CH-4229 Beinwil: Kloster

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Es ist Winter, obwohl etliche schon den Frühling zu spüren vermeinen. Der Aktionsradius für unsere traditionellen Sonntagsausflüge an Werktagen ist klein geworden, reicht gerade mal in die nähere Umgebung, wenn überhaupt noch ein Ausflug drin liegt. Also sind kleinere Brötchen angesagt oder gar keine. In der ersten Januarwoche hat es uns zwischen zwei Regenfronten nach Beinwil verschlagen, weil Frau L. dringlich in ein Café wollte und “unser” Café in der benachbarten Ortschaft geschlossen war. Beibel, wie man hierorts Ort sagt, liegt an der Strasse über den Passwang (943 M. ü.M) von Laufen/Breitenbach nach Balsthal/Oensingen.

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Das Kloster wurde um 1085 vermutlich durch lokalen Adel gegründet. Schriftliches existiert nicht mehr. In der Folge von Streitigkeiten über Gebietsansprüche der Städte Solothurn und Basel an die Grafen von Thierstein, Kastvögte des Klosters, wurde das Kloster 1445 abgefackelt. 1519 wurde es von den Solothurnern samt einem Grossteil des Klosterbesitzes als Pfand eingezogen.

Das Benediktiner-Kloster liegt sehr abgeschieden, im 16. Jahrhunderts lebten nur noch wenige Mönche hier, die geistliche Betreuung wurde 1589 vom Kloster Einsiedeln, später vom Kloster Rheinau übernommen. 1648 wurde der Klosterbetrieb nach Mariastein verlegt. Von dort aus wurde Ende des 17. Jahrhunderts das Kloster Beinwil mit einem barocken Neubau der Klosterkirche und der Konventsgebäude wieder reanimiert. Das Kloster wurde während des Kulturkampfes (einem Machtgerangel zwischen Staat und der Kirche) im Jahr 1874 durch einen Volksentscheid aufgehoben.

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Das Innere, weihnachtlich dekoriert

Die Klosterkirche brannte 1978 aus und wurde danach umfassend restauriert. Der “neue” Hochaltar wurde um die 1700 angefertigt und stand früher in Bellwald (Wallis). Auffallend die in der Decke des Chors eingelassene Uhr. Heute dient das Kloster Beinwil als ökumenische Begegnungsstätte. Im 1594 erstellten Speisshaus kann man sich in der Selbstbedienungscafeteria einen Kaffee anbrühen. Geschirr muss selber abgewaschen werden. Im Klosterladen gibts geistlichen Tand und weltlichen Trödel zu kaufen. Die Stiftung wird weder durch den Staat noch durch die Kirche finanziert. Wir haben ein Stück Beibler Käse gekauft. Leider erwies sich das in Glasflaschen angebotene Beibler Wasser als Beinwiler Quellwasser. Zu gerne hätte ich meine Fonduekirschvorräte mit Kirsch aus dem Schwarzbubenland ergänzt. Wer Stille und einfachen Lebenstil sucht, ist hier gut aufgehoben. Übernachten kann man auch hier, die Betten müssen halt selber gemacht werden.

Der Ortsname geht auf einen althochdeutschen Personennamen zurück. Das Gemeindewappen, das auf das 17. Jahrhundert zurückgeht, wird dennoch von zwei schräggestellten Knochen geziert.

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Beinwiler Knochen in der Lunette an der Decke, Lunettes ohne Knochen am Bildrand

18 thoughts on “CH-4229 Beinwil: Kloster”

  1. So gefällt’s mir, feiner Blick für Details mit und ohne Brille. Für’s neue Jahr, das nach dem 6. Januar endlich richtig angefangen ist, die allerbesten Wünsche! Und dass der Kaffee nicht immer selbst aufgebrüht werden muss! Und was Feines zum Nachspülen auch!

  2. @Rosa May: for a few days, yes.

    @Ti saluto Ticino: es gibt noch andere Gründe, ein Cafe aufzusuchen ;-)

    @Pepe nero: weder das Cafe an sich noch der Cafe sind erwähnenswert.

    @the rufus: Du meinst bestimmt Zweigelt.

    @Poliander: nach dem alten, julianischen Kalender haben wir ja noch Zeit bis zum 13. Januar . Alles Gute im neuen Jahr !

    @bee: der Segen ists, der Segen, der von oben kommen soll. Hoffen wir, dass er auch gut ist.

    @barbarasspielwiese: und ohne Schiff zu erreichen ;-)

    @Kerstin: eine schöne Krippe war auch noch aufgestellt.

