Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-6000 Luzern: Spätherbst

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Wer morgens um halb Acht mit Lucas Rosenblatt über den Luzerner Markt schlendern will, muss früh aufstehen.

CH-6000 Luzern 2013 10 19_1923

Der Aufbau der Marktstände ist noch in vollem Gange, bei Kunstlicht.

CH-6000 Luzern 2013 10 19_1938

Herr Boog vom Buuregarte zeigt den Unterschied von Freiland und Treibhaus Nüssler. Den sieht man nicht nur, man schmeckt ihn auch.

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Die bunte Pracht des herbstlichen Angebots in einem Bild zusammengefasst: Staubfänger zur Dekoration des Esszimmer-Büffets.

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Mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht der Markt zum Leben. Plötzlich steht man nicht mehr alleine vor den Markstständen.

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Nach Marktende um 12 Uhr machen die Marktfahrer dem Boulevard Platz.

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Ein, zwei Wochen noch, dann ist Schluss mit Blumenschmuck. Dann wird wieder grauer Nebel über Luzern hängen.

Bunte Zeiten 2013 10 19_2029

Nach dem Einkauf auf dem Markt gehts in der Backstube in Meggen gleich zur Sache: die eingekauften Schätze werden zu einem Sechs-Gang-Menu verarbeitet. Hier der Fleischgang: Gamsrücken, Ragout und Filet an Wachholderjus, Kohlgemüse mit mariniertem Kürbis, Feigensenf.

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Um 14 Uhr sind die Kochvorbereitungen abgeschlossen. Bei einem kleinen Stadtrundgang am Nachmittag gesehen: Alpkäsemarkt auf dem Kapellplatz. Japanische Besucher in einer 20 Meter langen Warteschlange freuen sich kindlich an der dargebotenen 60 cm langen Gabel, mit der sie ihr Möckeli Brot ins Fondue tauchen dürfen.

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Spät abends ist der Kochkurs (8 Teilnehmer kochen Marktküche für 8 Eingeladene) zu Ende. Bis der Zug eintrifft, noch ein müder, aber zufriedener Blick auf die Lozärner Määs vor dem Kongresshaus.

CH-8840 Einsiedeln: Raben und Schafböcke

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Nach einem eher verregneten Herbst zwischendurch ein ungewöhnlich schöner Tag. Nun ist Einsiedeln ein Wallfahrtsort, der eigenartigerweise auf gastronomischen Reisekarten nicht mehr zu finden ist. Die Abtei ist aber mit ihrer gewaltigen Barockanlage auch ohne gastronomische Zerstreuungen eine Reise wert. Für Pilger wie für Touristen.

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Kaiser Otto der Grosse

Hätten die Limburger ihrem Fürstbischof Tebartz-van Elst ein paar Jährchen mehr Zeit und einige Milliönchen mehr Geld zugestanden, würde der fromme Mann mit seinem barocken Selbstverständnis den Limburger Bischofssitz gewiss zu einer mit Einsiedeln vergleichbaren Touristenattraktion umgebaut haben. Menschliche Ungeduld und Geiz haben das vereitelt. Nun muss halt die Badewanne von Philippe dem Starcken den Limburgern zu mehr Fremdenverkehr verhelfen.

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CH-8840 Einsiedeln 2013 10 17_1899
Galerie auf den halbkreisförmigen Arkaden

Gegründet wurde der Ort durch den heiligen Meinrad im Jahre 835 als Einsiedelei, bestehend aus einer Klause und einer Kapelle. Nach einer Sage wurde Meinrad 861 von zwei Räubern erschlagen. Daraufhin sollen zwei Raben die Mörder verfolgt und dem Gericht zugeführt haben. Deshalb haben es die zwei Raben auf das Einsiedler Wappen geschafft. Mein Rabe, den ich täglich vor dem Küchenfenster füttere, benimmt sich unheiliger und schafft es lediglich, meine Haselnüsse zu futtern.

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Gartenpforte
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Die Bank gegenüber wollte auch Barock
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steingewordener Geist der jeweils entsprechenden Zeit

Die Gründung der Benediktinerabtei geht auf das Jahr 934 zurück. Durch Schenkungen des ostfränkischen Königs und nachmaligen deutschen Kaisers Kaiser Otto I. sowie später Kaiser Heinrich II. gelangte das Kloster in den Besitz grosser Ländereien. Das führte in der Folge zu andauernden Grenz- und Nutzungskonflikten mit Bauern aus der Talschaft Schwyz. 1314 wurde das Kloster von den Schwyzern erobert und geplündert. Herzog Leopold I. von Österreich, als Schirmherr des Einsiedler Klosters, griff danach die Innerschweizer an, unterlag aber 1315 in der Schlacht am Morgarten. Der Konflikt wurde 1350 beigelegt. Das Kloster verlor damals einen beträchtlichen Teil seines Landbesitzes. 1394 ging die hohe Gerichtsbarkeit an Schwyz, Einsiedeln wurde Landschaft des Standes Schwyz. Die niedere Gerichtsbarkeit lag beim Kloster. 1798 wurde die Landschaft Einsiedeln dem Land Schwyz politisch gleichgestellt und später als Bezirk dem Kantons Schwyz eingegliedert. Das Kloster behielt zunächst seinen starken Einfluss.

