Archiv der Kategorie: Gourmandisen

Eingepflanzt

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Jung-Kardy

Fehlt mir doch noch eine Zitrone; praktisch, wenn man das Warenhaus gleich um die Ecke stehen hat. Gleich bei der mittleren Brücke kommen eine Dame und ein Herr die Treppe herunter:

Sind sie nicht der Herr L. ?
Hmm. doch bin ich.
Wir kommen aus W. und haben ihnen eine Kardypflanze mitgebracht und wollten sie Ihnen vors Haus stellen.
Schleppen unbekannte Menschen einen 6 kg schweren Topf durch die halbe Schweiz und beschenken mich damit ! Ein herzliches Danke ! Frau L. hat mich zuhause angegrummelt, weil ich vergass, nach Namen und Adresse der Spender zu fragen. Das tue ich hiermit: bitte um ein e-mail, falls sie das lesen.

Gepflanzt am 29. April 2014. bei 8°C. Nun bin ich gespannt, ob Kardy bei uns im Jura überhaupt wächst.

Hier noch das Bild einer anderen Geschenkpflanze vom letzten Herbst: Cassis von Frau W. Sie trägt bereits 3-4 Beerenrispen mit noch grünen Trübeli. Wenn das so weiter geht, werden wir noch Selbstversorger ;-)

Juragarten 2014 04 29_3910
Jung-Cassis

Unser Hamburg: Der Hochseehafen Zürich

Unser Hochseehafen 2014 04 24_3852

Nicht allen Lesern wird bekannt sein, dass die Schweiz eine Hochseeflotte besitzt. Während des ersten Weltkrieges war die Schweiz abgeschnitten von Importen aus Uebersee. Deshalb charterte die Schweiz Schiffe zunächst unter der Flagge neutraler Staaten.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geriet die Schweiz erneut in einen Versorgungsengpass und beschloss, Schiffe unter eigener Flagge auf dem Meer einzusetzen. 1941-1945 wurden insgesamt 14 Handelsschiffe in das CH-Schifffahrtsregister eingetragen. Die kriegsführenden Mächte sicherten der Schweiz zu, ihre Schiffe mit Ladung für die Heimat unbehindert passieren zu lassen. Vier Schweizer Schiffe gingen dennoch verloren. Die Maloja wurde 1943 durch britische Kampfflugzeuge Nähe Korsika versenkt. 1944 wurde die Chasseral Nähe Sète durch britische Bomber schwer beschädigt. Die Albula geriet mitten im Hafen von Marseille in Kampfhandlungen zwischen der deutschen Armee und der Résistance und wurde dabei zerstört. Die Generoso lief Nähe Marseille auf eine deutsche Mine auf und sank.

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Maloja +1941. Quelle: SR-Archiv über http://www.swiss-ships.ch/

Danach war Schluss mit mutwilligem Versenkerlis. Die Schweiz beschloss, ihre Handelsflotte beizubehalten. Im Jahr 2013 fuhren auf den Weltmeeren insgesamt 44 Schiffe mit einer BRZ von rund 800’000 unter Schweizer Flagge.

Deshalb ist es der Stadt Zürich hoch anzurechnen, dass sie den Hochseeschiffen künftig einen Hafen anbietet, in welchem die rund 1.3 Mio Jahrestonnage entladen werden kann. Und das mitten in Zürich am Limmatquai.

Unser Hochseehafen 2014 04 24_3851

Ein rostiger Hafenkran aus Rostock wurde zerlegt und am Limmatquai wieder aufgebaut. Die Sache wurde von Kunst- und Kulturfreunden organisiert und kostete die Stadtkasse lumpige 600’000 Franken. Nun harren die Zürcher (und Kranblogger) gespannt des ersten Hochseeschiffes, das hier seine Ladung löschen möchte. Wir hier in Basel werden die Durchfahrt der Ozeanriesen von unserm Fensterplatz am Rhein aus verfolgen können. Sobald sich der erste Hochseefrachter unter den tiefen Brückenjochen unserer Mittleren Brücke limmatwärts durchzwängen will, werde ich darüber berichten ;-)

Unser Hochseehafen 2014 04 24_3859

Gleich hinter dem Dreibein aus realsozialistischen Zeiten liegt das St. Pauli der Zürcher. Wer Hafenromantik sucht, braucht deswegen nicht mehr nach Hamburg zu reisen.

