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CH-3953 Leuk: Zwischen Löwe und Adler

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Auf der Fahrt durch das Wallis fallen dem Betrachter die weithin sichtbaren Riesenantennen eines interkontinentalen Unternehmens für Telekommunikation auf. Mehr als das Geschwätz, das die Parabolantennen abhorchen, interessiert uns das darunterliegende Städtchen. Die Gegend von Leuk war schon in vorrömischer Zeit besiedelt. Nacheinander liessen sich hier Ligurer, Kelten, Römer, Burgunder und Franken nieder. Gegen die Jahrtausendwende kamen die Alemannen mit der deutschen Sprache hinzu. Im 6. Jahrhundert gehörte Leuk zum Krongut des Burgunderkönigs, der es der Abtei Saint-Maurice schenkte. 1138 gelangte Leuk in den Besitz des Bischofs von Sitten. 1256 erhielt der Flecken das Stadtrecht.

Der mächtige Turm gleich am Ortseingang war früher die Residenz der bischöflichen Lehensnehmer, der vidomnes. 1415 wurde der Turm bei Unruhen niedergebrannt, im 16. Jahrhundert von Bürgern wieder aufgebaut. Heute beherbergt er das Rathaus.

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Leuk: Rathaus, ehemals Vitztums-Turm

Die geistlichen Landesherren gewährten der jungen Stadt verbriefte Freiheiten und förderten damit deren Entwicklung. Dank der geschützten Lage im Knotenpunkt des West-Ost Verkehrs (Burgund-Simplon-Italien) und des Süd-Nord Verkehrs (Italien-Simplon-Gemmi-Basel) wurde der Ort bis ins späte Mittelalter ein wichtiger Handelsplatz. So wurde 1310 in Leuk eine Sust, eingerichtet. Daneben war die Landwirtschaft (Viehhaltung, Alpwirtschaft, Weinbau, Mühlen) eine wichtige Einkommensquelle des Ortes.

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Leuk: Blick ins Mittelalter

Der im Westen und Osten durch tiefe Schluchten, im Süden durch die Rhone natürlich geschützte Ort war wiederholt Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen: 1296 siegten die Bischofstreuen gegen den von Bern unterstützten Oberwalliser Adel. 1386 wurde Graf Amadeus VII. von Savoyen der Durchzug ins Oberwallis verwehrt. 1415 zerstörte das Landvolk Bischofsschloss und den Vitztumsturm (das heutige, spätgotische Rathaus). Während der Kämpfe gegen die Franzosen entging Leuk 1799 nach der Schlacht bei Pfyn nur knapp der Brandschatzung. Ebenso 2003, als ein irrer Brandstifter den Schutzwald oberhalb von Leuk anzündete und 300  Hektaren Wald verbrannten.

Das Bischofsschloss von Leuk wurde von bischöflichen Lehensträgern erbaut und diente zunächst als Wohnung des Meiers. Nach der teilweisen Zerstörung bei einem Volksaufstand wurde es nach der Wiederherstellung als Sommerresidenz der Bischöfe von Sitten genutzt. Nach dem neuzeitlichen Umbau durch den Schweizer Stararchitekten M. Botta dient es einer Stiftung für kulturelle Zwecke und wird für grosse Anlässe vermietet.

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Leuk war das Zentrum der Reformation im Wallis mit Michael Mageran als Anführer. Unter ihm wurde die weltliche und kirchliche Macht des Bischofs von Sitten gebrochen. Als der Walliser Landrat 1604 den Verbleib bei der katholischen Konfession beschloss, zogen einzelne Familien ins protestantische Bern, der Grossteil aber kehrte zum alten Glauben zurück.

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Leuk: Mageranhaus an der Kreuzgasse
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Türe am Mageranhaus

