CH-5080 Laufenburg: Besuch in Vorderösterreich

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Blick auf das deutsche Laufenburg

Laufenburg ist ein reizvolles, mittelalterliches Städtchen, am Oberrhein gelegen. Wie oft sind wir hier schon, ohne anzuhalten, durchgefahren ?

Seit Urzeiten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwängte sich hier der Fluss an der engsten Stelle zwischen Tafeljura und Schwarzwald durch eine schmale Schlucht von nur 12 Metern Breite und überwand dabei eine Höhendifferenz von 10 Metern. Die Stromschnellen, die “Louffen” bildeten ein grosses Hindernis für die Warentransporte auf dem Rhein. Die Schiffe mussten hier entladen werden, von Lohnknechten leer durch die Schnellen hindurchgezogen, und erneut beladen werden, um die Fahrt fortsetzen zu können. Die Laufenburger Rheinbrücke war die früheste und lange Zeit bedeutendste Flussquerung am Oberrhein. Deshalb entwickelte sich hier ein bedeutender Markt- und Umschlagplatz.

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Holzbrücke zu Louffenburg: Friedrich Wilhelm Gmelin 1785 (wiki)

Das Gebiet um Laufenburg war seit der Karolingerzeit dem adligen Damenstift Säckingen untertan. Das Kloster beauftragte die Grafen von Lenzburg mit dem Schutz seiner Ländereien. Nach deren Aussterben im Jahr 1173 kamen die Habsburger in den Besitz der Gegend um das heutige Laufenburg. Graf Rudolf II. von Habsburg baute die erste Burganlage und befestigte den Ort gegen den Widerstand der  Äbtissin des Klosters Säckingen. Seit 1207 ist eine befestigte Stadt dokumentiert.

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Burgturm der Laufenburg

Nach dem Tod von Graf Rudolf II. von Habsburg teilten sich seine beiden Söhne das Erbe. Rudolfs Sohn, der III. von Habsburg, baute die Burg zu seiner Residenz um und gründete 1232 die Dynastie der Habsburg-Laufenburger, der jüngeren Seitenlinie der Habsburgerdynastie. Noch im 13. Jahrhundert erhielt die Siedlung, die sich rund um die Burganlage entwickelt hatte, das Stadtrecht. Die Habsburg-Laufenburger gerieten allerdings im 14. Jahrhundert zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten und mussten 1354 erst die angeheirateten Güter am Zürichsee (Rapperswil), 1386 auch den Rest ihrer Besitzungen an die ältere Linie (Habsburg-Österreich) unter Herzog Leopold III. von Oesterreich, verkaufen. Dadurch wurde Laufenburg zu einer der vier vorderösterreichischen Waldstädte und zum Hauptort der Herrschaft Laufenburg.

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Stadtkirche Laufenburg, vom Burghügel aus gesehen

Während des Alten Zürichkriegs belagerten 1443 Bern, Basel und Solothurn die Stadt erfolglos. Im Belagern fehlte den Eidgenossen Geduld. Nach dem Waldshuterkrieg von 1468 verpfändeten die Habsburger das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Laufenburg 1477 wieder unter österreichische Herrschaft.

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Rathaus

Im Dreissigjährigen Krieg eroberten die Schweden die Stadt und die Burg dreimal. Erst 1648 erhielten die Österreicher die Herrschaft wieder zurück. Durch den Krieg war die Burg jedoch teilweise zerstört und in der Folge dem Verfall preisgegeben. Ein Bauernaufstand und die kriegerischen Auseinandersetzungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) warfen das Städtchen in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Die letzten Jahrzehnte unter österreichischer Herrschaft gehörten zu den glücklicheren Perioden im Stadtleben Laufenburgs. Habsburgischer Verwaltungskunst ist u.a. die Einführung der allgemeinen Gebäude-Feuerversicherung zu verdanken. Durch die menschenleeren Gassen des Städtchens schreitend, beschleicht mich der Eindruck, als ob hier Maria Theresia noch lebte. Wie Jahrhunderte doch Menschen und Mauern prägen !

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1797 wurde das ganze Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. 1799 wurde es von französischen Truppen besetzt und vom habsburgischen Kaiserreich abgetrennt, das Ende einer über 400-jährigen österreichischen Herrschaft. Während des Zweiten Koalitionskriegs verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs, die Brücke über den Rhein wurde zerstört.

