Schwabenbrödle

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Kuh-Schweizer haben sie uns nachgerufen, die Schwaben. Die Schweizer revanchierten sich mit Sau-Schwaben. Vielleicht war die Reihenfolge auch umgekehrt. Wer weiss das heute noch ? Rivalitäten und Schlachten zwischen Schweizern und deutschen Landsknechten liegen lange zurück. Etwa vom Beginn des Schwabenkrieges 1499 bis weit über das Ende der italienischen Kriege 1559 hinaus. Zwischen eidgenössischen Reisläufern und schwäbischen Landsknechten bestand damals eine Art Konkurrenzsituation. Konkurrenz um was ? ums Handgeld ? Um den Sold ? Der Sold war meist schlecht, blieb oft aus, musste durch Beute während der Kriegszüge aufgebessert werden.

Dabei genügt ein Blick auf eine alte Karte, um festzustellen dass grosse Teile des heutigen Schweizer Staatsgebietes um die erste Jahrtausendwende einst zum Herzogtum Schwaben gehörte, das seinerseits eine “Schweizer” Gründung war.

Alemannisches Gebiet: Herzogtum Schwaben und Königreich Hochburgund

Aber lassen wir all die Jahrhundertelang gehegten und gehätschelten Vorurteile beiseite. Schwabenbrötli werden hüben wie drüben nach etwa demselben, völkerverbindenden Rezept gebacken. Frau L. hat das Rezept in einem Kochbüchlein aus dem Jahre 1925 gefunden. Daraus haben wir schon mal etwas gekocht: Brönnti Creme. Während und nach den Kriegsjahren ist das Rezept für Schwabenbrötli links des Rheines etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht.

Schwabenbrödle

Zutaten
250 g Butter
200 g Zucker (L.: 150 g)
2 Eier
1/2 Tlf. Zimtpulver
400 g Mehl
150 g Mandeln
[L.: abgeriebene Schale einer halben Zitrone]

Zubereitung
Originaltext: Die Butter wird schaumig gerührt; Zucker, Eier, [L.: Zitronenabrieb] und Zimt werden abwechslungsweise unter gutem Rühren dazu gegeben. Zuletzt siebt man das Mehl zu der Masse, gibt die geriebenen Mandeln hinzu, knetet den Teig rasch zusamen und lässt ihn auskühlen. Dann wellt man in 3/4 cm (L.: 1 cm) dick aus, sticht Förmchen aus und bäckt diese bei mässiger Hitze (L.: 160-170°C, 15 Minuten)

Mein Beitrag an Petras Plätzchenevent.

Blog-Event Plätzchen (Einsendeschluss 15. Dezember 2011)

24 Gedanken zu “Schwabenbrödle”

  1. Zum Glück lebe ich heute und muss mir als Schwabe Deine Gutsle nicht erbeuten, sondern genieße sie virtuell am Bildschirm.

    Die kannte ich übrigens noch nicht. Bin aber auch außerhalb des ehemaligen Gebiets geboren und aufgewachsen, vielleicht liegt’s daran. ;-)

  2. Ich stelle gerade fest:
    Ich bin doch tatsächlich im Burgund geboren…
    Jetzt muss ich mich sofort auf die Suche nach einem neuen Weihnachtsgebäck machen, damit eine ausgleichende Gerechtigkeit im Guetzliteller herrscht.
    Das schlichte Rezept hat mich überzeugt – Danke für die Bereicherung der Guetzliauswahl!
    … und e schöne Advänt! Isch dr Märt ufem Baarfi scho?

  3. Das kann kein schwäbisches Rezept sein. Wir sind so sparsam, wir würden niemals 250g Butter verbacken (allenfalls 50g Margarine)
    Ich finde das Rezept klasse. Viel Butter-viel gut:)

  4. Ach, das kommt passend: Seit dem letzten Telefonat mit meiner schwäbischen Tante bin ich auf der Suche nach Plätzchen-Rezepten. Nun bin ich gespannt, ob ich ihr damit eine Freude machen kann :-)

  5. Also bei uns wurde an allem gespart, aber niemals an Butter!
    S’Gselz durft it durch’s Brot uf de Bode tropfe…
    Die Brödle kannte ich aber bisher auch nicht.
    Vielleicht gab’s keine Mandeln bei uns. Wir hatten ja nichts…

  6. Wunderbar ! DIE Glägeheit zem die “Kääsfiess-Usstächerli” – won’ i gschänggt biko ha – iizweie.
    Wär seit scho, dass die Gutzli immer salzig mien si … :-)

  7. @Barbaras Spielwiese: Damals gabs noch kein Schengen. die Grenzen wurden früher streng beachtet.