Parallel zu der Schwächung der weltlichen Gewalt der Bischöfe wuchs das Selbstbewusstseins der Bürger in den Walliser Zehnden (Bezirke). Im Städtchen Leuk entstanden verschiedene, schöne Burgerhäuser, Schösser und eine dazu passende Kirche. Als typisches Beispiel erwähne ich den Mayorshof. Andere sehenswerte Gebäude sind das Schloss de Werra (Zen Ruffinen-Loretan), das Schloss Zen-Ruffinen und das Schloss de Werra-Mageran (in Susten). Geld und Adel bleiben halt gerne unter sich. Das letzt genannte Schloss (Heute ist es ein Altersheim) musste vom völlig verschuldeten Besitzer, Baron Leo von Werra 1912 verkauft werden. Zwei seiner Kinder musste er zur Adoption freigeben. Der Knabe wurde von der Familie eines kinderlosen, preußischen Majors adoptiert und machte in der deutschen Luftwaffe als Kommandeur eines Jagdgeschwaders Karriere: Baron Franz von Werra. Während der Luftschlacht um England musste er notlanden und wurde gefangen gesetzt. Sein dritter Fluchtversuch (aus Kanada) gelang, sein Ende fand er bei einem Aufklärungsflug über der Nordsee 1941. Eigentümlich, wie die Fäden von Schicksal und Geschichte ineinander verknotet sind.

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Leuk: Mayorshof. Wohnturm 11.-13. Jahrhundert

Wo war ich stehen geblieben ? Ach ja: Der Mayorshof (Landsitz von Werra) ist einer der repräsentativsten Bürgersitze in Leuk. Der Wohnturm stammt aus der Zeit der Jahrtausendwende (Romanik). Die verschiedenen Besitzer bauten vielfach an und um. Seinen Namen erhielt er vom Junker Johannes von Werra, Kriegshauptmann der Walliser Truppen und einflussreicher Würdenträger seiner Heimat, der ihn 1517 bis 1532 zu einem seinem Status angemessenen Adelssitz erweiterte.

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Mayorshaus: Pfeffertürmchen und Viereckturm (hinten)

Auch der Riegelbau, die zinnengeschmückten Ringmauer und das malerische Pfeffertürmchen stammen aus dieser Zeit.

Der letzte Ausbauschub fand 1626 unter Matthäus von Werra, Landvogt von Monthey und Hauptmann in französischen Diensten statt. Er erweiterte den Nordtakt und verpasste dem Bau ein burgartiges Aussehen.

Leuk besass schon im etwa im 7. Jahrhundert eine Kirche, die im 9. Jahrhundert durch einen grösseren Bau ersetzt wurde. Der romanische Glockenturm stammt aus dem 11.-12. Jahrhundert. Der heutige, spätgotische Bau aus dem 15. Jahrhundert.

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Leuk: Kirche St. Stephan
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Leuk: Kirche St. Stephan

Zum Schluss noch den hübschen Ausblick vom Leuker Bischofs-schloss in den Pfynwald, einen der grössten zusammenhängenden Föhrenwälder der Alpen.

Pfynwald und Illgraben
Pfynwald und Illgraben

Das Wappentier von Leuk ist der Greif,  ein Fabelwesen aus Löwen und Adler, das die Herrschaft über Erde und Luft andeutet.

Quellen:
HLS Leuk
Swisscastles: Leuk
Wiki: Franz von Werra

CH 6914 Carona: Autopostalische Delikatessen

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Wieder hat es nicht geklappt. Gotthardstau und meine etwas saumselige Begleitung (oh, queste donne !) haben die weit herum gerühmte Polenta in einem Grotto in Mendrisio verhindert. Nein, Sabine hat über dieses Grotto noch nie berichtet. Wenigstens hat es uns noch bis Bellinzona gereicht, wieder einmal ins Grotto Malakoff, von Famiglia Fuso lange vermisst und wieder herzlich aufgenommen.

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Tiramisù. Die Süssigkeitsverächterin wartet schon mit dem Löffel.

Und da wir schon am auffrischen alter Erinnerungen waren, fuhren wir nach Carona, dem hübschen Ort hoch über dem Luganersee. Ach, wie oft sind wir früher im Postauto hier hinauf gefahren ? Etwa zur geraden Stunde trifft das Postauto aus Lugano ein, um kurz danach wieder umzukehren. Kurz vor dem Ortseingang, bei der Kirche San Giorgio, steht ein enges Tor. Unmittelbar davor eine Rechtskurve. Mit der Souplesse, die Chauffeuren Schweizerischer Postautos eigen ist, wird das Auto erst parallel zum Toreingang geschwenkt, danach mit eingeklappten Rückspiegeln laaangsam durch den Engpass gefahren. Links und rechts bleibt eine Handbreite. Für Mäxle kein Problem, dem macht eine Schramme mehr oder weniger nichts mehr aus, aber ein grosses Postauto ! Die Chauffeure freuen sich übrigens über Beifall.