3. Folge meiner Serie “Unser”. Link zu den Bisherigen Folgen.

Quelle: Tagi und wiki

Unser Rhein-Rhone-Kanal: Le Canal d’Entreroches

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Der französische Canal du Rhône au Rhin war seinerzeit eine grossartige, technische Leistung. Mit dem Bau des Kanals, der quer durch Europa eine schiffbare Verbindung zwischen den Küsten des Mittelmeeres und der Nordsee herstellte, wurde 1784 begonnen. Die Inbetriebname erfolgte ab 1833. Aufgrund der geringen Ladekapazitäten lässt sich der Kanal heute von der Berufsschifffahrt kaum mehr wirtschaftlich nutzen. Anstelle von Frachtschiffen wird er heute mit Sport- und Hausbooten befahren.

Dass in der Schweiz schon zweihundert Jahre vorher, 1638, an einem transhelvetischen Rhein-Rhone-Kanal gebuddelt wurde, ist heute beinahe gänzlich vergessen. Ich habe mich auf Spurensuche begeben. Wenn wir einen Rhein-Rhone-Kanal schon vor der Haustüre haben, brauchen wir keine Weltreisen mehr zu unternehmen. Deshalb meine Serie: “Unser“.  Frau L. war als Expeditionsassistentin auch dabei, allerdings wenig begeistert: “Doch nicht schon wieder eine Schlucht !” 

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Am Südausgang der Klus

Nach dem dreissigjährigen Krieg waren es vor allem die Holländer, die das Einzugsgebiet der für ihren Handel wichtigen Rheinroute ins Mittelmeer ausdehnen wollten. Dabei galt es, Transporte durch katholisches Feindesland (Frankreich und Flandern) zu vermeiden. Flandern und das Burgund waren seit dem Tod Karls des Kühnen im Besitz der Habsburger, einmal der spanischen Linie, nach dem spanischen Erbfolgekrieg wieder in Händen der österreichischen Linie, bis es 1794 von Frankreich erobert wurde. Die Handelswege übers Meer führten durch den Aermelkanal entlang der iberischen Halbinsel und an der Meerenge von Gibraltar vorbei. Sie waren durch Angriffe von Engländern, Spaniern, Franzosen oder maurischer Piraten vor den Küsten Nordafrikas andauernd gefährdet.

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Der Canal d’Entreroches in der Orbe-ebene

1634 präsentierte Elie Duplessis-Gouret, ein in Holland lebender Hugenotte, den Berner Behörden sein Kanalprojekt, mit dem die Nordsee mit dem Mittelmeer über sicheres Schweizer Gebiet verbunden werden sollte. Die Verbindung sollte vom Rhein über die Aare bis an den Bielersee, Neuenburgersee, die Orbe-Ebene bis hinunter an den Genfersee und über die Rhone ins Mittelmeer gehen.

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Entreroches, zwischen den Felsen

Den gnädigen Herren zu Bern gefiel das Projekt, erlaubte es doch Gebühreneinnahmen und reduzierte die Transportkosten für Waadtländer Wein nach Bern. 1638 war die Finanzierung fürs Erste gesichert und die Bauarbeiten konnten beginnen. 1648 war die Wasserscheide durch die Klus von Entreroches überwunden und damit die nach Lausanne abfliessende Venoge mit der Thielle, die in den Neuenburgersee fliesst, verbunden.

Im verbleibenden, letzten Drittel (rund 13 Kilometer) waren aufgrund des starken Gefälles bis zum Genfersee hinunter etwa 40 weitere Schleusen geplant. Für deren Bau war aber kein Geld mehr vorhanden. Die Inbetriebnahme des fertig gestellten Teilstückes Yverdon-Cossonay ergab nur geringe Einnahmen, der Kanal wurde nur für regionale Warentransporte benutzt. Befördert wurden hauptsächlich Getreide, Salz und Wein.  Die Hauptmenge des Weins war für die französische Ambassade in Solothurn bestimmt. Die Schiffer wussten, wie man Weinfässer anzapft und kamen manchmal voll besoffen mit leeren Fässern in Solothurn an. Der in der Westschweiz geläufige Begriff “chargé pour Soleure” (für Solothurn geladen), steht heute noch für starke Trunkenheit.

