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Engadiner Engel
Sie leben in Friedhöfen des 19. Jahrhunderts: Engel mit Posaunen, die dem Jüngsten Gericht assistieren; in Anbetung oder Trauer versunken; Palmwedelschwingend oder ans Kreuz gestützt; trostspendend ins Jenseits weisend oder puttenhaft flatternd wie ordinäre Schutzengel. Nein, ich bin nicht nekromantisch veranlagt, dennoch besuche ich in den Ferien gerne Friedhöfe, wo derartige Grabkunst nicht aussortiert, sondern als Ausdruck einer vergangenen Zeit weiter bestehen darf. Im Engadin gibt es einige kleine Friedhöfe, in denen man sie noch findet. Deren Bestand ist nicht zu vergleichen mit jenem der grossen Friedhöfe z.B. in Wien (St. Marxer), Hamburg (Ohlsdorfer) oder Köln (Melaten), die ich aber alle leider noch nie besucht habe.
Hier einige Bilder, sortiert in meiner eigenen Typologie:
Kinderengel
Altersklasse 3-12 Jahre. Puttenhaft flattern sie auf den Gräbern herum, zur Freude der noch Lebenden.
Adoleszente Engel
Altersklasse 13 bis 18 Jahre
Langsame Annäherung an jene Altersklasse, die des tiefsten Ausdruckes von Trauer und Schmerz fähig ist:
Jungfräuliche Engel
Altersklasse 18 bis 30 Jahre
Reifere Engel
Altersklasse ab 30.
In der Altersklasse, der ich zugehöre, scheint es überhaupt keine Engel mehr zu geben.
Sogar einen der seltenen Galvanoengel habe ich gefunden: Ihr Körper besteht aus Gips, der mit einer dünnen Bronzeschicht ummantelt ist – diese wird im Galvanischen Bade auf dem Gipskörper abgelagert -. Sie sehen aus wie richtige, gegossene Bronzeengel.
Heimgegangen bist Du, Jüngling, rinne
Sehnsuchtstränen auf den Aschenkrug;
Halbbetäubt noch steh ich hier und sinne,
ob es wahr sei oder Traumbetrug.
etc. ….
Um mich sprosste düstrer Bilder Kranz;
Bei des Grabelämpchens Scheine
Sah ich nur der Todesengel Tanz.
Novalis
was das mit einem food-blog zu tun hat ? hmmm…. Nicht viel, ausser dass morgen Allerseelen gefeiert wird und ich mich herzlich daran freue, dass ich nicht im Reigen der Seligen mittanzen muss, sondern mich, bei allem gebotenen Ernst, im Scheine eines normalen Stubenlämpchens über einen Gemüseteller hermachen darf.
Aus dem Küchenfenster
Barbara von Barbaras Spielwiese interessiert sich für einen Blick aus unserm Küchenfenster. Fenster sagen sehr viel aus über die Personen, die hinter ihnen wohnen. Unser (einziges) Küchenfenster, eingelassen in eine Dachgaube, ist klein, liegt hoch, lässt wenig Licht herein, ist introvertiert. Direkt am Fenster haben wir einen Schemel stehen, damit die kleineren Mitglieder des Haushaltes auch mal rausschauen können. Ein 30 cm breites Fensterbrett dient mir zum Fotografieren der Speisen, wenn die Sonne scheint. Im Hochsommer, wenn die Sonne steil steht, baue ich mir mit Hilfe von Küchenbrettern eine Unterlage, damit ich überhaupt Sonnenschein auf die Teller erhasche.
Der Ausblick, Richtung Süd-Ost, ist nicht spektakulär, aber schön. Altstadtdächer rundum. Auf die in der Tiefe liegende Gasse sehen wir nicht hinunter. Brauchen deshalb auch keine Vorhänge. Linkerhand, etwas entfernter, liegt ein anderes Küchenfenster, jenes einer Kochnische, in welcher leichtbekleidete Animierdamen eines dort ansässigen Night Clubs zwischendurch ihre Pizzen, Pasta- und Poulet-Fertiggerichte in die Mikrowelle schieben. Ungesunde Schnellverpflegung wie ich finde, unsorgfältig zubereitet, ohne sich Kochschürzen überzuziehen. Interessanter ist der Nahbereich um unser Fenster. Gegenüber 3 farbige Fahnen einer privaten Kunstsammlung, die keiner sehen will. Im Hof des Nachbarhauses (im Mittelalter wohnte hier der Beichtvater des hinter unserm Hause liegenden, ehemaligen Frauenklosters Klingental), steht eine grosse Paulownie, ein Blauglockenbaum, der im Frühjahr schöne blaue Glockenblüten ausbildet, der leider als erster Baum im Herbst seine Blätter verliert, im Frühjahr als letzter neue Blätter treibt. Hier der Blick auf die Blüten im Mai aus anderem Blickwinkel:
Am Schönsten aber ist es im Winter, wenn es schneit (leider selten). Die Fruchtkapseln der Paulownie sind dann sehr beliebt bei Krähenvögeln, die sich lärmend daran gütlich tun.
