Brennesselravioli, Pansooti alle ortiche

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Beim sammeln von Bärlauch sind mir nahebei jüngst Unmengen von Brennesseln aufgefallen. Wohlausgerüstet mit Latexhandschuhen, Schere und Papiertüte habe ich mich nochmals aufgemacht, dieweil Frau L., im Auto sitzend, unsern gemeinsamen Proviant in Form eines Stückes Zwiebelwähe alleine aufass. Frauen darf man einfach nicht alleine lassen. Die Brennesseln brauchte ich als Füllung für Panzotti, auch Pansotti oder im Dialekt pansooti genannt, piemontesische Ravioli. Oft werden die Bäuchlein (pancia) auch mit Borretsch, Wildkräutern oder Spinat gefüllt.
Aus dem Rest der Brennesselblätter machte ich “Spinatmatte“, Chlorophyll, und färbte damit den Teig ein.

Ein Rezept brauche ich für so einfache Ravioli nicht, erwähne aber doch, dass ich die Idee dazu bei Anna Sgroi in der SZ gesehen hatte. Das erspart mir viel abtippen. Rezept funktioniert und schmeckt sehr gut !

Zutaten

für ca. 60 Pansooti
Teig:
180 g Weizenmehl,
70 g Hartweizenmehl,
1 Ei, 2 Eigelb,
ca. 40 g “Spinatmatte”
1 Eiweiß zum Bestreichen

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Füllung:
150 g Brennnesseln,
200 g Büffelricotta, ich hatte nur von gewöhnlichen von der Kuh, über Nacht abgetropft
30 g Parmesan, frisch gerieben
zusätzlich von mir: eine Frühlingszwiebel mit Grün und 1 grosser Elf. Mascarpone
1 Eigelb,
1 Prise Muskatnuss,
Meersalz,
schwarzer Pfeffer

Sauce:
200 ml helle Geflügelbrühe,
40 g Butter,
Meersalz,
schwarzer Pfeffer,
Parmesan, frisch gerieben

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Zubereitung
für den Teig:
(1) Zutaten 10 Minuten lang zu einem Teig kneten. Mit Klarsichtfolie abdecken, 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.

für die Füllung:
(2) Brennnesseln in kochendem Salzwasser kurz blanchieren, im Tuch auspressen. Fein hacken. Ricotta auspressen. Brennesseln mit Ricotta, Parmesan, der in wenig Butter angezogenen Frühlingszwiebel, Mascarpone und Eigelb vermengen und mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken.

für die Pansooti:
(3) Teig teilen, Teile zu schmalen Rechtecken ausrollen, mit Eiweiß bestreichen. Füllung haselnussgroß mit je 10 cm Abstand mittig auf eine Teighälfte geben. Zweite Teighälfte darüberklappen. Pansooti in Halbkreisform ausstechen, auf ein bemehltes Tuch legen.

finish:
(4) Geflügelbrühe auf- und auf die Hälfte einkochen, Butter unterschlagen, salzen.
Pansooti 4 Minuten im heissen Salzwasser unter dem Siedepunkt ziehen lassen, mit der Schöpfkelle herausheben, in die Sauce geben, kurz köcheln, pfeffern, mit Parmesan bestreut servieren. Ich hatte noch etwas Rest-Kerbel im Kühlschrank, drauf damit !

mein hellgrüner Beitrag an den event von Uwe:
HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

36 Gedanken zu “Brennesselravioli, Pansooti alle ortiche”

  1. Und ich finde es immer noch schade das hier alle Bärlauch, Brenneselstellen zu den Hunde-Spaziergängen-Wegen gehören :(

  2. Brennesseln haben mich als Kind schon magisch angezogen: Mitsamt Fahrrad und im Sommerkleidchen bin ich einst in hohem Bogen in ein Brennesselmeer geflogen. Deine Ravioli lassen mich jetzt aber an das Gute in der Brennessel glauben! ;-)

  3. Was du machst, machst du richtig. Deine Spinatmatte, besser ein Chlorophyl-Extrakt, ist nicht nur professionell (wenn ich da an mein Püree denke), sondern färbt die Ravioles wunderhübsch gleichmäßig!