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meterhohe Stützmauern in der Klus

Mit der Verbesserung der Strassen im 18. Jahrhundert wurden die Landtransporte billiger, der Betrieb des Kanals rentiert nicht mehr, Unterhaltsarbeiten wurden vernachlässigt. 1829 musste der Betrieb nach dem Einsturz einer Brücke vollständig eingestellt werden. 1855 wurde die Bahnlinie Yverdon-Morges eröffnet. Die Linie kreuzt die Klus von Entreroches mit zwei Tunneln. Mit dem Aushubmaterial der beiden Tunnel wurde damals der stillgelegte Kanal nördlich und südlich der Klus zugeschüttet.

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nutzlos gewordener Schieber

Um Frau L. aufzuheitern, wollte ich ihr noch die Mitte der Welt (Le milieu du monde) zeigen. Ein kleiner, künstlich angelegter Weiher bei der Mühle von La Sarraz, von dessen zwei mit Sperrschiebern versehenen Abflüssen einer in die Nordsee, der andere ins Mittelmeer fliesst. Leider war der Weiher trockengelegt. Pech für meine Absichten.

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Chateau La Sarraz

Da half nur noch Kaffee im Schloss von La Sarraz. Leider war das Café noch im Winterschlaf. Auch das noch.

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Die Burg wurde im 12. Jahrhundert durch die Herren von Grandson erbaut. Sukzessive wurde sie erweitert. In den Burgunderkriegen 1536, sowie während der Eroberung der Waadt 1475 zerstörten die Berner  die Burg. 1542 erwarb François de Gingins die Herrschaft La Sarraz.

Nach dem Tod der letzten Schlossherrin 1948 ging das Schloss samt der bedeutenden Ausstattung in den Besitz der Société des amis du Château de La Sarraz über. 1922 wurden darin zwei Museen, das Musée Romand und 1982 das Musée du cheval eröffnet.

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Tee und Mignardises im Café Guignard in Orbe erfreuten das Herz der Frau L. zum versöhnlichen Abschluss des Tages. Frohe O.

Quellen:
wiki, Canal d’Entreroches
Chateau La Sarraz

Freitagstexter: Siegerehrung

freitagstexterpokal
Erst wurde ein Osterei geschält, eine halbe Tube Mayo drauf gedrückt, dann das Osterei langsam verzehrt. Das erleichterte die schwere Aufgabe der Findungskommission, den besten Bild-Untertitel zum Eierbild Frohe O. zu küren.
Die Selektion des witzigsten Kommentars erfolgte nach einem streng wissenschaftlich Punktesystem und ergab einen Gewinner, der die Tradition des Freitagstexters weiterführen darf.
Und das sind die Texthelden dieser Woche:

Platz 3

Ein Text für all jene, die sich in pränataler Entwicklungsbiologie auskennen:

“Wenn ich jetzt von der Mauer hüpfe, ist das dann ein Eisprung?”
von Karamba33

Platz 2

hintersinnig, dazu noch jugendfrei:

Was zum Kuckuck ?
von Ursula Seliner

Platz 1

Wenn der englische Wissenschaftler William Harvey (1578-1657) das noch hätte erleben dürfen ! Der goldene Wanderpokal geht an einen Gewinner, der sich eines Satzes erinnerte, der sich in Harveys Buch Exercitationes de Generatione Animalium findet. Alles kommt aus dem EiDie goldenen Worte sind in der Frontillustration eingeprägt (versteckt im Ei, das Jupiter in Händen hält)

Ex ovo omnia!
von noemix

Auf Wiederlesen am Freitag, 18. April 2014 im Blog noemix

zur nächsten Runde der Freitagstexter !

Frohe O.

