Schlagwort-Archive: Gegessen

D-78462 Konstanz: Auf Insel und Festland

Konstanz Inselhotel mit Zeppelin NT
Nach mehreren Regentagen in Woche 17 eine etwas freundlichere Prognose. Die lamiacucina GmbH brauchte wieder mal frische Luft und externe Verköstigung. Konstanz hiess das Ziel, das wir erwählten. Mittagessen auf der Insel im Hotel der Bergsteigerkette, in dem wir vor 15 Jahren mal eine Woche schöner Ferien mit schönster Aussicht verbrachten. Die Dominikanerstube wegen Umbau geschlossen, essen wir halt im Speiserestaurant an einem Tisch mit wunderschönem Blick auf den noch nebelverhangenen See. Der Zeppelin auf dem Titelbild schwebte erst später über die Insel.

Regennasse Seeterrasse Der Rücken einer Kurtisane
D-78462 Konstanz1_2008_2012 D-78462 Konstanz12_2008_2036

Wir essen schwäbisch: Rinderbrühe mit Leberspätzle, Zwiebelrostbraten mit Spätzle. Die Bergsteigerspätzle schmecken eher nach Hochzeiterspätzle. Küche und Bedienung haben in den letzten 15 Jahren keine erkennbaren Fortschritte gemacht, aber hieher kommt man der Aussicht wegen oder weil die Firma eine Tagung ausrichtet. Für die beiden Rezepte halte ich mich lieber an: Ilka und Rike.

die Leberspätzlesupp Zwiebelrostbraten mit Spätzle
Konstanz_Leberspätzlesupp Konstanz4_Zwiebelrostbraten

Nach dem Essen ein Stadtbummel. Ich bin erstaunt, die ganze Altstadt verwandelt. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren in ein hübsch hergerichtetes Fussgängerparadies verwandelt. Ob die Kanalisation immer noch die Gassen verstinkt, könnte schlüssig erst nach ein paar heissen Tagen beantwortet werden.

Münster in farbigem Rahmen Münster unten. Oh Mensch, knie nieder
Konstanz5_Münster Konstanz6_Münster

dann weiter ins pralle Leben der Wessenbergstrasse. Die mittelalterliche Altstadt ist nahezu lückenlos erhalten, da die Stadt in den beiden Weltkriegen verschont blieb. Schöne Strassenzüge mit Patrizier- und Zunfthäusern der mittelalterlichen Bürgerstadt.

Münster mit Brezel Strassenbild Wessenbergstrasse
Konstanz7_Münster & Brezel Konstanz13_Wessenbergstrasse
Gastarbeiter, mangelhaft bekleidet Katze mit Reichsadler
D-78462 Konstanz15_2008_2021 D-78462 Konstanz16_2008_2022

Immer wieder zeigen sich schön erhaltene Häuser, wie das barocke Haus zum Wolf, das Rathaus, das Haus zum Hohen Hafen. Und immer wieder regnets mal kräftig.

Bar-ock. Haus zum Wolf Bar-barossa deutschtümelnd in Farbe
Konstanz14_Barock Konstanz10_Barbarossa

Die Altstadt endet westlich am Schnetztor, heute noch Ausfalltor Richtung Schweiz. Wir kehren via Rosgartenstrasse zur Marktstätte und durch unzählige Altstadtgassen via Konzilsgebäude auf die Insel zurück. Ausbeute: 1 wmf-Bratpfanne, 1 Pullover für Frau L. Wir beschliessen wiederzukommen. Ein hübsches Städtchen.

Schnetztor Marktstätte
Konstanz9_Schnetztor Konstanz8_Marktstätte

AddThis Social Bookmark Button

CH-3312 Fraubrunnen und CH-3412 Heimiswil: Landgasthöfe

CH-3312_00red_2008_Heimiswil
Suure Mocke mit Härdöpfustock, Sauerbraten mit Kartoffelstock. Ein Emmentaler Nationalgericht. Bevor wir hier unsern eigenen suure Mocke servieren, wollten wir ihn zuerst einmal in den führenden, hiesigen Institutionen probieren und mit unserem vergleichen.  Wir haben zwei Landgasthöfe aufgesucht, die ihn das ganze Jahr auf der Karte haben und dafür weitherum bekannt sind und sogar ihre Rezepte auf dem Internet anbieten:

In Heimiswil den Gasthof zum Löwen, der villecht bescht Suur Mocke vor Wält ! (Titelbild)
In Fraubrunnen der Gasthof zum Brunnen, der bescht Härdöpfustock vor Wält ! (unten)

CH-3312_0red_2008_Fraubrunnen

Kein leichtes Unterfangen, da beide vorab gleich Anspruch auf das weltbeste Rezept anmelden. Und wir mittendrin, mit unserm eigenen Rezept, für das ich rein vorsorglich, wie immer ganz ohne Selbstzweifel, sofort ebenfalls Anspruch auf einen Platz unter den Weltbesten erhebe.

