Gingerli, Basler Ingwer-Leckerli

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Basler Gingerli

Erfunden wurden die Leckerli zu Zeiten des Konzils von Basel (1431 bis 1449) zur Stärkung der versammelten Kirchenfürsten. So stehts auf der Website von Schweiz Tourismus. Unsinn. Hier kann man Genaueres nachlesen. Wie immer auch, die Rezeptur ist alt und hat sich bis heute erhalten. Um das Leckerli-Geschäft anzukurbeln, sind clevere Basler Confiseure in jüngster Zeit der Idee verfallen, die Leckerli mit Ingwer aufzupeppen. Und das Ergebnis schmeckt nicht schlecht.

Was findige Confiseure können, wollte ich auch mal probieren. In meinem bewährten Leckerlirezept habe ich das Zitronat durch kandierten Ingwer ersetzt. Et voilà: zuerst entfaltet das Gingerli seinen harmonischen, süssen Charakter. Ganz sanft, anfänglich kaum spürbar, entwickelt sich darauf der angenehme, leicht scharfe, leicht wärmende Ingwer-Geschmack. Die leichte Ingwerschärfe im Abgang ist eine wunderbare Bereicherung zu Kaffee oder Tee. Eine tolle Ganzjahresgebäck-erfindung.

Die Gingerli habe ich eigentlich für einen andern Anlass gebacken. Da aber zorra ihren siebten Blog-Geburtstag feiert, will ich nicht abseits stehen, ihr hiezu herzlich gratulieren und ihr einen Teller mit den Gingerli auf den virtuellen Gabentisch legen. Zorra leistet einen grossen und wertvollen Beitrag an die Vernetzung der Blogger. Eine Leistung, die eine Würdigung ohne wenn und aber verdient. Und falls mir, als ewiggestrigem Anti-Kommerz-Blogger, die Werbung doch noch sauer aufstossen sollte, nehme ich dagegen ein Glas des staatlich-alkalischen Mineralwassers, dessen Markenname mir im Moment einfach nicht einfallen will ;-) Danke zorra !

Zutaten
für 50 Leckerli:
375 g Weissmehl/Halbweissmehl gemischt
150 g Zucker
150 g Haselnüsse ungeschält
100 g Mandeln geschält
100 g Ingwer kandiert in kleinsten Würfeln
50 g Orangeat in kleinsten Würfeln
150 g Birnel (Birnendicksaft)
200 g Schweizer Waldhonig
ca. 50 ml Kirsch
1 Tlf. ungesüsstes Kakaopulver
1 Tlf. gestr. Lebkuchengewürz
1/2 Tlf. Zimtpulver
1  Prise Gewürznelkenpulver
2 Umdrehungen Salz
1/3 Beutel Backpulver

für die Glasur:
120 g Puderzucker
Etwas Kirsch zum Anrühren des Puderzuckers.

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Die Zutaten in der Rührschüssel

Zubereitung
(1) Mandeln mit 5 Elf. Wasser in einer Glasschale in der Mikrowelle 600W/2 min behandeln (oder blanchieren), mit kaltem Wasser abschrecken, schälen, trocknen. Die Hälfte der Mandeln stifteln.
(2) Die Hälfte der Haselnüsse grob hacken (dritteln). Die verbleibenden Mandeln und Haselnüsse mahlen.
(3) Mehl, Nusspulver, Zucker, Backpulver und Gewürze in einer grossen Schüssel sehr gut vormischen. Ingwer und Orangeat untermischen.
(4) Honig und Birnendicksaft im Wasserbad bei sanfter Temperatur verflüssigen und unter den Teig mischen. Mit Rührkelle geht das nicht mehr. Den Teig mit blossen Händen (Wegwerfhandschuhe anziehen) unter Zugabe von etwas Kirsch kneten bis er homogen durchfeuchtet ist und die Konsistenz von Töpferton hat. Mit Kirsch befeuchten wenn er zu trocken ist (Teig, nicht Hals). Etwa 3 Stunden oder über Nacht gut zugedeckt ruhen lassen.
(5) Die Hälfte des Teiges abklauben und zwischen Backtrennfolie und Teighölzern etwa 8 mm dick zu einer rechteckigen Platte auswallen. Diese auf dem Backpapier etwa 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.
(6) Auf ein Blech ziehen und im gut vorgeheizten Ofen bei 195°C (Ober-/Unterhitze, Rille 1) ca. 18-20 Minuten ausbacken. Die gebackene, elastische Teigplatte mitsamt dem Backpapier noch heiss vom Blech auf ein Brett ziehen und sofort mit einem scharfen Messer (oder Pizzarad) in 2×3 cm grosse Rechtecke oder Rauten schneiden. Noch heiss mit der Glasur einpinseln. Auf einem Gitter abkühlen lassen.