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Zum dritten Mal darf ich den güldenen Wanderpokal in meine Vitrine stellen, überreicht von Bee. Aus diesem Grunde wird heute nicht gekocht, sondern über den Hag gefressen. Bei den Freitagstextern, der verschworenen Gruppe von Freunden einer gepflegten Bilduntertitelung.

Das untenstehende Foto soll in den Kommentaren mit einem witzigen, sinnvollen oder sinnbefreiten Text versehen werden. Die Regeln, soweit es überhaupt welche gibt, stehen hier. Mehrfachkommentare sind erwünscht. Wer teilnimmt, sollte einen Blog besitzen, damit er im Gewinnfalle die bald 10-jährige Tradition des Freitagstexters fortführen kann.

Bis Dienstag, 15. April 2014 – 23.59 Uhr soll, darf Euer Text als Kommentar angefügt werden.

Am Mittwoch, 16. April 2014 wird der Gewinner unter Ausschluss des Rechtswegs gekürt und der virtuelle Pokal übergeben. Die Siegerin/der Sieger darf sich eine Woche lang im Glanze des Pokals sonnen, übernimmt damit die Ehre und Verpflichtung, am Karfreitag, (18. April 2014) Veranstalter der nächsten Freitagstexter-Woche zu sein.

Dorothy Kathleen Gulliver

Dorothy Kathleen Gulliver (1908-1997)  via Vintagegal

Die bisherigen Gewinner des Wanderpokals seit 2005 bis 2013 sind hier zu findenDie aktuelle Entwicklung bekommt man stets mit als Follower des Twitteraccounts @Freitagstexter.

Besuch in der Vergangenheit

Ammerschwihr Obertor mit einem Storchenpaar
Ammerschwihr Obertor mit einem Storchenpaar

Irgendwann ist der Faden gerissen. Andere Gegenden haben sich uns erschlossen. 30 Jahre sind es her, dass wir zum letzten Male im Elsass waren. Dabei liegt das Land greifbar vor unserer Haustüre. In einer guten Stunde Fahrzeit könnten wir in Colmar sein.

Nachdem wir seit Wochen ans Haus gebunden waren, wollten wir mit einem Kurzausflug wieder einmal Luft schnappen. Anknüpfen, wo wir vor 30 Jahren aufhörten.

Beginn im Restaurant Aux Armes de France in Ammerschwihr. Damals noch unter Leitung des Seniors, Pierre Gärtner, mit 2 Michelin-Sternen. Längst steht sein Sohn, Philippe am Herd. 2005 beschloss er, sich vom Sternestress zu befreien. Heute ist das Lokal dem Guide Michelin noch 3 schwarzen Gabeln wert.

Im Aufgang zum Lokal blicken wie ehedem die Porträts von Fernand Point dem Grossen, Pierre Gärtner und dem (ganz jungen) Philippe Gärtner Ehrfurcht heischend auf die Gäste hinunter. Auch das Lokal sieht noch aus wie vor 30 Jahren: dunkles Holz, düster. Von 3 Räumen war nur einer gedeckt. Nur der damals in allen Teppichen und Vorhängen fest hängende Geruch nach Fondküche ist verschwunden. Im WC beginnen sich die Marmortapeten von der Wand zu lösen. Einige Fliesen sind zerbrochen oder fehlen ganz. Was solls, wir haben uns in den letzten 30 Jahren auch einige Schnatten und Macken zugezogen.

