CH-6000 Luzern: Markt im Winter

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Marktbesuch in Luzern mit klammen Fingern

Die Strassen leuchten weiss und kalt
Der Himmel ist einsam und ungeheuer
Möven kreisen über dem Fluss
Gemüse friert schweigend vor sich hin.

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Alte Brücken düster schweigen.
Tief in Grau und Schwarz versponnen
Traumhaft hasten dunkle Schemen
auf kalt vereisten Wegen.

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Kirche, Rathaus, Brücken
Grauenvoll im Zwielicht stehen.
Menschen schwanken wankend
auf glattem Eise ihrem Hause zu

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Wie scheint doch alles Tägliche so krank!
Menschen fliehn durch düstere Arkaden
In jedem Zelt wird laut gefeilscht
Doch unter Planen rüstet sich der Frühling
Und öffnet deine Sinne weit und bang.

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Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert
In grünen Kisten scheint die Sonne.
Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne
bist gleich zum Kauf bereit:
Süß duftende Äpfel ! Trugbilder !
Noch ist des Winters Ende nicht zu greifen
doch Freude glänzt nicht allzu ferne
Frühling wird dem Winter folgen.

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Um- und neu geschrieben nach Gedichten von Georg Trakl, 1887-1914

24 thoughts on “CH-6000 Luzern: Markt im Winter”

  1. Da habe ich Luzern aber ganz anders in Erinnerung. Seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, meine Bilder von einem sonnendurchfluteten Rundgang in Luzern im letzten September ins Netz zu stellen, um diesem tristen Einheitsgrau der aktuellen Bloggerei etwas entgegenzusetzen. Schön, dass uns auf dem letzten Bild wenigstens die bunten Äpfel anlächeln. Das würde Trakl sicher gefallen.

  2. Es braucht keine Farbe, um diese wundervolle Stimmung zu vermitteln. Gerade der Duktus des Traumhaften geht direkt in den Bauch. Und genau dahin führt uns auch der Text.

  3. Robert, du solltest Poet werden. Und Künstler……wie raffiniert ist doch das Zusammenspiel von Text und schwarzweißbuntem Bild ;-)! Heißt eigentlich Nüsslisalat gerüstet….geröstet??? Hört sich ja extrem lecker an……so für mich als wandelndes Eichhörnchen. LG Anne

  4. Ha! Ich kenn mich aus, hoffe ich: Nüsslisalat = Vogerlsalat = Feldsalat. Und nun hoffe in inständig, dass das stimmt!
    Robert, das ist richtig: wenn es dich nicht mehr freut, ein Foodbloggerdasein zu fristen, dann wirst du einfach Fotograf und Poet! Oder verkaufst deine Fotos um teures Geld und wirst steinreich! ;)

  5. I zieh dr Huet ! Die Helge und d’ Ergänzig mit em derzue passende Tegscht isch dir bravourös glunge.
    Und s’ farbige Bild het jo miesse ko. Sozusage s’ Tipfli uf em “i” mit em Bligg in Friehlig.

  6. Und noch ein “Sonntagsausflug” JUUUUUUBEL!!! Und vielen Dank! You made my day!

    Wir durften ja schon einige Seiten von Dir kennenlernen, doch Deine poetische Seite war mir bisher noch nicht so bewusst.
    Gedichte von Robert Sprenger gefallen mir übrigens besser als die von Georg Trakl ;-)

  7. @anglogermantranslations: sonnendurchflutete Bilder des Luzerner Marktes hab ich schon einige gepostet. Die meteorologische Statistik war damit aber nicht einverstanden.

    @Albino Tuosto: bei diesem Wetter hier bleiben auch manche hinter dem warmen Ofen. Nur die “harten” kommen da noch. In den Zelten bullern die Ölöfen und verhindern, dass das Gemüse kalt hat.

    @Ulf Böhme: Danke, war auch beabsichtigt ;-)

    @Frau Ü: gerüstet heisst hier geputzt. Dazu nimmt man das Rüstmesser (ein kleines Küchenmesser) das, wie der Name veranschaulicht, nicht aus der Rüstkammer, sondern der Küche stammt ;-)

    @Turbohausfrau: alles richtig. Man sieht, Du liest fremde foodblogs. wie heisst das Sprichwort “Schuster Robert, bleib bei deinen Leisten” ;-)

    @evazins: Kochpoetin und sprachlos ?

    @bee: Du meinst wohl Arrangeur ;-)

    @Rosa Mayland: was den Nüsslisalat betrifft, nein. In Luzern pflanzen sie die lange, schnellwüchsige Sorte für die Gastronomie, dem ich “Schlempenkraut” sage, bei uns Rosetty. Much better.

    @Buchfink: recht so, in meinem Alter ändert man sich nicht mehr.

    @Basler Dybli: die Farbe zum Schluss ist etwas Trakl-untypisch.

    @Bonjour Alsace: bin heut abend schon wieder unterwegs für Dich ! Am Chienbäseumzug.

    @Magentratzerl: ich geb mir Mühe, nicht einzurosten.

  8. Wintertristesse, durchaus reizvoll, besonders so, wie du sie fotografiert hast. Das 3. Foto ist besonders schön. – Tja, die auf den Märkten haben es schwer im Moment, bei dem Wetter. Aber – der Frühling ist im Anmarsch: die ersten wilden Krokusse blühen und heute morgen sang zum ersten Mal wieder ein Vogel.

  9. Lieber Robert, dass es in Deiner miacucina nun nicht nur immer mal wieder trüffelt, sondern auch traklt, ist ganz wunderbar! Und Luzern sieht an einem leicht trüben Wintertag in schwarz-weiß sehr poetisch aus, gefällt mir gut. War auch eine meteorologisch irgendwie passende Kulisse kürzlich für den neuerdings herrlich übellaunigen Herrn Flückiger, wenn mir dieses kurze Wegschweifen von der Hoch- zur TV-Kultur erlaubt sei.

  10. Lieber Robert, Du machst wieder einmal schmerzlich bewußt, was für Ausdrucksmöglichkeiten verloren gegangen sind mit dem Wechsel von Schwarzweiß- auf Farbfotographie… So viel Poesie und Melancholie vereint in Deinem Beitrag! Bitte mehr davon!
    LG aus dem ebenso neblig-trüben Frankfurt
    Monikia

  11. Ah! Der Gelegenheitspoet! Gerade heimgekehrt sehe ich da ein Sonntagsbriefchen! Mit gesprengertem Getrakeltem! Am besten gefällt mir das dritte Foto… Wie da von dunkelgrau nach ganz hellgrau alle Schichten hintereinander gesteckt sind…

  12. Stark! Besser kann man es nicht ausdrücken.
    Bin ja schon länger Fan Ihrer etwas ironischen Schreibweise. Das hier ist aber, wie bereits gesagt, auch nicht schlecht. Georg Trakl würde es wahrscheinlich auch gefallen/ gut finden.
    Vera

  13. @Franka: hier hat uns der Winter noch im Griff. Endlich wieder einmal Winter.

    @tomatenblüte: wenn es mir nicht gut geht, dann neige ich eher zum verstummen.

    @Hanne: hab ihn aus dem spam erlöst. nun steht er doppelt beautiful da.

    @Le bonheur goûteux: die TV-Kultur muss ohne mich auskommen.

    @moni-ffm: Danke. Mehr davon lässt sich leider nicht so einfach abrufen. Aus Bildern entstehen immer wieder andere Geschichten.

    @Sugarprincess: zurück am heimischen Herd ? Auch wieder schön.

    @Vera B.: Danke, solcher Ansporn tut gut in Krisen.

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