Weinrallye 43: Riesling Spätlese

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Der Fund

weinrallye_200 Weinrallye. Ralf Kaiser von Weinkaiser sammelt Beiträge über Riesling Spätlese, die “Königsklasse” der deutschen Weine. Spätlesen sind Prädikatsweine, die nicht chaptalisiert (gezuckert) werden dürfen. Mit relativ wenig Alkohol (um ca. 8 vol-%), einer mehr oder minder ausgeprägten Restsüsse, dem tänzerischen Spiel zwischen fruchtiger Süsse und feiner Säure sowie ihren wundervollen Aromen sind es einzigartige Weine, die die Seele ansprechen.

Ich selbst trinke gerne ein Glas Riesling als Abendtrunk. Ohne alles. Da mein Weinkeller 15 km ausser Hauses  liegt,  kann es schon mal vorkommen, dass ich auf dem Trockenen sitze.  Für den event musste ich tatsächlich Nachschub besorgen. Im Weinkeller angekommen, packte mich leise Scham ob der hier herrschenden Unordnung. Bei der Sommelière Susa im 180°-Blog gelten andere Sitten. Wenn ich mich schon nicht zu einem Kellerbuch aufraffen kann, dann doch wenigstens Lagerung nach dem first-in, first-out Prinzip. Nach 2 Stunden war Ordnung. Konfitüre habe ich keine entdeckt. Dafür ein paar Flaschen vergessene 1995er Burgunder von Leroy sowie einen 12-er Karton Maximin Grünhaus 05er Spätlese, der wohl, weil aus stabilem Material gefertigt, in der hintersten Ecke das Fundament für einen Turm anderer Weine bildete.

Die 34 ha Weinberge von Maximin Grünhaus befinden sich in Mertesdorf auf der linken Seite der Ruwer. Die drei Teile der Lage:  Bruderberg, Herrenberg und Abtsberg sind im Alleinbesitz von Carl-Ferdinand von Schubert. Bis zum Jahre 1802 wurde Maximin Grünhaus von der Benediktiner-Abtei Trier bewirtschaftet.  Das Benediktiner-Kloster St. Maximin besass hier, in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 966 erwähnt, bereits bereits im 7. Jhdt. Gebäude, Weinberge und Ländereien. Nach der Säkularisation war der Betrieb bis 1810 unter französischer Verwaltung. In diesem Jahre gelangte das Gut nach einer Versteigerung in Privatbesitz, der 1882 vom Ur-Urgroßvater des jetzigen Besitzers erworben wurde.

Die Grünhäuser-Rieslinge, obwohl sie Weinen von der Mosel oder der Saar ähnlich sind, besitzen ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter. Gerade Jungweine sind durch ihre markante Säure und die grünkräuterige Aromatik von einer dezenten Strenge und werden dadurch gern unterschätzt.

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mein Wein
Maximin Grünhäuser Abtsberg, Spätlese 2005,
C. von Schubert’sche Gutsverwaltung, Ruwer
Alkohol: 8,5%

Klares Gelb, fruchtiger, reifer Duft nach Zitrusfrüchten. Im Mund immer noch die Aromen von Spontanvergärung (Gärung mit wilden Hefen). Rein und saftig, filigrane und subtile Frucht mit gut stützender Säure. Mittellanger Abgang.

Anmerkung
Wer asiatische Gerichte liebt, sollte unbedingt mal eine gute Riesling Spätlese dazu versuchen. Je schärfer das Gericht, desto mehr Restsüsse braucht der Wein.

16 thoughts on “Weinrallye 43: Riesling Spätlese”

  1. Ein Weinkeller in 15 km Entfernung, das hat was, stelle ich mir lustig vor. Jedesmal ein Ausflug, und der Nachschub muß gut berechnet werden, sonst ist Fasten angesagt. Aber leise Scham solltest Du Dir auf der Stelle abgewöhnen, denn beim Aufräumen gibt es dann, s. heute, unerwartete Schätze. Und den Burgunder kann man sicher auch noch trinken.

  2. Überraschung! Hab ja eigentlich erst morgen mit neuen Geschichten aus der Schweiz gerechnet…Dabei stehen schon 3 parat, schön! Also….den HAHN laß’ ich mal -fast- unkommentiert, denn der sieht schon sehr erbarmungswürdig aus – obwohl das Endresultat mir bestimmt schmecken würde. Tja, so sind wir Sensibelchen halt….Aaaaber der NOUGATBLOCK ist zum Niederknien!!! Will ich, brauch ich – SOFORT :)

    Tja – und mein Satz des Tages ist: ….dem tänzerischen Spiel zwischen fruchtiger Süße und feiner Säure sowie ihren wundervollen Aromen sind es einzigartige Weine, die die Seele ansprechen. BEAUTIFUL! :)

    Und Deinen Tipp mit dem Spätlese Riesling werde ich mal ausprobieren. Denn bei uns kommt regelmäßig Asiatisches auf dem Tisch. Und ich brauche einen mit VIEL Restsüße.

  3. Als an der Mosel Aufgewachsener, bin ich quasi mit Riesling großgezogen worden – und immernoch teilt sich meine Weinwelt in Riesling und “anderer Wein”. Und immer wenn ich mir vornehme endliche die “anderen Weine” zu ergründen kommt ein neues Paket von Zuhause bei mir an – könnte schlimmer sein ;-)

  4. @the rufus: also dass die Frauen an der fehlenden Kellerordnung schuld sind, habe ich nicht behauptet.

    @Buchfink: so schlimm mit dem Fasten ist es auch wieder nicht. 30 Flaschen habe ich auch hier meist an Lager.

    @Nathalie: alles eine Frage der Kompensation durch Restsüsse.

    @Hanne: in der Hinsicht bin ich immer wieder für Überraschungen gut. Schöner Satz, gell, weiss gar nicht mehr, wem ich den abgeschrieben habe. Probiere nur, Du wirst nicht enttäuscht sein.

    @Alex: es gibt schlimmere Schicksale. Aber der Rotwein würde mir schon fehlen.

  5. Danke für den schönen Beitrag zu “meiner” Weinrallye. Der Abtsberg ist auch eine sehr gute Weinauswahl. An den 2005er kann ich mich zwar nicht mehr genau erinnern, aber die 2009er Ausgabe dieser Spätlese zählt für mich zu den Preis-Leistungs-Siegern (ca. 13 Euro) des Jahrgangs.

    Das Problem mit dem entfernt liegenden Keller kenne ich auch nur zu gut. Mein richtiger Weinkeller liegt sogar noch etwas weiter entfernt, daher muss alles immer gut geplant werden…

  6. @Weinkaiser: Danke ! Erst durch kräftige Zukäufe ist es mir gelungen, auch mal einen reifen Riesling zu geniessen.

    @Charlie: oh, wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.

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