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Fotografieren verboten

Das heutige, barocke Kloster entstand von 1674 bis 1735 als vollständiger Neubau in drei Etappen nach den Plänen von Caspar Moosbrugger, einem Einsiedler Mönch und Mitbegründer der Vorarlberger Barockbauschule. Gleich beim Eingang steht die Gnadenkapelle mit der schwarzen Madonna. Im Innern der Kirche gibt es das grösste Deckenfresko der Schweiz zu sehen. Barock. Seit der Renovation der Fresken sieht hier alles licht und hell aus. Nicht mein Fall, aber unbedingt sehenswert. Die Wallfahrt hat in Einsiedeln eine grosse Bedeutung. Kreuzgänge und Pilgerfahrten sind schon ab der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts dokumentiert.

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Herbstlicher Gemüseteller

Mittagessen. Ich hatte mir, einer Pilgerfahrt angemessen, den Besuch in einer noblen Gaststätte im nahegelegenen Euthal vorgenommen, Frau L. wollte sich hingegen mit einem frugalen Käsebrot in einem Tea Room bescheiden. Nach einigem hin und her einigten wir uns auf einen Kompromiss: das Gasthaus Linde. Gut-bürgerlich, wie das hier so schön heisst.

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Einsiedler Schafböcke

Im Klosterladen fand ich zwischen Bergen von Devotionalien zwei Fläschchen Klosterwein und Schafböcke. Das eine ein frischer, angenehmer Räuschling vom Zürichsee, das andere ein traditionelles Gebäck für Pilger, angeblich aus aromatischem Honigteig, Wer genau hinsieht, entdeckt ein im Gras liegendes Lamm (Agnus Dei). Falls er nicht schon vorher an dem trockenen Kuchen erstickt ist.

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Dösen an der Etzelstrasse am Sihlsee
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Paracelsus-Gedenkstein vor der Sihlbrücke an der Egg

Der Heimweg führte uns über den enge Etzelstrasse an die Egg, dem Geburtsort des Paracelsus, Teophrast von Hohenheim, vorbei über den Seedamm nach Turbenthal stracks in den Fabrikladen der Firma mit den feinen Schlaf- und Badetextilien. Da mir beim Waschen unserer weissen Badetücher versehentlich meine schwarzen Trauersocken in die Maschine gerieten, mussten die Tücher ersetzt werden. Saudumm ? Schafdumm !

Quellen:

Kloster Einsiedeln wiki
Einsiedeln Historisches Lexikon der Schweiz

CH-7545 Guarda: Häuser

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Guarda liegt im Unterengadin auf einer sonnigen Terrasse, nordseitig hoch über dem Inntal. 164 Einwohner. Hier stehen rund 70, teils prächtige, sgraffito-geschmückte Engadinerhäuser aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

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Der Ort ist nahezu autofrei, das Ortsbild gut erhalten, Guarda zählt zu den architektonisch wertvollsten Dörfern der Schweiz und steht unter nationalem Schutz. Heute ist Guarda jedoch zunehmend vom Aussterben bedroht; immer mehr Bewohner suchen ihr Auskommen in grösseren Ortschaften oder Städten. Von etwas Landwirtschaft und etwas Tourismus mögen nur noch Wenige zu überleben.

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Das Dorf ist in der Schweiz vor allem bekannt durch die Bildergeschichte des “Schellenursli”. Hin und wieder sieht man Touristen, die verstohlen das Buch konsultieren, um die Häuser in der Geschichte mit der Realität zu vergleichen. Die Geschichte spielt im Dorf und handelt vom Brauch des „Chalandamarz“, der alljährlich am 1. März durchgeführt wird. In einem Umzug durchs Dorf vertreiben die Kinder mit Kuhglockengeläut den Winter. Ursli, die Hauptperson der Geschichte, erhält bei der Verteilung der Glocken nur ein kleines Geissenglöckchen und wird deshalb von den andern Buben gehänselt und darf nur am Ende des Zuges mitlaufen. Am Tag vor Chalandamarz erinnert er sich, dass in der sommerlichen Alphütte der Eltern noch eine grosse Kuhglocke hängt. Durch tiefen Schnee watet er in die verschneite Maiensäss hinauf. Indessen wird es dunkel, der kleine Ursli wird vermisst, das ganze Dorf sucht ihn besorgt, aber erfolglos. Am nächsten Tag kehrt er mit der schweren Glocke ins Dorf zurück, alle sind erleichtert. Da er nun die grösste Glocke hat, darf er den Umzug anführen.

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Unter argwöhnischer Beobachtung

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Kaffeepause im herrlich altmodischen Hotel Meisser.

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Jugendstil-Speisesaal im “Meisser” aus der Jahrhundertwende (1893)

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Eine der Inschriften besagt auf deutsch übersetzt: Wir errichten schöne Häuser und wissen, dass wir nicht ewig bleiben; an den Ort, wo wir für immer zu bleiben hingehen, denken wir aber nur selten.

CH-7742 Poschiavo: Am Lago di Poschiavo

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In zahllosen Windungen fällt die Pass-Strasse vom Berninapass nach Poschiavo hinunter. Angelangt, umfängt einen das Licht des Südens. Häuser haben und machen Gesichter. Sie sind älter als ihre Bewohner, sind dadurch Zeugen von Weisheit oder Torheit der Menschen. Aus manchem Hause scheint die Laune der Bewohner zu strahlen. So ganz anders als in unsern Städten, wo die Architekten ihre anonymen Betonburgen mit Menschen auf- und zufüllen. Mit Menschen, die ihren Häusern ewig fremd bleiben.