Hotel zum Brunnen, Fraubrunnen Gasthof z. Löwen, Heimiswil
CH-3312_1red_2008_0965 CH-3312_2red_2008_1146

Hotel zum Brunnen, Fraubrunnen

Das Restaurant ist Innen wie Aussen etwas in die Jahre gekommen. Lang ist es her, dass General Napoleon Bonaparte hier auf dem Weg nach Rastatt übernachtet hat. Die Sitzpolster teilweise etwas abgewetzt. Auch die Diplome und Auszeichnungen (Koch des Jahres 1994, Kocholympiaden, Goldene und Silberne Medaillen noch und noch) erscheinen irgendwie angegilbt. Und doch, Alexander Rufibach kanns. Wir essen hier hin und wieder den “Suure Mocke”, für den er so berühmt ist. Ein bodenständiges Stück Rindsschulter, tagelang in Wein eingelegt und lange gekocht mit einem himmlischen “Härdöpfustock”. Anderes haben wir hier noch nie gegessen. Das Fleisch mag noch so langfaserig sein, wenns auf den Teller kommt, schmeckt es zart. Die Sauce bodenständig und gut. Nachschub an Sauce kommt in einem kleinen Kaffeekännchen. Eine zauberhafte Idee, die zielgenaues Verteilen der Sauce erlaubt. Wie er den Kartoffelstock hinbringt, weiss ich nicht. Zart und luftig und doch buttrig. Preis: mittel. zum Rezept.

Gasthof z. Löwen, Heimiswil

Hier sind Intérieur und Service eindeutig nobler. Ist auch nicht Jahrhunderte her, seit hier Fürst Rainier von Monaco und andere Prominente hier gegessen haben. Hier wird das gleiche Fleischstück aus Daniel Lüdis Küche im Schatten eines bleichen Selleriezweiges serviert. Das rote Ding auf dem Foto war eine Rotweinbirne. Das Fleisch auch hier zart, etwas weniger langfaserig, klar die bessere Fleisch-Qualität als in Fraubrunnen. Frau L., heikel in solchen Dingen, meint aber einen goût herauszuschmecken, der vermutlich in der extrem langsamen Garmethode zu suchen ist: 18h bei 80° C für Schmorfleisch ist eine doch sehr lange Garzeit. Dazu noch der 14-tägige Aufenthalt in der Marinade. Sehr gute, kräftige Sauce. Der Kartoffelstock ist gut, für unser Empfinden aber etwas kompakt. Preis: gehoben. zum Rezept

Fazit

Sieger des Vergleichs: Napoleon hat besser gewählt, d.h. Vorteil für Fraubrunnen. Rufibach kocht den Sauerbraten für unsern Geschmack souveräner. Morgen bin ich an der Reihe mit meinem Sauerbraten. Unkritisch und voreingenommen von mir selbst beurteilt.

Lunchteller mit 36 Gault-Millau Punkten

Globus_RochatGlobus_Meier

Der Kühlschrank war nach den Ferien noch leer: also hungern oder Convenience. Wenn schon, dann Edelconvenience, in einer bis Ende 2007 limitierten Serie von GLOBUS, der im höheren Pressegment fischenden Tochter des Grossverteilers MIGROS. (Obere 2 Bilder von GLOBUS). Ein gefundenes Fressen für mich. In doppelter Hinsicht. Globus versammelt 8 Schweizer “Starköche” (Zitat) mit insgesamt 160 GM-Punkten. Lässt diese unter ihrem Namen Convenience kochen. Das lässt das jeweilige, grosse Konterfei des verantwortlichen Spitzenkochs auf jeder Packung immerhin vermuten.  Wirklich gekocht von den Spitzenköchen? Unter Verantwortung und Aufsicht gekocht ? Billigend ? Nur Namengebend ? Solch müssige Interpretationen überlässt die Packung schlauerweise dem hoffnungsfroh in Illusionen schwelgenden Käufer. Auf der Packung steht nur, dass das Gericht ein Schweizer Erzeugnis sei. Davon, dass etwa der Meisterkoch seinen Kochlöffel, oder mindestens seine prüfenden Finger ins Gericht getaucht habe, steht nichts auf den Packungen.  Weiterlesen

