann man immer wieder erstaunliche Feststellungen machen: Ein vergleichender Blick auf die Weinzapfen der von mir in den letzten Wochen getrunkenen Weine, bestätigt eine langgehegte Vermutung. Kleine Schweizer und deutsche Qualitätsproduzenten leisten sich den Luxus eines teuren Qualitätszapfens. Teuren Chateaux im Bordeaux hingegen kann die Zapfenqualität nicht billig genug sein, obwohl die Bordeaux Chateauxbesitzer pro Flasche  2009-er wieder locker 40 – 1000 € verlangen werden. Man vergleiche die Zapfen von Gantenbein, Grillette, Wittmann oder dem kleinen, französischen Weingut Lisson mit denen von Lynch Bages und Grand Puy Lacoste !

In das Zentrum des Bildes habe ich einen Piraten gelegt. Einen Bouchon Vaudois. Ja, der Zapfen ohne Aufdruck. Der Bouchon Vaudois ist seit 1948 eine registrierte Marke (Name und Form) von Waadtländer Confiseuren. Nur Mitglieder der “Société Vaudoise et Romande des Patrons Pâtissiers, Chocolatiers, Glaciers” dürfen diese Spezialität herstellen. Nicht allzu süss, deshalb geeignet, mich über das Zapfenelend der teuren Weine zu trösten.

Wer sich für die Herstellung der Waadtländer Zapfen interessiert, kann sich hier ein Video (französisch, 4 Minuten) darüber ansehen in der télévision de la suisse romande. Da ist sehr viel Handarbeit dabei. Geschlagenes Eiweiss, Zucker und Mandelpulver werden gemischt, mit Hilfe einer Schablone in dünne Rechtecke gestrichen, diese werden gebacken und noch warm zu Cannelloniröhren aufgerollt. Danach werden sie auf der Innenseite mit Couverture überzogen, letztlich gefüllt mit einer Creme aus Kakaobutter, Zucker, Vanille, gerösteten und gehackten Mandeln, aromatisiert mit einem Schuss Bitter des Diablerets.

Jedesmal, wenn ich durch das kleine Städtchen CH-1860 Aigle fahre, am untern Ende des Rhonetals, kurz vor dem Einfluss in den Genfersee, kaufe ich in der dortigen Confiserie Hedinger einen Zapfen voll dieser Pralinen. Wobei es egal ist, wo man sie kauft, sie stammen eh alle vom gleichen Produzenten. Ende der Gratis-Reklame für ein artisanal hergestelltes, gutes Produkt.

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Das Städtchen selbst ist vor allem bekannt durch sein Schloss, diesem werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag widmen.

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23 thoughts on “Essbare Zapfen und andere zapfologische Merkwürdigkeiten”

  1. Guten Morgen!
    Aufgrund von regionalen Wortbezeichnungsunterschieden hab ich beim Lesen der Überschrift mal wider an etwas komplett anderes gedacht. Zapfen sind nach meinem Verständnis die Früchte von Nadelbäumen oder ein Verbindungsteil im Holzbau ;o)

    Selbstgemachte Korken hab ich in der Tat noch nie gesehen, geschweige denn gegessen. Ideen muss man haben!

  2. Auch einen guten Morgen von mir !

    Ich hatte übrigens den gleichen Gedanken wie Suse und dachte zunächst an Pinienkerne. Als ich dann das Photo sah kam mir merkwürdigerweise der Gedanke an verkorksten Wein – ein Ärgernis das man bei kurzlebigen Weinen zum Glück mit dem Schraubverschluss gelöst hat. Bei diesen essbaren “Zapfen” habe ich aber keinerlei Bedenken – ausser, dass ich vielleicht zu viel davon essen würde…

  3. Zapfen habe ich ja noch nie gehört – Korken heißt das bei uns. Aber sie sind im Verschwinden – ich werde jetzt einmal die vereinigten Schraubverschlüsse ablichten … :lol:

  4. Nach Anschauung der Video kann ich verstehen dass diese Korken Ihren Preis haben. Eine Menge Zubereitung ist eben erforderlich. Gibt es nur diese große Verpackung zum Ankauf ?

