Namenlose Schnitzel, Escalopines sine nombre, Schnitzel Nelly

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Frau Nelly, vor etwa 50 Jahren die unbestrittene Salatpäpstin der Schweiz, schrieb 1954 zu diesem Rezept: Sie brauchen keine weiteren Beweise Ihrer Kochkunst. Stellen Sie Ihrem Auserwählten einmal diese Kalbsschnitzel auf, und er wird begeistert sein ! Es wäre sehr nett, wenn Sie mir vom Erfolg ihres kleinen Diners berichten würden…

DKduWDas hätte ich als Auserwählter, von Frau L. Bekochter, ja gerne getan. Frau Nelly Hartmann ist aber leider 2006 im Alter von 97 Jahren verstorben.

Frau Nelly Hartmann-Imhof gab zwischen 1948-1970 im Eigenverlag monatlich ein kleines Büchlein mit Anleitungen für Küche, Heim, Garten und Kindererziehung heraus. Samt einem Kalender, der für jeden Tag ein neues Menu anbot. Ihr Kalender war hier eine der ersten Frauenzeitschriften, ohne Klatsch und Glamour, ohne Inserate für Autos, Alkohol oder Tabak.

Die frühen Ausgaben haben wir uns vor Jahren nachträglich bei Frau Nelly persönlich, in Leinen gebunden, beschafft. Für Sonntag, 14. November wird im Band 1954 ein  namenloses Rezept empfohlen: Schnitzel mit Oliven angebraten, auf Speckscheiben gelegt, erst mit Tomatenconcassee, dann mit Spiegeleiern überdeckt. Obwohl das Buch nur ein gebundenes Konvolut von Monatsheften ist, soll das mein Beitrag für den DkdUW sein.

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Warten auf das Ei, überdeckt mit Tomaten-Oliven-Concassée

Zutaten
für 2 Personen

3 kleine Kalbsplätzli
3 ganze Eier
3 mittlere Tomaten, entkernt, gewürfelt
4-6 dünne Scheiben mageren Speck
etwa 15 grüne und schwarze Oliven, entkernt, halbiert
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1 kleine Schalotte, fein gehackt
1 kleiner Bund Petersilie, fein geschnitten
1 Zweig Estragon, die Blätter
Salz, Pfeffer, [zusätzlich: Piment d’Espelette]

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Fleisch mit den Oliven

Zubereitung
(1) In einer Pfanne die gehackte Schalotte mit dem fein gehackten Knoblauch in wenig Bratbutter andünsten, die Tomatenwürfel und die gehackte Petersilie zugeben, mit Salz, Pfeffer und Piment d’Espelette würzen und etwa 5 Minuten auf kleinem Feuer zu einem Concassée köcheln.
(2) Zwei leicht eingefettete, hitzebeständige Formen mit etwas Speck auslegen.
(3) Schnitzel in wenig Mehl wenden, zusammen mit den halbierten Oliven in heisser Bratbutter in einer zweiten Pfanne beidseitig kurz anbraten, dann salzen und auf die Speckscheiben legen.
(4) Das Tomatenconcassée in die Fleischpfanne schütten, damit den Bratfond aufkratzen und über die Schnitzel verteilen.
(5) Die beiden Formen im auf 230°C vorgeheiztem Ofen etwa 5-10 Minuten überbacken (eigentlich nur ein warmhalten).
(6) Indessen aus den Eiern Spiegeleier braten, die gebratenen Eier auf die Tomatenwürfel geben und mit Estragonblättern bestreuen.

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Die Schnitzel befinden sich unter der warmen Decke

Anmerkung
Uns hat dieses Retro-Rezept ausgezeichnet geschmeckt. Die südliche, bessereVariante eines Holstein-Schnitzels. Wir konnten uns bislang noch nicht über einen Namen einigen. Frau L. plädiert für Schnitzel Nelly. Ich neige eher zu Namenloses Schnitzel. Die Oliven und das Ei haben so etwas Spanisches an sich, also Escalopines sine nombre.  Mal sehen, welcher Name sich durchsetzen wird.

