CH-4001 Basel: Münsterplatz, Weihnachtsmarkt

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Münsterplatz, ehemalige Domherrenhäuser

Jeder Ort, der etwas auf sich hält, angefangen von Aachen über Nürnberg und Niederbipp bis Zürich und Zuffenhausen, führt in diesen Tagen einen Weihnachtsmarkt durch. So auch Basel. Baslerische Bescheidenheit spricht schlicht von der längsten Weihnachtsstrasse Europas. Neu ist dieses Jahr ein kleiner Ableger auf dem kleinen Münsterplatz, unter den Kastanien beim Pisonibrunnen. Den wollte sich Frau L. mal anschauen. Ich brummle was von Kitsch. Frau L. hält dagegen, Kitsch wärme die Seele, zudem benötigten wir dringend noch ein geschnitztes Schaf in die Krippe. Das neunundzwanzigste.

Nett, mehr habe ich dazu nicht zu sagen. Gastronomisch das übliche Glühweinangebot, die unvermeidlichen Kääsküechli von Wacker. Pommes frites mit Ketchup und Würsten der Metzgerei Eiche. In den Bäumen hangen hübsch beleuchtete Schneesterne. In den Holzhüttchen das übliche Weihnachtsmarktangebot an verlogenem Nippes. Oohwieschöön.  Zeug das niemand braucht, das niemandem etwas nützt und trotzdem so gerne gekauft wird.

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Budenzauber I
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Budenzauber II

Eingenebelt von Glühweinschwaden lässt sich das Sterneglitzern auf der Wasseroberfläche des Brunnens besonders schön beobachten.

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Reflexionen
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der grosse Weihnachtsbaum neben dem Münster

Auf dem Heimweg, vom Münsterplatz den Rheinsprung zur Rheinbrücke hinunter, führt unser Weg an der winzigen Schreibstube, dem Scriptorium des Kalligraphen Andreas Schenk vorbei. Hier werden im Auftrag von Kunden in kunstvoller Arbeit Liebesbriefe und Urkunden angefertigt. Unzählige Federn, Federhalter, Bleistifte, Pinsel und farbige Tintenbehälter geben dem kleinen Raum ein mittelalterliches Gepräge. Besonders am frühen Abend im Winterhalbjahr ist ein Blick in die Schreibstube reizvoll. Und wenn einmal nicht von Hand geschrieben wird, wirft der Laptop sein bläuliches Licht ins Mittelalter.

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Scriptorium Rheinsprung
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Scriptorium Rheinsprung
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Scriptorium Rheinsprung

26 thoughts on “CH-4001 Basel: Münsterplatz, Weihnachtsmarkt”

  1. “Das neunundzwanzigste.” Ohne Verb, mit genauer Zahlenangabe – so spricht nur ein Mann … und drückt damit alles aus. Liebe Grüße an Frau L., ich kenne das.

  2. Keine Angst vor Kitsch. Die beleuchteten Schneesterne (und wie sie sich im Wasser spiegeln) sind doch zum Knutschen – auch ganz ohne Glühwein!
    Und was eine malerische Werkstatt!

  3. Märkte faszinieren mich eigentlich immer, Weihnachtmärkte na,ja…., bin dann immer sentimental und wünsche mir die Zeit ohne Glitzer, Kommerz und Kitsch zurück.

  4. Auch Kitsch, den man nicht mag, kann Geborgenheit vermitteln. Und wenn er denn noch so schön dekoriert daherkommt …

    Einen schönen vierten Advent an Dich und Frau L., Sus

  5. Das Neunundzwanzigste?
    Darf das wirklich wahr sein?
    Allerdings sind die Bilder so schön, dass ich jetzt selbst gerne hinginge.

  6. Der Blick in die Schreibstube – ein Traum! Vor JAHREN habe ich mal schöne Fotos aus Zeitschriften ausgeschnitten und gesammelt. Deine Einblicke in die Schreibstube kamen mir gerade sehr bekannt vor…..Und siehe da, ein Griff – und ich habe das Bild vor mir liegen. Was ich auf Deinen Fotos so sehen kann, hat sich im Laufe der Zeit nichts verändert. Schön! DANKE, daß Du den Fenstergucker gespielt hast. :)

  7. @Rosa: one of the fir trees where chopped by the storm yesterday.

    @Nathalie: Schafe sind noch harmlos.

    @Micha: das Schreibbüdchen gefällt mir besser.

    @der Muger: Du kannst die Weihnachtsmärkte noch so ins Pfefferland wünschen. Einer Hydra gleich schiessen sie aus dem Boden.

