Troccoli pugliesi mit Orangen-Caponata

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Troccolaturo

Seit Jahren schon besitze ich ein eigenartiges Küchengerät, bislang wusste ich nicht, wozu ich das je brauchen könnte… und eben stolpere ich zufällig über ein Rezept, in welchem das Gerät sogar mit Namen abgebildet ist. Ich besitze offenbar einen Troccolaturo. Nachfahre eines Nudelholzes aus dem sechzehnten Jahrhundert. Damit kann man rustikale, grobe Spaghetti (in Pici-dicke) schneiden. Die Troccoli sind eine typische apulische Pasta. Einfach herzustellen. Dazu gibts eine winterliche Caponata mit Orangen. Die hat ihren Ursprung zwar in Sizilien, aber mitten im Winter nehmen wir das nicht so sektiererisch. Süden bleibt Süden. Sehr gut.

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Troccoli mit Orangen-Caponata

Zutaten
für die pasta (2 Personen):
250 g Semola rimacinata De Checco
140-150 g Wasser
½ Tlf. Salz

für die Caponata:
150 g Aubergine
½ rote Zwiebel
3 Rippen Stangensellerie
1 ziemlich kleine Fenchelknolle
1 roter Paprika (Peperoni)
alle Gemüse in 1-2 cm grosse Würfel oder Streifen geschnitten
Abrieb einer Bio-Orange
Orangenfilets der Bio-Orange in Würfel geschnitten
Etwas Orangensaft
2 Elf. Pinienkerne, frisch angeröstet
2 Tlf. Kapern
ca. 1 dl natives Olivenöl
2 Elf. milder Rotweinessig (L.: Paradeiseressig von Gölles)
Salz und Pfeffer

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Zubereitung
für die Caponata:
(1) Paprika entkernen, die Gemüse würfeln, mit 1-2 Elf. Olivenöl begiessen, salzen und von Hand intensiv mischen, damit die Gemüsewürfel komplett mit Öl überzogen sind.
(2) ca. 15-20 Minuten bei 190-200°C im Backofen U-/O-hitze backen. Bei Halbzeit das Gemüse wenden.
(3) Vom Blech nehmen und in einen Topf geben. Essig, Pinienkerne, Kapern, Orangenstücke, die Hälfte des Orangenabriebs, evtl. noch etwas Olivenöl und etwas Orangensaft zugeben, würzen, mit Folie abdecken und bei Raumtemperatur mindestens 2 Stunden ziehen lassen.

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Troccoli nature

für die pasta:
(4) Zutaten mit der Küchenmaschine zu einem weichen, seidenglänzenden Teig zusammenkneten. Die Kugel von Hand auf einem Holzbrett nochmals 10 Minuten kneten, das macht die pasta weniger spröde, wenn man sie trocknen will, dann in Folie eingewickelt 30 Minuten ruhen lassen.
(5) Teig mit der Pastawalze (Stufe 3/9) oder dem Wallholz 2-3 mm dick auswallen, mit semola gut bemehlen, dann mit dem Troccolaturo kräftig durchrollen (Video siehe hier), die entstandenen, dicken Spaghetti voneinander lösen. Modelle aus Metall sind besser geeignet, ich musste zusätzlich mit dem Pizzarad durch die Rillen fahren, um sie trennen zu können. Die pasta lässt sich gut trocknen, da sie kein Ei enthält.

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Troccoli getrocknet

für den finish:
(6) In eine weite Pfanne 2 Elf. Olivenöl, wenig Orangensaft und den Rest des Orangenabriebs geben und erwärmen.
(7) Die marinierte Caponata erwärmen.
(8) Troccoli in reichlich sprudelndem Sazwasser al dente garen, abgiessen und in der Pfanne mit dem Orangensaft wenden. Caponata darüber geben.

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Winterliche Caponata

23 Gedanken zu “Troccoli pugliesi mit Orangen-Caponata”

  1. Und was macht Frau wenn sie so was nicht besitzt ;) ? Braucht Frau das überhaupt wenn es selbst bei dir jahrelang unbenützt im Schrank liegt?

  2. Was es alles gibt?!! Klasse, ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert, also dass es wirklich schneidet.

    Auch die Orangen-Caponata gefällt mir.

  3. Auf Caponata steh’ ich ja schon, hab’ sie mir im Winter immer verkniffen….aber so mit Orangen mhhh. Der/das? Troccolatura gefällt mir. Ich schneide sonst mit Hand, das wird dann schon immer arg verschieden.
    Tolles Essen!!