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ist der Deckel erst einmal geöffnet, blitzt bald der nackte Boden hervor

Anmerkung
Die erzielte Schärfe hängt vom verwendeten Ingwer ab. In meinem Falle waren die Leckerli eher auf der milden Seite. Wers schärfer mag, kann auch einen Teil des Orangeates durch Ingwer ersetzen.

Und noch was:

“Baseler Leckerli” kennt man in Basel nicht. Und wenn, so handelt es sich vermutlich um ein deutsches Erzeugnis. Basler Leckerli dürfen zudem nicht verwechselt werden mit den Orangen-Ingwer-Leckerli, die eine Firma als Belohnungsfutter für Pferde herstellt…. Nein, die habe ich noch nie probiert.

32 thoughts on “Gingerli, Basler Ingwer-Leckerli”

  1. Do i sälber scho ha dèrfe dini “unächte” Basler Läggerli verkoschte, kenne die Imber-Läggerli numme fein si. Danggscheen fir die interessanti Rezäpt-Variante.
    Und nit z’ vergässe: Au dir alles Gueti zem Geburtsdaag !

  2. Zwei Umdrehungen Salz? Ich musste beim Lesen und jetzt auch beim Tippen darueber schmunzeln. Das habe ich vorher noch nie gehoert. Ich stell mir dabei vor, dass man sich wohl umdreht, also vom Gebaeck weg, und dann Salz ueber die Schulter wirft oder so.
    Nein, es handlet sich wohl um Prisen, stimmts?
    Das Rezept nehme ich mit zum Nachbacken. Ginger wird bei uns sehr gerne gegessen!
    Liebe Gruesse aus Colorado in die Schweiz.
    Kirsten
    P.S.: Fuer die Pferde sogar in Bluemchenform! Muesste ich mal ausprobieren, ob unser Pony das auch moegen wuerde. Altes Brot mag er ja sehr gern, obwohl das hier nicht als uebliches Leckerli fuer Pferde gefuettert wird.

  3. Ja ist denn schon Weihnachten? War tatsächlich mein erster Gedanke. Ich habe das schon zum zweiten Mal gedacht, seit ich Anfang September die ersten Lebkuchen in einem Supermarkt entdeckt habe.

    Und “Zwei Umdrehungen Salz” sind eine kreative Beschreibung! :D

  4. Danke lieber Robert, die sind genau richtig für bzw. gegen mein manchmal auftauchendes Heimweh. Und übrigens, ist Ingwer nicht auch gut für die Verdauung? Nur falls das Wasser nicht hilft. ;-)

  5. Man kann es aussprechen wie man will, “Gingerli” klingt einfach herzallerliebst. Und dann noch die jeweiligen Umdrehungen von Salz und Kirsch dazu! Für die feinen Küchlein lass ich doch sogar den bereits erhältlichen Original Sächischen Christstollen stehen. Schick schnell ein Päckchen (Päckli?), für die Portokosten kommt der Empfänger auf ;-)

  6. Hui … mit großen Schritte geht´s auf die Weihnachtszeit zu, doch Du bist der Schnellste, wenn man die Supermärkte mal vorweg lässt .
    Deine Leckerli sehen fantastisch aus, Du kannst dir sicher sein das dein Rz von mir nachgebacken wird, da kann Ich nicht wiederstehen ;o) und die liebe Zorra ganz bestimmt auch nicht .