  5. Ich hab nachgeguckt und die Korken, die bei uns in den Holzkorb vorm Kamin geworfen und verheizt werden, sortiert und kann Deinen Eindruck bestätigen: In Bordeaux wurde und wird am Kork gespart, im Burgund kommts wie so oft auf den Erzeuger an , in Deutschland und Österreich leistet man sich gute Qualität. Und das, obwohl man landläufig einem Mosel-Kabinett kürzere Lagerung zubilligt als einem Pauillac…
    Ob es eine Lösung wäre, auf süsse, essbare Korken umzustellen? Manchmal, wenn ich gut gelaunt bin, backe ich welche, aus Schokoladenteig nach einem “Bouchon”-Rezept von Thomas Keller.

  6. @Suse: was sprecht Ihr Deutschen denn auch für einen komischen Dialekt :-) Alles eine Frage des Standpunktes.

    @Haxtholm: Korkenschmecker (heisst in der Schweiz auch “Zapfen”) sind ein anderes Thema. Das Problem ist an sich längst untersucht und behoben, sei es durch eine verbesserte Korkbehandlung oder Alternativstopfen. Trotzdem läuft in dieser Hinsich nichts bis wenig. Ich muss ich jedes Jahr mehrere Flaschen Wein wegschütten.

    @DerSilberneLoeffel: das wäre ein schwacher Trost.

    @the rufus: Radler, Radler, Radler, Radler :-)

    @Vanille: im Bild ist die kleinste Verpackung, da sind 8 oder 12 Stück drin.

    @duni: Bouchons gibts noch anderswo ? Die erstaunlichsten Korken habe ich bei einem kleinen Hobbywinzer vorgefunden. 1 Franken zahlt er pro Zapfen, äh. Korken. Wundervolle Qualität. Aber das Material ist rar. Es gäbe jedoch genug Ersatzstöpsel. Die Weintrinker wollen einfach nicht weg vom Ritual des Korkenziehens.

    @Elisabeth: noch ist nicht Weihnachten ;-)

    n ihren Zapfen.

  7. Zapfen kenn ich auch nicht. Stoppel oder Kork(en) sagen wir dazu.
    Hierzulande verwendet man in der Südsteiermark gerne die Glasstoppel. Auch der Drehverschluss, wie man ihn von Cola und Sprite herkennt, setzt sich durch.
    Die Weinbauern wollen und können einfach nicht mehr so viel für qualitativ guten Korken zahlen. Schlechter Kork versaut den Wein.

    Ist der süße Zapfen also ein kleines Küchlein?

  8. Da haben wir heute ja wohl alle erstmal an das Falsche gedacht – solche unterschiedlichen Bezeichnungen in den jeweiligen Sprachen sind schon interessant.
    Hübsch – dieser ‘Zapfen’ voll mit Pralinen!

  9. Mir fiel beim Lesen der Überschrift auch als erstes “Pinie” ein und dann nichts mehr. Die Korken für dich, die Zapfen für mich – ich finde, das ist eine gute Idee.

  10. Ja, wir sind schon ein sprachlich komisches Völkchen. Wenn der Wein den Geschmack des verderbenden Verschlussstopfens nimmt, sagen wir kurioserweise auch, dass der Wein nach Kork schmeckt.
    Bei euch heißt es dann sicher logischerweise, dass er angezapft ist :o)

  11. Thomas Keller hat in seinem Bistrokochbuch “Bouchon” ein Rezept für süsse Korken aus Schokoladenteig: ” These small browielike cakes are named for their shape,which resembles a cork (bouchon); they are very rich and chokolaty,baked with chocolate chips in the batter ,and dusted with confectioners´sugar.”
    Bei Wunsch zitiere ich das ganze Rezept !

  12. Sonst überzieht man die Hippenröllchen ganz ordinär von außen mit Schokolade, erst der findige Zuckerbäcker macht’s von innen. So einfach denken kann nur ein Meister ;-)

  13. Hm, dieser Pirat, der lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Sagt ihr wirklich ‘Zapfen’ zu den ‘Korken’? Viele Winzer experimentieren ja inzwischen mit anderen Verschlussmöglichkeiten: Kunststoffkorken, Kronkorken … ich hab esogar mal einen Glasverschluss gehabt. Da ich keine Weinkennerin bin, kann ich nicht beurteilen, ob es ein echter ‘Kork’ sein muss, aber Kronkorken, das geht gar nicht, find’ ich.

