CH-6285 Hitzkirch: Gefallene Engel

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Megalithturm von Richensee, erbaut nach 1237 von den Kyburgern

Die Ebene zwischen Hallwiler- und Baldeggersee ist schon seit 8000 v. Chr. besiedelt. Zwischen 400 v. Chr. bis ca. 500 n. Chr. wanderten nacheinander Kelten, Römer und Alemannen ein.
Die Grafen von Kyburg erwarben um 1237 vom Stift von Beromünster ein Grundstück in Richensee. Die Handelswege von Nord nach Süd verliefen durch das Seetal, somit war der Ort geeignet, die Kaufleute durch Zölle zu schröpfen. Die Kyburger veranlassten den Bau einer Turmburg samt Stadtmauer und Städtchen. Nach dem Aussterben der Kyburger erbten die Habsburger Richensee. Richensee war durch eine Stadtmauer befestigt, erhielt Stadt- und Marktrechte. Das Dorf hielt jährlich vier Märkte ab und wurde Amtshauptort.

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Richensee: Die alte Schmitte, frühes 15. Jahrhundert

Im 14. Jhdt. begann die Stadt Luzern damit, sich das Umland zu unterwerfen. Rothenburg, Baldegg, Grünenberg, Nünegg und Oberreinach waren von den Luzernern bereits zerstört worden. Das Städtchen Richensee beugte sich den Stärkeren, sagte sich vom österreichischen Herzog Leopold III von Habsburg los, und verband sich mit Luzern. Das liessen sich die Habsburger nicht bieten, am 9. Februar 1386 wurde in Richensee gemordet und gebrandschatzt. 5 Monate später war das österreichische Heer bei Sursee komplett versammelt und wurde bei Sempach vernichtend geschlagen. Richensee verfiel der Bedeutungslosigkeit eines kleinen Bauerndorfes. Zu sehen gibt es den Megalithturm der Kyburger mit einer Mauerdicke an der Basis von 3.5 Metern, aus weitgehend unbehauenen Steinen (Megalithen) erstellt. Der Turm trug vor seiner Zerstörung einen Obergaden aus Holz, der die Wohnräume enthielt. Die alte Schmitte, früher das Zehntenhaus, ist das älteste Haus in Richensee. Nach der Zerstörung 1386 wurde das Haus wieder aufgebaut.

Ab 1425 gehörte Richensee zum Freiamt und wurde von den sieben (später 13) alten Orten der Eidgenossenschaft gemeinsam verwaltet. 1803 wurde Richensee dem Kanton Luzern zugeteilt. Danach beteiligte sich Richensee am Bau der Seetalbahn und verschuldete sich dadurch sehr tief. Deshalb entschloss sich der Kanton die Gemeinde Richensee aufzulösen. Richensee wurde mit der Nachbargemeinde Hitzkirch zusammengelegt Auch wenn der Name zur meteorologischen Lage passt. Hiltischilche hiess der Ort im Frühmittelalter.

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Deutschordenskommende Hitzkirch mit Barockgarten

Die Deutschordenskommende ist heute eines der ältesten Gebäude in Hitzkirch. Die Kommende wurde 1237 vom Kyburger Ordensritter Konrad von Tüffen gegründet, der Hof und die seit 1084 bestehendeKirche erwarb. Ab 1245 bis 1806 wurde das Deutschordenshaus immer von einem Komtur geleitet. Unter der Leitung der Deutschordens-Kommende Hitzkirch trat 1528 das Tal zum neuen, reformierten Glauben über, wurde aber durch die katholischen Innerschweizer Kantone bereits 1532 gewaltsam wieder rekatholisiert. Dabei wurden die Gebäude zerstört. Deutschordensbaumeister Bagnato erbaute die Kommende neu, wobei sie erst 1744-68 ihre endgültige Form erhielt. 1806, nach dem Aussterben der letzten Ordensmitglieder, riss der Kanton Luzern das Gebäude an sich und nutzte es erst als Lehrerseminar, ab 2007 als interkantonale Polizeischule.

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Hitzkirch: Pfarrkirche St, Pankratius

1237 erfolgte durch Ritter Konrad von Tüffen, einem Ritter des Deutschritterordens der Bau der ersten Kirche. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde die Kirche mehrere Male Richtung Westen und Osten erweitert. 1679 wurde die heutige Kirche unter dem Deutschordenspriester Jeremias Schmid von Grund auf neu erstellt. Sie hat ihre äussere Form bis heute beibehalten und wurde letztmals unter Architekt Hanauer 1914/18 erweitert. Auch der Kirchturm wurde im Fundament gefestigt und vom einstigen Käsbissenturm zur heutigen Form geändert.

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An der Stirnseite des Dorfbrunnens steht ein mächtiges granitenes Kreuz, in dessen Sockel unter anderem zwei gekreuzte Skelettknochen und ein Totenschädel eingemeisselt sind; Zeichen, dass in diesem Dorf vor Zeiten die Pest ihre Opfer gefordert hatte.

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Hitzkirch: Dorfbrunnen

Das erste Haus am Platz, ein zur Pizzeria-Pub gefallener Engel, vermochte unsern bescheidenen Ansprüchen nicht zu genügen. Wir zogen es vor, zuhause zu essen.

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Gefallener Engel

Im Ortsteil Mosen kauften wir im Hoflädeli der Frau Isenschmid wie schon so oft, Salat, Kefen, Him- und Erdbeeren.

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Im Hoflädeli: Aufrechter Engel beim Kirschenpflücken vom Kastanienbaum

Quellen:
wiki Richensee
wiki Hitzkirch

9 Gedanken zu “CH-6285 Hitzkirch: Gefallene Engel”

  1. Jetzt habe ich durch dich wieder ein Stück mir unbekannter wunderschöner Schweiz kennengelernt. Danke und schönen Sonntag

  2. Beim zweiten Bild bekomme ich irgendwie richtig Lust, zu Bleistift und Papier zu greifen und es zu zeichnen, aber dann ohne Auto und Laterne. :)

  3. @Micha: Engel können nicht nur fliegen.

    @Turbohausfrau: Danke, freut mich immer, wenn am Sonntag auch wer liest.

    @Buchfink: bin mit der Schweiz noch lange nicht durch :-)

    @Hilke: nicht vergessen, mir ein Foto von deinem gemalten Bild zu senden.

    @Bee: ein gefallenes L wäre weniger schlimm, besonders da der Betrieb mit Bar geführt wird.

    @the rufus: so ist das nun mal mit den Sehenswürdigkeiten dritter Klasse.

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