Gewiss gibt es in Carona bekanntere Sehenswürdigkeiten als Postautodurchfahrten.

Carona ist ein altes und malerisches Dorf, das in der Vergangenheit einige bedeutende Architekten, Baumeister, Bildhauer, Maler, Stuckateure und Steinmetze hervorgebracht hat. Arbeit fanden diese Handwerker in den Metropolen Italiens. Im Winter kehrten manche von ihnen in ihr Heimat zurück und arbeiteten dann an der Ausschmückung ihrer Wohnhäuser oder Kirchen. Hier nur ein paar Beispiele aus etwa zwei Dutzend schöner Häuser.

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Carona: Casa Cattaneo
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Casa Scala
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Carona: Casa Solari
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Carona: Das meistfotografierte Haus an der Via principale
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Carona: Loggia communale, 1591-1592

Kirchen gibt es hier eine ganze Menge zu sehen. In der bereits erwähnten Chiesa San Giorgio eine Kopie der Auferstehung von Michelangelo. Nach Kunstvergleichen und langen Fussmärschen war uns wegen der grossen Hitze jedoch nicht. Was wir hingegen machten, war Nachsitzen.

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Carona: Chiesa San Giorgio
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Kreuzigung, Fresko von 1581-1584, Domenico Pezzi di Puria

So wie in foodblogs nachgekocht wird, in Reiseblogs nachgereist wird  ;-), so haben wir für einmal das Nachsitzen geübt. Nachsitzen auf schönen Bänklein  mit Aussicht. Sabine hat -auf der Suche nach einem von mir als schönstes Bänklein Europas angegebenen Sitzbank- uns eine Bank vorgestellt. Nicht die Richtige (sie liegt in meinem privaten Bank-Rating nur auf Platz 12) , aber zum Sitzen durchaus tauglich. Danach fuhren wir zur Erfrischung an den See, nach Morcote.

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Carona: Sitzbank (Bänkli-Ranking 12) mit Aussicht auf Maroggia

Erstaunlich, wie menschenleer sich das früher in der Ferienzeit überlaufene Morcote präsentierte. Schweizer ziehen es heute offensichtlich vor, für 28€ in die Türkei zu fliegen. Bitte sehr, mir soll es recht sein.

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Morcote: Häuserzeile am Ufer mit einer (1) Besucherin
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Morcote: am Ufer

Basel Tattoo 2014 Parade

Basel Tattoo 2014
Zulange hatte ich mich am historischen Saurer LC-2 Einsatzwagen der Basler Polizei aus dem Jahre 1936 versäumt. Ein Dieselmotor mit Doppelwirbelung erfreut schliesslich jedes Männerherz.

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Der Einsatzwagen der Basler Polizei mit dem weiblichen Teil des Tattoo-Chors

Im Schnellschritt die Abkürzung vom Münsterhügel hinabsteigend, wollte ich die Parade überholen. Indessen standen die Zuschauer an der Marschroute in kompakten Reihen, so dass mir nur noch die Aussicht zwischen den Köpfen hindurch verblieb. Andere hatten besser vorgesorgt.

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GoPro Kamera am Regenschirm mit Handysteuerung. Raffinierte Technik !
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Kriegerin in australischer Armeeuniform
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Nichtkriegerin in einfacher Berner Festtagstracht mit Rosshaarhaube und Göllerketteli
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Zackiges Drill Team der Queen’s Colour Squadron, England
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The Central Band of the Royal Airforce, England
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wie lange er das auf einem Bein wohl aushält ?

Die Musketiere der Waadtländer Milizen schauen betrübt, als ob sie das Debakel der Grande Armee im Russlandfeldzug 1812 persönlich zu verantworten hätten.

