Weinrallye 38: Scheurebe aus Dardagny, GE

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weinrallye_200Heute kein Sonntagsauflug. Heute ist Weinrallye. Marqueee von Allem Anfang… widmet “sein” Weinrallye einer “Neu”-züchtung aus dem Jahre 1916, die in Deutschland zunehmend durch “höherwertige” Sorten bedrängt wird und auch in Österreich und der Schweiz nur ein Nischenprodukt-Dasein fristet: der Scheurebe.

Erst wollte ich zu einer Spätlese von Alois Kracher greifen, die ich vor Jahren mal probiert hatte, liess das aber gerne sein, nachdem ich in der Schweiz fündig geworden bin. Die Schweizer Weissweine wurden noch vor wenigen Jahren beinahe ausschliesslich von Chasselas (Gutedel), Riesling-Sylvaner (Müller-Thurgau) und Johannisberg dominiert. Seit einigen Jahren experimentieren Nischenbewusste Winzer mit andern Sorten. u.a. der Scheurebe, einer Zufallsentdeckung des deutschen Rebzüchters Dr. Georg Scheu. 1916 gelang ihm die Kreuzung aus  einer unbekannten Wildrebe und der noblen Sorte Riesling. Deutschland, als das Geburtsland der Züchtung, ist nach wie vor Hauptproduzent, in Österreich hat sie am Neusiedlersee und in der Steiermark Fuss gefasst. In der Schweiz kann man die Winzer, welche die Scheurebe reinsortig ausbauen, an zwei Händen abzählen. Kleinere Bestände findet man in der Bündner Herrschaft (Andrea Davaz und Markus Stäger, die Süssweine, durch den Traubenkocher Föhn begünstigt, herstellen). Auch am Zürich- und am Walensee wachsen auf einigen Parzellen Scheurebe. Meist trockene Weine, nur in Ausnahmejahren gelingt es, daraus Süssweine herzustellen.

Auf geringfügig breiterer Basis Fuss gefasst hat die Scheurebe bei wenigen Winzern in der Genfer Region.  1994 hat sie Claude Ramu von der Domaine du Centaure als Erster angepflanzt. Ihm folgten die Familie Mistral-Monnier, Domaine des Faunes, und Marc Ramu, Clos des Pins, sowie Raymond Meister im benachbarten Satigny. Die vier Winzer belassen dem Saft der Scheurebe einen Restzuckergehalt von etwa fünf Gramm Zucker pro Liter. Dieser Hauch Restsüsse verleiht dem aromatischen Wein Finesse und Eleganz.

mein Wein:

Scheurebe 2009
Domaine les Faunes
1283 Dardagny GE

Hellgelbe Farbe, klar, nicht ganz brillant, in der Nase  schwarze Johannisbeeren, im Gaumen viel Grapefruit. Angenehme Säure, die sich gut mit der minimalen Restsüsse verbindet. Ein Wein, der auch für trockene Schweizer Gaumen gut zu trinken ist. In der Aromatik liegt er näher bei einem Sauvignon blanc als bei einem Müller-Thurgau. Ein idealer Aperitivwein und als Sorte für mich eine positive Entdeckung.

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9 thoughts on “Weinrallye 38: Scheurebe aus Dardagny, GE”

    1. Auch wir haben eine kleine Parzelle in Erlinsbach AG mit Scheureben angebaut. Gekeltert wird der Wein von Peter Wehrli in Küttigen.

  1. Auch in Deutschland führt die Scheurebe ein Nischendasein. Im Mittelpunkt steht ja meist der Riesling und als Massenträger auf dem Kartoffelacker wie diverse andere Neuzüchtungen eignet sie sich auch nicht.
    Ab und an begegnet man ihr in Rheinhessen oder in der Pfalz. Die bekanntesten sind sicher die von Müller-Catoir oder von Buhl ( ein Weingut, das man eh wieder stärker im Auge behalten sollte…). Hier werden sie restsüss ausgebaut; vom Ruppertsberger Reiterpfad macht Buhl auch Beerenauslesen und TBAs; bei Müller-Catoir gibts einen sehr charmanten Kabinett.
    Ach ja, in Österreich läuft sie auch unter dem Namen “Sämling”.

  2. Vielen Dank für Deinen Beitrag, Robert. Ihr Schweizer seid wirkliche Dedektive: Keine 5ha Gesamtanbaufläche Scheurebe im Land und trotzdem 2 verschiede Scheureben-Winzer bei der Rallye vertreten. Alle Achtung!

  3. @Nathalie: trinken wir alles selbst ;-)

    @duni: solange die Sorte nur eine Nische besetzt, werden deren Weine kaum in andere Länder exportiert werden.

    @Rosa: da wollte ich schon lange hin.

    @Marqueee: liegt ja alles näher beieinander ;-)

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