Spaghetti mit Olivensauce

Spaghetti mit Olivensauce 0_2010 10 07_0170

Es gibt diese Tage, an denen alles schiefläuft, nichts will vorangehen und ehe man um sich schaut, ist Mittag. Mittag ? Was gibts denn heute ? höre ich bereits die neuerdings lateinische Vokabeln büffelnde Frau L. aus ihrem Zimmer rufen. Collyrae !! (lateinisch für Spaghetti) rufe ich zurück. Wird mir schon was einfallen. Aber es fällt mir nichts ein. Hatte nicht Johannes kürzlich Nudeln cum olivae ? Doch, hat er. Aber: am besten eine ganze Woche im Kühlschrank ziehen lassen. Kommt nicht in Frage, ich brauche die Sauce JETZT !

Zutaten
250 g Spaghetti
2 Handvoll Schwarze Oliven ohne Kern
Olivenöl
Lorbeerblattpulver (getrocknete Lorbeerblätter in der Messermühle mahlen)
Wilder Fenchel
4 Stangen Staudensellerie in kleine Würfelchen geschnitten
Frischer Oregano
Zimt gemahlen

Herstellung
(1) Die Oliven und die Hälfte des Staudensellerie in einen Mixbecher geben, mit dem Stabmixer und Olivenöl kurz zu einer groben Paste rühren, feingehackten wilden Fenchel und Oregano, sowie die restlichen Staudenselleriewürfelchen zugeben. Dann eine Prise Zimt und eine Prise Lorbeerblattpulver hinzufügen. Die Masse in einer Bratpfanne etwa 10 Minuten leicht anwärmen
(2) Indessen die Spaghetti in Salzwasser beinahe aldente garen, abgiessen, unter die Olivensauce mischen, bei Bedarf etwas Pastawasser zugießen und die Spaghetti in der Sauce noch etwa 1-2 Minuten fertiggaren. Nachwürzen mit Salz und Pfeffer.
(3) Zusammen mit Olivenscheiben, frischem Oregano und geriebenem Parmesan anrichten. Käse und Oliven kamen erst nach dem Foto auf den Teller. Ich vertrage das Gehetze einfach nicht mehr.

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37 Gedanken zu “Spaghetti mit Olivensauce”

  1. Das grosse Latinum scheint mir in einem anderen Leben begegnet zu sein. Das ist ja schon so lange her. Cibus semper melior est oleis. Hoffentlich liesst das nicht einer meiner alten Lateinlehrer, sonst muesssen sie sich schon wieder die Haare raufen.
    Hoert sich nach einem sehr leckeren Blitzgericht an.

  2. danke – und wo bekommen Mann oder Frau wilden Fenchel – ist das etwa der, der im ersten Drittel seiner Entwicklung in meinem Garten unter dem Schnee ächzt??

  3. Ich muss lachen: Latein!? Auch ich habe so meine Phobien bezüglich Latein und wollte es vergessen. Jetzt muss ich für unseren Sohn mein Latein aus der Schublade kramen. Mich erstaunt es wieviel ich noch weiß:) Finocchio selvatico sieht man häufig bei italienischen Rezepten. Ich nehme dann manchmal einfach das Grün vom normalen Fenchel.

  4. Das schmeckt sicher fein. Ich mag Zimt sehr gerne in pikanten Gerichten. Ist mal was anderes.

    Und zu der Hetzerei: dazu fällt mir immer ein, wie wir gehetzte Westösterreicher (da haben wir uns den Schweizern angepasst;-) im Osten des Landes wo es gemütlicher hergeht (Wien mal ausgenommen) praktisch gezwungen werden auf die Bremse zu steigen. Nie vergesse ich den Satz eines Schaffners im Burgenland, der uns beim Rennen zum Zug, weil wir dachten wir versäumen ihn, zurief: “Nur net hudeln, si könntönd jo noch schwitzad wern…” der fällt mir in so Stresssituationen immer ein…und hilft beim Zurückschalten.

