Fregole sarde con carote oder schlicht Rüebli-Ribeli

Karotten confiert 0_2012 12 12_9043

Bei Sybille Tomatenblüte gesehen: Fregole sarde. Man rolle das Wort langsam über die Lippen: F-r-e-g-o-l-a s-a-r-d-a. Die haben mich einfach gereizt zum selbermachen. Weil man sie hier so schwer erhält. Selbermachen muss nicht sein, aber ihr kennt mich ja. Mitten im Granulieren platzt Frau L. herein: was soll denn das wieder geben, aha, Ribeli ! Ribelisuppe ! Willst Du nicht endlich mal deine Aarauer Rüebli verbrauchen, bevor sie vergammeln ? Damit war der sardische Zauber dahin. Ribeli, bei der Migros als Suppe oder andern Firmen als Suppeneinlage erhältlich. Offensichtlich eine Urschweizer Erfindung. Gut. Gibts statt Fregole sarde mit salsicce halt Ribeli mit Aargauer Rüebli.

Fregola sarda 3_2012 12 08_9014
meine sebstgemachten Fregole sarde tostate (fine)

Hat mir nicht Chefkoch Albino kürzlich ein Ei ins Kommentarfach, gelegt, ein kurzes Video über Claude Bosi, Master of the carrots. Dem Dialekt nach ein Franzose, der in London ein Zweisternelokal führt. Ich habe vom Interview kaum ein Wort verstanden, aber seine Rüebli gefallen mir.

Zutaten
für die Fregole sarde (Ribeli):

150 g Hartweizengriess (Knöpflimehl CO.OP)
ca. 1 dl Wasser
Prise Salz

für die confierten Karotten:
8-12 Rüebli
Olivenöl, Butter, Salz

für den finish:
120 g selbstgemachte Fregole sarde/Ribeli/Couscous
3 dl Gemüsebrühe (aus Biopulver angerührt)
20 g Butter
2 Bundzwiebeln
die Rüebliabschnitte, in feinste Brunoise geschnitten
Weisswein
1 Tlf. Garam Masala
Salz
glatte Petersilie

Fregola sarda 1_2012 12 08_9006
Arbeit mit Fingerspitzengefühl für Fingerspitzen

Zubereitung
(1) In einer möglichst weiten und hohen Porzellanschüssel einen Teil vom Hartweizengriess vorlegen, Salz im Wasser auflösen und die Lösung aus einer Sprayflasche portionsweise auf den Griess aufsprühen. Dabei mit den Fingerspitzen einer Hand das Mehl in der Schüssel im Uhrzeigersinn (oder umgekehrt) rasch herumbewegen. Zu Beginn wird sich noch nicht viel tun, je mehr Wasser hinzukommt, desto feuchter wird die Masse, bald beginnen sich kleine Krümelchen zu bilden, nun wird es Zeit, mit der andern Hand trockenes Mehl hinzu rieseln zu lassen, so dass sich die Granulatkügelchen langsam aufbauen können. Falls das Mehl zusammenklumpt, ist zuviel Wasser drin, dann Griess zufügen. Wenn die Masse viele kleinen Kügelchen enthält (etwa wie grober Cous-cous), durch ein grobes Sieb (mein wmf-Salatsieb) schütten. Den Grobanteil auf ein mit Backpapier belegtes Kuchenblech geben. Den abgesiebten Feinanteil weiterhin bearbeiten, Wasser aufsprayen, Kügelchen aufbauen, absieben….usw. bis alles Material auf dem Kuchenblech liegt.
(2) Blech in den vorgeheizten Ofen schieben bei 160°C Umluft, erst trocknen, dann leicht anrösten total etwa 15-18 Minuten. Riecht nach dem Rösten gut wie meine Spaghetti und sieht viel besser aus als der bleiche Industrie-Couscous.

Karotten confiert 1_2012 12 12_9038
Auslegeordnung

für die confierten Karotten:
(3) Von jeder der 6 mitgebrachten Rüeblisorten 2 Stück längs in 3 mm dicke Scheiben schneiden, alles beidseitig mit Olivenöl-Buttergemisch (2:1) einpinseln, salzen und auf einem mit Backpapier belegten Backblech 50 Minuten bei 130°C in den Ofen schieben. Nichts als Karotten. Kein Ingwer, kein Curry, kein Kokos, kein sonstiges Gewürz. Nur Salz. Karotten genügen sich selbst.

für den finish:
(4) Die Fregole sarde in kochende Gemüsebrühe schütten, aufkochen, Feuer reduzieren, zugedeckt 12 Minuten ziehen lassen, zwei-dreimal umrühren. Würzen mit Salz und Garam Masala.
(5) Die gehackten Bundzwiebeln in der Butter andünsten, die Rüeblibrunoise zugeben, mitdünsten, mit einem Schuss Weisswein und Wasser ablöschen und wieder einkochen lassen. Würzen.
(6) Das gedünstete Gemüse unter den couscous mischen, frische Petersilie unterziehen. Als Unterbau auf einen Teller schöpfen und die confierten Rüeblistreifen drauf legen.

Der Herr Bosi confiert seine Mini-Karöttchen im Video ganz im Butterbad. Der kann sich das leisten. Der kennt Frau L. und ihren Kampf gegen meinen Fettverbrauch nicht.

