Gelesen: La cucina verde

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Kaum hatte ich das vom kleinen Verlag Jacoby und Stuart erhaltene Rezensionsexemplar ausgepackt, wurde es mir von Frau L. entrissen, durchgesehen und zuhanden ihrer Kochbuchsammlung beschlagnahmt. Wir führen seit Jahren getrennte Kochbuchsammlungen. Nützliche Kochbücher mit hohem Gebrauchswert enden bei ihr, der Rest, jene berühmter Kochautoren, solche mit schönen Fotos, mit viel Deko und chichi darf ich in mein Regal stellen.

Immerhin wurde es mir für die Dauer unserer Ferien ausgeliehen, die Rezension schreibe schliesslich ich.

Als Bildmensch schaute ich mir erst die hübschen, in naiv-verspielten Stil gehaltenen Zeichnungen von Larissa Bertonasco an, die Bilder haben ihren eigenen Charme. Anders als bei Hochglanz-food-foto-bänden konnte ich mich nicht mit der Betrachtung der Bilder begnügen. Ich musste mich, seit langem zum ersten Mal bei einem Kochbuch, durchlesen.

Dabei ist die praktische Gliederung in 18 Gemüsekapitel ein grosser Gewinn. Unterschiedliche Farben und Symbole erleichtern den raschen Zugriff. Jedes Gemüsekapitel besteht aus einer kurzen Einleitung des Autors mit Informationen über das Gemüse, seinen Gebrauch sowie praktischen Tipps. Danach folgen zu jedem Gemüse 12, 14, 16 oder 18 unterschiedliche Rezepte. Daneben gibt es ein Kapitel mit den Grundrezepten. Die Rezepte sind einfach gehalten, 1-2 Rezepte pro Seite zeugen für den bewundernswert präzisen und knappen Schreibstil von Carlo Bernasconi. Sie sind mit wenigen Ausnahmen auch für Kochanfänger leicht nachkochbar, bestehen aus wenigen Zutaten, die in einem normalen Vorrat vorhanden sind, oder sich leicht beschaffen lassen.

Das macht das Buch zu einem wertvollen Ratgeber für Berufstätige, die abends vor dem Kühlschrank stehen, einen ratlosen Blick ins hoffentlich nicht leere Gemüsefach werfen, und aus dem Vorhandenen rasch etwas Gutes herzaubern möchten. So einfach die meisten Rezepte daherkommen, sie entbehren allesamt nicht einer gewissen geschmacklichen Raffinesse, wie sie nur italienischen Rezepten eigen ist. Einige wenige Rezepte benötigen etwas mehr Zeitaufwand, die meisten eignen sich für die Alltagsküche.

Das Buch verspricht die schönsten italienische Gemüserezepte.  Das Buch verspricht nicht zuviel ! Schade, dass man bei Carlo Bernasconi nur abends essen kann. Wenn wir mal in Zürich sind, dann leider immer nur mittags.

Ein einfaches Rezept habe ich mir aus dem Buch zum Nachkochen vorgenommen: Konfierte rote Zwiebeln aus Tropea. Nächste Woche in diesem Blog.

Buchtitel: La Cucina verde
Autor, Illustrationen: Carlo Bernasconi und Larissa Bertonasco
ISBN 978-3-941087-79-8 , Zweite Auflage, 2010
Gewicht: 600 g
Dimension, Machart:  24x18x1.5 cm, gebunden
Geruch: leicht nach den verwendeten Druckfarben, aber nicht unangenehm
Druckfehler: Einer, Seite 151

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33 thoughts on “Gelesen: La cucina verde”

  1. Ich habe von der Bertonasco das erste Buch mit den Rezepten der Nonna und ihre Geschichten und Illustrationen haben mir sehr gut gefallen.

  2. Phantastische Fotos und hervorragende Rezepte schliessen sich nicht aus.
    Siehe: italienisch kochen, Teuber Edition. Einer der Autoren heisst Carlo Bernasconi, der andere Christian Teubner. ISBN 3-7742-1337-2

  3. Schade, dass Du kein Foto von einem “illustrierten” Rezept eingestellt hast. Wahrscheinlich liegts am Anfängerstatus, aber ein Rezept ohne Foto ambitioniert mich nicht zum Nachkochen. Viel Vergnügen beim Streichen :)

  4. Gütertrennung bei Kochbüchern?
    Werde ich auch einführen:-)

    Ich habe auf den Post hin bei amazon “einen Blick ins Buch” geworfen – obwohl ich ansonsten mehr für Kochbücher mit schönen Fotos zu haben bin, finde ich die Illustrationsidee sehr schön und ansprechend umgesetzt…

    PS: Wir freuen uns auf das Zwiebelrezept!