    Und hey, Frau L. hat geduldig gewartet – das gibt Extrapunkte, bzw. Extra-Proviant :)

  4. Liebe Frau L., würde ich alleine mit einem Stück Zwiebelwähe im Auto sitzen müssen … lach!
    Robert, Micha hat Recht, wenn, dann richtig, ein wunderschöner Hellgrün Beitrag.
    Liebe Grüsse, Andy

  5. Also wenn ich irgendwo ein Brennesselfeld finde, weiß ich sofort was ich mit den fiesen Dingern anstelle. Die Ravioli sehen äußerst verführerisch aus.

    Schöne Grüße

  6. Feines Gericht!!
    Schon mal Brennnesselsuppe gemacht? Gab’s bei uns früher oft und ich musste die “Spitzen” pflücken (ohne Handschuhe). Die feinen Spitzen brennen nicht wenn man ein bisschen aufpasst (auf die Beine). :)

  7. Wow, sehen mal wieder toll aus! Brenessel hab ich bisher nur als Suppe gegessen, das hier find ich aber noch viel ansprechender :-)

  8. Ich muss leider Tina recht geben: Wo immer Kräuter wachsen, waren vorher schon Hunde(besitzer) da. Deshalb pflücke ich ungerne in der “Wildnis”. Zumal mich meine große Schwester immer in die Brennesseln geschmissen hat, was sie mir heute noch verhasst macht ;-) Aber das tut der wunderschönen hellgrünen Farbe und dem appetitlichen Gericht ja keinen Abbruch. Jetzt bin ich nur gespannt, was für ein grünes Gericht im Juni ansteht :-D

  9. Die hellgrüne Farbe allein ist ja schon ein Lob wert. Aber am meisten beeindrucken mich Deine gleichmässig geformten Pansooti. Die sehen super aus.
    Alle Blogger kriegen wunderschöne Ravioli, Pansooti, Teigtaschen usw. hin. Nur meine sehen immer aus, als ob sie grad aus der Waschmaschine gekommen sind. Schief, zerknittert, die einen eingelaufen, die andern ausgelaufen ;-) Ich sehe, ich brauche dringend einen Ravioli-Form-Kurs.

  10. Ein Supergericht und dieses grün besticht völlig! also Brennessel Tee kenn ich ja mittlerweile aber als Küchengewürz überrascht es mich doch. Ich traue mich allerdings nicht wirklich die Nudel selbst zu machen, weil ich keinerlei Erfahrung habe.

  11. frauen darf man nicht alleine lassen? *merci, habe gerade herzhaft gelacht

    wunderwunderschön deine piemontesische leckerei. leider ist mir diese im urlaub nicht begegnet, aber ich hätte da aber noch das ein oder andere passende fläschchen wein im keller.
    du das essen, ich die getränke? ;)

  12. Hört sich toll an – falls Du mal wieder frische, junge Brennesseln (garantiert Bio) brauchst, sag’ Bescheid – in meinem Garten wachsen die massenhaft, nur ernten musst Du selbst…(würde mir ‘ne Menge Arbeit sparen) – des einen Freud des andren Leid ;-)

  13. heut wurde es spät, ich war im Jura, Unkraut zupfen, Gras mähen, Lattich pflanzen.

    @Tina: abseits der Waldwege gedeihen sowohl Bärlauch wie Brennesseln vorzüglich. Gutes Schuhwerk empfohlen.

    @bee: das ist die Hauptsache daran, esse wer mag ;-)

    @Eva: ich hab noch ein paar eingefrorene.

    @Christina: oh je, das ist Dir bestimmt kein zweites Mal passiert.

    @Micha: mit Spinatmatte wirds fein grün, mit verhackten Blättern gesprenkelt, ist aber auch hübsch. Ich bin ja froh, wenn sie mir den Fotoapparat nicht ins Wasser wirft.

    @Rosa May: Anna Sgroi preferred to make them in white.

    @lieberlecker: auf dem Rückweg haben wir nochmals Halt vor der Bäckerei gemacht.

