Produkttest: Rührkellen

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Schnurlose Rührkelle der Firma Rührkelle mit echtem Astloch

Als mir die Werbeagentur der Firma Rührkelle in einem freundlichen Mailwechsel das Testen der neuen, schnurlosen Holzrührkelle angeboten hat, habe ich zuerst gezögert. Als meinen Lesern verpflichteter Blog kommen für mich nur solche Produkttests in Frage, bei denen ich meine Meinung ehrlich und schonungslos äussern darf. Nachdem mir dies versichert wurde, habe ich sehr schnell zugesagt, weil ich jeden Tag in irgendwelchem Schlamm herumrühre und überhaupt: kabellos und somit steckdosenunabhängig klingt schon mal gut.

Bereits vier Tage später hielt ich das Päckchen in der Hand und war erst mal von der ausführlichen, 100 Seiten umfassenden Gebrauchsanweisung überrascht. Die Technik hat offensichtlich nicht nur auf dem Gebiet der Atomtechnologie unglaubliche Fortschritte gemacht. Auch die Rührkellen sind vom menschlichen Genius weiterentwickelt worden. Wie mein Testexemplar zeigt: eine wundervolle, aus echtem Schweizer Föhrenholz handgeschnitzte  Rührkelle; das präzise geschnittene Loch wird durch einen Ast gebildet, der vor dem ersten Gebrauch herausgedrückt werden muss. Das  garantiert die Unversehrtheit der Kelle vor dem ersten Gebrauch. Das Astloch ist millimetergenaue Präzisionsarbeit, wie wir das sonst nur von Schweizer Uhrwerken kennen. Die genaue Passform des Lochs sorgt zusammen mit der Quernut für den richtigen Mix aus turbulenter und laminarer Strömung bei gleichzeitig minimalstem Kraftaufwand. Das Gerät ist auch in heissen Flüssigkeiten (Suppen und dergl.) problemlos einsetzbar. Die natürliche Farbe des Holzes und das besonders hochwertige Material sorgen für Akzente und Effekte in jedem Haushalt.

mein bisheriger Eindruck: ein geniales Küchengerät, dessen Einsatz wirklich Spaß macht und das wirklich gut durchdacht ist.

Eine mögliche Schwachstelle ist die bereits erwähnte Quernut (siehe Bild). Als absolut unabhängiger  und kritischer Tester möchte ich hier doch anmerken, dass sich in dieser Nut Speisereste verhaken können, die sich bei einer oberflächlichen Reinigung schlecht entfernen lassen.

Nicht unerwähnt will ich lassen, dass mich die Firma freundlicherweise und ohne jede Verpflichtung eingeladen hat, ihrer Forschungsabteilung einen Besuch abzustatten. Nach einem Mittagessen bei einem 3-Sternekoch (darüber werde ich später berichten) wurde ich direkt in das Herz der Firma Rührkelle geführt: Das Labor. Hier wurde mir eine revolutionäre Neuentwicklung gezeigt, die demnächst auf dem Markt angeboten wird:

Die DosaSpaghetti Mehrzweck-Rührkelle.

Die Firma erlaubte mir, schon vor der Vermarktung des Gerätes ein Foto davon aufzunehmen und es hier zu veröffentlichen. Ich war sprachlos, ein  absolut sensationelles Gerät, das die Küchenarbeit revolutionieren wird. Die DosaSpaghetti Mehrzweck-Rührkelle erlaubt nicht nur das grammgenaue Abmessen von Spaghetti  für 1 – 3 Esser. Nein.nein.nein. Die Mehrzweckrührkelle rührt auch, und wie. Die drei eingebohrten Präzisionslöcher sorgen dafür, dass das Rührgut nicht nur auf der Höhe des Bodentopfes, wie etwa bei herkömmlichen Rührkellen, sondern auch weiter oben im Topf umgewirbelt wird !!! Ferner kann man die Spaghetti mit Hilfe der kunstvoll eingesetzten, gerippten Holzdübel elegant aus dem Salzwasser heben, ohne dass sie abrutschen. Alles High-Tech. Meinen Einwand, ob sich denn die Dübel in kochendem Wasser nicht lösen könnten, konnten die  kompetenten Ingenieure völlig entkräften.  Dieses Gerät lässt keine Wünsche offen.