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Etwas südlich von Poschiavo liegt Le Prese, am Rand des Lago di Poschiavo. Ein paar Jahre ist es her, dass wir hier unsern letzten Tee schlürfen durften. Danach war Schluss, das Hotel wurde geschlossen und an einen Mailänder Immobilienhändler verkauft, der es vergammeln liess.

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Dank der Initiative einer betuchten Baslerin konnte das Haus zurückgekauft werden, es befindet sich nun wieder in festen Händen, wurde total renoviert und strahlt in hellem Glanze. Wir haben hier bei schönster Aussicht u.a. gute, hausgemachte Capunet gegessen.

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Ristorante La Perla im Hotel Le Prese

Da das Wetter mitspielte, gabs noch eine kleine Wanderung nach Miralago, entlang der bequemen Seeseite. Das Herz mag keinen Sport mehr. Die an einem Leitungsmast der Berninabahn kunstvoll angebrachten drei Besen haben übrigens eine spezielle Funktion. Welche wohl ?

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Einmal mehr unerreichbar für uns, da nur nach längerem Fussmarsch erreichbar: San Romerio, auf 1800 m.ü.M, hoch über dem See, angeblich einer der schönsten Orte der Schweiz.

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San Romerio, das Unerreichbare

Einheimische wollen wissen, dass, wer einmal vollständig um das Kirchlein San Romerio gelaufen sei, niemals mehr krank werde. Schlaumeier. Das im 11. Jahrhundert erbaute Kirchlein liegt unmittelbar an der Felskante, die steil in die Tiefe abfällt. Umrundung unmöglich, dabei hätten wir uns so gerne ewige Gesundheit eingetauscht.

CH-7537 Müstair: Alpabtrieb

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Es gibt grössere Alpabtriebe, reichhaltiger geschmücktere Kühe, Abtriebe, bei denen die Sennen sich in Tracht statt in Bluejeans werfen. Es gibt aber auch Alpabfahrten, bei denen die Kühe auf den umliegenden Dorfweiden zusammengetrieben und hinter dem Schulhaus geschmückt werden, um dann vor dem Schulhaus den wartenden Touristen auf der Dorfstrasse vorgeführt zu werden. Und es gibt Alpabfahrten, die sich zu florierenden Chilbi-Märkten aufgeplustert haben, mit all dem Angebot an Nippes, Selbstgetöpfertem, Konfitüren, altem Handwerk und reisenden Feuerschluckern.

Der Alpabtrieb in Müstair gehört nicht zu diesen. Einfach, bescheiden: gelebte und lebendig gebliebene Tradition. In der Morgenfrühe brechen die Kühe mit ihrer Begleitung von der Alpe Mora (Nähe Ofenpass) auf, um in mehrstündigem Abstieg bei Santa Maria die Talebene zu erreichen. Eine Alpabfahrt kann bis zu sechs, acht Stunden dauern und bedeutet für die Tiere wie die Helfer eine grosse Anstrengung. Am Zielort ein bescheidenes Fest, von Dorfvereinen organisiert. Ein einziges Tischlein mit Alpkäseverkauf.

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Stolz tragen die Kühe ihren Kopfschmuck. Eine Alpabfahrt muss ruhig angegangen werden. Die Tiere spüren de Veränderung und sind nervös. Sie müssen beruhigt und gebremst werden, denn wenn sie zu schnell losrennen, werden sie zu rasch müde und könnten in steilem Terrain an den Vorderbeinen einknicken.

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Herde von vorne
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und von hinten

Indes bereiten die Treichler die wartenden Zuschauer am Zielort Müstair in langsamem, rythmischem Gleichschritt mit ihrem urtümlichem Klang auf den Einzug der Kühe vor. Treicheln sind im Unterschied zu gegossenen Glocken aus gehämmertem Blech gefertigt. Sie sind leichter als Glocken gleicher Tonhöhe und dennoch bis zu 20 kg schwer. Dafür klingen sie tief dumpf-dröhnend.

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Auf der Wiese vor dem mittelalterlichen Kloster Müstair ist das Ziel erreicht. Einen Einblick in die Kirche gibt ein früherer Beitrag von mir.

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Die Ofenpass-strasse ist gesperrt. Tische und Bänke laden zu Käse und Wein (und Wurst) ein. Derweil bereiten die In der Schweiz unverzichtbaren Alphornbläser und Fahnenschwinger ihren Auftritt vor.

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Weitgehend unbeachtet von den durstigen Hauptpersonen des Alpabzuges.

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Durch die Sperrung der Pass-strasse konnte man sich das hübsche Dorf Müstair einmal ganz ohne Auto- und Motorradverkehr ansehen. Bis die Umfahrungsstrasse kommt, wird es leider noch einige Zeit dauern.

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CH-8450 Andelfingen: Im Gärtchen des Landvogts

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Gefühlte Tausendmal sind wir hier schon durchgefahren. Wer nicht über Schnellstrassen an den Bodensee will, den führt der Weg über diese einspurige Holzbrücke. Die schon vor 1324 bestehende Thurbrücke wurde mehrmals verändert und 1799 im Krieg zerstört. 1814 entstand eine gedeckte, zweijochige Holzbrücke. Da die Signalampel vor der Brücke auf Rot stand, entschloss ich mich, der Wärme und dem lockenden Bodensee zum Trotz, einmal richtig anzuhalten und nachzusehen, ob es ausser dem Schwimmbad noch anderes zu sehen gibt.