Ammerschwihr, Bürgerturm
Ammerschwihr, Bürgerturm, Tour des Bourgeois

Kein Unterschied in der Speisekarte, immer noch dasselbe Bild auf der Vorderseite. Nur die Preise in Euro statt Francs. Dieselben Klassiker des Hauses, mit denen der Senior Pierre den Ruf des Restaurants begründete. Wir bestellen Pâté de viande “Pierre Gaertner” au Foie Gras de Canard, Gemüsesuppe (in Suppentellern, nicht in Mokkatässchen), Tarte fine cuite minute aux Tomates und “meine” Filets de Soles aux Nouilles façon “Pierre Gaertner”. Alles war tadellos gekocht und von guter Qualität. Sieht man von den einfallslosen Garnituren ab (Gartenkresse, Gartenkresse und Gartenkresse). Selbst die an Traditionen hängende Frau L. wundert sich über den die Vergangenheit siegelnden Stil der Küche. Vielleicht hat das aber auch mit unserer Auswahl zu tun. Seit dem Verzicht auf die Sterne wird das Lokal als preisgünstig gerühmt. Das mag auf das als “promotion” preislich herabgesetzte choucroute garnie zutreffen. Wir bezahlten mit einer Flasche Riesling Kaefferkopf vieille vignes von Adam rund 200€. Pappsatt und müde machten wir danach ein paar Schritte durch Ammerschwihr.

Das Dorf gehörte seit 1281 mit weitern 8 Dörfern der Umgegend zur vorderösterreichischen Herrschaft Landsberg (Landsbourg). Von den Habsburgern wurde es 1376 zur Stadt erhoben und befestigt. Nach Verpfändungen ging die Herrschaft im 16. Jahrhundert an den Diplomaten und kaiserlichen Feldhauptmann Lazarus von Schwendi, Ratgeber der Kaiser Karl V. und Maximilian II.

Ammerschwihr, Hôtel de ville, 1552, seit 1944 Ruine
Ammerschwihr, Hôtel de ville, 1552, 1944 zur Ruine zerbombt

1634, während des Dreißigjährigen Kriegs stellte sich die Stadt unter den Schutz des Königs von Frankreich. Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Dezember 1944 in der Schlacht um die Colmar Pocket (der linksrheinische Brückenkopf, den die deutsche Armee gegen die US 7th Army zu halten versuchte) rund 85% der hauptsächlich aus dem 16. Jahrhundert stammenden Bebauung durch Bomben und Panzergranaten zerstört. Traurige Vergangenheit.
Von der mittelalterlichen Befestigung sind noch wenige Bauten erhalten: das Obertor, der Bürgerturm und der Schelmenturm (Tour des Fripons) aus dem 16. Jahrhundert; dieser diente einst als Gefängnis.

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Ammerschwihr, Schelmenturm, Tour des Fripons

Animiert durch den Riesling Kaefferkopf, fuhren wir noch nach Riquewihr. Wie vor 30 Jahren, nahmen wir Platz im unverändert gebliebenen Eckstübchen der Firma Hugel mitten im Ort. Nun bin ich gespannt, ob und wie mir die Hugel-Weine nach so vielen Jahren Elsass-Abstinenz und gleichzeitig Zuwendung zu Mosel- und Rheinweinen zuhause schmecken werden.

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Riquewihr, Befestigung vor dem Obertor
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Riquewihr, die rundumlaufende Befestigung ist weitgehend erhalten

1324 wurde die Herrschaft Reichenweier mit ein paar andern Dörfen an das Haus Württemberg verkauft. 1796 von Napoleon annektiert.

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Riquewihr: das Haus Württemberg grüsst mit seinen Hirschstangen

Seltener Anblick der Hauptgasse (Rue du Général de Gaulle): Im Sommer und Herbst siehts hier sonst aus wie an der Drosselgasse in Assmannshausen.

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Riquewihr, eine Rarität: menschenleer

Danach waren wir todmüde, warfen en passant noch einen Blick in den marché couvert von Colmar, die kleine, schöne Markthalle an der Lauch, gleich hinter dem Petit Venise. Hier gibts u.a. Brocciu Käse. Gut zu wissen. Für einen nächsten Besuch.

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Colmar: Markthalle an der Lauch
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Colmar: Maché couvert innen. Nachmittags Menschenleer.

Mehlspeisen der Hofratsgattin, Sachertorten und Herzhaftes aus Oesterreich

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Leutnant Fallota (essend): Weißt, ich iß a Mehlspeis, magst a Stickl?
Oberleutnant Beinsteller (nimmt): Ah, eine Spehlmeis, da gratulier ich. Du Genußspecht.
[Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, Kapitel 5.]