    @Sybille: wer schlendert nicht gerne über Märkte ? Nur das Geschäft mit dem Sentiment stört mich.

    @Sarah: sie haben tatsächlich etwas von Krähennestern. Das macht sie mir eigentlich sympathisch.

    @the rufus: machs wie ich, probieren, probieren. Was misslingt wird gelöscht.

    @Buchfink: hmmm…. daran hab ich nicht gedacht….

    @Sus: in jeder gestylten Wohnung braucht es etwas Kitsch, sonst wirkt sie kahl.

    @bee: mag sein, nur dass die Engel als geistige Wesen nichts essen, während mir die Schafe das ganze sorgsam gesammelte Krippenmoos kahlfressen.

    @Luxurious: muss halt wieder mal ein Bild von der Krippe machen und bringen.

    @Verboten gut!: Danke, liebe Kerstin. Advent feiern wir eigentlich gar nicht.

    @Hanne: ich gucke gern in anderer Leute Fenster ;-) Als Kind bin ich mit meiner Mutter am heiligen Abend jeweils durch die Strassen gegangen, um andern Leuten in die Stuben zu schauen, weil wir selber keinen Weihnachtsbaum vermochten.

  8. Eifach scheen und heimelig – sälbscht wenn’ i an so Märt nur luege und aigentlig nyt kaufe tue.
    P.S. I gang emol dervo us, dass die 29 e gfühlti Zahl isch … :-)

  9. Dann solltest Du mal bei uns vorbeilaufen….Im ganzen Haus kein Vorhang, der die Sicht versperrt. Da würdest Du auf Deine Kosten kommen :) …..Aber ich mach’ das auch liebend gerne. Bei Deiner Weihnachtsbaum-Erzählung sind mir schon ein paar Tränchen gekommen

  10. @Basler Dybli: ich hab die Krippe gestern aufgestellt und nachgezählt, ich runde gerne auf.

    @entegut: zwei Herzen hüpfen im Dreivierteltakt, bzw. im Takt der kratzenden Feder.

    @Hanne: Einblick nach holländischen Verhältnissen ;-) Heute können wir uns einen Baum leisten, keine Tränchen mehr notwendig, das war vor 60 Jahren.

  11. Naja Robert,

    die Antworten kamen ja schnell. Und hier in Köln ist es nicht wirklich anders. Ich musste heute auch leiden und mit meiner Frau sogar 2 von mittlerweile 9 in der Stadt besuchen. Man wird es wohl in Zukunft schaffen, ähnlich wie bei den Kirchen (für jeden Tag im Jahr eine ander, ergo 365 in Köln), für jeden Adventtag einen Markt zu haben. das scheint das Ziel. Aber kennst du einen kennst du alle………

    Schönen Advent in die Runde und viel Glück bei der Geschenkewahl………. Ich muss euch sagen es Weihnachtet sehr…..

    der Löffelseng

  12. Oh, das Scriptorium wäre ja was für mich! Ich bin schon seit meiner Kindergartenzeit ganz vernarrt in alles, was schreibt oder sich beschreiben lässt (gut, die Tapete meiner Eltern, div. Tische und andere Oberflächen im Haus waren meiner damaligen Ansicht nach auch ‘beschreibbar’). Sollte ich irgendwann mal wieder nach Basel kommen, hoffe ich, dass ich an den Laden denke.
    Ansonsten sieht das Bild “Budenzauber I” so aus, als könnte das auch in Bremen gemacht worden sein. Die gleichen, kleinen Buden mit diversem Zeug – nur sind bei uns die Bäume an der Weser mit blauem Licht bestrahlt und ein paar Schritte weiter findet sich ein mittelalterlichanmutender Weihnachtsmarkt, der tatsächlich recht hübsch ist und nette Kleinigkeiten bietet.

  13. @Löffelseng: dann ist höchste Eile geboten, wenn ihr bis Weihnachten die restlichen 7 Märkte in Köln noch besuchen wollt.

    @Hilke: mein Füllfederhalter ist, seit ich am PC schreibe, leider eingetrocknet. Die Nacht und die Belechtung machen den Zauber der Holzbuden aus. Am Tag sind die Hütten reizlos.

    @kuechenreise: ist bei mir jedes Jahr dasselbe. Über die Märkte motzen, und dann doch gehen ;-)

  14. Das Scriptorium ist noch da! Ich bin vor zwanzig Jahren jeden Tag auf dem (steilen) Weg in die Schule daran vorbei, und wohne schon lange nicht in Basel.

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