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Langweiliger Blick auf Klein-Andelfingen mit der gedeckten Holzbrücke über die Thur

Als kyburgisches Erbe gelangte Andelfingen im 13. Jahrhundert in habsburgischen Besitz. Das Habsburgische Urbar verzeichnet u.a. zwei Mühlen, einen Meierhof, zwei Kehlhöfe (Hofgüter, die einem Kloster zinspflichtig waren), ein Wirtshaus sowie das Fischereirecht in der Thur. Viel scheint sich hier seither nicht verändert zu haben. Ein paar Häuslein mehr, ein paar Fische weniger. Doch was ist denn das ? Sieht aus wie ein Schloss ? Tatsächlich. Ein Schloss.

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Schloss Andelfingen
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Schloss Andelfingen
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Ausschnitt der Wappentafel der hier regierenden Landvögte

Die Söhne des Habsburger Kaisers Albrecht verpfändeten Andelfingen 1377 den Herren von Landenberg. 1434 verkauften die Landenberger Andelfingen an Zürich. 1488 erwarb Zürich Zoll und Brücke. 1482 wurde die auf einem Hügelvorsprung gelegene Burg Andelfingen zum Sitz der Landvögte. 1614 wurde ein neues Landvogteischloss gebaut, das später, 1780 – 1782, durch das heutige Schloss, ersetzt wurde. 1832 wurde es an Baron Johann Heinrich von Sulzer-Wart (der Gründer des Industriekonzerns) verkauft, dessen letzte Erbin es der Gemeinde schenkte, die es bis 1999 als Altersheim nutzte. Heute wird es teilweise wieder als Amtssitz genutzt und für Anlässe vermietet.

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Schloss Andelfingen, Pförtnerhaus

Am Pförtnerhaus vorbei geht es in den öffentlich zugänglichen, grossen, schattenspendenden Schlosspark aus dem 18. Jahrhundert, den man hier nicht vermuten würde.

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Daselbst ist auch ein Kräutergarten und das im ehemaligen Tuffsteinbruch rauschende Mühlebächlein zu bewundern. Sonst kann man sich kurz halten: Von der unter der heutigen Kirche vermuteten Vorgängerkirche aus dem 8. Jahrhundert ist leider nichts mehr zu sehen.

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Die Kirche: Neu-Alt-Gotisch-Hässlich
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Hübsche Weinländer Riegelbauten

Kurz vor der Brücke an der Ampel steht eine alte Mühle, im Garten davor scharrende Hühner. In der 1306 erstmals urkundlich erwähnten Haldenmühle wird mit alten Maschinen und Transmissionen bis heute Mehl hergestellt. Seit zehn Generationen, also seit rund 300 Jahren, ist die Mühle im Besitz der Familie Arbenz. Der 70-jährige Kaspar Arbenz, der die Mühle ohne Angestellte betreibt, wird wohl der Letzte sein, der sich in Andelfingen noch mit der Herstellung von Mehl befasst.

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Haldenmühle
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Wassergetriebenes Antriebsrad
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Getreide in Pflichtlagersäcken der Kriegsvorsorge

Hier kauften wir Mehl und, da die im Hof scharrenden Hühner so gesund aussahen, frische Eier.

Quellen:
Andelfingen, Historisches Lexikon der Schweiz
Schloss Andelfingen

CH-5466 Kaiserstuhl: wo sitzt der Kaiser ?

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Das Zwergenstädtchen Kaiserstuhl liegt am Rhein zwischen Basel und Schaffhausen und zählt zu den zwei kleinsten Gemeinden der Schweiz. Einen richtigen Kaiserstuhl wie in Goslar gibt es hier nicht zu besichtigen, und ob sich hier einmal ein deutscher Kaiser auf einen Gerichtsstuhl gesetzt hat, wie etwa Otto III. im badischen Kaiserstuhl, weiss die Geschichtsschreibung nicht zu berichten.

Name und Wappen gehen auf die Freiherren von Kaiserstuhl (Keisuresstuol) zurück. Im «Kleinen Urbar» des Klosters Wettingen wird die Ortschaft 1227 erwähnt. Die Stadtgründung geht auf das Jahr 1254 zurück. Ende des 13. Jahrhunderts war das habsburgische Lehen im Besitz der Regensberger, diese, in Geldnöte geraten, mussten es letztlich samt Brücke, Burg und weiteren Rechten in den umliegenden Dörfern  an den Bischof Heinrich II. von Konstanz verkaufen. Kaiserstuhl diente danach bis 1798 als Zentrum der konstanzischen Landesverwaltung. Kaiserstuhl hatte dadurch den Rang einer Landstadt des Heiligen Römischen Reichs. Die Konstanzer Landvögte residierten auf der Burg Rotwasserstelz (Rötteln).

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Blick in die stotzig abfallende Hauptgasse

Kaiserstuhl liegt am südlichen Brückenkopf einer mutmasslich schon seit Römerzeiten bestehenden Brücke über den Fluss. 1294 ist eine hölzerne Rheinbrücke verbürgt. Das Städtchen liegt in Form eines Dreieckes am steil abfallenden Rheinufer. Überragt wird es durch den Oberen Turm, der Mitte des 13. Jahrhunderts als südlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung erbaut wurde. Die Stadtmauern und die zwei unteren Türme am Rheinufer existieren nicht mehr. Am nördlichen Rheinufer (heute auf deutschem Gebiet) steht das Schloss Rotwasserstelz.