Karotten confiert 0_2012 11 21_8570
oder ohne Fregole sarde

hier mit einem Sösslein aus 2 Elf. Rahmquark mit dem Abrieb einer halben Bio-Orange und einem Elf. Karottensaft. Mit Salz, Pfeffer und etwas Piment d’Espelette gewürzt. Melde: Alle Rüebli gegessen.

25 thoughts on “Fregole sarde con carote oder schlicht Rüebli-Ribeli”

  1. Heidenei!!! Das nötigt jetzt einen gewaltigen Respekt ab!!! Ich werd noch zum Nudelfanatiker und vergesse all’ meine zuckersüßen Machwerke! Und diese Rübli! Die sehen ja göttlich schön aus! Selbst am frühen Morgen möchte man sie alle essen. Melde: Die “Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Leserin” ist begeistert! Schönen Gruss an Frau L.: Sie möge wissen, dass die Bloggerwelt ihren Herrn Gemahl als Urgestein, Vorreiter und Pionier begreift! Und wir wissen: Hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau… ;)

  2. Mit einem Sieb!
    Ich dachte du rollst Kügelchen für Kügelchen…so schön wie das fre….über die Zunge rollt!

    Gefällt mir aber auch als Couscous!

    …und die Buttermöhren erst!! :)

  3. @Sugarprincess: wer hier das starke Geschlecht ist, dürfte schon lange klar sein ;-) Und dass mir Rüebli als Süssigkeit genügen auch.

    @Überall & Nirgendwo: offen gestanden ja. FoodbloggerInnen sind eh alle verrückt.

    @Rosa Mayland: To be honest, there were no organic products.

    @lieberlecker: kaufen kann man sie in 2-3 Grössen. Technisch werden sie wohl eher extrudiert, dann in einem Granulierkessel rund gedreht. Dafür sind meine handgemacht. Ätsch ;-)

    @Die Küchenschabe: die Kügelchen noch grösser hinzukriegen braucht noch etwas mehr Übung. Aber das werde ich auch noch hinkriegen.

    @Bachbummele: solche Spässchen müssen sein.

    @Sybille: für die Granulate in der Pharmazie nimmt man auch ein Sieb und drückt die feuchte Masse hindurch. Ich benutze das Sieb nur zum Klassieren der Granulatgrösse.

  4. Mal wieder so ein Posting, wo ich fast nix verstehe :) schlimmer noch, als in den österreichischen Blogs. Wenn ich meine Studien der österreichischen Sprache abgeschlossen habe, kommen die Schweizer dran. Dann lese ich Deinen Blog wahrscheinlich nochmal ganz von vorn. :) :) :)

  5. Und wer hats erfunden? Die Sarden, die Schweizer – oder doch die Ungarn? Tarhonya (ganz ähnlich hergestellt wie Fregole oder Ribeli) war früher im Osten Österreichs eine beliebte Suppeneinlage oder Beilage. Ist allerdings fast verschwunden.

  6. @magentratzerl: im Internet gibts Videos davon. Die Mammas geben jedoch das Wasser löffelweise hinzu.

    @bee: wer Einkaufswagen haushoch befüllt, kann ruhig zuhause bleiben.

    @Arthurs Tochter: gräme dich nicht, meine Blogeinträge versteht eh niemand.

    @Eline: in Oesterreich mögen Tarhonya fast verschwunden sein. Bei mir nicht: http://lamiacucina.wordpress.com/2007/08/09/tarhonya/

    @Jules Gartenküche: bitte keine Reklame für meine Blogroll ;-) Die Liste ist eh schon überlang.

    @mittagsmutti: Das liest sich beinahe wie “Sie sind ein Genie, und dann langsam steigern” ;-)

  7. Herrliche Einleitung! Ich weiß nicht, worüber ich jetzt mehr gelacht habe, die kleine Geschichte hier oder das Jahrestrüffelbudget aus dem Post vorher :-). Und die Rüebli-Ribeli sehen sehr, sehr lecker aus.

  8. und ich lebte mein halbes Leben lang in dem Glauben, die Schwaben hätten als einize die Riwwele, wie sie bei uns hiessen, auf dem Speiseplan, die hier werde ich mal probieren, zuhause war Riwwelessuppe ein etwas leicht unangenehmes, weil leicht schlonziges Suppenetwas, das nicht übel schmeckte, aber in der Konsistenz mit Spätze oder den selbstgemachten Nudeln nicht mithalten konnte. Tip für Grossfamilien; einen sehr harten Nudelteig machen, und dann in einer Haselnussmühle mahlen (könnte auch im Mixer funktionieren), aber die Haselnussmühle mit der feinen Scheibe ergibt exakt die richtige Riwwelesgrösse

  9. @Bonjour Alsace: man muss nur warten können.

    @Le bonheur goûteux: hab extra kein Fleisch hinzugetan.

    @Angelika: Riwwele (wie in einzelnen Rezepten auch die fregole) haben noch Ei drin. Das Graupenartige ist nicht jedermanns Sache. Mit Schwaben, Schweiz, Sardinien und Ungan hätten wir schon halb Europa als Erfinder beisammen. Die eierfreien sollte man unbedingt rösten, das gibt ihnen ein anderes Aroma.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s