Mubattan Kusha, libyscher Kartoffel-Hackfleisch-Gratin

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Frau L. isst gerne konservativ und am liebsten Erdäpfelrösti. Tobias hingegen will keine Schweizer Rösti, er will etwas essbares aus Lybien. Ausgerechnet. Das Land, mit dem die Schweiz vor einigen Monaten beinahe in einen militärischen Konflikt geraten war und ich seither kein Benzin beim lybischen Staatskonzern Tamoil mehr tanke. Meinen Frieden mit Lybien fand ich dann wieder in einem gut gemachten, anonymen, aber nicht-kommerziellen, lybischen foodblog Lybian food. (Übrigens eine Fundgrube für lybische Rezepte)

Eine für den Haushalt vereinfachte Variante von Mubatan oder Mbattan batata, einer offenbar beliebten, lybischen Spezialität, bestehend aus frittierten, hackfleischgefüllten Kartoffelwedges. In der vereinfachen Haushalt-Version werden gebratene Kartoffelscheiben in eine Gratinform geschichtet, darüber Hackepeter mit Zwiebeln, Kräutern und Gewürz und alles wieder mit Bratkartoffeln zugedeckt. Die Kartoffelschichten werden mit Eimasse übergossen und verfestigen sich beim gratinieren.

Frau L. hat natürlich sofort gemerkt, dass das von mir als Bauern-Lasagne aus Bratkartoffeln und Hackfleisch angepriesene Gericht nicht aus Italien kommt. Der leichte Zimtgeschmack hat mich verraten. Schmeckt gut,  jedoch ein wenig trocken. Gegessen haben wir es zu einer Schüssel Nüsslisalat. Beim nächsten Mal würde ich das Fleisch vor dem einschichten mit etwas gebundenem Kalbsjus vermischen und Butterflöckchen über die Brotbrösel streuen.

Mein Beitrag (wiederum ausser Konkurrenz) zum mediterranen kochevent von Tobias.

16ter mediterraner Kochevent - Libyen - tobias kocht! - 10.01.2011-10.02.2011

Zutaten
für 2 Personen

ca. 450 g Kartoffeln, festkochend
Olivenöl zum Anpinseln
1 gehackte Zwiebel
250 g Rindshackfleisch
1 Elf. Tomatenpüree (nicht im Originalrezept)
3 Elf. fein gehackte Petersilie
Salz
1 Mokkalfl. Zimtpulver
reichlich schwarzer Pfeffer
rote Pfefferkörner, einige Umdrehungen

für den Eierguss:
1 Tlf. Mehl
2 kleine Eier
3 Elf. fein gehackte Petersilie
3 Elf. fein gehackter Dill
Salz, Pfeffer

getrocknete Brotbrösel zum überstreuen

Zubereitung
(1) Kartoffeln schälen, dann in möglichst grosse Scheiben, ca. 8 mm dick, schneiden. Mit Olivenöl einpinseln, auf ein Backpapier legen, salzen und im Backofen bei 200°C (Umluft) golden backen (ca. 10-15 Min.). Ofen auf 190°C (U-/O-hitze) herunterstellen.
(2) Die Hälfte der Kartoffeln in eine gebutterte, ofenfeste Form legen (15x20cm)

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(3) die Eier aufschlagen und schaumig rühren. Mit Pfeffer und Salz würzen. Je 3 Elf. Petersilie und Dill unterrühren. ca. 1/3 der Eimasse auf den Kartoffelboden verteilen.

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(4) Das Hackfleisch in wenig Olivenöl anbraten, ich gab noch etwas Tomatenmark hinzu -mag kein graues Fleisch-, kurz mitrösten, dann die Zwiebel zugeben, kurz mitgehen laassen, dann vom Feuer ziehen und erkalten lassen. Die restliche Petersilie und die Gewürze untermischen.
(5) Die Fleischkrümel auf die Kartoffeln geben und mit einem Löffel andrücken und glattstreichen.

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(6) Die restlichen Kartoffeln schuppenförmig über das Fleisch geben und den restlichen Eierguss darauf verteilen.

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(7) mit etwas Brotbröseln überstreuen. Ein paar Butterflöckchen und ein paar Knoblauchwürfelchen hätten nicht geschadet, und in der Ofenmitte des auf 190°C vorgeheizten Ofens etwa 20-25 Minuten backen.