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Burg Rotwasserstelz

1415 eroberten Berner und Eidgenossen weite Teile der habsburgischen Gebiete im heutigen Aargau. Die Landeshoheit ging damit an die gemeineidgenössische Grafschaft Baden über. Verwaltet wurde Kaiserstuhl weiterhin durch Konstanzer Landvögte, die bischöfliche Herrschaft war durch die neuen Landesherren aber entscheidend geschwächt.

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Widderbrunnen an der Hauptgasse

Als katholischer Ort an der konfessionellen Grenze gelegen, bildete Kaiserstuhl einen wichtigen Vorposten für die katholischen Orte. In beiden Villmergerkriegen 1655/56 und 1712 wurde der Ort durch die reformierten Zürcher besetzt. Durch gezielte Verlagerung des rheinquerenden Landverkehrs auf eigenes Gebiet (über die Brücke von Eglisau) versuchten die Zürcher erfolgreich, dem Städtchen Kaiserstuhl die Zolleinnahmen abzugraben. Von der Schifffahrt auf dem Rhein profitierte Kaiserstuhl kaum, da es kein Stapelrecht (das Recht einer Stadt, von durchziehenden Kaufleuten zu verlangen, dass sie ihre Waren in der Stadt für einen bestimmten Zeitraum anboten). Dennoch gelangte die Stadt zu erstaunlichem Wohlstand, den die Bewohner durch Fleiss, Weinbau und Viehzucht, in bischöflichen Ämtern, fremden Sold-Diensten und im Kreditwesen erzielten. Davon zeugen heute noch die prachtvollen historischen Bauten.

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ehemaliges Wirtshaus zur Krone, um 1550

1563 erbaut, diente das St. Blasieramtshaus dem Benediktinerkloster St. Blasien, das mehrere Gutshöfe um Kaiserstuhl besass, als Sitz des Klosterschaffners und als Zehntenscheuer.

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Ehemaliges Amtshaus des Klosters St. Blasien, 1563
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Ehemaliges Amtshaus des Klosters St. Blasien, 1563

An ein französisches Stadtpalais erinnert die repräsentative Dreiflügelanlage mit Ehrenhof, die 1764 für Marschall Johann Jakob Mayenfisch, der im Solddienst Frankreichs zu grossem Vermögen gekommen war, erbaut wurde.

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Mayenfisch- oder Marschallhaus 1764

Südlich angrenzend an den oberen Turm liegt das 1764 im Auftrag des Schultheissen Moritz Buol als Gasthaus erbaute Haus zur Linde. Heute als Wohnsitz genutzt.

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ehemaliger Gasthof “Weisses Kreuz”. Heute Haus zur Linde.
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Hauseingang zur Linde

Mit der Errichtung der helvetischen Republik und durch den Friedensschluss von Lunéville zwischen Frankreich und Oesterreich verlor Kaiserstuhl 1798 das gesamte rechtsrheinische Gemeindegebiet an das 1806 gegründete Grossherzogtum Baden. Die verlorenen Gebiete umfassten die fünffache Fläche des Städtchens  (u. a. das Dorf Hohentengen mit der ehemaligen Pfarrkirche). Vorerst blieben grosse Teile des Rebbergs in Hohentengen in Besitz von Kaiserstuhler Einwohnern. Die Bewirtschaftung über die Grenze hinweg stiess aber auf unüberwindbare Probleme, ab 1910 war Schluss mit Weinbau. Ab 1983 wurden die ehemaligen Reblagen wieder neu bepflanzt,  Heute ist mit dem Engelhof wieder ein blühendes Weingut entstanden, das sich mit seinen südlichsten Weinen Deutschlands im untern Preissegment eines guten Rufes erfreut. Da der Kofferraum schon mit Wein gefüllt war, beliess ich es dabei.

Quellen:

Kaiserstuhl wiki
Historisches Lexikon der Schweiz

CH-8253 Diessenhofen: am Hochrhein

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Hauptstrasse mit Zeitglockenturm (1545)

Gute 20 Fussminuten oberhalb der ehemaligen Klosteranlage Paradies, Nähe Schaffhausen, liegt Diessenhofen am Hochrhein.
In Zeiten des Rhein-Iller-Donau-Limes stand hier auf dem Sporn der Burg Unterhof ein römischer Wachturm. Als Nachfolger der abziehenden römischen Truppen besiedelten Alemannen die Gegend. Im Jahr 757 gelangte die Siedlung als Schenkung in Besitz des Klosters St. Gallen. Graf Hartmann III. von Kyburg erhob den Ort 1178 zur Stadt, die er Truchsessen zur Verwaltung übergab.

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Burg Unterhof, Sitz der Ministerialen von Kyburgern und Habsburgern
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Burg Unterhof und Schifflände von der deutschen Rheinseite aus gesehen
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Bannerherr (mit blauem Auge ?) und dem (Kyburger) Stadt-Wappen.

