Ghackets mit Hörnli. Edelvariante

Ghackets mit Hörnli 0_2011 12 14_1938
Ghackets mit Hörnli, Pastinaken und Trüffeln

Rezepte aus Magazinen sollte man vorher immer genau durchlesen. Im Style-Magazin der Sonntagszeitung der NZZ war ein Rezept für Ghackets und Hörnli abgedruckt. Hübsche Bilder, von der Food-Stylistin in licht-pastell-grau-weiss-himmelblau komponiert. Die Idee zum Rezept dazu stamme von Werner Tobler, Restaurant Braui, Hochdorf, aus dem Kochbuch “Werner Tobler, Cuisinier“. Das wär doch was für Frau L., die alle Tage Ghackets mit Hörnli essen kann.

Trüffel und Pastinaken eingekauft. Mit Kochen angefangen, dann das Rezept genauer durchgelesen. Umgekehrt wäre besser gewesen.  Das wird nichts. Graues Hack kann ich nicht ausstehen. Jugendtrauma. Noch genaueres Durchlesen des Artikels förderte zutage, dass der Werner Tobler sein Ghackets mit Wildschwein, ohne Pastinake kocht. Zu spät.

Wenn sich die Food-Stylistin der NZZ nicht ans Original hält, fühle ich mich auch nicht an das Rezept der NZZ gebunden. Also wird mein Hackfleisch braun statt grau, Anbraten und Tomatenpüree sei Dank, die Pastinaken dürfen weiss, die Trüffeln schwarz bleiben, blaues Geschirr habe ich keines und abgelöscht wird mit gutem Weisswein und meinem besten Hühnerfond.

Die selbstgemachte Trüffelbutter macht sich zwar gut an den Hörnli. Aber das Schweizer Nationalgericht zeigte sich völlig unbeeindruckt von Trüffeln und Pastinaken. Keine Verbesserung. Mein altes Rezept für Notfälle tuts auch.

Ghackets mit Hörnli 1_2011 12 14_1924
food: gestylt

Zutaten
für 2 Personen
30 g Butter
1 kleiner schwarzer Trüffel (Tuber melanosporum)
250 g Kalbshackfleisch
2 Elf. Olivenöl
1 Schalotte, 40 g
1 Pastinake, 80 g
50 ml Weisswein
200 ml Geflügelfond
2 Thymianzweiglein
3 Zweige glatte Petersilie
Stärke
Salz, Pfeffer

Ghackets mit Hörnli 2_2011 12 14_1933
Braun statt Grau

Zubereitung
(1) am Vorabend die Butter auf kleinem Feuer schmelzen und die Hälfte des fein gehobelten Trüffels zugeben. In einem verschliessbaren Glas langsam erkalten lassen. Über Nacht kühl stellen.
(2) das Hackfleisch in heissem Olivenöl anbraten, bis es Farbe zeigt, dann in einen Topf geben. Zwiebeln und Pastinaken in die Pfanne geben und andünsten, am Schluss wenig Tomatenpüree mitdünsten, dann ablöschen mit dem Weisswein, etwas einkochen, dann den Geflügelfond zugeben. Alles in den Topf zum Fleisch geben, Salz, Pfeffer, Thymianblättchen und Petersilie zugeben und etwa 20 Minuten köcheln lassen.
(3) Inzwischen die Hörnli in Salzwasser al dente kochen, abgiessen, in den Topf zurückgeben und die Trüffelbutter untermischen. In Tellern servieren, Ghackets drübergeben und mit Trüffelscheiben garnieren. Das bringt nichts. Der schwarze Trüffel ist und bleibt ein Kochtrüffel !

Ghackets mit Hörnli 0_2011 12 14_1939
auf das Ghackete kommts an, nicht auf die Trüffeln

25 Gedanken zu “Ghackets mit Hörnli. Edelvariante”

  1. Der Werner Tobler….Rezept wurde wegen des Gehackten auch wieder weggeschoben, ich esse lieber nur Pasta und reichlich Trüffel…..Belle & heureuse année pour vous 2!

    Und lieber Robert, der schwarze Trüffel ist und bleibt KEIN KOCHTRÜFFEL!!!!!!!!!!!!!!
    Sag das nicht in der Provence oder im Périgord, Du wirst dort hochkantig rausgeschmissen, man kann immer Abschnitte, Reste oder nicht so schöne Trüffelstücke, Schalen etc mitkochen; aber am besten entfaltet der Trüffel seinen Geschmack wenn er auf etwas heisses gerieben wird!

  2. Gibt es eine Lautschrift für das Wort “Ghackete”? Spricht man ein kleines “e” zwischen “g” und “h” oder sprechen die Schweizer es so gehackt, wie es sich liest? Du weißt ja, dass ich intensive Sprachforschungen betreibe! ;)

  3. Hörnli müssen auch mit guten (kulinarischen) Kindheitserinnerungen verbunden sein. Immer wenn ich ein Rezept bei dir damit sehe, habe ich den Eindruck, dass es daher sog. lamiacucinasches Soulfood ist.