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High-Tech Mehrzweckrührkelle der Firma Rührkelle

Anmerkung
Wenn die Wirklichkeit ironisch wird, übertreibt sie. Dennoch sind die grellsten der hier gemeldeten Begebnisse und Taten nichts anderes als Zitate.

40 Gedanken zu “Produkttest: Rührkellen”

  1. Das sind wieder diese Geräte, die es nur im Direktvertrieb gibt. Großartige Technik, aber das Geschäftsmodell ist halt ein bisschen fragwürdig.

  2. Verehrte Geschäftsleitung,
    bitte Sie, mir 15 ihrer so wertvollen Einfach- und Mehrzweckrührkellen zu übersenden.
    Werde damit in die Osternester der geliebtesten Freunde bestücken.
    Mfg pe

  3. Absolut geniale Rührinstrumente. Toll, dass du sie so selbstlos für uns getestet hast. Kann man beim Kochlöffel den Ast auch wieder einsetzten, um ihn zum Abschmecken zu benutzen?

  4. Wie auch bei anderen Spitzenprodukten schläft natürlich die Konkurrenz nicht. Es wird gewarnt vor Nachbauten mit chinesischen Astlöchern. Diese Löcher erzeugen im zähen Medium, Hülsenfrüchte oder Risotto, einen ungünstigen cw-Wert.

  5. @Ulrike: Hoffentlich !

    @Mestolo: als Gelegenheitsblogger nehme ich jede Gelegenheit wahr.

    @nata: Hauptsache, die Kasse klingelt.

    @petra: 15 ? Ab 18 gäbe es Mengenrabett.

    @zorra: natürlich besitze ich Aktien der Firma. Ich bin ja deren Besitzer :-)

    @Sivie: noch nicht, daran wird aber gearbeitet.

    @Ulla: englisch spreche ich nur im Notfall ;-)

    @Magdi: ich gestehe verschämt, einen solchen SpaghettiDosierer, obwohl vorab absehbar unbrauchbar, gekauft zu haben.

    @Gourmet-Büdchen: Leider habe ich es verpasst, die Firma anzufragen, ob sie mir ein paar ihrer Löffel für ein Gewinnspiel zur Verfügung stellen würde.

    @bee: alles durch Patente geschützt.

    @lihabiboun: und nun hast Du schwarze Wangen ? Richtige Kriegsbemalung. Bezaubernd.

    @Hilke: ich auch. Also schweigen wir uns an ;-)

    @entegut: meine Löffel lassen nichts anbrennen.

  6. Robert,

    verrätst Du, wieviel Gramm Spaghetti nach der besagten Rührkelle für zwei Personen vorgesehen sind?

    Das Teil benötige ich wohl nicht, Spaghetti gehören zu jenen dishes, die mir eigentlich immer ganz gut gelingen! ;)

  7. @Andreas: Dabei wäre ich so gerne mal eingeladen zu einem 3-Sternekoch.

    @Petra: Loriot war einmalig, er hat und wird keinen Nachfolger haben.

    @queenofsoup: ich treibe gerne Nonsense :-)

    @Christine: Erwischt, ich habe das Ding noch nie benutzt !

    @Juliane: kleiner Scherz.

    @Claus: ach, das ist alles schnell vergessen ;-)

  8. Da sitzen wir Deutschen in Holland auf einer Insel und lachen uns schief über einen Beitrag aus der Schweiz. Robert, die Lachtränen fließen. Wenn weniger Bloggen solche Blüten trägt, dann darf es von mir aus ruhig noch etwas weniger sein.

