CH-4144 Arlesheim: Dom, Nepomuk und rauhes Apulien

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Arlesheim: Domplatz

Während man mir im Autohaus die Reifen wechselte, habe ich mich zu Fuss über die alte Dornachbrugg Richtung Arlesheim aufgemacht. Hier fand im Juli 1499 die letzte kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Schwäbischen Bund und den Eidgenossen während des Schwabenkrieges statt. König Maximilian soll über die Niederlage tief betrübt gewesen sein. Die alte Holzbrücke, auf dem kolorierten Kupferstich weiter unten abgebildet, gibts inzwischen nicht mehr, heute ist sie in Stein, bzw. gleich daneben, in Beton geformt.

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altes Gemäuer

Zeitgenössischen Berichten zufolge soll sich hier ein rechtes Gemetzel abgespielt haben. Tausende von Toten blieben auf dem Schlachtfeld zurück, unter ihnen auch der gegnerische Anführer, Graf Heinrich von Fürstenberg, einer aus dem Hause Fürstenberg, das seit 1283 “den Maßstab für Brau- und Bierkultur” setzt.

Am 22. September 1499 wurde der Frieden zu Basel zwischen Maximilian von Habsburg als Landesherr von Vorderösterreich und Tirol, dem Schwäbischen Bund mit Bischof Heinrich von Chur, den zehn Orten der Eidgenossenschaft und den Drei Bünden geschlossen und damit der Schwabenkrieg beendet. Gestern, am 7. Mai, jährte sich eine andere, diesmal bedingungslose Kapitulation. Die Menschheit scheint einfach nicht lernfähig.

Schlacht bei Dornach (aus wiki commons)

Die Brückenfigur des hl. Johannes von Nepomuk gibts an vielen Orten zu sehen.

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Der heilige Nepomuk auf der Birsbrücke

Ich gehe weiter, bergaufwärts, an teuren Villen und edeln Gärten vorbei ins Zentrum von Arlesheim.
Ursprünglich ein kleines Bauerndorf, wechselte es 1529 zum reformierten Glauben, später 1581 dann wieder zum alten zurück.  1679 wurde das durch die Reformation aus Basel vertriebene Domkapitel nach Arlesheim verlegt. Entstanden ist eine Barockkirche mit einem schönen Ensemble von Domherrenhäusern.

Nach der Besetzung des Bistums Basel 1792 durch die Franzosen wurde das Domkapitel in Arlesheim aufgelöst, die Domkirche und die Stiftshäuser an die Meistbietenden versteigert. Damit schwand der weltliche Besitz und Einfluss des Bischofs. Arlesheim gehörte fortan zu Frankreich, wurde nach dem Fall von Napoleon I. 1814 durch den Wiener Kongress dem alten Kanton Basel zugeschlagen. Die Arlesheimer Bürger setzten sich 1832 für die Kantonstrennung ein und gehören als Bezirkshauptort seit 1833 zum Halbkanton Basel-Landschaft.

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Ansehnliche Häuser des Domkapitels
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Domplatz mit Brunnen

Wo viele Gutverdienende wohnen, sieht auch das Gefängnis entsprechend aus.

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Arlesheim: Polizei, Staatsanwaltschaft und Bezirksgefängnis in Neo-Barock
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Dorfplatz mit Zivilstandsamt und hinten links dem Ortsmuseum

Nachdem die Räder am Auto wieder dran waren, holte ich Frau L. zum Mittagessen ab. Gegessen haben wir im Domstübli: landestypische, transalpin apulisch-schweizerische Küche. Sehr gut, beinahe wie zuhause, der Service war hingegen an diesem sonnigen Frühlingstag bei vollbesetztem Garten völlig überfordert. Der Empfang bestand aus einem raunzigen Reserviert ? Murrende, wartende Gäste wurden vom Patron angeknurrt: wir sind doch kein MacDonalds ! Etwas rauh, aber herzlich halt doch ;-) Das war für uns, die wir hier zum ersten Male einkehrten, etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir wollen es nochmals probieren.

12 Gedanken zu “CH-4144 Arlesheim: Dom, Nepomuk und rauhes Apulien”

  1. Ich hätte es kaum für möglich gehalten, dass Arlesheim so schön ist. Oder hast du es nur besonders vorteilhaft abgebildet?

    liebe Grüsse vom Muger

  2. Sollte man sich also jemals einer Straftat schuldig machen, so müsste man darauf achten, vorher in Arlesheim ansässig zu werden – dann hat man wenigstens im Kittchen noch einen netten Ausblick. ;-) …und über den Tatbestand fällt dank Nepomuk ein Mantel des Schweigens.

  3. Wobei die heutigen Umgangsformen schon weit friedlicher geworden sind. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, fliegt nicht unbedingt gleich von der Brücke ;-)

  4. Wie Du es nur schaffst, einen Domplatz völig entleert von Autos und Menschen zu finden und zu fotografieren. Schöne Bilder sind Dir gelungen! Schönen Rest-Sonntag.

  5. @der Muger: alles was mir nicht passt, und das ist, je mehr die Schweiz zubetoniert wird, ziemlich viel, verbanne ich aus meinen Bildern.

    @Christina: ein Untersuchungsgefännis ist keine Strafanstalt. Also immer schön brav bleiben.

    @bee: die Gefahr, durch ein heranbrausendes Auto überfahren zu werden, ist heute ungleich höher.

    @Buchfink: zuweilen finde ich in Parkverbotssignalen wirkungsvolle Verbündete.

    @Rosa: es hat hier noch mehr zu sehen.

  6. Der heilige Nepomuk hat viel Arbeit; er steht auf so vielen Brücken. Dein idyllisches Foto mit den ins Wasser hängenden Bäumen erinnert mich an das Flüsschen Ahr (Nebenfluss des Rheins), das auch noch so naturbelassen ist.
    Ich überlege übrigens, herzukommen und eine kleine Straftat zu begehen; das Gefängnis erscheint mir doch sehr verlockend. Ob’s dort Internet gibt??

  7. Schöne Fotos!
    Beschauliches Plätzchen – aber (wie fast immer an deinen uns näher gebrachten Orten) grausige Historie: Krieg, Metzelei, Macht, Ohnmacht – da möchte man dann wirklich nur noch auf der Brücke stehen und dem Lauf des Flüsschen nachschauen …

  8. @the rufus: keine Angst, binnen ein paar Wochen spätestens wird irgendwo wieder ein Piepston ertönen oder ein Warnlämpchen aufleuchten.

    @Wanderer von Arlesheim: vielleicht schaffe ich es auch mal in die Ermitage oder gar auf die Burg !

    @april: die Gefängniszellen sind allerdings auf der Schattseite :-)

    @Hanne: es sieht nicht mehr überall so sauber aus. Schon gar nicht in Basel.

    @Christine: lieber nicht, flussabwärts kommt erst ein Wehr, dann eine verkehrsreiche Betonbrücke !

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