Le coq au pot oder der Hahn im Topf, nach Henri Quatre

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Entweder man lebt, oder man ist konsequent (Erich Kästner)

Fasnacht vorbei. Die Narren sind erschöpft. Gestern war traditionell die ruhigste Nacht des ganzen Jahres.  Selbst der Hahn, der die Ruhe durch lautes Krähen hätte stören können, lebt nicht mehr.
Heinrich IV, König von Frankreich (1594–1610) soll in einem Gespräch mit Karl Emanuel I. von Savoyen den Wunsch geäussert haben: “Wenn mir Gott zu leben erlaubt, werde ich dafür sorgen, dass es in meinem Land keinen Bauern gibt, der sonntags nicht sein Huhn im Topf hat”. König Heinrich, der Gute, liebte sein “Huhn im Topf”, das “poule au pot”.  Vermutlich mehr als sein Weib, Maria de Medici, eine der reichsten Erbinnen Europas aus Florenz.
Nun hatten wir im Kochkurs Suppen/Eintöpfe bei Lucas Rosenblatt kein Huhn, sondern einen ausgewachsenen Bresse-Hahn. Gut und gerne seine 10-11 Monate alt. Pattes bleues. Von Miéral. Dem führenden Hersteller von Bresse Geflügel. Dunkles Schenkelfleisch vom vielen Herumrennen und Zusammenhalten seines Harems, helles Brustfleisch von Liebe und Sonnenschein. Daraus haben wir (B. und ich) den pot au feu Henri IV gekocht. Der Beginn einer Serie über Suppen und Eintöpfe,  die zur Fastenzeit passen.

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typisch französisches Edelgeflügel. Hier sind selbst die Krallen maniküriert

Zutaten
für die Brühe und das Fleisch:
1 Coq (den vin trinken wir separat dazu)
2 ganze, halbierte Zwiebeln
1 weisse Lauchstange
1 geschälte Pastinake
2 geschälte Peterliwurzeln
1 geschälte Karotte
1 Scheibe Sellerie
1 Gewürzsäcklein mit 10 zerdrückten Pfefferkörnern, 1 Lorbeerblatt, 2 Nelken, 1 Tlf. zerdrückte Korianderkörner
1-2 L Kalbsbrühe, Wasser zum Ergänzen

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Hahn zerlegt

für die Gemüse-Einlage:
2 kleine Stangen von einem Staudensellerie
2 geschälte, klein gewürfelte Kartoffeln
1 Lauchherz
2 geschälte, gewürfelte Karotten
2 Bund gehackte Petersilie
1 Bund Schnittlauch, fein geschnitten
1 Elf. Salz

für die Brotcroutons:
4 Scheiben Toastbrot
1/2 Tlf. Pfeffer frisch gemahlen (vorzugsweise aus verschiedenen Pfeffersorten)
Blättchen von 2 Zweigen Thymian
50 g Butter

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dunkle Schenkel, weisses Brustfleisch

Zubereitung
(1) Den Hahn grosszügig zerteilen, die Karkassen grob verschneiden. Alles in kochendem, leicht gesalzenen Wasser 3 Minuten blanchieren, abschütten und unter fliessend kaltem Wasser gut abwaschen und abreiben.
(2) Die blanchierten Teile des Hahns zusammen mit dem Gemüse mit kaltem Wasser und der Kalbsbrühe aufsetzen und während 2-3 Stunden leise simmern (unter dem Siedepunkt) lassen. Immer wieder abschäumen und entfetten. Die Gewürze eine Stunde vor Ende zugeben.
(3) Die Einzelteile des Hahns aus der Brühe heben und die Brühe durch ein Sieb passieren.
(4) Die fein geschnittene Gemüse-Einlage in der passierten Hühnerbrühe garkochen.
(5) Indessen die Knochen und die Haut des Hahns entfernen, die Brüste und Schenkel in grössere oder kleinere Stücke schneiden und in der Brühe mit aufwärmen.
(6) Die Toastscheiben entrinden und in Würfel schneiden.
(7) Die Butter mit dem Pfeffer und den Thymianblättchen zerlassen. Mit den Brotwürfelchen mischen und bei 220°C im Ofen knusprig rösten.
(8) Suppe mit den Brotcroutons servieren.

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Angerichtet

Und wer sich für Geschichte interessiert, dem sei die Lektüre des zweiteiligen Romans Die Jugend des Königs Henri Quatre, bzw. die Die Vollendung des Henri Quatre von Heinrich Mann (1871-1950) empfohlen. Ein grandioses historisches Gemälde, ausgebreitet in der Zeit der Renaissance, der Religionskriege in Frankreich und dem Zeitalter der Aufklärung. 1700 Seiten Lesespass.

38 Gedanken zu “Le coq au pot oder der Hahn im Topf, nach Henri Quatre”

  1. Das ist ja ein wahrlich prachtvoller Hahn, ich wüsste nicht mal wo ich sowas hier bekäme. Dass das im Verein mit Kalbsbrühe eine königliche Suppe ergibt, kann ich mir vorstellen!

