Grenzland 2010: Unterengadin

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Ardez, Burgruine Steinsberg

Dafür, das wir in den Herbstferien nur einen kleinen Ausflug ins Unterengadin unternommen haben, ist der Anspruch des Titels viel zu weit gefasst. Fährt man von Zernez nach Schuls, passiert man halbwegs Ardez, das auf der linken Talseite über dem Inn liegt. Von weit her ist die Ruine der Burg Steinsberg sichtbar. 1209 kaufte der Churer Bischof den Herren von Ardez die Burg ab, die danach den bischöflichen Herrschaftsmittelpunkt im Unterengadin bildete. Sie wurde 1499 durch die Oesterreicher im Schwabenkrieg zusammen mit dem Dorf zerstört. Später wieder aufgebaut. 1622 wurde der inzwischen protestantische Ort durch den katholisch-österreichischen Feldherr Alois Baldiron wiederum dem Erdboden gleichgemacht. 1652 kauften sich die Ardezer von Österreich los.

Auffallend in Ardez sind die vielen, schönen Engadinerhäuser.

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Ardez, Hauptstrasse
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Ardez, Engadinerhaus
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Vorläufer der heutigen Graffiti
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Ardez, Erker

Seit dem Wiederaufbau nach 1622 hat sich das innere Dorfbild beinahe unverändert erhalten.

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Ardez, Häusergruppe

Kurz vor Schuls grüsst auf der rechten Talseite das markante Wahrzeichen des Unterengadins, das auf einem Hügel gelegene Schloss Tarasp. Das Schloss war in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts Wohnsitz der Herren von Tarasp, die aus der Gegend des Comersees ins Engadin gezogen waren. Im Jahre 1239 gelangte die Festung an die Grafen von Tirol. Da das Unterengadin zum Bistum Chur gehörte, folgten heftige Auseinandersetzungen zwischen den Tiroler Grafen, den Bündnern und den Bischöfen von Chur um die Vormacht im Unterengadin. Ab 1464 war Tarasp eine österreichische Grafschaft. 1803 wurde Tarasp von Napoleon der helvetischen Republik zugeschlagen.

In der Folge wurde das Schloss vom Kanton für umgerechnet etwa 300 € verkauft, danach komplett leer geplündert, bis es 1900 in den Besitz des Dresdner Industriellen und Odol-Mundwasser-Fabrikanten Karl August Lingner überging.

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Schloss Tarasp und Tarasper See

Lingner steckte viel Geld in die Renovation, konnte das Schloss selber aber nicht mehr bewohnen. Er starb 1916 unerwartet. Das Erbe fiel an einen Freund von Lingner, Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen. Das Schloss befindet sich heute noch im Besitz der Familie von Hessen. Indessen wurde jedoch ein Kaufrechtsvertrag zwischen der Gemeinde Tarasp und der Familie von Hessen abgeschlossen. Die Gemeinde leistet an den Unterhalt eine Defizitgarantie.

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Schloss Tarasp

Nach Tarasp haben wir in Scuol zu Mittag gegessen. Recht. Nichts denkwürdiges. Über den Ort habe ich letztes Jahr schon berichtet. Ein paar Schritte ins Unterdorf. Dort, in „Scuol Sot” stehen schöne alte Engadinerhäuser, ein malerischer Dorfplatz mit einem grossen Brunnen.

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Scuol Sot
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Scuol Sot

Damit ist Schluss mit Ferienbildern. Der Winter hat uns fest im Griff. Keine Ausreisen mehr.

 

Quellen: Wiki, Schloss Tarasp

11 Gedanken zu “Grenzland 2010: Unterengadin”

  1. Das wird wieder, für nächste Woche ist schon Tauwetter angesagt. In der Zwischenzeit bleiben deine Reminiszenzen an schöne Sommer/Herbsttage. Vielen Dank für den schönen Sonntagsbericht.

  2. Scuol Tarrasp is such a beautiful place! I really love those splendid houses and those landscapes. Thanks for bringing back memories of my trip there…

    Grüsse,

    Rosa

  3. Sogar die Erker ziehen sich zurück in die Fassade. Diese Landschaft weiß auch mit Schnee und kalten Winden umzugehen. Aber ob man auf der Schlosshöhe besser wohnt?

  4. @kochschlampe: das muss an der Od.ol Zahnpaste gelegen haben :-)

    @Buchfink: Danke. Vorerst bleiben wir zuhause an der Wärme.

    @Rosa: a place where others make holidays

    @bee: besser nicht, aber es wirkt auf manche Zeitgenossen beruhigend, wenn sie auf Andere herabblicken können ;-)

    @Elisabeth: mir braucht nicht geholfen zu werden :-) Ich liebe den Winter !

  5. Sehr schöne Impressionen. Und ich dachte auch gleich: wie es wohl jetzt dort aussieht. Sicher tief verschneit (wie hier ;-))

  6. @sammelhamster: Winterreisen sind so melancholisch.

    @april: wenn bei uns Schnee liegt denken wir immer, wozu denn in die Berge ;-)

    @the rufus: das wäre denkbar, so ausgschamert wie die Boadn ausschaun… :-)

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