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…Und als sie kamen ins deutsche Quartier, Sie ließen die Köpfe hangen….
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Waadtländer Sapeurs mit geschulterter Axt und Arbeitsschürzen
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Viel Spass scheint die Fahrt auf dem Küchenwagen mit leeren Kesseln, ohne Speis und Trank, nicht zu machen
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Aus vollen Backen: Pipes & Drums of the 51st Highland, 7th Battalion, The Royal Regiment of Scotland
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Fehrbelliner Reitermarsch. Unverkennbar. Der Fähnchen hätte es nicht bedurft.
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Sogar mit Internetadresse. Das Heeresmusikkorps aus Franken
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1914: mit roten Pompons und Trara an die Grenze
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30 Jahre später: mit Velo
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Adieu, auf Wiederschauen im nächsten Jahr
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Ju 52/3m

Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Schweizer Luftwaffe überflog jeden Abend ein Wellblechbomber der Sorte Junkers 52 die Tattoo-Arena und unser Haus. Die Schweizer Flugwaffe kaufte 1939 vom Deutschen Reich drei dieser Flugzeuge, die 1981 ausgemustert wurden, heute aber immer noch fliegen. Wenn man sich sicher fühlen darf, weil kein Bombenwerfer Bomben auf einen herab wirft, kann man das Dröhnen der drei originalen BMW-Motoren sogar als beruhigend empfinden. Andern Menschen in andern Teilen der Welt fehlt dieses Glück leider.

Basel Tattoo 2014 Aufmarsch zur Parade

Basel Tattoo 2014 Parade

Seit 9 Jahren gibt es das Basler Tattoo schon, inzwischen ist es das weltweit zweitgrösste seiner Art. Heuer war es anlässlich der Parade nieselregnerisch und trübe. Umso farbiger sind die Fotos, die ich vom Münsterplatz mitgebracht habe. Dort besammelt man sich zum Aufmarsch :

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Australischer slouch-hat und Altzürcher Grenadiere
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Der heilige Martin und die Australier
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Der Chef der Australier mit 5 glorreich gewonnenen Schlachten an der Brust
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Ehrendamen in Basler Werktagstracht
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Steuermann, Lass die Wacht !
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Schleichwerbung
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I’m so tired
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Perfekt gefältelt
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Flight Lieutenant Richard Murray, The Central Band of the Royal Airforce
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Royal Airforce beschützt chinesische Tänzerin
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Flight-Lieutenant instruiert Waldhorn
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Begleitung der Singapore Armed Forces Central Band
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Chinesinnen wundern sich über Basler Krieger im Harnisch
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chinesischer Liebreiz unter Regenschirmen
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Papierdrache der Changxing Lotus Dragon Folklore Group
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Der Drache läuft. Irgendetwas stimmt nicht in diesem Bild
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und los gehts… Band and Bugles of the Rifles, GB

Am nächsten Sonntag folgt hier der zweite Teil des Berichts: die Parade.

CH-6246 Altishofen: Das Schloss des Schweizerkönigs

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Ludwig Pfyffer, von den Zeitgenossen als «Schweizerkönig» bezeichnet (Bild: wiki)

Begegnet sind wir ihm nicht, dem Schweizer König. Er ist ja auch schon über 400 Jahre tot. So tot wie derjenige, dessen Schädel er in seiner Hand hält. Ludwig Pfyffer trat 1553 als Offizier in den französischen Kriegsdienst, nachdem er in Luzern verschiedene hohe Ämter bekleidet hatte. Bald zeichnete er sich in Schlachten aus und führte ab 1563 als Oberst ein Schweizerregiment. Dieses bildete die Kerntruppe der Heere Karls IX. in den französischen Religionskriegen. Obristen waren damals in allen Belangen verantwortliche Generalunternehmer ihres Regimentes und hatten für Mannschaft, Bekleidung, Bewaffnung und Unterhalt der Truppe zu sorgen. Dafür wurden sie von ihrem Auftraggeber mehr oder weniger schadlos gehalten. Wenn der Auftraggeber Geld hatte, eher mehr. Wenn er keines hatte, presste sich die Truppe ihren Unterhalt aus der Bevölkerung der Kriegsgebiete.

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Schloss Altishofen mit Spicher

1566 wurde Pfyffer als Gesandter der Eidgenossenschaft am Reichstag zu Augsburg von Kaiser Maximilian II. zum Ritter geschlagen.

Seine Verdienste 1567 beim Rückzug der königlichen Familie von Meaux nach Paris und in diversen Schlachten des zweiten und dritten Hugenottenkrieges trugen ihm den Ruf eines fähigen Truppenführers ein. In der Folge wurde er in den französischen Adelsstand erhoben.