    @Billi: Der Dame, die für Gerechtigkeit zuständig ist, sind die Augen verbunden. ja, der Baarfi ist in Betrieb, heuer ergänzt durch den kleinen Münsterplatz.

    @Rosa May: a very simple one ;-)

    @Micha: nein, ich war ausser Haus an diesem Tag. Da nutzt Frau L. die Gelegenheit, in der Küche zu fuhrwerken.

    @Sybille-Anna: vielleicht ist das Rezept verschweizert ? dafür sind sie besonders mürbe. Das geht nur mit Butter.

    @gastrophil: uns schmecken sie, Mailänderli mit Geschmack

    @Susa: man kann sie auch noch mit Eigelb bestreichen vor dem Backen. Das war aber in diesem Rezept nicht vorgesehen.

    @Heike: die geographische Nähe zu dem Land, wo die Mandelbäume blühen, mag da schon was ausmachen.

    @zorra: Der Schulklasse zur Burgundergeschichte ein Glas Burgunder zu kredenzen, wäre unpassend.

    @Basler Dybli: Weihnachtsguetzli dürfen ruhig süss sein.

    @Eva: unter Schwabenbrötchen findet man sie im Internet leichter.

  8. nicht nur tolle rezepte mit wunderschönen fotos, sondern auch immer wieder der geschichtliche hintergrund so en passant vermittelt macht das verweilen hier so spannend und manchmal auch zeitaufwändiger als man dachte! denn dann ist hier noch dieser und dann wieder jener link
    einfach schön danke schweiz

  9. Die Schwabenbrödle kannte ich auch noch nicht, zumindest nicht unter diesem Namen. Und ich rolle den Teig dünner aus – das gibt relativ mehr Oberfläche und damit “Knusper” :-)
    Lustig, dass Du Mailänderi erwähnst – auf der Suche nach einem Rezept bin ich vor zwei Jahren erstmals bei lamiacucina gelandet (und habe das ganz gewiss noch nicht bereut, im Gegenteil!).
    Die Mailänderli kamen damals gut an…

  10. Die sind ein bisschen wie “Heidesand”? Nur das der ohne Mandeln ist. Sehen aber sehr lecker aus. Nachdem ich dieses Jahr überhaupt nicht backen wollte, habe ich durch intensives Studium der Kochblogs soviele leckere Rezepte gesehen, so daß es schlußendlich doch 7 Sorten geworden sind. Zur Freude der Kollegen und Freunde!
    Einen herzlichen Gruss nach Basel zum 2. Advent.

  11. @Eline: Bescheidenheit und Sparsamkeit sind Eigenschaften, die man heute erst wieder lernen muss. Insbesondere in Staatsgebilden.

    @Richard: wenn es mir gelingt, ein wenig Zeitdieb zu sein, freut mich das ;-)

    @Elisabeth: Das spricht für die Qualität von Hundekeksen.

    @Claus: Spritzgebäck, die schnelle Tour ;-) Hier wird jedes Guetzli sorglichst von Hand ausgestochen.

    @twocents: wir rollen die Guetzli generell dicker aus 1 cm, statt der üblichen 7-8 mm. Das macht sie etwas weniger hart bzw. knusprig. 2 Jahre liest Du hier schon ? Länger hat es nur Frau L. mit mir ausgehalten :-)

    @the rufus: nimm eins von hinten, aber so, dass der Turm nicht zusammenkracht.

    @Brigitte: Heidesand-plätzchen sind bei uns gänzlich unbekannt. Die Ähnlichkeit stimmt, sie sind auch sehr mürbe. Das Lesen von foodblogs kann schon ganz schön an die Linie gehen.

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