  3. Hallo Robert,

    gerne einmal von meiner Seite ein grundsätzlicher Beitrag zu deinem blog und vor allem den Sonntagsausflügen.
    Im Nordschwarzwald aufgewachsen bin ich als Schüler in den 60er Jahren gerne in die oder auch durch die Schweiz getrampt. Z. B. gab es einen mehrtägigen Besuch in Basel bei der “Braut mit schwarzen Handschuhen” oder auch eine Fußwanderung von Basel nach Lugano noch vor dem Bau der Gotthardautobahn. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand an das ‘Bärglüticamp’ im Hochgebirge. So habe ich vor gut 45 Jahren viele positive Eindrücke in der Schweiz sammeln können – bis hin zu einer Klassenfahrt mit geistigbehinderten Schülern ins Berner Oberland und auf Jungfraujoch.
    Obwohl deine Ausflugsschilderungen über mir bislang unbekannte Orte berichten, erinnern sie mich doch in vieler Hinsicht an meine frühen schönen Eindrücke in Wortwahl, Bildgestaltung und dem gesamten Duktus.
    Sie erzeugen beim Lesen bei mir tatsächlich ein Sonntagsgefühl, so dass ich fast meine, zum Lesen ein weißes Hemd anziehen zu sollen. :-)
    Ich wünsche mir zum Neuen Jahr (und noch vielen weiteren), dass diese Berichte (und natürlich auch Rezepte plus Fotos!) noch lange erhalten bleiben.

    Kulinarische Grüße in die Schweiz aus Ostwestfalen
    Uwe

  4. Wusste gar nicht, dass es NOCH ein Beinwil gibt. Ich kenne die beiden im Kanton Aargau. Das eine am Hallwilersee mit bemerkenswerter Bäckerei (2 min. vom Bahnhof Richtung See), guten Fisch in der Beiz bei der Schiffsanlegestelle, prächtiger Strand-Badi (wo sie im Sommer Hallwilersee Chriesi verkaufen) und natürlich der Möglichkeit für eine Schifffahrt. Das andere etwas südlicher am Südausläufer des Lindenberges mit spektakulärer Fernsicht in die Berge. Wirtschaftskundlich kenne ich mich da nicht aus, kulturell ist das nahe Kloster Muri zu empfehlen. So viel für Aargau Tourismus.
    Herzlich
    Bea Wyler

  5. Das hast Du aber fein gemacht…
    Denn Beinwil / SO steht seit meiner Hochzeit auch als Heimatort in meinen Papieren.
    Vor noch etwas mehr als 10 Jahren erhielt man da noch handgeschriebene Registerauszüge mit kunstvollen Schmuckbildern – heute nur noch Computerausdrucke.
    Mein Schwiegervater, ein Stadt-Berner, pflegt zu sagen, dass dieses Beibel ja bloss aus Kloster, Kirche und Beiz bestünde und dass er nicht glaube, dass da noch jemand wohne, geschweige denn lebe ;-)
    Danke für den schnusigen Bericht und die schönen Fotos.
    Übrigens, es gibt auch Zuger Kirsch, der ist mindestens so fein wie der aus dem Schwarzbubenland – ich darf das schreiben, denn als Solothurnerin war ich lange nur für den Schwarzbubenkirsch zu haben, heute setze ich mich für das gebrannte Wasser aus dem Zugerland ein.
    Liebe Grüsse vom Zugersee
    Billi

  6. @MLO: Danke für deinen aufmunternden Kommentar. Ich hoffe sehr, dass wir noch 2-3 Jahre in der Lage sind, diese Ausreisen zu machen. Die Autofahrerei wird immer hektischer, deshalb meiden wir die grossen Verkehrsachsen. Da ergibt es sich automatisch, dass man an kleineren Sehenswürdigkeiten vorbeikommt. Die Vorstellung, wie Du am Sonntagmorgen im Hemd, hoffentlich mit Krawatte) vor dem PC sitzt, gefällt mir ;-)

    @bea wyler: seit wir die Tomatenquelle in Hämikon haben, fahren wir im Sommer des öftern über Mosen via Beinwil wieder nach Hause. Da ich keine Zigarren rauche und nur noch in der Badewanne bade, halten wir hier aber selten, und wenn, dann unten am See. Das Freiämter Beinwil muss ich mir est mal ansehen, da hats eine Wallfahrstkirche, vielleicht zusammen mit Puuremünster.

    @Billi: mit dem Heimatschein soll es ja bald aus sein. Was den Kirsch betrifft, den holen wir in Arth.

    1. Lieber Robert
      Ich seh’ schon, wenigstens Rigi-Kirsch (Zug und Arth bemühen sich ja um das Rigi AOC)
      Trotzdem, so scheint es, muss ich noch Überzeugungsarbeit in geistiger Form leisten…

  7. “Kulturkampf” hat mich etwas hellhörig gemacht. die säkularisation in bayern durch montgelas und dann später von bismark auch ein kulturkampf sowie jetzt konkret im film “der grosse kater” mit bruno ganz die rolle der k.K.läßt mich fragen, könnte Hr.L. so en passante die schweizer entwicklung darstellen?

  8. Die Kulturkämpfe als Etappen im Prozess der Säkularisierung von Staat und bürgerlicher. Gesellschaft gab es ja in ganz Europa. Die Gründe waren in Deutschland etwas anders als in der Schweiz. Mal sehen, ob ich en passant ein geeignetes Objekt mit etwas Essarem finde, das eine Reise wert ist. Momentan pausieren die Ausreisen.

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