  4. dass graues “ghackets” (in hessen würde man völlig uncharmant “nudeln mit hackfleischsosse)sagen, garnicht geht, kann ich voll nachvollziehen,
    manchmal sind die selbsterprobeten rezepte doch die besten.

  5. @Rosa May: still pretty to look at ;-)

    @Bolliskitchen: auch Dir wünsche ich ein gutes neues Jahr ! Wo einem die Trüffel in den Mund wachsen, mag man die schwarzen Trüffel trocken auf die Gerichte hobeln. Hier, wo jedes Trüffelchen mit Gold aufgewogen werden darf, muss man sich schon überlegen, das Optimum aus einem Trüffel herauszuholen. Und kalte Trüffelscheiben geben mir einfach zu wenig Geschmack ab.

    @Michael: was sich über lange Zeit als Tradition etabliert hat, steht auf erzenen Füssen.

    @Arthurs Tochter: ich weiss, dass “ghackets” für Deutsche schwer auszusprechen ist. Eine Lautschriftversion kenne ich nicht, aber notfalls kannst Du es mit “minced meat” probieren, das versteht hier jeder ;-)

    @Micha: Hörnli gehören zum Notvorrat jeder Schweizer Familie. 2 kg sind empfohlen ;-) Ratgeber der Eidgenossenschaft für Notsituatonen

    @cafetin: manchmal ?, meist, immer.

    @Sybille: das Gericht lässt sich so leicht mit dem Löffel essen. Löffel sind älter als Gabeln.

  6. Da hilft alle Philosophie nicht gegen die Praxis. Das Hackfleisch gegen Wild austauschen, das geht; es tut dem Bodenständigen ja auch keinen Abbruch. Aber die Trüffel? Lieber ein hübsches Gewand als zu viel Schmuck ;-)

  7. Lieber Robert,
    bis eben war es mir noch ein Rätsel was Herr GB heute auf den Löffel bekommt, jetzt ist es klar! Ich nehme das Rote, lasse das Graue auch stehen und die Trüffel überlasse ich großzügig denen, die ohne Trüffel in der Küche eh versagen. ;-)

  8. @Elisabeth: wer wollte schon nicht jeden Tag Trüffel essen ;-)

    @the rufus: Blunzen müsste ich alleine essen, weisst Du doch.

    @bee: Für Mädchen ist Schmuck ein Traum, für Frauen ein Trost, für Männer ein Albtraum im Geldbeutel.

    @Klärchen: wir verstehen uns :-)

    @radieschenwelt: mir ist das kein Rätsel, das muss am gemeinsamen Nenner “L.” liegen.

  9. Lustig, am Montag standen hier Ghackets mit Hörnli nach deinem “alten” Rezept auf dem Tisch, die Bratensauce war dabei ein wunderbarer Rest von der Weihnachtsentensauce :-)

    Trüffel bräuchte ich dazu wirklich nicht, die spare ich mir für anderes.

  10. Der Trüffel kommt vermutlich gegen die kräftigen Aromen vom Ghackten nicht gegenan. Außerdem hast du natürlich recht, der schwarze Trüffel trumpft so richtig auf, wenn er warm wird…

  11. Ach je… ein paar sauteure Trüffel… schmecken die denn wirklich so sagenhaft? Ich glaube nicht. Minimüsterchen hatte ich ha auch schon. Dann lieber eine ordentliche Portion Eierschwämme, Champignons oder Steinpilze. Dieses “ach-ich-dinniere-ja-so-edel-getue-weil-ich-trüffel-esse” geht mir auf den Geist. Hörnli und Gehacktes genügt vollkommen. Trotzdem danke für die Darbietung.
    ;-)

  12. @Petra: ich hab mir auch einen Teil desTrüffels für etwas anderes gerettet :-)

    @Suse: das wird es sein. Trüffel liebt die leisen Unterlagen.

    @Entegut: nett von Dir, über den Trüffel hinwegzusehen !

    @Barbara P.: Eierschwämme und Steinpilze sind ein anderes Kapitel. Ich werde aber in mich gehen und in den kommenden Wochen beinahe-ganz-ohne-edel-getue-dinieren.

  13. Ein Luxus-Rezept um das neue Jahr zu beginnen. Danke für deinen Besuch, meinen Sohn hat mir gesagt, du hättest kurz hallo gesagt, als er bei dem neuen Blog arbeitete. Ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr.

  14. Trüffel mag ich, in diesem Zusammenspiel könnte ich mir bedeutend besser eine gute Portion Hallimasch vorstellen. Und die ersetzen das Hack hervorragend :-)

  15. Ein tolles Rezept. Meinen Maenner wollen es gleich wieder haben. Trüffel habe ich weggelassen. A) mag mein Mann keine Trueffel und b) wohnen wir fuer Trueffel im falschen Land – GB

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s