Verglichen mit Schaffhausen und Stein am Rhein blieb Diessenhofen aber immer ein bescheidener Marktort. Die Stadt diente den Machthabern vor allem zur Sicherung ihrer Besitzungen beidseits des Rheines und genoss deshalb wenig Freiheiten. Das Gewerbe deckte wohl die einfachsten Bedürfnisse der Stadt und ihres kleinen Marktgebiets, war aber zahlenmässig zu klein, um sich in Zünften zu organisieren. Die Bevölkerung lebte von Landwirtschaft und Fischerei. Die Stadt bezog ihre Einnahmen aus der Besteuerung des Salzhandels, Brücken- und Durchgangszöllen. 1264 gingen mit dem Aussterben der Kyburger deren Besitzungen an Habsburg über, die damit ihre Vorlande hübsch arrondieren konnten.

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Stadtsicht von der deutschen Seite her
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Oberes Amtshaus und Blick auf deutschen Badestrand

Seit 1292 führt eine Holzbrücke über den Rhein, die 1814 überdacht wurde. Nach einem Grossbrand 1371 wurde das meist aus Holzhäusern bestehende Städtchen neu aufgebaut. Grosszügig erliessen die Habsburger für ein paar Jahre die Steuern. Nach den militärischen Niederlagen gegen die Eidgenossen verloren die Habsburger allmählich ihren Einfluss. Den Bürgern gelang es, ihre Rechte auszuweiten. Ab 1415 wurde Diessenhofen reichsfrei. Bei der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen, 1460, wurde das Städtchen belagert und eingenommen, durfte jedoch seine Stadt- und Zollrechte weitgehend behalten.

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Wohnhaus Oberhof
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Rathaus (1760)

In der Zeit der Helvetischen Republik wurde der Bezirk Diessenhofen 1798 dem Kanton Schaffhausen angegliedert. Zwei Jahre später kam der Bezirk dann definitiv zum Kanton Thurgau. Um 1830 setzte die Industrialisierung mit den ersten Stofffärbereien und -druckereien sowie zwei Ziegelfabriken ein.

Direkt am Rhein findet sich ein ehemaliger Verteidigungsturm aus dem Jahre 1391. Ab 1616 als Gefängnis, im 19. Jahrhundert von einer Stoffärberei zum Aufhängen und Trocknen von Textilien  genutzt.

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Hänkiturm

Zwischen Diessenhofen und Schaffhausen liegen die im 13. Jahrhundert gegründeten Klosteranlagen St. Katharinental und Paradies, die bis zu ihrer Aufhebung im 19. Jahrhundert von Frauenkonventen besetzt waren. Nachdem das Kloster Katharinental die existenzgefährdenden Wirrungen des Reformationszeitalters überstanden hatte, erlebte es unter der Priorin Josepha Dominica von Rottenberg eine neue Blütezeit. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ die Priorin durch Vorarlberger Baumeister anstelle des alten Klosters die heutige barocke Klosteranlage errichten; Sie gilt als ein bedeutendes Beispiel des süddeutschen Barocks.

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Klosterkirche St. Katharinental
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In der Cafeteria der Anstalt gibts Automatenkaffe und schöne Aussicht
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Eingangsportal der barocken Klosteranlage
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Auch an Schatten haben die Barock-Architeken gedacht

Gleich gegenüber, auf der deutschen Seite thront das Schlösschen Rheinburg, eine 1866 im Stil der Neo-Renaissance erbaute Privatvilla eines Schaffhauser Unternehmers. Nach einer wechselvollen Geschichte als vegetarische Kolonie, Erziehungsanstalt für Töchter aus höheren Ständen, Klinik, Sanatorium, Unterkunft für Kriegsevakuierte, Kinderheim, Kibbuz für Überlebende des deutschen Albtraums und letztlich als neurologische Klinik, wurde die baufällige Anlage durch die deutsche Unternehmerfamilie Gross erworben und mustergültig renoviert. Ehemalige Rebberge unterhalb des Landgutes wieder angepflanzt und in 20-Jähriger Aufbauarbeit hervorragende Weine gekeltert, an die ich mich heute noch mit Vergnügen erinnere. 2003 wurde das Weingut an den Markgrafen von Baden verpachtet, der die Gailinger Weine separat ausbauen lässt. Da ich mich seither vermehrt den Schweizer Weinen zugewandt habe, ist der Draht zu den Gailinger Weinen leider abgerissen.

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Klostergarten am Rhein und Blick auf die Rheinburg in Gailingen (D)
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passt genau ! Bei hohem Wasserstand muss umgestiegen werden

Quellen:
wiki Diessenhofen
wiki St. Katharinental

CH-8500 Frauenfeld: Hip-hop, Energiewende, Kunst und Häuser

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Kühlturm der Thurgoil ?

Nein, wir waren nicht am Frauenfelder hip-hop-open-air-festival. Viel mehr als hippiges Gehoppe interessierten mich die Bemühungen der Schweiz, die Energiewende doch noch zu schaffen. Angekündigt war die Energiewende nach Fukushima von den Damen im Bundesrat ja sehr schnell. Mit der Umsetzung scheint es jedoch 2 Jahre später zu harzen. In Warth, gleich hinter Frauenfeld, versucht man das Problem mit einem Turm aus Holzscheiten zu lösen. Der wurde im Auftrag des Thurgauer Kunstmuseums vom japanischen Künstler Tadashi Kawamata aus Oil of Thurgau (Thurgauer Holzscheiter, D: Scheite) kunstvoll hoch geschichtet.