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Laufenburg, Wasentor

Der 1801 unterzeichnete Friede von Lunéville teilte Laufenburg in zwei Hälften. Der kleinere rechtsrheinische Teil gelangte zum Großherzogtum Baden. 1802 wurde das linksrheinische Laufenburg Hauptort des gleichnamigen Distrikts im Kanton Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss und 1803 im Kanton Aargau aufging. 1787 wurde die Burg geräumt und über längere Zeit als Steinbruch genutzt.

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Museum Schiff

Die aufgezwungene Teilung des Städtchens und die Verlagerung der Rheinschiffahrt am Oberrhein auf die Strasse machten dem Städtchen schwer zu schaffen. Der Rhein, bislang Mitte und Lebensachse, bildete fortan die Trennlinie. Erst der Bau der Eisenbahnlinien rechts (1856) und links (1892) des Rheines sowie der Bau eines grossen Wasserkraftwerkes vermochte den wirtschaftlichen Fall in die Bedeutungslosigkeit zu stoppen.

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Blick von der deutschen Seite auf das schweizerische Laufenburg

Durch Sprengung und das Aufstauen des Rheins um zehn Meter verschwand die charakteristische Stromschnelle. Das Wasserkraftwerk war bei seiner Eröffnung im Jahr 1914 europaweit die grösste Anlage ihrer Art. In der Folge siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an.

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Neu-Laufenburg: Masten der im Energiehandel tätigen Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg

Noch mehr Bilder gibts bei der Markgräflerin.

Quellen:
wiki Laufenburg

10 Gedanken zu “CH-5080 Laufenburg: Besuch in Vorderösterreich”

  1. Das muss schon ein kosmopolitisches Völkchen sein, wenn sie immer wieder unter anderer Herrschaft standen. Allein das spricht für die Anziehungskraft der Stadt.

  2. Bei Euren schönen Ausflügen muss ich häufig die Landkarte zu Rate ziehen, um zu schauen, wohin Familie L. diesmal gereist ist. Dabei fällt mir dann häufig, so auch heute, Herr Goethe wieder ein …. Sieh, das Gute liegt so nah”

  3. @Karin Schindler: Den Kaffee haben wir natürlich auch bei Maier genommen ;-)

    @bee: viel Provinzialismus, immer noch ein wenig Untertanen ihrer Majestät, immerhin feiern die beiden getrennten Städte ihre Fasnacht wieder gemeinsam.

    @Rosa Mayland: ja, und meist so ganz ohne Menschen.

    @Bonjour Alsace: da hat er Recht, der Alte. Musste insgesamt vier mal hier anhalten. Frau L. wurde schon ganz zappelig, wenn ich ihr jeweils eröffnete, dass mir noch ein Bild fehle ;-)

    @the rufus: nur der Sonnenuntergang von Kap Sounion (GR) ist noch schöner.

    @Turbohausfrau: Am Wiener-Kongress 1815 musste die Schweiz das Veltlin, Chiavenna und Bormio sowie die Stadt Mülhausen im Elsass endgültig aufgeben. Als Ausgleich wurden ihr jedoch u.a. das ehemalige Fürstbistum Basel sowie das österreichische Fricktal zugesprochen. Euer Fürst Metternich hat uns das schriftlich bestätigt.

  4. Vielen Dank lieber Robert, jetzt bist du mal reingefahren ins Städtchen. Diesen Ausflug habe ich mir seit Urzeiten von dir gewünscht! In dem blauen Haus, ganz rechts hinter der Brücke (vom 1. Bild) habe ich mal einige Tage Ferien gemacht. Mir gefiel der Schweizer Teil des Städtchens eigentlich noch besser.Von Laufenburg aus sind wir mit dem Auto zum Grenzort der Baseler S-Bahn gefahren, ich glaube, der Ortsname fing mit Z an, dort haben wir das Auto abgestellt , fuhren nach Basel mit der S-Bahn zuerst zur Fasnacht und dann zum Kunstmuseum.

    1. ich weiss, dein Wunsch muss schon Jahre zurückliegen, aber meist lag uns das weiter entfernte näher. Laufenburg ist Endstation der Linie S1. da hättet ihr zu Fuss auf den Bahnhof gehen können. Z ? Doch nicht Zurzach ?

  5. Nein, lieber Robert, jetzt ist es mir wieder eingefallen, “Pratteln” hieß der Ort. Nicht schön, viel Industrie! Da gab es dann ein Ganztagsticket für alle Bahnen, wir fanden diese Konstruktion ziemlich praktisch. Ich liebe es ja auch, von der Tram aus eine Stadt zu betrachten.

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