  5. Wir sind alle von der zugegebermaßen hervorragenden Foodfotografie verwöhnt, aber ein wirklich gutes Kochbuch kommt auch ohne Farbfotos aus, mir fallen gerade die frühen Kaltenbach-Bücher ein. Und in diesem Fall sind die Zeichnungen von Larissa Beronasco ganz besonders schön, wie schon im früheren Kochbuch: La Nonna…

  6. und meine Wunschbücherliste wird immer länger….. Liest sich toll an, Gemüserezepte sind immer herzlich Willkommen und Italien passt auch. Auf die Zwiebeln bin ich schon sehr gespannt!
    Liebe Grüsse aus Solothurn
    Irene

  7. @Heidi: Danke, das schöne Wetter musste genutzt werden.

    @Christina: Nächste Woche.

    @Alex: ich erinnere mich, das gefiel mir auch.

    @Hunk: http://www.cucinalibri.ch/www.cucinalibri.ch/Cucina_e_Libri.html
    Das Buch kostet 34.50. Ja, das ist der Nämliche Autor.
    Claudio war übrigens auch schon mal essen.

    @katha: Da kannst Du 10 Lektoren bezahlen. Ich als elfter finde immer noch etwas.

    @nata: ich hole mir die Sachen schon ;-)

    @Rosa: handlich, so richtig um im Bett gelesen zu werden, ohne dass einem um die Brust eng wird.

    @Afra Evenaar: die letzten cipolle di Tropea wurden dafür geopfert.

    @Christine: das Rezept folgt, wie im Text angekündigt. Die Farbe hat wieder nicht gereicht !

    @Frau Sonntag: ich hätte gerne noch ein zweites daraus gekocht, aber momentan habe ich zuviel um die Ohren.

    @Buchfink: Genau, bei Marianne Kaltenbach gings meist auch ohne. Das zwingt einen, die Rezepte zu lesen, statt nur die Bilder anzusehen.

    @Andreas: einfach und kochfreundlich.

    @Irene: Danke, Ihr mit Eurem schönen Gemüsemarkt am Samstag könnt gut in Gemüsen schwelgen.

    @sammelhamster: ich besitze Kochbücher, die ich nicht angucke wegen des penetranten Chemiegeruchs.

  8. Die Bewertung amüsiert mich auch. :)
    Vor mir sind übrigens auch keine Druckfehler sicher (auch nicht in vor einigen Jahren eingereichten Abschlußarbeiten ;)).

  9. Oh wie nett, da bin ich auch auf den Test gespannt. Hatte das Buch schon öfter im Laden in der Hand – der Vorgänger “La nonna la cucina la vita” steht schon bei mir im Regal; aber beinahe ungenutzt, denn für Fleischfreie wie mich wär das neue vermutlich viel besser geeignet… (…Naja, Weihnachten klopft ja quasi schon die Tür). Viel Spaß bei der Probe!

  10. @Sivie: ich habe auch welche aus Tirano mitgebracht.

    @Hesting: jeder Autor wird beim häufigen Durchlesen mit der Zeit blind gegenüber seinem Werk.

    @Anna: Autor ist ein anderer, die kraftvolle Bildersprache der Illustrationen lässt vermuten, dass es aus der gleichen Serie stammt, “La nonna…” ist aber, wenn ich mich recht erinnere, sogar aus einem andern Verlag.

  11. Die Buchreihe steht beim Gatten auch weit oben, da sie so wunderbar alltagstauglich ist. Einfache, schlichte und leckere Rezepte. Und mich als Grafikerin spricht das Layout auch an. Wundervoll “naiv”, wie Du schon schriebst.

  12. in der aktuellen food & travel ist ein bericht über das buch und larissa beronasco. mit rezept (zucchini-kuchen). sieht zum anbeissen aus!

  13. Stimmt, da ist nur Larissa Bertonasco die ins Auge stechende, aber einzige Verbindung. Bertonasco, Bernasconi, das ist aber auch verwirrend. Danke für den Hinweis ;-)

  14. @Afra: Danke. Gerstenberg. Genau.

    @wortteufel: all diese Eigenschaften kommen selten in einem Buch zusammen.

    @feinschmeckerle: mit Bild noch viel mehr als ohne.

    @Anna: zumal Larissa B. einmal als Kochbuchautorin, das andere mal als Illustratorin auftritt.

  15. Habe das Rezept für den Zucchinikuchen in einer Rezension gefunden und gleich wurde es ausprobiert; es war sehr gut und trotzdem einfach auszuführen.
    Ich brauche auch keine Fotos in Kochbüchern und liebe immer noch die ücher von Marianne Kaltenbach und Elfie Casty!
    Herzlichen Dank übrigens für die guten Erklärungen von Küchentechniken.

  16. Hallo Robert, nachdem die ‘NZZ am Sonntag’ auch eine Rezension dieses Buchs gebracht hatte, habe ich mir deine nochmall durchgelesen – und dann beide bestellt, auch das von Frau Bertonasco. Mittlerweile sind sie eingetrudelt, und sind definitiv mal was anderes. Irgenwie authentischer und poetischer als was sich sonst so im Lauf der Zeit angesammelt hat. Danke für die Rezension.
    Liebe Grüsse, Heinz

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