CH-2350 Saignelégier: Étang de Gruère

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Am ersten, sonnigen Juniwochenende war ich im Jurahäuschen. Als Lohn für vollbrachte Gartenarbeit gabs die obligate Wanderung um den Étang de Gruère, einem gestauten Moorsee, der sich in einer Mulde auf dem Hochplateau der Freiberge, an der Strasse zwischen Saignelégier und Tramelan befindet. Der See ist 600 m lang, im Minimum 60 m breit und rund 4.5 m tief. Der natürliche Weiher wurde bereits Mitte des 17. Jahrhunderts durch einen Erddamm gestaut und vergrössert, um damit eine Mühle betreiben zu können. Heute steht er unter Naturschutz. Die Rundwanderung um den See dauert 30 Minuten (ohne) bis eine Stunde  (mit Fotografieren) auf  federndem Moorboden oder Holzsteigen durch das Moor. Ein Wohltat für den müden Rücken. Parkplätze bei der Sägerei, die heute anstelle der Mühle steht.

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Étang
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was blüht denn da ?
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wachsender Schilf
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Indiskreter Blick in das Kinderzimmer

Das Hochmoor weist eine einzigartige Vegetation mit Torfmoosen, Moos- und Moorbeere, Heidelbeersträuchern und Rosmarinheide auf. Die angrenzenden Wälder bestehen zur Hauptsache aus Fichten, Bergföhren sowie Moor- und Zwergbirken. Die Natur ist hier noch weit zurück. Derzeit blühen Knabenkraut, Kirschblüten und Trollblumen. Die einzigen, die ich identifizieren konnte.

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Knabenkraut, eine Orchidee
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unbekannte Wasserschönheit

1384 stellte der damalige Fürstbischof Imer von Ramstein einen Freibrief für die bislang kaum besiedelte, karge Region aus. Damit erhielten Einwanderer und ihre Nachkommen aussergewöhnliche Freiheiten, denn sie sollten für alle Zeiten von Zinsen und Zehnten auf ihrem gerodeten Grund und Boden befreit sein. Daher der Name Franches Montagnes (Freiberge). In der Folge wurde das Gebiet von Neuansiedlern gerodet, urbar gemacht und nach und nach die heutigen Siedlungen gegründet.

Die Freiberge sind eine leicht gewellte Naturlandschaft. Etwa ein Drittel der Waldfläche sind sogenannte Waldweiden (pâturages boisés), typische Weiden des Hochjura mit einzeln oder in Gruppen stehenden mächtigen Fichten. Da das Nutzvieh die ihnen erreichbaren, unteren Äste der Fichten abfrisst, entsteht die charakteristische Form dieser Bäume. Ursprünglich bestanden die Waldgebiete aus Mischwald, der Reichtum an Holz fiel aber in vergangenen Jahrhunderten dem Bedarf an Holzkohle für die Eisen- und Glasschmelzen zum Opfer.

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Rinnsal im Wald
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Typische Landschaft der Freiberge

Zum Schluss der kulinarische Rank: Im Gärtchen habe ich Lattich gepflanzt, den besten aller Kopfsalate. Dank Jutta Lorbeerkrone wissen wir, dass unser Lattich in Deutschland Bindesalat heisst. Was hier wie allerbeste Gartenerde aussieht, ist nur das, was ich drübergeschüttet habe. Unten ist Lehm, noch tiefer verkarstetes Kalkgestein.
N.B. die Schnecken waren wieder einmal schneller.

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Lattich, Bindesalat

Quellen: wiki

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18 thoughts on “CH-2350 Saignelégier: Étang de Gruère”

  1. Wirklich schön habt ihr es da. Das sieht nach Erholung pur aus. Zum Seele baumeln lassen. Die Runde um den See würde ich heute auch gern laufen. Ein wenig im Gras sitzen. Stattdessen stehen wir den ganzen Tag in der Küche und drehen 2-3 neue Folgen NKFOM. Wird anstrengend, aber sicher auch lustig. Aber so ein Seespaziergang…*träum*

  2. Dä Egge vom Jura gfallt mir gliich guet wie dir. Sälber scho x Mol rundume gloffe, zältlet, im Summer go (Torf-)Bade, Heidelbeeri gsammlet und in dr Baiz in dr Nechi eine, zwai zur Bruscht gno. S’ Paradies Basiliensis – grad um en’ Egge !
    P.S. Nach em guete, alte “Binz” us dr Realschuel tipp i uf dr ‘Fieberklee’ (Menyanthes trifoliata)

  3. In die Natur wollten wir heute sowieso, aber nach Deinen einladenen Fotos muss es einen Ausflug an ein Gewässer werden … ich schaue direkt noch mal in die Karte.

  4. Basler Dybli hat recht: es ist der Fieberklee. Den haben wir auch in unserem Naturteich im Garten. Auf seine Blüte freue ich mich jedes Frühjahr. Schönen Sonntag!

  5. Lieber Robert, das kann sich sehen lassen – die Arbeit hat sich gelohnt! :-) So schön, das Knabenkraut… es blüht gerade überall in vielen Farben… und ich hab gestern am See ein Blesshuhnkind ganz alleine gesehen – es hat wohl seinen ersten Ausflug ohne die Mama gemacht :-)
    Herzliche Grüße zu dir, Elisabeth

  6. Die “unbekannte Wasserschönheit” haben Basler Dybli und Buchfink Dir ja schon richtig als Fieberklee bestimmt. Die Frage “Was blüht denn da?” etwas weiter oben kann ich Dir mit Wollgras beantworten.
    Sehr schöne Bilder, sehr schöne Landschaft – dort möchte ich jetzt auch spazieren gehen.

  7. @Jim: bei schlechtem Wetter geht das ja an, aber bei schönem Wetter mag einem das schon schwer fallen.

    @Nathalie: das lohnt die 20 Minuten Autofahrt.

    @Basler Dybli: ja der gute alte Binz, den habe ich nach der Schule leider entsorgt. Uns weiter als bis zur Bestimmung eines Gänseblümchens hab ich eh nicht gebracht. Am Etang hats unter der Woche mehr Berner.

    @Christine: am Wasser ist es schön, speziell am Rhein. Heute herrscht hier grauer Deckel. Ich bleibe zu Haus.

    @Buchfink: toll, wieder was gelernt :-)

    @Rosa: the Jura vaudois is wonderful, too

    @Elisabeth: wird sich verschwommen haben. Aber die Glucke findet ihre Jungen schon wieder. Dir wünsche ich ebenso herzlich einen schönen Tag.

    @Ute-S: im blühenden Zustand kannte ich es nicht, nur später, im wollig-fruchtenden.

  8. @Hesting: 70 Autominuten.

    @Cascabel: Moorgegenden sind, weil geschützt, meist ideale Wandergebiete.

    @Sammelhamster: noch nicht, aber bald stechen sie zu.

    @Christina: Freiberger stehen hier an jeder Wegbiegung :-) Etwas für ReiterInnen.

    @april: Die Sonne war zeitweise wolkenverhangen.

  9. Schade, das ist dann wohl für einen Tagesausflug mit frischgebackenen jungen Eltern und Großeltern zu weit. Zumal es im Auto eh zu eng würde.

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