  2. @karine: Hühnersuppe wirkt auch herzerfrischend, selbst in China ;-)

    @der Muger: der Franzose sagt auch, “Wer sein Huhn allein isst, muß auch sein Pferd alleine satteln”

    @Nathalie: die Fasnacht geht genau 3 Tage, das reicht.

    @the rufus: und fliegen tut er doch.

    @Freundin: im Piemont wird er gerne als Ragu zu einem Risotto zubereitet. Das haben wir nicht gemacht.

    @Foodfreak: die Kalbsbrühe hat auch ihren Anteil.

    @Christina: kleingeschnetzelt wirkt auch der grösste Hahn nicht mehr so gross.

  3. Keine Ahnung ob es dem guten König Heinrich geklappt hat, dass jedermann sein Huhn am Sonntag im Topf hatte, aber dein Bresser-Hahn sieht sehr gut aus roh sowie gekocht. Das Rezept werde ich probieren da ich leicht Bresse-Huhn bekommen kann.

  4. “Le dernier cri” hat für mich ab sofort eine ganz neue Bedeutung. Hoffentlich kriege ich dieses schreckliche Bild wieder aus dem Kopf … Aber an Heinrich Mann musste ich natürlich auch sofort denken. Vielleicht weckt dieser Link noch mehr die Neugier
    an der von Dir schon empfohlenen Lektüre. Heinrich M. stand/steht ja ganz zu Unrecht im Schatten seines Bruders.

  5. Das Huhn hat man dem guten König Henri vermutlich genauso in den Mund geschoben wie Bismarck den Hering :) Der Satz wurde zu seinen Lebzeiten jedenfalls nie zitiert.

  6. @zorra: die Füsschen haben wir nicht verwendet.

    @Vanille: wer so nahe an der Bresse wohnt, hat Vorteile.

    @Peter: Schönheit ist das Eine…

    @bee: oder als mehrstimmiger Kanon
    Le coq est mort, le coq est mort,
    le coq est mort, le coq est mort.
    Il ne pleura plus cocodi, cocoda,
    il ne pleura plus cocodi, cocoda,
    co co co co co co cocodi, cocoda.

    @Sus: wenn man bedenkt, dass dieselben Krallen noch unlängst im Miststock gewühlt haben.

    @gourmeur: diese Traditionen !

    @der Muger: Seltsam trifft auf mich zu. Sehr seltsam.

    @Turbohausfrau: gut genährte Hähne krähen später, hungrige früher !

    @Afra Evenaar: hätte ich sollen ?

    @chriesi: :-)

    @anglogermantranslations: Die Schilderung der Bartholomäusnacht ist viel schrecklicher als dieses harmlose Bild !

    @Petra: auf irgendeinem eingängigen Spruch muss seine Güte ja beruhen ;-)

    @Hesting: Haltung ist Alles. Auch beim Kochen und Essen.

  7. Danke für die Fotos. Insbesondere das des zerlegten Tieres. Manche mögen sich ekeln – bei mir sorgt es für heimelige Gefühle. ;) Ich kann die Hühnersuppe förmlich riechen.

  8. mir gefällt deine Suppe zwar, aber als Fastengericht eignet es sich eigentlich nicht. Außer man isst sie am Sonntag, da Sonntag ja kein Fastentag ist. Ansonsten könnte man sich ja die Genehmigung von unserem Papst holen.
    Trotzdem viele Grüße
    Martin
    http://www.schoenesleben.eu

  9. Ist das nicht etwas widerlich, so ein unschön zerrupftes Hähnchen reinzustellen?
    Passt gar nicht zu den sonst so gut gelungenden (Essen-) Fotografien.

  10. @Hilke: so ist das Leben. Ein Stück Geflügelbrust, die so viele erfreut, hat eine Vorgeschichte.

    @Mestolo: ich trage meist Gummisohlen, keine Nagelschuhe.

    @mipi: Das gab bei uns etwa 12 kleine Vorspeisen Portionen.

    @Martin: ich halte mich nicht an Fastenregeln. Eher an die Saisonkalender.

    @kulinaria: hier zählt niemand, das ist nur eine ungefähre Richtschnur ;-)

    @kitchenroach: Da nimmst Du Dir viel vor.

    @Afra Evenaar: in Sachen Huhn bin ich immer noch Anfänger.

    @Lua: das ist Ansichtssache. Ich zeige das Leben gerne ungeschönt.

  11. Schöne Geschichte, schönes Tier! Neulich auch so ein Prachtexemplar gesehen, aber ich fühle mich noch nicht bereit für sowas Majestätisches…

  12. Würdet ihr die Zubereitung auch für Kochanfänger empfehlen? Mit so hochwertigem Fleisch hab ich zwar noch nicht gearbeitet, aber das klingt sooo lecker, das will ich auch ausprobieren.

  13. @Alex: wer Nomarezepte nachkocht ist nicht bereit ?

    @Gewürzzauber: Hühnersuppe ist doch bestimmt nicht allzu kompliziert ? Mit einem Freilandsuppenhuhn geht das genauso. Die Kalbsbrühe mit einem Würfel gibt zwar nicht ganz dasselbe, aber darf ja auch mal ein Auge zudrücken.

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