  14. Der Begriff “Zapfen” war mir in dem Zusammenhang auch neu.
    Es gibt einen Kalauer, der natürlich nicht besser wird dadurch, dass ich ihn kaum noch zusammenkriege:

    Warum gibts kein Bier im Wald?
    Weil die Tannen zapfen.

    Oder so ähnlich…
    *duck und weg

  15. Ich gestehe auch, an Tannenzapfen gedacht zu haben — und daß ich diese eher mit dem Attribut “eßbar” verbinde als einen Weinkorken. *indieeckestell*

  16. @entegut: Stoppel gefällt mir. Glasstopfen sind hier noch nicht verbreitet. Beliebter sind Drehverschlüsse oder Kunststoff”korken”. Der süsse ist ein mit Nuss-Creme gefüllter Hüppenteig.

    @Eva: kommt in die Dosensammlung von Frau L.

    @Jutta, ach wie gut, hab ich nur einen einzigen in die Mitte gelegt, ich nehm dann die umliegenden ;-)

    @Nathalie: bei einem Billigwein stört mich das nicht, aber bei teuren Bordeaux.

    @Suse: nein, nicht angezapft, sondern der Wein hat den Zapfen.

    @duni: ich fürchte, das wird mir zu süss. Danke dennoch für das Angebot.

    @bee: Jedes Feingebäck hat sein Geheimnis.

    @april: Kronkorken nicht, aber mit Drehverschlüssen kann ich leben. Besser als mit korkschmeckigen Weinen. Der Einfluss des Korkens auf die Alterung wird überschätzt. Die Umstellung ist heute eher ein Marketingproblem der fehlenden Akzeptanz.

    @AT: Wer zuletzt lacht, denkt zu langsam ;-)

    @Hesting: ich bin jedenfalls heute wieder klüger als gestern und kann ein neues deutsches Wort :-)

  17. Da hab ich wieder was gelernt: als geborene Düsseldorferin denke ich bei Zapfen eben auch erst an Bier – und dann an Tannen – aber Dein Korktableau aus den letzten Wochen ist wirklich eine originelle Idee und sehr interessant. Einmal macht mich natürlich so mancher “Zapfen” neugierig auf den Inhalt der damit verschlossenen Flasche – da wäre ich in den letzten Wochen schon gerne das eine oder andere Mal dabei gewesen (und bin sicher, auch das Mahl, das zu dem die einzelnen Flaschen geöffnet wurden, hätte ich bei Dir nicht verschmäht). Zum anderen stellt sich mir als Winzerin ja auch die Frage des Auswahl des Verschlusses. Und da ich versuche, Weine zu machen, die lange lagern können, stand die Qualität bei der Auswahl des Korkens immer im Vordergrund und da sollte nicht gespart werden.

    Bei meinen kleinen Bestellmengen (es kommt ja jedes Jahr ein anderer Jahrgang auf den Korken, man kann sie also nicht in großen Mengen lagern), sind die Preise natürlich eher gesalzen – aber abgesehen von der Esthetik und dem schönen “Plop”, dass ich selber sehr liebe:-), hoffe ich natürlich auch, dass ich so vor Korkschmeckern etwas besser gefeit bin.

    Dass gerade kleinere Winzer da eben nicht sparen, liegt sicher auch darn, dass wir halt unsere Weine vom Weinberg bis in den Keller persönlich betreuen und begleiten, sie dann oft lange “aufziehen”, wie unsere Kinder – und sie nach der Flaschenabfüllung (von Hand, verschlossen mit einer kleinen schweizer Hebelkorkmaschine – jede einzeln…) dann in die weite Welt entlassen, wo sie doch möglichst gut ausgerüstet ankommen sollen.

    Wenn man das so sieht, ist ein guter Korken, wie auch der Rest, eben kein einfacher “Kostenfaktor”, sondern auch eine Frage des Gepäcks, dass man dem Wein mitgibt – und des Respekts für den Weintrinker am Ende der Kette.

    Was ihnen dann widerfährt und wie sie sich bewähren, wie sie behandelt und ob sie geschätzt werden, darauf hat man ja nach der Abreise keinen Einfluss mehr.

    Ich hoffe, der Inhalt der Flasche mit dem Aufdruck Lisson, hat Dich nicht enttäuscht und ich hab jetzt hier nicht wieder zuviel für einen Kommentar “verzpft”:-).

    Liebe Grüße aus dem stürmischen Südfrankreich

    Iris

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