  9. Ich liege hier gerade vor lauter Lachen am Boden. Robert, du bist einzigartig!

    Ich hoffe doch, die Rührkellenfirma spendet wenigstens etwas für jede getestete Kelle? Du könntest jetzt sagenwirmal 15 weitere Blogs benennen, die dann…

  10. Ich hoffe, die 100 Seiten Anleitung waren reichhaltig bebildert? Ich halte zum korrekten Gebrauch sowohl Skizzen als auch Farbfotos für unbedingt erforderlich. Außerdem detaillierte Rezepte für das jeweilige Rührgut. (Zum Vergleich: Ich beteilige mich gerade an der Erstellung eines Handbuches für eine geliebte-gehasste Computer-Software – uns stehen gerade einmal 600 Seiten zur Verfügung. Da sind 100 Seiten für eine Rührkelle purer Luxus.)
    Was mich allerdings bei diesem Schweizer Modell wundert ist der flach-rechteckige Querschnitt des Stiels. Bei Deutschen Modellen ist er abgerundet, was sich meiner Einschätzung nach positiv auf den Strömungswiderstand und die aufzuwendende Kraft auswirkt. Ich empfehle beim Fraunhofer-Institut für Strömungstechnik Fördergelder zu beantragen und Präzisionsmessungen vorzunehmen.

  11. Gut gefällt mir auch die eingebaute Stammwürz-Automatik. Warum bist Du nicht näher darauf eingegangen? Da Astlöche immer ein wenig Harz abgeben, dürfte das Rührgerät dem Küchenchef für eine Dauer von – ich schätze mal – 2 Wochen unauffällig beim Würzen helfen. Feine Sache. :-)

  12. Anrührend, Deine Rührkellen.
    Besonders das Astloch verführt mich zu der Annahme, daß es sich eher um Dekoartikel handelt. :)

    Grinsende Grüße
    H.

  13. Oh ha :)

    eigentlich hab ich nur ein vernünftiges Rezept für Gnocchis gesucht (und hier gefunden – die liegen gerade in der Küche und warten darauf, dass sie fertig gestellt werden können) und nun les ich so etwas. Als Mitinhaberin einer Werbeagentur bin ich echt neidisch auf diesen Auftrag. Gerade die Schnurlosigkeit im Verbund mit der Natur lässt mein Herz höher schlagen.

    Auf ein Häppy Rühring!

  14. @Jutta: dafür, dass Du deine Ferien im Rheinland verbringen würdest, hätte ich Verständnis. Was macht ihr denn auf einer Insel, da hat es ja auf allen 4 Seiten Wasser. nichts als Wasser.

    @Hanne: warte nur, wenn es mir einfallen sollte, zu kochen ;-)

    @Cascabel: 15 weitere Rührkellen ?, das würde ja ganze Waldrodungen bedingen.

    @Ute-s: 600 Seiten ? Liest das jemand ?. Computersoftware soll so geschrieben sein, dass man sie intuitiv benutzen kann :-) Das flach-rechteckige Format der Rührkelle rührt von einer Bordeaux-Kiste her. Jetzt kann ich das ja sagen. Fraunhofer-Institut ? Arbeitet da noch jemand ? deren Mitarbeiter sind doch alle in die Schweiz umgezogen.

    @kulinaria: das hat mich auch etwas gewundert ;-)

    @twocents: ich glaubs ja nicht, die Quernut :-)

    @Suse: kurz, aber klar.

    @moebelexperte: wer mag denn schon den Retsinageschmack, ausser mir ?

    @Hesting: nix Deko, ehrliche Handarbeit, beim zerdeppern der Holzkisten entstanden.

    @Gabi mit i: Ohä. Das war einmal die Waschmittelmarke der Migros, und bedeutete “ohne Henkel”, also kein Produkt der Firma Henkel. Werbung früher.

  15. Dein Humor tut guuuuuuut! Wie schade aber auch, dass Menschen, über deren Witz man gerne lacht, meist weit weg wohnen müssen… Sowas kann man täglich um sich haben ;)!

  16. Die Nut scheint wirklich hygienisch bedenklich. ;)

    Der Bericht ist aber wieder einmal allererste Sahne – das macht die Entspannung der letzten Tage.

  17. …jetzt seh ich meinen winterlichen Holzvorrat mit anderen Augen!!!!!
    Auch fleissiges rühren macht warm!
    Und aus dem, was ich wegschnithze um eine gefällige Form zu bekommen, bind ich mir einen Schneebesen!

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