CH-4437 Waldenburg: Napoleon, Uhren und Dampfbahn

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Waldenburg liegt am oberen Ende des vorderen Frenkentals (auch Waldenburgertal genannt). Hier führte bereits in römischer Zeit die Passstrasse über den Oberen Hauenstein durch. Waldenburg war über Jahrhunderte ein wichtiger Umschlagsplatz für Waren aller Art, es war einer der Hauptübergänge von Deutschland ins schweizerische Mittelland und weiter Richtung Süden. Warum nicht mal anhalten ?

1244 wurde “Waldenburch” erstmals urkundlich erwähnt. Der Name geht auf Walenburg zurück, “Burg der Walen”, der Welschen, das hatten wir doch schon bei den Walnüssen, siehe hier.
Im Mittelalter gehörte das Gebiet zum Besitz des elsässische Klosters Murbach, später dem Grafengeschlecht der Froburger. 1230 wurde am Gotthard die erste hölzerne Brücke, die Teufelsbrücke, über die bis dahin für den Warentransport unpassierbare Reuss gebaut und der Gotthardpass als schnelle Transitstrecke erschlossen. Um diese Zeit gründete Hermann von Froburg das Städtlein Waldenburg zur Sicherung der Passtrasse über den Obern Hauenstein. Er umgab die beiden Strassen mit zwei Toren und einem Mauerring. Links und recht oberhalb des Stadtchens wurde das Städtchen von zwei Burgen gesichert.

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Häuser an der nördlichen Ummauerung

In der nordwestlichen Mauerecke hausten die Edlen von Arnolsdorf (Arisdorf) im einzigen Steinhaus, dem späteren Pfarrhaus.

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Das älteste Steinhaus im Städtchen

1366 kam das Städtchen in den Besitz des Bischofs und 1400 der Stadt Basel. 1797 nächtigte Napoléon Bonaparte bei der Durchreise von Bern nach Basel im Ort. 1833 wurde Waldenburg Bezirkshauptort im neu gegründeten Kanton Basel-Landschaft. Nachdem der Passverkehr über den Oberen Hauenstein durch den Bau der Centralbahn Basel-Olten vollständig zum Erliegen gekommen war, drohte die Gemeinde Waldenburg zu verarmen. Durch die Gründung der Uhrenfabrik Société d’Horlogerie à Waldenburg im Jahre 1853 versuchte die Gemeinde den wirtschaftlichen Niedergang aufzuhalten.

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Eine der beiden Strassen des Städtchens

Und weil die Mitte Anfangs des 19. Jahrhunderts aus einem ehemaligen Kornhaus erbaute Kirche in Waldenburg so hässlich aussieht, habe ich die Kirche von Niederdorf abgelichtet, zwei Dörfer weiter unten im Tal. Gehört zur selben Kirchgemeinde.

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1880 wurde das Tal duch eine Schmalspurbahn von 750 Millimetern Spurweite (zwischen Liestal und Waldenburg erschlossen. 1953 wurde die Linie elektrifiziert. Durch das Städtchen schlendernd, wurde ich plötzlich einer schwarzen Rauchfahne gewahr. Die Dampfloki “Gedeon Thommen”, benannt nach dem Initianten der Waldenburger Bahn und ehemaligen Besitzer der Uhrenfabrik, wurde eingeheizt. Viel interessanter, als alte Kirchengemäuer zu besichtigen.

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Hier wird nicht mit Maggi gekocht

Im Internet gibts dazu ein Video, zur Freude aller Dampfbahnfans:

Quellen: Gemeinde Waldenburg

8 thoughts on “CH-4437 Waldenburg: Napoleon, Uhren und Dampfbahn”

  1. E interessante, umfassende und mit dim speziell goldige Humor verfasste Post. I bi emol meh fasziniert, wieviel du mit wenige Wort und blauhimmlige Helge in dä Bricht verpaggt hesch. E wahre Gnuss am Morge frieh (zämme mit em Kaffi), dine Ziile derfe z’ folge.

    Danggerscheen !

  2. Für virtuelle Ausflüge bin ich zu haben! Aber ich würde liebend gern auch die alten Kirchengemäuer besichtigen… Da gibt es oft wunderschöne Madonnen oder andere Nettigkeiten aus bunter Vorzeit zu entdecken. Sei’s drum: Die Knorr-Bahn hat auch ihren Reiz. Einen besinnlichen zweiten Advent wünscht Dir und Frau L. Yushka aus dem verschneiten Hoffenheim… (Heute früh gebacken: Zuckerzöpfchen für meine Zuckerkinder)…

  3. Dieser Ausflug ist aber doch schon ein paar Tage her, nicht? Oder hat die weltweite Klimaerwärmung euer schönes Land bereits so im Griff, dass im Dezember noch die Geranien blühen? :-) Einen schönen 2. Adventsgruß aus Stuttgart!

  4. @Basler Dybli: bald ist Schluss mit blauhimmlig. Mir fehlt der Nachschub.

    @Sugarprincess: Zuckerzöpfchen also, das klingt ja süss. Hier gabs Tortelloni à la Brigitte Bardot.

    @Dirk: ich hinke bekantlich mit allem hinterher. Da müsste ich schon täglich bloggen, um einigermassen tagesaktuell zu bleiben.

    @Turbohausfrau: wenns regnet oder schneit oder grau ist, bleiben wir zuhause.

    @bee: schrecklich, dann wäre Napoleon innert einer Woche vor Moskau gestanden und hätte den Krieg nicht verloren.

    @the rufus: ganz einfach, wenn eine Fliege der Familie “Bremsen” (Tabanidae) in eine Knorrsuppe fällt, ist es eine Knorrbremse, fällt sie in eine Maggisuppe, dann hingegen…

  5. hätte nicht gedacht auf diesem blog an meine geburtsstadt münchen erinnert zu werden durch die “knorrbremsen” eine fabrik im nordwesten von m. an der immer vorbei gefahren wurde wenn man eine tante besuchte und vater vergass nie den hinweis “weltfirma” ! hab nun eine vorstellung was man vor der globalisierung darunter verstand

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