Gnocchi sciuè sciuè

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Sciuè…sciuè, Schnell…schnell. Eine aus dem neapolitanischen Dialekt stammende Bezeichnung, kulinarisch insbesondere für schnelle Pastazubereitungen verwendet. Das Rezept stammt von einer Frau aus Salerno, wurde  2005 in verschiedenen italienischen Foren vorgestellt und letztlich von Anice e cannella nachgekocht. Dort habe ich die Gnocchetti kürzlich gefunden, deren Herstellung erinnert mich zwar stark an jene von Tapetenkleister (Mehlkleister selber machen) [klick]. Da ich bekanntlich vor nichts zurückschrecke, kam ich als neugieriger pastakoch nicht umhin, sie auszuprobieren. Gnocchi die jedem gelingen. Aus einfachstem Mehlteig bestehend. Keine fluffigen Kartoffel- oder Ricottagnocchi. Wichtig dabei ist nur, das man sie sehr klein macht, nicht so grosse Brocken wie auf den Fotos in den italienischen Blogs. Je kleiner sie geformt werden, umso weniger kleben sie am Gaumen und einen desto angenehmeren Biss weisen sie auf.

Cucina rapida - schnelle Küche für Genießer. Ein Blog-Event von  mankannsessen.deNichts für die hohe Gourmetküche, aber das Richtige für kalte Tage. Ich habe in guten Restaurants schon weniger gute Gnocchi gegessen. Mein Beitrag für den Dauerevent Cucina rapida von mannkannsessen. Die Zubereitung des Teiges dauert ganze 30 Sekunden. Nur die anschliessende Teigruhe verhindert den Geschwindigkeits-Weltrekord.

Zutaten
für 2 Personen
200 g Weissmehl
220 ml Wasser
1 Tlf. Salz
Weizendunst zum Bemehlen

6 Elf. Olivenöl
1 Handvoll weiche Dörrtomaten (50 g)
1 Elf. Kapern
1 Elf. Weißweinessig (Weisser Balsam von Gölles)
1 Knoblauchzehe
1 Handvoll schwarze Oliven, grob gehackt

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Zubereitung
(1) Wasser aufkochen, Salz zugeben, das gesiebte Mehl im Sturz beifügen und rasch mit einer Holzkelle zu einem sehr festen, klebrigen Teig verrühren. Nach kurzer Zeit bleibt der Holzlöffel in der Masse stecken, dann geht nichts mehr. Das ganze auf ein Brett stürzen, mit einer Folie bedecken und eine halbe Stunde ruhen lassen.
(2) ein Stück abschneiden, auf einem mit Weizendunst bemehlten Holzbrett von Hand zu einer dünnen Wurst ausrollen (Durchmesser max. 8 mm), Davon mit dem Messer Stückchen von ca. 5-8 mm Länge abschneiden. Die kleinen Gnocchetti mit Weizendunst bestäuben.

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fester Mehlkleister
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und daraus Gnocchi

(3) Olivenöl, Tomaten, Kapern, Essig und Knoblauch in einen kleinen Mixer geben und solange mixen, bis die Tomaten zu einem feinen pesto gemixt sind. Beiseite stellen. Oliven entsteinen und grob hacken.
(4) Die Gnocchetti in Salzwasser al dente kochen, abgießen und die Tomatencreme unterheben.
(5) Alles miteinander verrühren und evtl. noch mit Pfeffer nachwürzen.

Wer nicht weiss, wie man sciuè sciuè ausspricht, kann sich das im canzone napoletana anhören, vom Vater der neapoletanischen Volksmusik des 20. Jahrhunderts, Roberto Murolo.

21 Gedanken zu “Gnocchi sciuè sciuè”

  1. Wer nicht fragt, bleibt dumm, also ohne Scheu wacker die Frage gestellt: Was ist Weizendunst?Und für alle Fälle – was könnte man stattdessen nehmen, dass die Gnocchi immer noch manierlich aussehen?

  2. Bei diesen Rezepten bin ich zu Hause! Etwas für jeden Tag. Natürlich haben wir über die Feiertage sehr gut gekocht, gegessen, getrunken und viel Spass gehabt. Aber das große Fest kommt erst. Am Sonntag wird Norbert 50 Jahre! Dazwischen muss aber auch immer gekocht und gegessen werden. Und da bitte nicht zu aufwendig, so wie deine Gnocchi.

  3. @Sylvia: nur keine Scheu. Dunst bezeichnet die Feinheit der Mahlung, er ist feiner gemahlen als Grieß, aber nicht so fein wie Mehl. Es gibt ihn in Hart- und Weichweizen. Ich nehme den Dunst zum Bemehlen aller pasta, weil er beim Kochprozess von der pasta abgelöst wird, während das feine Mehl an der Oberfläche verkleistert. Ersatzweise kannst Du ebensogut Griess oder Pastagriess verwenden (Spätzle”mehl” oder dergleichen).