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33 thoughts on “Mubattan Kusha, libyscher Kartoffel-Hackfleisch-Gratin”

  1. Es ist schier zum Verzweifeln! Das wird wohl nie was mit meinen helvetischen Sprachkenntnissen. Habe ich mich im Zürcher Oberland blamiert, weil ich im Dorflädeli “Erdäpfel” kaufen wollte. Wurde belehrt, dass es _H_erdäpfel seien. Sofort habe ich die Erdäpfel wieder unter felix Austria abgespeichert. Und jetzt das: Erdäpfelrösti!

  2. Roesti wuerde mein Mann auch am liebsten morgens, mittags und abends essen. But, thats life, oefters kommt es anders als man denkt (moechte/ sich wuenscht). Mir gefaellt der Auflauf sehr gut. Zum Zimt wuerde ich (abweichend von der Libyschen Kueche) vielleicht noch etwas nutmeg, cardamon und ginger zugeben. Danke fuer den Tip mehr Fluessigkeit zuzugiessen. Das Rezept kommt auf die Nachkochliste.

  3. Die Bilderlegände macht mi heilos gluschtig. Bis uf e Zimmed bin’ i voll derbi, dä muess’ i – trotz Originalrezäpt – (au) nit derbi ha. Bi gedangglich scho am Poschte. I lieb so eifachi und währschafti Rezäpt !

  4. Das schaut und liest sich absolut lecker an. kartoffeln könnten bei MIR jeden tag auf dem speiseplan stehen, ob nach berner, belgischer oder berber-art ist mir wurscht. meiner göttergattin mehr oder weniger auch, nur, den zimt, den würde sie mir NIE verzeihen …

  5. Bei dem Blog landet wohl jeder, der sich auf die Suche nach libyschen Rezepten macht ;-) Ich habe mir auch eines davon ausgesucht. Die Kartoffeln hatte ich auch in Erwägung gezogen, allerdings hätte mich eher die frittierte Variante interessiert, die gefüllten Kartoffelschnitze sahen so hübsch aus.

  6. Ein herrliches Rezept. Und erts die Bilder – sensationell.
    Einziger Kritikpunkt; ich würde “Libyen” so schreiben und nicht “Lybien”… ;.)

    Gruss der Muger

  7. Erdäpfel machen sich als Abschluss immer gut, ich würde vielleicht ein wenig passierte Tomate ins Rinderhack mischen um der Trockenheit zu entkommen.

  8. @anglogermantranslations: meine Versuche, deutsch zu schreiben, enden eben oft in Oesterreich. Herdäpfel mag fürs Zürcher Oberland richtig sein. Wir sagen Härdöpfel, in Bern Härdöpfu….

    @My kitchen: Richtungswechsel mit andern Gewürzen gehen mit diesem Gericht leicht. Wenn der Inhalt zu flüssig wird, lässt er sich vielleicht nicht mehr so gut herausheben.

    @Mestolo: wer sprach denn von nicht ?, von weniger war die Rede. Und überhaupt liegen die Vorsätze Wochen zurück. Der Valentins-event ruft :-)

    @Basler Dybli:
    @gourmeur:
    nur nicht zuviel Zimt nehmen.

    @Cascabel: an der frittierten Variante habe ich auch lange herumstudiert. Aber die Kartoffelhälften zum zusammenhalten zu bringen, war mir ohne friteuse zu heikel.

    @Rosa: und so einfach…

    @Bolliskitchen: nur nicht spotten, beide events sind eingeplant :-)

    @der Muger: an andern Stellen habe ich Libyen gut erwischt. Danke.

  9. Es sieht schon sehr gut aus, aber wie du sagst, ein bisschen trocken. Deshalb werde ich deinem Ratschlag folgen! Wo liegt jetzt bitte der Unterschied, zwischen einem solchen Event und dem Liebsten Blog Award?? Vielleicht habe ich es nicht überrissen! Ein bisschen bin ich dir noch böse, wegen deiner Kritik, aber nicht mehr lange, da ich ja mein Steinchen habe:))

  10. Noch ein paar Auberginenscheiben und es geht Richtung Moussaka. Na ja, fast. Aber auch so würde ich es gernprobieren. Schade, dass Libyen nicht Handball spielt! ;-) Wäre ein tolles Rezept und eine Siegeschance hätten wir auch :-)

  11. Oh la la, und wir wissen ja was das Hinzufügen von Zimt bedeutet… spätestens nach dem Anschauen des wunderschönen Films “Zimt und Koriander”… :-) love is in the air… :-)

  12. Das kommt gleich auf die Liste für den Frühling – am Wochenende werden frische Kräuter ausgesät, und Petersilie wächst ja schnell.