1569, nach dem Frieden von Saint-Germain, kehrte er nach Luzern zurück. Hier übernahm er ein Jahr später die Position des Schultheissen und festigte als dominierender Luzerner Politiker (zum Missfallen der evangelischen Kantone) die Vormachtstellung der katholischen Stände innerhalb der Eidgenossenschaft. So berief er 1577 die Jesuiten nach Luzern, baute ihnen ein Kollegium, förderte die Gegenreformation und 1586 die Vereinigung der katholischen Stände im Goldenen Bund (Borromäischer Bund). Ein Jahr später wurde die Allianz der katholischen Kantone der Eidgenossenschaft mit dem katholischen Spanien besiegelt.

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Mäxle mit Schloss Altishofen

Daneben warb er fleissig schweizerische Regimenter für die französische Liga und liess sich dafür von Savoyen, Spanien und Rom mit gut dotierten Pensionen bezahlen. (Pensionen ? eine eher euphemistische Bezeichnung). Daneben handelte er mit Tuch, Vieh, Salz und Geld. Nach seinem Tod hinterliess er mit über 340’000 Gulden wohl eines der grösseren Vermögen der damaligen Eidgenossenschaft.

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Eingang zum polygonalen Treppenturm. Wappenrelief der Pfyffer-Segesser

Im 13. Jahrhundert war die Herrschaft Altishofen im Besitz der Freiherren von Balm. 1308 wurde König Albrecht von Habsburg bei Windisch ermordet, Rudolf von Balm zählte zu den Verschwörern und musste fliehen, sein Besitz verfiel dem heiligen römischen Reich.
1312 kaufte der Deutsche Ritterorden in Hitzkirch die Herrschaft Altishofen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich der Orden im Niedergang. Die verarmten Deutschritter sahen sich im Jahre 1571 gezwungen, die Herrschaft Altishofen für 8000 Kronen (écu d’or) an Ludwig Pfyffer zu verkaufen. Er und seine Nachkommen nannten sich fortan Pfyffer von Altishofen. So einfach war das damals.

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Unterhalb des ummauerten Renaissance-Gartens

1571 baute er Schloss Altishofen, 1575 war der Bau fertig. 1588 erwarb er das Wasserschloss Wyher bei Ettiswil. Pfyffer gilt als der Begründer des Luzerner Patriziats. Die Nachkommen des Schweizer Königs stellten mehrere Kommandanten der päpstlichen Schweizergarde und erfreuen sich heute noch einer angesehenen, gesellschaftlichen Stellung.

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Das sogenannte Klösterli nebenan.

1859 verkaufte Heinrich Pfyffer das Schloss, 3 Jahre später erwarb es die Gemeinde Altishofen. Bis zum Jahre 1973 nutzte sie es als Bürgerheim. Seit 1971 befindet sich die Gemeindekanzlei im Schloss. Die heutige, Schuld-heischende Obrigkeit. Nach der Renovation im Jahr 1986 wurde darin das Regierungsstatthalteramt des Amtes Willisau untergebracht. Verschiedene Räume (getäferter Rittersaal mit Kassettendecke, Barockstube, Schlosskeller) können für Anlässe gemietet werden. Waren am Fronleichnamstag jedoch nicht zu besichtigen. Nicht mal das historische Gasthaus im Ort hatte geöffnet. Für den Kaffee mussten wir uns über die Kantonsgrenze in protestantische Gefilde bemühen.

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Der markante Spicher nebenan

Quellen:
wiki: Altishofen
wiki: Ludwig Pfyffer
HLS: Altishofen

CH-1913 Saillon: Aprikosen und Anderes

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Aprikosenzeit. Grund für eine Ausfahrt ins Wallis. Kurz vor Saillon, unweit Martigny, gibt es neben Strassenhändlern auch Produzenten, die ihre Ernte direkt ab Feld verkaufen. Nach eingehender Prüfung, ob unten im Karton dieselbe Qualität liegt, wie oben -Erfahrung macht klug, ob in Italien oder im Wallis- ;-), entschlossen wir uns, einen Karton zu erwerben. Etwas billiger als in Basel, nicht besser, aber frischer. Und wenn wir schon mal hier sind, fahren wir doch gleich noch in das mittelalterliche Städtchen, das hoch über der Rhonetal-Ebene liegt.