Interessant auch unsere Besucher auf der kleinen Plattform vor dem Fenster. Katzen (selten), Siebenschläfer (häufiger), Spatzen, Kohlmeisen und vor 5 Jahren ein ausgewachsener Uhu, der sich in der Morgendämmerung den Kopf an der Küchenscheibe angeschlagen hatte und etwa 30 Minuten vor dem Fenster das Abklingen seines Brummschädels abgewartet hat. Urbanes Leben ! So gibt es zu jeder Jahreszeit auch aus einem kleinen Fenster viel zu sehen.
Gelesen: Anonyme Köche
Aber was ist gut im Vergleich zu perfekt ?
Eben, gar nichts. Claudio Del Principe
Ich weiss nicht, wie lange die Sendung im Paketkasten gelegen hatte: ich erwartete nichts, wer sollte einem alten Krauterer schon ein Paket senden ? Das schon von Spinnweben eingewubbelte Postpaket lag jedenfalls schon Tage in meinem Paketkasten. Ich habe es glücklicherweise noch rechtzeitig vor dem Einsetzen herbstlicher Regenstürme gefunden. Absender: der grösste Kochbuchverlag Deutschlands, von dem ich, grosszügig gezählt, eines, höchstens zwei (kaum gelesene) Kochbücher besitze. Claudio von Anonyme Köche hat mir ein Geschenk zukommen lassen ! Überraschung ! Danke Claudio !
Aussen
Rechts oben auf dem Pappdeckel beeindruckte mich als Erstes die goldene Medaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands „besonders empfehlenswert“… das ging ja rasend schnell… nein… Irrtum ? Beim Kippen des Siegelhologramms stellte sich das Goldsiegel (vorderhand) als GU-Garantie heraus. 189 Seiten, gegliedert in Rezepte (Gekocht) und Glossen (Gegessen, Gesehen, Gelistet). 192 Seiten, broschiert. Gewicht: 612 g. Wozu hat man eine elektronische Küchenwaage ?
Innen
Claudio Del Principe bietet spannendes Lesevergnügen. Ein Kochbuch, mit Herz in direkter Sprache geschrieben. Von einem, ders kann. Etwa 50 Rezepte, dazwischen Einschübe mit witzigen Geschichten sowie der Gourmet- und Lebensphilosophie des Autors. Oder umgekehrt: die Geschichten sind die Hauptsache, fett gedruckt, die Rezepte dünngedruckte Einschübe. Die Anleitungen kurz, dennoch präzise genug beschrieben, um etwas nachkochen zu können. Die Fotos stammen alle vom Autor, keine von food-Stylisten aufgedonnerten Kunstprodukte, natürliche Fotografien wie wir sie aus seinem food-blog kennen, sauber gedruckt, ohne Farbstiche. Modernes Layout. Manche der Texte glaube ich schon in seinem Blog gelesen zu haben, das mindert den Lesespass jedoch in keiner Weise. Frisch aufbereitet und sorgfältig redigiert lesen sich die Geschichten noch besser als beim ersten Mal. Kurz: Sehr empfehlenswert.
Link auf den RioTinto-Buchversand gibts keinen, da ich keine bezahlte Reklame mache. Wer will, muss sich schon selbst bemühen. Einzige Hilfe, die Buchnummer: ISBN 978-3-8338-1814-1. Wer mehr über den Autor erfahren will, mag hier anklicken: Anonyme Köche
Hütte erneuert und wieder geöffnet
Beinahe 4 Wochen Auszeit im Engadin sind um. Berge ungelesener Zeitungen, Post, Rechnungen stapeln sich. Ein Schleier von Staub überzieht die Wohnung. In meinem feedreader warten 860 abonnierte feeds darauf, gelesen oder wenigstens überflogen zu werden. Zahlreiche Ferienfotos möchte ich zu Berichten aufarbeiten. Viele neue Rezepte stehen Schlange. Ferienmitbringsel wie frische Marroni, gedörrte Auberginen, getrocknete Heidelbeeren und Steinpilze, in Honig eingelegte Walnüsse usw. wollen verarbeitet werden. Meine Chitarra doppio abruzzese in legno wartet derweil auf ihren ersten Einsatz. In meiner Abwesenheit hat wordpress die Interpretation der Ausrichtung von Bildern und Text geändert. Viele meiner früheren Beiträge sind nun in einer Weise verwustelt, dass sie nahezu unlesbar geworden sind.
Wo anfangen ? Überhaupt wieder anfangen ? Doch, ich werde weitermachen. Das bin ich meinen treuen LeserInnen schuldig. Ab Morgen gehts weiter. Jedoch muss ich es hier und beim Lesen etwas langsamer als bisher angehen lassen, die Reparaturen haben Vorrang. Ich bitte dafür um Verständnis. Da ich soviele Codestellen korrigieren muss, habe ich mich entschlossen, die Hütte gleich einer kleinen Erneuerung zu unterziehen.











































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