    @the rufus: irgendwie prickelts ohne zu prickeln ;-)

    @Lena: wenn man danach sucht, fndet man bestimmt keine Brennesseln ;-)

    @Tomatenblüte: oh ja, http://lamiacucina.wordpress.com/2012/04/04/brennesselsuppe-mit-hechtklosschen/

    @Karin: es hat noch mehr Brennesseln an meinem Fundort.

    @Eline: ich bin noch unentschieden, versuche mich gerade an Giersch.

    @Britta: ist halt etwas mehr Arbeit.

    @germanabendbrot: herrjeh, hab eben gespickt was denn im Juni kommt. Na gut, ist auch kein Problem.

    @Wilde Henne: gleichmässig füllen, gut andrücken, mit Ausstecher ausstechen. Wo ist das Problem ?

    @Ulli: dann würd ich mal mit einfachen Eiernudeln anfangen. Die Freude am Erfolg ist dieselbe.

    @klitzeklein: ich würde ja nur zu gerne deine Desserts probieren, Frau L. sagt aber nein. Patt.

    @Karin: an meiner Brennesselsammeltechnik hättest Du keine Freude, da ich sie oben abschneide, verzweigen sie sich in kurzer Zeit. Wo vorher ein Stengel war, sind es nun 3-4.

  14. du bist also auch ein ganz mutiger Koch! An die Brennesseln habe ich mich trotz grosser Verlockung noch nicht gewagt, weil zu schlechte Erinnerungen an ihren Biss. Deine Pansotti sehen ganz toll aus!

  15. Tolle Farbe! :-) Worauf achtest du wenn du die Brennesseln sammeln gehst? Hast du versteckte unberührte Flecken wo du weißt das kein Auto und kein Hund sich an den Nesseln vergangen hat? Ich habe ein gutes Rezept für Löwenzahn-Marmelade – bin aber noch auf der Suche wo ich “sauberes” Material herbekomme… ;)

  16. @Kochfrau: Brennesseln sind harmlos, wenn man weiss, sie anzufassen.

    @bea wyler: die Transformation vom Verb zum Adjektiv macht den Unterschied.

    @küchenjunge: Stellen, wo keine Wanderwege vorbeiführen. Wer die Möglichkeit fürchtet, dass ein Fuchs, oder gar Bär drauf gepinkelt hat, nimmt Fabrik-Spinat aus dem Tiefkühler ;-)

    @nysa: was doch besorgte Mütter ihren Kindern alles einflössen.

  17. Hätte ich mal nicht die Brennesseln aus meinen Blumenkästen raus gerissen! Dafür bin ich am Sonntag fröhlich über die Wiesen gestapft und habe Sauerampfer gesammelt. Ist ja auch grün!
    Jedefalls – dieses Rezept sieht großartig aus.
    LG, Claudia

  18. Ich hoffe, das waren jetzt nicht die Handschuhe mit dem Loch drin?…
    Die Ravioli könnte man demnach sehr gut zu einem Knoblauchreichen Menu dazu essen und sich die Chlorophylltabletten ersparen… wobei mich persönlich Knoblauchgeruch null und gar nicht stört.
    Aussehen tun sie jedenfalls wunderbar, die Zubereitung ist allerdings schon eher etwas aufwändig…
    Und zum Thema dass Mann Frauen nicht alleine lassen sollte kann ich nur sagen: Tja, wenn wir immer so lange auf euch warten müssen…

  19. @claudiavondinnerumacht?: Die armen Brennesseln ! Die meisten Blumen kann man nicht essen.

    @Pepe Nero: Doch die waren es, mit dem Loch. Inzwischen sind die Handschuhe dunkelgrün. Warten. Das höre ich öfters, obwohl ich immer als Erster an der Türe stehe ;-)

  20. lach…. ja, das sagt Herr PN auch immer… hat dann aber doch noch irgendwas vergessen, dass er mal noch “schnell” holen oder machen muss…

  21. Hat dies auf N'achACHTcafé rebloggt und kommentierte:
    Da ich ja nun einiges über unsere Wunderheilpflanze weiß und auch schon mächtig viel Tee daraus gekocht habe, gemischt mit Minze aus meinem Garten – wage ich mich nun auch an Gerichte ran!
    Hier ist schon dies ERSTE!!! Lieben Dank :-)

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