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Der Verkaufsstand liegt gleich nebenan

Überragt wird das Städtchen von den Resten eines Bergfriedes, dem 19 Meter hohen Tour Bayart.
Im Jahre 999 überliess der letzte Burgunderkönig Rudolf III. die Grafschaft Wallis dem Bischof von Sitten als Lehen. Nach dem Tod des erbenlosen Rudolf, 1032, fiel das Königreich Burgund an den fränkischen König Konrad II.. Das Wallis wurde Teil des Heiligen Römischen Reichs; der Bischof von Sitten zum weltlichen Reichsfürst erhoben. Ab 1052 gehörte Saillon dem Domkapitel von Sion, später den Herren von Saillon.

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Saillon, Stadttor von Innen

Die Grafen von Savoyen verstärkten mit der Zeit ihren Einfluss im Wallis, bestimmten zuletzt sogar die Besetzung des bischöflichen Stuhls von Sitten. 1260 fiel Peter II. von Savoyen im Unterwallis ein, der Bischof musste seine Besitzungen westlich von Conthey an die Savoyer abtreten.

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Saillon, Obertor zum Tour Bayart hin

Die Baumeister von Peter II. von Savoyen gingen sofort daran, die Befestigungen des Schlosses von Saillon zu verstärken und ergänzten die Anlage durch 1261-62 durch einen Turm in der Ringmauer, benannt nach der damaligen Schlossherrin, Dame Bayart.

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Stadtmauer mit mittelalterlichem Schnickschnack, einer Steinschleuder

Kaum war der Flecken befestigt, erhielt erhielt er Freiheitsrechte und durfte Jahr- und Wochenmärkte abhalten. Das Schloss wurde 1475 während eines Feldzuges der Oberwalliser gegen die Savoyer zerstört, erhalten sind der Bergfried, Reste von drei Halbtürmen und weite Teile der Stadtmauer.

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Saillon, Rue du Bourg

Im südlichen Klima von Saillon gedeihen auf rund 190 ha nicht nur Reben, auch Mandel- und Feigenbäume sind anzutreffen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Rhone in Dämme gezwängt, ab 1917 die Sümpfe der Ebene durch den Bau von Kanälen trockengelegt. Zusammen mit einer gross angelegten Güterzusammenlegung die Voraussetzung für den so erfolgreichen Erdbeer-, Spargel- und Aprikosenanbau im Unterwallis.

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Falschgeldmuseum

Eine Besonderheit von Saillon ist das Falschmünzermuseum. 1870-1880 stellte der aus dem Aostatal geflüchtete Joseph-Samuel Farinet hier in grossem Umfang Kleingeld, 20-Rappen-Münzen, her, die nach Fehlspekulationen der Walliser Kantonalbank bei der einfachen Bevölkerung im Unterwallis mehr Vertrauen genossen als das staatliche Papiergeld aus Bern.

Nach Intervention des Bundesrates wurde Farinet zur Verhaftung ausgeschrieben und kam in einer Schlucht oberhalb Saillon aus nie geklärten Gründen zu Tode. Seither wird er hier als Robin Hood der Alpen verehrt. Selbst ein Rebberg, bestehend aus 3 Rebstöcken, wurde seinem Angedenken gewidmet.

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Das Tor zu den Rebbergen: Crus au verre, wem wird hier vor Hitze nicht schummrig vor den Augen ?
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Saillon: hier lebt sichs wie in der Provence

Damit sich die Ausfahrt auch lohne, fuhren wir noch zu meinem Walliser Lieblingsweinproduzenten, Robert Taramarcaz, Domaine des Muses, nach Sierre. Dort erwarb ich mir u.a. zwei Magnum Flaschen mit Walliser Riesling “Rilke”. Eine grosse, wuchtige und doch filigrane Beerenauslese: ein bernsteinfarbener Meditationswein. Flüssige Poesie. Rainer-Maria Rilke lebte ab 1921 bis zu seinem Tode oberhalb Sierre .

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Riesling Rilke, un verre de poésie, Domaine des Muses, Sierre

Auf der Rückseite der Flasche sind zwei Vierzeiler (aus Rilkes quatrains valaisans) abgedruckt:

Chemin qui tourne et joue
le long de la vigne penchée,
tel qu’un ruban que l’on noue
autour d’un chapeau d’été.

Vigne: chapeau sur la tête
qui invente le vin.
Vin: ardente comète
promise pour l’an prochain.