  5. Eine ganze Woche… nun, das könnte sich lohnen, wenn es genug anderes gibt, was man auf den Tisch zaubern kann – da bin auch ich am Ende meines Lateins… :-)

  6. @kitchenroach: Lorbeerblattpulver ist etwas sehr praktisches. Nur kein gekauftes. Das sollte möglichst frisch hergestellt werden. Zum selbermachen hacke ich getrocknete Lorbeerblätter im Cutter vor, Danach passen sie in eine Gewürzmühle.

    @My kitchen: Staudensellerie ist eine unserer Lieblingszutaten.

    @nata: warum Latein ? Das frage ich mich auch :-) Der Hang zur italienischen Sprache, oder die Teilvertreibung aus der Küche, oder Gedächtnistraining. Von allem etwas.

    @Barcalex: aus dem Latein halte ich mich raus.

    @chezuli: Dosierung vorsichtig, werden die Blätter pulverisiert, liegt das sonst eingeschlossene Öl offen vor.

    @sibylla76: eine gute Spaghettisauce unter vielen andern guten.

    @Lisa: ich hab ihn heuer das erste Mal im Frühling ausgesät und konnte ihn im Herbst ernten. Das Fenchelkraut von gewöhnlichem Femchel kommt ihm am Nächsten.

    @Hesting: das kommt öfters vor als man denkt.

    @Rosa: Spaghetti sind immer lecker.

    @bee: Das lateinische Zitatenlexikon von Karl Beyer sagt dazu nichts, aber das Internet :-)

    @Magdi: ich kann kein Latein.

    @Birgit: solche Erlebnisse wirken nach und bleiben unvergesslich :-)

    @Elisabeth: Johannes meinte, dass das Durchziehen die Sauce besser macht, das wollte ich beschleunigen.

  7. Warum soll es dir anders gehen als deinen ebenfalls öfter gehetzten Lesern? Glücklicherweise versagt in solchen Zeiten deine unerschöpfliche Kreativität kein bißchen und du erfindest Oliven mit Zimt. Muss ich ausprobieren, aber statt wildem Fenchelgrün muss ich wohl auf das “normale” zurückgreifen.

  8. also wir haben damals zur besseren Verständlichkeit von Latein “Asterix & Obelix” auf Latein gelesen. :)
    Genützt hat es nicht viel, mein kleines Latinum habe ich nur mit “ach und krach” erreicht. Wahrscheinlich hätte mir ein Teller obiger Spaghetti zur Unterstützung besser getan als manche teuer bezahlte Nachhilfestunde. ;)

  9. Genau. Nicht stressen lassen.
    Und Frau L viel Spaß beim Latein. Ich erinnere mich gern an den Lateinunterricht zurück, es hat immer viel Freude gemacht – besonders als wir endlich mit Original- und nicht Schulbuchtexten hantieren durften.

  10. Das ewige “Wilder-Fenchel-Problem”, das mir bei vielen meiner in Süditalien erworbenen Kochkenntnissen beim Nachkochen im unwirtlichen Voralpenland im Wege steht. Trotzdem ein feines ad hoc – Gericht. Zimtblüte, frisch gemahlen, tröstet über den Mangel an echtem wilden Fenchel hinweg.

  11. Hoppala, da lernt Frau L mal eben so fürs kleine Latinum? Nicht schlecht.

    Das Olivensößchen passt im Übrigen auch hervorragend zu Rinderfilet, so serviert es nämlich Hanna Saliba.

  12. Ich muss doch mal eine Lanze für Latein brechen. Irgendwann erworbene Kenntnisse lassen sich doch schnell wieder auffrischen – z. B. durch die Lektüre eines Foeniculum-Rezepts von Plinius :-). Müsste im Netz zu finden sein. Ich hatte vor Jahren 15 Jahren das Vergnügen, ein faszinierendes Buch über längst vergessene Gemüse übersetzen zu dürfen (leider nicht aus dem Lateinischen, hätte ich aber auch gern übernommen), die inzwischen größtenteils für die moderne Küche wiederentdeckt worden sind. Plinius wird da sehr oft zitiert. Über den “wilden Fenchel” bin ich gerade auch gestolpert. Woher nehmen und nicht stehlen?

  13. @Buchfink: Johannes hats erfunden. Ich habe das Gericht nur nachgekocht.