  13. @Magdi: den Unterschied zwischen einem event und dem “Liebsten Blog Award” möchtest Du wissen ? ;-)
    In einem event wird eine Aufgabe gestellt, in einem bestimmten Zusammenhang etwas zu kochen. Das regt an, über den eigenen Tellerand vorzustossen in Koch-Regionen, die man bislang nicht kannte. In jedem Fall eine lohnende Erfahrung. Was über ein Award-Schneeballsystem zu sagen ist. habe ich gesagt, auch wenn ich beinahe der einzige bin, der sich das laut getraut. Ich hoffe aber dennoch, dass sich deine Verstimmung über mich mit der Zeit wieder gibt :-)

    @Peter: Moussaka, hmm. hab ich noch nie gemacht…

    @Eva: Frauen schmecken besser.

    @Elisabeth: davon weiss ich gar nichts, gehe halt seit langem nicht mehr ins Kino.

    @bee: Petersilie habe ich noch nie zum wachsen gebracht, dein Rezept musst du mir verraten.

  14. Zimt erinnert mich natürlich sofort an die griechische Küche, auf der Gewürzstrasse herrschte eben reger Verkehr. Vielleicht würden Rosinen die Füllung auch noch saftiger machen?

  15. Erdäpfel gibt es auch in Deutschland (in Teilen zumindest) ;-)

    So golden gebackene Erdäpfel würden es bei mir gar nicht mehr in den Auflauf schaffen! Salz drüber und weg wären sie. :-D

  16. Sieht ein bisschen aus wie trockene Shepherd’s Pie ;-)
    Nein, ohne Blödeln: die Kombi: Faschiertes + Erdäpfeln ist ja international und hat immer Potential für ein gutes Gericht. Etwas Käse oder Bechamel würden das ganze auch saftiger machen.
    Zum “Liebsten Blog”: da bist du nicht der einzige, der sich zu sagen traut, dass das ein dummer Trick ist, auf den leider auch gescheite und nette Menschen immer wieder reinfallen. Meine liebsten Blogs habe ich in meiner Blogroll, wozu bedarf es dann noch dieser Aktion?

  17. Ein wunderbar beschrieben und fotografiertes Rezept, auf das ich erst jetzt gestoßen bin. Mir scheint, es ist mit allen Anregungen gut nachzukochen. Selbst für Frau Micheline Calmy-Rey. Wobei mir das Wissen um die Kochkünste der Außenministerin fehlt. Vermutlich sind sie beachtlich.
    :o

  18. @Susa: Rosinen wären mir zu süss.

    @Fritz: ich musste aus diesem Grund zweimal Kartoffeln backen, die erste Portion reichte nicht aus, um die Schale zu füllen.

    @Eline: Käse oder Béchamel wär mir dann zu weit weg vom Original gewesen. Was den liebsten Blog betrifft: wir Menschen sind halt auf Liebenswürdigkeiten jeder Art anfällig ;-)

    @walterlenz: gemäss einer Interviewfrage, Kochen Sie denn? (in der COOP-zeitung) antwortete Frau Calmy-Rey:
    “Ich habe lange Jahre gekocht. Meine Kinder beklagen sich noch immer über meine Küche, aber sie sind trotzdem gross geworden. Gemäss meinen Enkelinnen mache ich die beste Pasta der Welt und ich mache eine sehr gute Gemüsesuppe.”
    Das sage ich von mir auch, wenn man von den Enkelinnen absieht :-)

    @Claus: das wäre dann der rheinische Kartoffel-Tomaten-Fleischauflauf.

    @sammelhamster: in jeder Hinsicht ?? Ich dachte selbstverständlich nicht an die Leideform. Nein, ich doch nicht.

  19. Hab’s heute nachgekocht (hatte die Zutaten da und nach einem Hackfleisch-Rezept bei Dir gesucht). Meiner Frau und mir hat’s sehr gut geschmeckt, besonders die vorgerösteten Kartoffeln haben’s uns angetan.

    Ein schönes Rezept!

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