Nach dem ersten Schluck gerate auch ins schwärmen:

Am Baume der Erkenntnis
hängen Aprikosen.
Gedichte werden zum Vermächtnis
in einer Flasche Wein.

Quellen:
Commune de Saillon, Histoire
Historisches Lexikon der Schweiz

CH-6332 Hagendorn: Kloster Frauenthal

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Noch nie gehört ? Wir auch nicht. Auf unserer letzten Fisch-einkaufstour im luzernischen Hinterland fuhren wir an einem unauffälligen Strassenschild vorbei, das mich zu einem Umweg verführte. So gehts mir immer mit unbekannten Tälern ;-)

Ein wenig befahrenes Strässchen durch einen Wald führte uns auf eine grosse Lichtung, in welcher zwei Seitenarme des Flusses Lorze eine Insel bilden. Inmitten der Insel steht das älteste Schweizer Zisterzienserkloster. Als Gründer des Klosters gilt Freiherr Ulrich von Schnabelburg. Eine Burg, deren Ruinen bei Hausen am Albis zu finden sind.

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Güterplan des Klosters, um die Mitte des 18. Jahrhunderts (Zentralbibliothek UZH)

1253 wurde die Beginengemeinschaft in den Zisterzienserorden aufgenommen. Das war ein Reformorden, der 1098, vor allem angesichts der romanischen Prunkentfaltung in Cluny, von dem französischen Benediktiner Abt Robert von Molesme in Cîteaux gegründet wurde und unter dem Einfluss des hl. Bernhard von Clairvaux eine eigentliche Blütezeit erlebte. Die Zisterzienser beriefen sich auf die Ideale des Mönchstums, die Armut und die Einfachheit der Klöster. Bibellesungen, Chorgebet und das Ideal, von der eigenen Hände Arbeit zu leben, wurden ihr Lebensinhalt.

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Kanalisiertes Teilstück der Lorze mit Frauenthal

Edelfrauen der näheren Umgebung prägten das Kloster über viele Jahre. Nach der Reformation um 1530 wurde der Konvent Frauenthal aufgehoben, bis er um 1552 wiederbesiedelt wurde. Seit 1573 steht Frauenthal unter der Aufsicht der Äbte von Wettingen (heute Wettingen-Mehrerau).

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Äusserer Klosterhof
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Äusserer Klosterhof, Agathenbrunnen

Das Kloster bildet mit seinen verstreuten Gebäuden einen kleinen Weiler. Bei Auseinandersetzungen mit dem Habsburger Herzog Albrecht zerstörten Schwyzer Truppen einen Grossteil der Anlage. Die wieder aufgebauten Gebäude der nach zisterziensischer Tradition als Geviert konzipierten Anlage wurden seit dem 17. Jahrhundert mehrmals erweitert und erneuert; zuletzt 1997, als das Kloster einer umfassenden Außenrenovation unterzogen wurde. Die 1776/77 im Rokokostil auf den alten Grundmauern errichtete Klosterkirche wurde 2005 restauriert.

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Wappenstein der Äbtissin Katharina Letter, 1635

Das dem äusseren Klosterhof vorangestellte Beichtigerhaus (war ja ein Mann der Beichtiger, und musste deshalb draussen bleiben).

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Im Hintergrund: das dreigeschossige Beichtigerhaus

Südlich und östlich des Klosters liegt der Klausurgarten (Zutritt verboten), eingefasst von einer durchgehenden Klostermauer.

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Verbotener Blick durch ein Astloch des Geräteschuppens in den Klausurgarten
CH-6332 Hagendorn 2014 06 03_4280
Eingemauert

Heute leben im Konvent noch 15 Schwestern. Im Klosterladen werden neben Melissengeist (für Beschwerden von Kopf, Herz, Magen und Nerven), Arnikatinktur (zur Behandlung aller Verletzungen, die durch Stoß, Fall, Stich und Schnitt entstanden sind), verschiedene Liköre (gegen Durst), Krapfen (gegen Hunger) und allerlei Devotionalien (zur geistlichen Erbauung) angeboten. Der Gutsbetrieb mit einer Gesamtfläche von 189 Hektar wird von einem Pächter bewirtschaftet.

Quellen:

Schweizerische Kunstführer, Frauenthal, Josef Grünenfelder, ISBN 3-85 782-262-7
Kloster Frauenthal