    @Arthurs Tocher: Ich besitze heute noch sämtliche Bände des Professors Bienlein auf Französisch. Genutzt hat es auch nichts, aber wenigstens Spass bereitet.

    @sammelhamster: dabei könnte ich mich längst zur Ruhe setzen :-) [freudig ein neues Küchenmaschinchen auspackend]

    @Claus: Eine Messermühle ist ein kleiner Cutter oder ganz einfach eine alte Kaffeemühle mit rotierenden Messern. Die schlagen die Lorbeerblätter klein.

    @kochschlampe: weder kleines noch grosses Latein, einfach so zum Spass.

    @elettra: schön, wieder von Dir zu lesen ! Mein Wildfenchel war kein echter Wildfenchel sondern Gewürzfenchel, den ich im Jura auf 900 m.ü.M. ausgesät hatte. Er war also nicht so arg wild und deshalb weniger bitter. Von Zimtblüte habe ich schon gelesen, aber noch nie die Gelegenheit gehabt, sie zu kosten.

    @Suse: neeeein, Frau L. tut nur etwas allenfalls fürs alternde Gedächtnis.

    @anglogermantranslations: Frau L. gefällt die Sprache auch. Soweit, dass sie ganze Texte übersetzen könnte, ist sie hingegen nicht. Dein Hinweis auf Plinius hat mich eben dazu gebracht, wieder einmal in einem alten, kleinen Kochbüchlein zu blättern, das im Original von Apicius stammt. Wenn ich bloss wüsste, woher ich einen Flamingo (phoenicoptero) herbekomme :-) zu Wildfenchel siehe bei elettra.

    @Susa: Wer nicht in der Küche steht, ist Gast und befiehlt. Alle paar Tage werden die Rollen vertauscht.

    @the rufus: Flocci nom interduim.

    @Jutta L.: wozu, das wüsste ich selber gerne :-)

  14. Ich kann Frau L. verstehen: Latein war immer mein Liebstes auf dem Gymnasium! :-)
    Aber dein schnelles Spaghettigericht hätte ich auch gerne mit euch geteilt!

  15. Ich oute mich hiermit als Sprach-Nerd und kann Frau Ls neues Hobby sehr gut nachvollziehen. Latein ist auch noch ein großer Traum von mir! Bitte richten Sie Frau L aus, dass ich ihr viel Erfolg beim Vokabeln pauken wünsche und weiterhin viel Spaß beim Lernen :)

  16. Oh Gott, meine Latein-Lehrerin hat uns in der ersten Stunde mit einer Frosch-Handpuppe gequält, dieses langgezogene “Raaaanaaaaa” hat mich bis in den Schlaf verfolgt, grausig! Heute kommen mir die Lateinkenntnisse aber oft zu Gute. Die Spaghetti gefallen mir gut, mit Oliven sind sie schön deftig, ich darf nur den Zimt nicht zu sehr herausschmecken.

  17. Ich muss zur Zeit auch wieder Latein lernen, da es meine Tochter es gerade lernt…man kommt ja nicht wirklich drum herum. Heute finde ich es schön, früher habe ich es gehasst.

  18. danke, Robert. Zimtblüte alias Macis gibt es beispielsweise bei Frau Valenti in München, frisch gemahlen ein Schuss, auch in der Weihnachtsbäckerei.

  19. Ich bin nur überrascht, daß Du und Päm (und “Neues von der Insel”?) Euch bzgl. der Nudeln abgesprochen habt. Lag das am Tag der Nudel, der gerüchteweise am Dienstag war? ;)

  20. @Eva: und ich wasche derweil die Wäsche :-)

    @Berit: gar nicht einfach, sich im Alter wieder in die Schulbank setzen zu müssen.

    @Isi: die Schule kommt für manche Kinder zu früh. Fürs Kindsein ist keine Zeit mehr da.

    @elettra: Danke, jetzt wo ich von der Existenz der Zimtblüte überhaupt weiss, ist es einfach, sie auch in der Schweiz zu finden.

    @Hesting: Nudeltage, Kürbistage, Spargeltage… Zufälle, wenn viele mit denselben Grundzutaten kochen.

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