    Ich wünsche Dir ein schönes We

    Lg Kerstin

  7. Was schon Leckerli heißt macht mit Sicherheit nicht nur Pferde glücklich :)!

    Und dass du ein ewiggestriger Anti-Kommerz-Blog bist (was ich SEHR schätze) hat dir den Ruf des Grand Seigneur’ s (nicht meine Erfindung) der Bloggerszene eingebracht!

  8. Der Herr der Cucina und ich wünschen alles, alles Gute zum Geburtstag – viel Gesundheit, Liebe und natürlich noch ganz viele kulinarische Stunden und Hochgenüsse für Dich und Frau L.

  9. Lieber Robert,

    diese Idee gefällt mir mit den Ingwer-Leckerlies. Sollte ich an Weihnachten einmal ausprobieren. Ich liebe kandierten Ingwer. Und ich muss dann gleich einmal nachschauen, wie die Basler Leckerli bei uns im Geschäft heißen, vielleicht habe ich ja auch Baseler geschrieben? Aber als Bayer darf ich das ja!

    Es grüßt mit baselischen Grüßen

    Martin

  10. @Basler Dybli: Danggscheen. Imber ? Zitierst Du das Baseldeutsche Lexikon ?

    @My German Kitchen: im Ernst, ich mahle das Salz aus der Salzmühle

    @Eva: die sind lecker, ein wenig aufwendig wegen dem zähen Teig.

    @Hesting: mopse ruhig, ich hab sie nicht abgezählt.

    @der Muger: diese Strafe wollen wir noch etwas aufschieben.

    @Tina: Leckerli sind ein Ganzjahresgebäck, aber man isst sie auch über die Weihnachtstage.

    @chriesi: sind vieel besser als Zürcher Leckerli :-)

    @Rosa May: one day i’m going to prepare gingerbread.

    @sammelhamster: solange sie süss sind…

    @Claus: Weihnachtsplätzchen werden wir keine mehr machen (Beschluss von Frau L.). Also muss ich selbst zum Rechten sehen.

    @uwe@highfoodality: eine Prise Salz oder zweimal drehen an der Salzmühle :-)

    @bee: immer nur Hafer ist langweilig.

    @zorra: Ingwer ? wusste gar nicht, dass der solche gesundheitlichen Folgen hat.

    @Sylvia: der Christstollen soll ja durchs Lagern noch besser werden. Vielleicht bring ich nach Würzburg welche mit.

    @Verboten gut: Danke !

    @Micha: mit 1.92 m bin ich tatsächlich nicht klein. aber Seigneur ???? Signore lass ich gelten.

    @Nathalie: Danke, kommst Du nicht nach Würzburg ?

    @Michael: zum neuen Jahr werden sie zusätzlich mit einem Gewürzwein (Hypokras) hinunter gespült.

    @Martin: Du stellst auch welche her ? die hier gekauften haben mehr Mehl drin, sind trockener als meine. Solange Du sie nicht nach Basel exportierst, kannst Du sie frei benennen :-)
    mit baslerischen Grüssen (wir sind da eigen)

  11. Lieber Robert,

    natürlich backe ich jedes Jahr für Weihnachten in meiner Bäckerei Basler Leckerli. Plätzchen sind schließlich meine Passion und die gehören immer dazu. Aber ich sollte einmal über das Exportieren nach Basel nachdenken. Vielleicht nenne ich sie dann einfach Puchheimer Leckerli.

    Mit weihnachtlichem Gruße

    Martin

  12. @irene: Leckerli, ein Muss in Deutschland ? Und ich dachte, da essen alle Stollen.

    @anglogermantranslations: Leckerli geht gut, aber wir sprechen das e als ä aus. Läckerli. Lecker ginge ja auch, bedeutet aber etwas anderes. Ein Lecker ist ein junger Schnösel, der bei Frauen Erfolg hat.

    @Martin: da würde sich für mich bald einmal eine Reise nach München lohnen :-)

  13. Super Rezept !!! Habe es die Tage gebacken und bin hin und weg. Da ich nur hellen Honig hatte, hab ich eine Teil des Zuckers durch Muskovade ersetzt. Beim nächsten mal vielleicht sogar den ganzen Zucker.

    Aber: was ist bei Dir die erste Rille ? Zählst du von unten ?

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