  4. Wo hast du denn damals das Teil gekauft? In Italien? Ich trockne meine Eier-Tagliatelle immer. Geht problemlos. Uebrigens haben wir letzthin das letzte Glas von “deinen” Curry-Zucchetti gegessen. Man kann die Gläser also problemlos ausserhalb des Kühlschranks aufbewahren, bzw. wir leben noch und hatten auch keine Beschwerden. ;-)

  5. Ich bewundere alle, die Pasta selbst herstellen! Grosses Kompliment! So weit bin ich noch nicht. Doch velleicht liegt es ja einfach daran, dass ich keinen Troccolaturo besitze…

  6. @Tina: seit ich entdeckt habe, wie man damit umgeht, ist das Teil unentbehrlich geworden für schnelle Pasta und als Pici-ersatz. Spaghetti mit der Schere abschneiden ist schwieriger ;-)

    @Barbara: auf krummen Holzbrettern schneidet es nicht ! Die Caponata ist sehr gut, die pasta kann man durch gekaufte ersetzen.

    @Eva: soll Paule zu mir kommen.

    @Sybille:der Troccolaturo. Nudeln gehen gut von Hand, die müssen auch nicht gleichmässig sein.

    @sammelhamster: schöne Ziele nimmst Du dir vor !

    @RosaMay: you can buy it in italian household stores.

    @Ti saluto Ticino: ja, mit Ei habe ich immer Bedenken, weil ich bei tiefen Temperaturen trockne.

    @zorra: ja, in Italien, weiss aber nicht mehr wo, vermutlich im Veltlin bei den fratelli Ciapponi oder in einem Haushaltwarenladen.

    @pepe-nero: vielleicht am Willen ? Die gekaufte ist so bequem und nicht immer schlechter.

  7. Das sieht herrlich frisch aus, wahrscheinlich wegen der Farben. Und man muss die Pasta ja auch nicht selber machen …

  8. Hahh! Nach den Trofie-Erfahrungen bin ich vorgewarnt.
    Alle Nudeln einzeln mit dem Pizzarad voneinander trennen? Ach diese Schweizer mit ihren langen Winterabenden….

  9. Ich habe auch einen sehr schönen Teigroller Ravioli herzustellen. Ich habe das Teil schon seit ewigen Zeiten und habe es nie mehr bei einem Vertreter gesehen. Auch deinen Teigroller kenne ich nicht. Das wäre was zum Vererben:) Die Nudeln sind ganz nach meinem Geschmack.

  10. Ja, ja, Du hast ja recht… die gekaufte ist sehr bequem. Erst recht wenn man jedesmal 1 Kilo braucht…
    Ehrlich gesagt, der Gedanke geistert schon eine Weile durch meinen Kopf… also wenn Du weiterhin mit gutem Beispiel voran gehst… fühl ich mich hoffentlich auch irgendwann motiviert genug… du hast jetzt also eine grosse Verantwortung… lach!
    Wünsche Dir einen schönen Abend!
    Susann

  11. Vor diesen Geräten (drei Ausführungen mit unterschiedlich breiten Rillen) stand ich in der Weihnachtszeit und fragte mich, ob sie denn wirklich funktionieren. Die Skepsis überwog. Bisher bekomme ich Pici immer ganz manierlich mit dem 1,5-Millimeter-Schneidwerk hin. Obwohl Dein Verfahren natürlich nach viel mehr Spaß aussieht ;-)

  12. @april: das ist das Schöne an pasta, man darf, man muss nicht.

    @Heike: wer krumme Holzbretter besitzt, wird nicht darum herum kommen, ist aber nicht schlimm, die Rillen sind schon vorgespurt ;-) Habt ihr in Deutschland denn keine langen, kalten Nächte ?

    @Magdi: ich seh schon, ich muss mal in deinem Laden vorbeikommen.

    @Micha: ich kann halt nichts anderes ;-)

    @Nathalie: das wird wohl nicht so eilen mit den chinesichen Nudeln. Du machst deine Italienferien aber auch immer am Meer. Dort sind Fischgerichte statt Pasta Trumpf.

    @Pepe nero: holla, bei so grosser Familie würde auch ich meist vor der Menge kapitulieren.

    @bee: 1.5 mm… sind wohl eher Spaghetti. Das blosse Schneiden gibt nicht dasselbe Mundgefühl, wie wenn man die pici von Hand rollt. Das gilt auch für diesen Roller. Der funktioniert schon, braucht aber eine absolut plane Unterlage. Zudem sind Ausführungen aus Metall besser, weil sie schneiden, während die Holzklinge eher quetscht.

  13. Pastatechnisch ist das hier ja wieder eine reine Augenweide. Sehr lecker anzuschauen!!! Die Adresse vom Koch- Nudelutensilienlieferanten hätte ich auch gerne mal :-)!

  14. @Elisabeth: ich habe Dich jeden Tag im Bilde :-)

    @entegut: In einem Kasten im Speicher. Dort geht auch so Manches vergessen.

    @Steffn: in Metall findet man sie im Internert unter “troccolaturo” bei italienischen Händlern.

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