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26 thoughts on “Namenlose Schnitzel, Escalopines sine nombre, Schnitzel Nelly”

  1. Und, lieber Robert, ich nehme mal ganz stark an, Frau L. war sehr, sehr, sehr erfolgreich – nachhaltig und langfristig, ewiglich… *lächel* Ich werde es auch probieren, so viel Erfolg spornt an :-)

  2. Da ist ja fast alles dabei, bei diesen Kalbsschnitzeln. Das Erstaunlichste für mich sind die Oliven, nicht wegen ihnen, sondern wegen der Zeit, 50er-Jahre, Oliven nördlich der Alpen, und erst noch heiss. Ich dachte bis anhin, die wären damals bei uns nur als Öl und zum Naschen und im gerührten, ja nicht geschüttelten, 007 Martini bekannt gewesen.
    Dürfen wir nur 3 Schnitzelchen nehmen? Wo bei Dir doch mindestens 4 zu sehen sind.

  3. Das muss 1954 noch viel exotischer geschmeckt haben, als die mediterranen Zutaten erst langsam bekannt wurden. Schnitzel Nelly ist unerlässlich – bei einem Spanisch Holstein ließe am Ende ein Historiker empört das Besteck sinken und würde den Koch sprechen wollen ;-)

  4. Vorgestern hätte ich noch zugegriffen, zusammen mit dem Spiegelei ist es mir heute zu sommerlich für dieses Gericht! Schöne Grüsse an Frau L!

  5. Ihr werdet euch bestimmt auf einen Namen einigen, wir Frauen geben da ja nicht so schnell auf :-)
    ist bestimmt sehr lecker, wie lieben Estragon

  6. Die Kombination passt. In denFünfzigern muss das aber die Sensation schlechthin gewesen sein. Wie es letztendlich heißt, ist mir egal. Dass man nur 4 halbe Schnitzel auf dem Teller sieht, da hat Erich Recht! ;-)

  7. In Wien gibt es einen Friedhof der Namenlosen, das fällt mir gerade dazu ein.

    Sonst schauen Schnitzel & Co ganz gut daher!

  8. Das würde so richtig in meinen Kochplan von morgen passen – auch meinem Sohn wird das sehr gefallen. Unter welchem Namen auch immer – das Schnitzel ist sehr schön begleitet :-)

  9. @My Kitchen: Nelly

    @Suse: altmodisch, das war doch erst gestern ;-)

    @Nathalie: mach Du erst mal Urlaub !

    @Rosa: herzliche Gratulation zum 5-jährigen Blogjubuiläum !

    @Elisabeth: oh ja, sie hat die Schnitzel bereits zum zweiten Mal gemacht. Erfolgreich. Isst er denn Schnitzel ?

    @SchnickSchnackSchnuck: Sie hat ein Leben lang für ihre Überzeugung, gesunde Kost, gekämpft, ohne Braten, Rindfleischvögel oder Kalbsfüsse zu verschmähen.

    @Arthurs Tochter: Danke !

    @Erich: erwischt ! es waren 4, aber ganz kleine Schnitzelchen. Frau Nelly hat schon früh die mediterrane Küche propagiert.

    @einfachguad: sie hats gefunden, sie hats gekocht, deshalb darf sie das Rezept auch benennen :-)

    @Jutta: Frau L. macht seit Wochen nichts anderes, als die alten Kalender durchzulesen :-)

    @Susa: die Eier mitsamt den Estragonblättern sind unverzichtbar !

    @anie’s delight:

    @bee: die spanische Nelly habe ich bereits verworfen.

    @Christine: Sommer ? Hier ist schon Herbst.

    @Karin: mir ist alles recht, ich habs dann einfacher zum Aufgeben der Bestellung, Schnitzel Nelly bitte.

    @the rufus: bei uns krigt alles einen Namen.

    @chriesi: schon entschieden.

    @Peter: aus heutiger Sicht betrachten wir die Kochkunst von Frau Nelly etwas kritisch. Erst als Marianne Kaltenbach dazu gestossen ist, haben die Rezepte an Statur gewonnen.

    @entegut: Frau Nelly sagte einmal in einem ihrer Kalender: “Eine Küche ist kein Krematorium”

    @Magdi: die Schnitzel sind so klein, dass es des Eies bedarf, um satt zu werden !

    @Alissa: das Schnitzel gehört so oder so ab sofort zu unserem Repertoire.

  10. I gang sogar e Schritt wiiter und sag däm Gricht “Tante Nelly-Schnitzel”. Das teent so richtig chic.
    Das wird bestimmt – do mit Flaisch – bald emol goutiert wärde :-)

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