    @barcalex: mit Kleister fängt man…

    @Claus: Schönheit ist nicht gefragt, klein müssen sie sein :-)

    @Magdi: oh, das gibt ja schon wieder was zu feiern :-)

  4. Verpass’ ich doch glatt, dass Deine Pause wieder vorbei ist. Selbstgemachte Gnocchi als Cucina rapida zu verkaufen, bekommst auch nur Du hin ;) Die Teile sehen toll aus.

  5. Ganz ehrlich: ich weiß gar nicht, wie man das “sciuè sciuè” ausspricht. So wie man es schreibt: skiueh??? :-) Egal, sieht auf jeden Fall sehr ansprechend aus! Und nun, Robert, wünsche ich Dir einen guten Rutsch und ein gesundes, erfolgreiches und schönes neues Jahr!

  6. Geschwindigkeits-Weltrekord ? Nur wenn sich die Gnocchi von alleine formen würden. Wahrscheinlich kann ich es das nächste mal schon etwas schneller. Zu 180 g Mehl habe ich 20 g Hartweizengries gegeben. Ich bilde mir ein dass sie dadurch etwas mehr Biss haben. Den direkten Vergleich habe ich nicht, ich werde es aber versuchen, denn nichts geht über das Experiment.

  7. Da müssen die Mengenangaben aber sehr genau stimmen. Das Grundrezept aus Mehl in heißem Wasser ist mir von den Schwemmklößchen vertraut (die noch ein Ei in den Teig bekommen), bei zu viel Mehl wird es pampig und zäh, bei zu wenig nur ein Brei. Und ich gebe Hunk Recht, ein kleiner Teil Hartweizengrieß ist gut.

  8. @Mestolo: ich fand die Pause auch zu kurz :-)

    @Kirsten: Danke, das wünsche ich auch Dir und deiner Familie. Ich halte hier die Stellung. Die Aussprache lernst Du beim Hören des canzone.

    @Karin: das wirst Du bestimmt können. Erwarte aber keine zarten, luftigen Gnocchi.

    @Hunk: sind die Würstchen mal gerollt, gehts doch schnell, zack, zack, zack mit dem Messer :-) Nur nicht nachmessen. Vor der Zubereitung habe ich auch daran gedacht, etwas Hartweizengriess zu verwenden, habe mich dann aber doch an die Vorlage gehalten.

    @bee: das stimmt. Das Wasser darf nicht zu lange vor sich hin kochen, sonst stimmen die Verhältnisse nicht mehr. Wird nächstesmal auch mit Hartweizengriess probiert.

  9. Mhm, so viel hab ich versäumt, du bist also schon wieder da – schön! *freu*
    Das fröhliche Liedlein hörend, schreibt es sich ganz leicht und fröhlich, und was würde ich jetzt für so einen köstlichen Teller Gnocchi alles geben… *schmelz*
    Fröhliche Sonnengrüße zu dir, Elisabeth :-)

  10. Das ging wirklich superschnell! Gab’s heute als Silvestermittagkleinigkeit für zwischendurch. Meine sahen zwar akkurat aus, aber farblich nicht so schön wie deine (du hast nicht etwa heimlich ein Eigelb dran gemacht?). Mit dem Pesto (noch mit ein bisschen Parmesan gestreckt) lecker! Nochmal vielen Dank!

  11. Ich habe das Rezept heute ausprobiert (allerdings mit Salbeibutter anstatt Tomatenpesto). Die Zubereitung des Teigs klappte problemlos und gemessen am geringen Aufwand erhält man prima Gnocchi. Ob man wohl die Hälfte des Mehls durch Fertig-Kartoffelpurrée-Pulver ersetzen kann? Vielleicht werde ich das demnächt einfach mal ausprobieren.

    1. Jetzt habe ich die Variante mit Kartoffelpurrée-Pulver auch ausprobiert: Das funktionierte ganz gut, allerdings sollte man dabei etwas mehr Wasser verwenden als bei der Version ausschliesslich mit Mehl. Auch das Formen indem man dünne Röllchen in kleine Stücke schneidet, liess sich mit dem etwas bröseligeren Teig nicht gut bewerkstelligen, deswegen bin ich auf die klassische Formmethode für Gnocchi di Patate ausgewichen: kleine Kugeln formen und dann mit einer Gabel andrücken. Geschmacklich kommt diese Variante aber nicht an das Original ran. Purrée-Pulver schmeckt eben doch etwas anders als Kartoffeln und der typische Pulvergeschmack lässt sich auch in den fertigen Gnocchi noch gut rausschmecken.

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