Zehn Genußspechte waren wir, die im Kochkurs “Roman und die Mehlspeisen” in der Backstube von Lucas Rosenblatt Spehlmeisen gekocht und gebacken haben. Unter Anleitung des seinerzeit ersten Luzerner 2-Haubenkoches Roman Stübinger. Gebürtiger Grazer, der in Wien bei einem Salzburger Küchenchef gelernt und später in der Schweiz mit seinem französischen Restaurant Karriere gemacht hat (u.a. arbeitete Stefan Wiesner -Der Hexer- bei ihm). Heute ist Roman im Ruhestand und hilft in der Kochwerkstadt von Lucas zuweilen mit.

Nach 4 Stunden Vorbereitung waren wir fertig mit Kochen. Erst gabs herzhafte Mehlspeisen als Boden zur Vermeidung einer möglichen postprandialen Hyperglykämie.

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Tiroler Pressknödelsuppe
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Kaninchenstrudel mit Wintertrüffeln und geschmolzenem Lauch

Wieviele Laufmeter Strudel Meister Roman wohl schon gestrudelt hat ?

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Roman Stübinger machts vor
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selbst der jüngste Teilnehmer, Juan, hat keine Probleme mit Strudeln

Die zum Essen servierten Weine stammten aus der Südsteiermark (Wohlmuth).

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Geschmorter Kalbstafelspitz mit Preiselbeer-Liwanzen.

Danach war die Reihe an den süssen Mehlspeisen. Die Ehre gaben sich ihre Exzellenz, Hofrat Adolf Hess, Ritter des Franz Josef Ordens, Ehrenmitglied der Genossenschaft Wiener Gastwirte, usw. usw. samt Hofratsgattin Olga Hess, Fachschuldirektorin an der Bildungsanstalt für Koch- und Haushaltungsschullehren und der Kochschule der Gastwirte in Wien, usw. usw.. Oesterreicher mögen mir verzeihen, dass ich hier nicht alle Ehrentitel namentlich aufführen kann. Das Buch, in der ersten Auflage aus dem Jahre 1913, diente Roman Stübinger zur Vorbereitung der Rezepte. Natürlich sanft modernisiert. Dass es sich um einen Buchklassiker handelt, erkennt man daran, dass das Buch mittlerweile in der 44. Ausgabe vorliegt.

Den süssen Reigen eröffneten Salzburger Nockerln, für einmal pfannengebraten:

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Salzburger Nockerln, pfannengebraten

Gefolgt von Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster

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Im Canyon karamelisiert der Zucker mit dem Kaiserschmarrn

Danach Topfen-Palatschinken mit Marillenröster

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Topfen-Palatschinken mit Marillenröster

gefolgt von:
Powidltascherl und Marillenknödel mit Butterbrösel. Mangels frischer Marillen mit Marillenröster gefüllt.

Habts noch Hunger ? ein Fall für Strudel. Neuland für mich: der Milchrahmstrudel

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Zwei gefaltete Millirahmstrudel
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natürlich mit Vanillesauce

Powidl gefüllte Dukatenbuchteln auf Sabayon von Krachers Süsswein Auslese

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Sauce schöpfen ist einfacher als Dukatenbuchteln mit Powidl zu befüllen
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Beerenauslese Cuvee, Kracher

Zu den süssen Sachen gabs auch süssen Wein. Beerenauslese (60% Chardonnay, 40% Welschriesling) liess es krachen.

Zuletzt assen wir mit Appetit den Mohr im Hemd mit Schokoladensauce, danach war man pappsatt. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann kaum noch gehen. So ähnlich stehts in der “Verschwörung des Fiesko zu Genua” von Schiller.

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Mohr im Hemd ? Mohr unterm Hemd ?

Mir half ein Marillenbrand wieder auf die Beine.

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Marillenbrand, Durstlöscher aus Oesterreich

Zwischendurch wurden noch Sachertorten gebacken, “zum mit ham nehmen”. Nicht irgendeine Sachertorte, Romans göttliche Sachertorte. Besser als die “originale”, ebenso gut wie die “echte”. Und die werde ich Tortenmuffel demnächst nachbacken. So wahr ich hier schreibe.

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Glasieren des handlichen Sachertörtchens