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würde meinen Energiebedarf im Jura für die nächsten zehn Jahre decken

Daselbst assen wir zu Mittag. Eingekesselt von lauter Assekuranzvertretern der Basler Versicherung, die hier an einer Tagung der Versicherungsvertreter zwei Tage Ferien vom Vertreten machten. Bei Wasser. Ganz im Gegensatz zu uns, die wir uns ein halbes Fläschchen Wein gönnten. Danach noch ein paar Schrittchen durch den Rosengarten an den ehemaligen Klausen der Kartäusermönche vorbei. Siehe auch meinen früheren Bericht über das Kloster Warth.

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Kloster Warth, jedem Mönch sein Häuschen
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Fischweiher und Rebberg des Klosters

Nach dem essen ins nahegelegene Frauenfeld, der Hauptstadt des Thurgau, erbaut auf “unserer lieben Frau [Maria]” geweihter Flur. Hier in einer Ansicht aus “Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen und Voelckeren, Chronick wirdiger thaaten Beschreybung” (Stumpfsche Chronik, aus wiki). Heute sieht die “geweihte Flur” jedoch eher “entweiht” aus:  Bild NZZ

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Frauenfeld, Holzschnitt aus der Stumpfschen Chronik, 1547/48

Die Siedlung “frowinfelt” entstand im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Jahrzehnte zuvor erbauten Turm des Frauenfelder Schlosses. Ab 1286 ist Frauenfeld als Stadt bezeugt, die damals unter habsburgischer Landesherrschaft stand.

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Schloss Frauenfeld, so sah es schon vor  beinahe 500 Jahren aus

Während einer kurzen Periode der Reichsunmittelbarkeit des Thurgaus zwischen 1415 und 1442 stand Frauenfeld unter der Schirmherrschaft eines Reichslandvogts, danach gehörte es bis 1460 zu Österreich. 1460 wurde die Landgrafschaft Thurgau von den sieben eidgenössischen Orten Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus erobert und als “gemeine Herrschaft” verwaltet. Ab 1504 residierte der von den Eidgenossen gewählte Thurgauer Landvogt in Frauenfeld.

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Katholische Stadtkirche St. Nikolaus, Frauenfeld

Frauenfeld trat bis 1531 überwiegend zum reformierten Bekenntnis über. Ab 1720 wurden die Katholiken nicht mehr in städtischen Ämtern geduldet. Pfarrkirche der Stadt Frauenfeld war ursprünglich die Laurentiuskirche in Oberkirch. In der Stadt gab es nur die bei dem Stadtbrand 1771 abgebrannte St. Nikolauskapelle. Die heutige Kirche wurde 1904–06 erbaut und bestimmt mit neo-barockem Pomp die heutige Stadtsilhouette.

Von der eidgenössischen Tagsatzung genehmigt, der Thurgau war ja gemeine Herrschaft, wurde 1641 an der jetzigen Stelle die evangelische Kirche erbaut. Das Kirchenschiff und der obere Teil des Turmes wurden wegen Baufälligkeit 1927 abgebrochen und durch einen im Bauhaus-stil gehaltenen, langweiligen Neubau ersetzt. Das rot leuchtende Chorfenster stammt von unserem Lieblingsmaler, Augusto Giacometti (1877 – 1947) und zeigt den Weg Christi von der Geburt bis zur Erhöhung.

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Kirchenfenster Augusto Giacometti

Seit 1712 wurden in Frauenfeld mehrmals Tagsatzungen abgehalten (in regelmässigem Wechsel mit Baden), von 1742 bis 1797 tagten die Eidgenossen schliesslich ständig hier.
In den Jahren 1771 und 1788 wurde die Stadt von verheerenden Feuerbrünsten heimgesucht, bei denen die meisten alten Häuser zerstört wurden. Das heutige Stadtbild wird daher durch spätbarocke und klassizistische Repräsentationsbauten geprägt, die teils durch die an den Tagsatzungen teilnehmenden Stände erbaut wurden  (Luzerner Haus, Berner Haus).

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Haus zum Schwert
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Berner Haus (zur Gedult)
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Luzernerhaus
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Noch mehr Autos als in der Altstadt gibts vor dem Postamt zu sehen

CH-5643 Sins: Hitzetag

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Zugersee, zwischen Arth und Walchwil

In unserer Dachklause war und ist es unerträglich heiss. Also flügelten wir im geflügelten Automobil luftgekühlt an den Zugersee aus. In den Sternen in Walchwil. Frau L. verträgt weder Hitze noch friert sie gern, konnte sich nicht entscheiden, ob sie im Hause oder draussen sitzen will. “Gut” sagte ich ihr, “dann machen wir einmal, was ich will;-) und bat sie an einen Platz unter schattigen Kastanien direkt am See.

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Flügeltürenflitzer [Symbolbild]

Hier ass es sich angenehm, wie in den Ferien. Die Familie Weder pflegt hier noch die alte Schule der Gastlichkeit, von der mancher Jungkoch noch etwas lernen könnte.

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Hinten der Innerschweizer Aetna, die Rigi
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Rartaouillesalat auf Auberginenkaviar, Peperoniterrinen und Mozzarella.
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Kartoffelrosen, von der Sonne geküsst

Wer wieder nach Basel will, muss irgendwo über die Reuss. Da es über die Reuss nicht allzuviele Stege gibt, kreuzen sich manche Wege in Sins. Der Ortsname Sins stamme vom gallo-römischen Sentias und bedeute «bei den Wegen», weiss wiki. Sins war schon in früheren Jahrhunderten ein wichtiger Brückenort; noch heute steht hier eine der bedeutendsten, gedeckten Holzbrücken. 1640-41 von Zug erbaut. Gegen Widerstand der Stadt Luzern, die in Gisikon eine eigene Brücke besass und ihre Zolleinnahmen gefährdet sah.

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Sinser Reussbrücke (Aufnahme April 2013)
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100 Meter nebenan können Eilige über eine moderne Betonbrücke fahren

Um 1230 gründeten die Habsburger nordwestlich des heutigen Ortes Sins das Städtchen Meienberg. Dieses befestigte Städtchen (noch heute ist ein von Schafen beweideter Mauergraben zu sehen) wurde 1386 nach der Schlacht bei Sempach von den Eidgenossen geplündert und völlig niedergebrannt. Meienberg konnte sich mangels wirtschaftlicher Kraft nie mehr von diesem Schlag erholen und sank zu einem Weiler herab, blieb aber Gerichtsort. Das wirtschaftliche und politische Zentrum der Gemeinde verlagerte sich an die Reuss hinunter. Hier gab es seit Mitte des 13. Jahrhunderts eine Fähre über den Fluss. 1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. “Neu-Meienberg” wurde erst später zu Sins umgetauft.

Das aus dem Mittelalter stammende Amtshaus im Weiler Meienberg wurde 1575 wieder aufgebaut:

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Amtshaus Meienberg

Die Transkription gotischer Kursiven habe ich auch beim dritten Anlauf nicht geschafft. Die modernen Einfamilienhäuser, die den alten Dorfplatz rekonstruieren sollen, störten mich beim Übersetzen. Vielleicht wars auch die Hitze oder der Ligornetto.

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Während des Zweiten Villmergerkriegs, einem der unseligen Religionskriege, kam es im Juli 1712 zu einem Gefecht rund um die Brücke und die Pfarrkirche. Den katholischen Innerschweizern gelang es um den Preis von 500 Toten, die reformierten Berner zu vertreiben.  5 Tage später gewannen die Berner jedoch die entscheidende Schlacht in Villmergen. 1847 im Sonderbundskrieg zerstörten die Zuger “ihre” Brücke zur Hälfte, um den Vormarsch von Dufours Truppen zu stoppen. mussten dann 2 Wochen später trotzdem kapitulieren.

Etwas nördlich des modernen Dorfzentrums von Sins befindet sich auf einer erhöhten Geländestufe der frühere Kirchenbezirk. Erhalten geblieben sind die barocke Pfarrkirche Maria Geburt (1748) und das im Jahr 1726 errichtete Gemeindehaus, das bis 1953 als Pfarrhaus diente.

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Quelle:
wiki

CH-4058 Basel: Aida. By the life guard cavalry of Her Majesty

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Wenn ich schon nicht mehr nach London Knightsbridge komme, so kommt doch wenigstens die Militärkapelle der Queens Life Guard nach Basel. Vor meine Haustüre. Mit 29 Rossen, grossen Pferdetransportern, Hufschmid, Veterinär, Stallburschen und Stallburschinnen im Kampfanzug. Um hier am alljährlichen Basel Tattoo (die achte Ausgabe) aufzuspielen. Den Triumphmarsch aus Verdis Aida. Nebst anderem. Hier ein paar Impressionen.

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Die Kleinsten haben immer die grössten Pferde

Dann ist es soweit. Aufmarsch vom Quartier in die Area de Basler Kaserne.

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The Queens Lifeguard Cavalry vor der Claramatte
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Major Paul Wilman sitzt erst später auf

Gleich hinter den Engelländern marschieren die Italiener:

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Auf 4 Rädern marschiert es sich leichter

Dann kommen noch mal soviele Pferde, die Fanfara a cavallo dei Carabinieri. Mit Tressen, Troddeln, Kokarden und Federbüschen (die rot-weissen Staubwedel am Nebelspalter).

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Die italienischen Pferde mit lackierten Hufen
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Il commandante. Ordensbehängt.

Dann heisst es warten bis zum Auftritt:

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ob weiss…
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ob braun…
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ob grau…
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Auch ein Officer hat Durst
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Der rote Haarbusch wird gegen den gelben ausgewechselt
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Der güldene Helm gibt bei 33°C recht warm
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Ebenso die wollenen Gamaschen der Pferde
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Auf das königliche Motto wird getrommelt: Dieu et mon droit, Gott und mein Recht

Während sich die Engelländer mit Rossini und leichter Kavallerie befassen, konzentriert man sich am Eingang auf den italienischen Auftritt.

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Tä täterää, Tä täterää Die italienische Nationalhymne “Fratelli d’Italia”

Nach den Fratelli gibts noch italienische Schlager, wie O Sole Mio, Funiculì Funculà und volare. Italiener und Engelländer dürfen sich mit dem Gefangenenchor aus der Oper Nabucco noch einem militärischen Thema widmen. Dann gehts für alle 60 Rosse wieder an den Schatten und in die Hafersäcke.

Selbst die Aufwischaktion ist choreografiert

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Tanz der Wischfahrzeuge
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Vollbesetzte Tribüne am Basel Tattoo