CH-6422 Steinen: Restaurant Adelboden

 Restaurant AdelbodenDas Adelboden von Franz Wiget stand schon lange auf meiner Besuchsliste. Steht doch ein erfahrener Koch mit Auszeichnungen (17 GM, 1 Michelin) am Herd. Sehr freundlicher Empfang durch Personal und der Frau des Hauses. Auf unsere Platzwünsche wird mit professioneller Selbstverständlichkeit eingegangen. Wir haben das Tagesmenu mit kleinen Änderungen bestellt. Zum Aperitiv und als Amuse-geules werden viele winzige Kleinigkeiten aufgetragen, u.a. Bretzelchen, süss-salzig geröstete Kürbiskerne, ein Schraubdeckelgläschen mit 10 ml hausgemachtem Ziegenmilchjoghurt, eine winzige Minibulette auf winzigem Auberginen-gemüse, ein Ministück Edel-Schwartenmagen (mit Gänseleber), ein Fetzchen Kalbfleisch mit Thonsauce, ein haselnussgrosses Stück weisses Tomatensorbet auf einem gleichgrossen Tomatenriemchen. Alles in puppenstubenhaften Portionen und winzigen Geschirrchen. An den Nebentischen Aaah… und Oooh… Bei uns eher Ratlosigkeit und Konsternation. Weiterlesen

CH-6500 Bellinzona: Osteria Malakoff

Tiramisu all'Arancia Malakoff
Hier ist es, das Objekt meiner kulinarischen Begierde. Tiramisù all’Arancia. Für dieses Dessert habe ich nun schon zum zweiten Mal einen Umweg nach Bellinzona gemacht. Entdeckt in der Osteria Malakoff, Via Bacilieri 10, CH-6500 Bellinzona-Ravecchia.

Osteria Malakoff BellinzonaOsteria Malakoff

Ein einfaches Lokal, angenehm, Rauchverbot wie überall im Tessin. Antonio Fuso leitet den Service, Frau Rita Fuso kocht. Sehr gute, italienisch geprägte Küche. Kein Chichi. Keine Sterne. Hier würde ich gerne jeden Tag essen gehen. Die Karte ist noch die gleiche wie vor 6 Wochen. Wechselndes Tagesmenu. Wir haben gegessen: Weiterlesen

CH-3600 Thun: Restaurant Arts

Schloss SchadauDirekt am Ufer des Thunersees, südlich des Ausflusses der Aare, liegt Schloss Schadau. Es wurde 1846 bis 1854 in historisierendem Stil mit Anleihen an Tudor-Gotik, Loire-Schlösser und Neu-Renaissance für den Neuenburger Aristokraten und Bankier Abraham Denis Alfred de Rougemont an Stelle eines alten Landsitzes erbaut. Eigentlich wollten wir vor dem Besuch des Gastronomiemuseums im Schloss Schadau zuerst im Edel-Restaurant Arts im Parterre essen gehen. Es kam aber anders. Weiterlesen

CH-2818: Osterfingen Restaurant Bad

Bad OsterfingenLogo Bad Osterfingen
Seit über 500 Jahren wird in Bad Osterfingen gewirtet. Wer hieher kommt, weiss, was ihn erwartet. Meist gesetzte Gäste und Autos mit entsprechendem Hubraum. Traditionelle, gutbürgerliche Küche. Mein Lieblingsplatz ist der kleine Tisch Nr. 1, direkt neben dem im Winter-halbjahr beheizten, antiken Ofen in der Gaststube. Unsere Wahl fällt immer wieder auf dieselben Gerichte. Einfach weil sie uns immer wieder schmecken. Weiterlesen

CH-2000 Neuchâtel: Restaurant du Banneret

Restaurant Banneret

Es gibt zweifellos bessere und höher dotierte Restaurants in Neuchâtel. Aber wer schwerbepackt mit Essbarem aus dem Italiener-Laden von Silvio Zanetta herauskommt und Richtung See läuft, dem steht nach 50 Metern ein italienisches Restaurant im Wege: das Banneret (Name vom steinernen Bannerherr in der Bildmitte). Die Fenster warten seit geraumer Zeit auf den Frühjahrsputz. Guter offener Rosso di Montalcino. Leidlich gute Pasta, ich kriege caramelle, gefüllt mit Fleisch, serviert mit kurz angezogenem Rucola und Rohschinken. Signora lamiacucina isst spinacioni, grosse Tortelloni mit Spinat/Ricotta-Füllung an Tomaten-sauce. Der Pastateig ist zu dick, meine selbstgemachten sind dünner. Und trotzdem schmeckt’s mir hier, man darf nicht immer meckern. Und wenn ich hier bin, so bin ich hier und eben nicht zuhause. Schluss.

CH-6004 Luzern Restaurant Old Swiss House

Von Wienerschnitzeln, gedämpftem Uhu und der Russenmafia
Bekanntes Restaurant in der Zentralschweiz, 15 Gault-Millau-Punkte, weitherum berühmt für seine Wienerschnitzel. Bislang habe ich die Wienerschnitzel meiner Frau als perfekt angesehen. Auf dringliche Empfehlung von Bekannten entschliessen wir uns zu einem Besuch in Luzern. Ich will wissen, wie es um die Schnitzelhierarchie in der Schweiz bestellt ist. Freundlich geleitet uns das Personal an den hübschen Tisch. Gepflegtes Lokal, voll besetzt, Gäste mehrheitlich Japaner und Amerikaner. Wienerschnitzel mit Nudeln sollen es denn sein. Weiterlesen

CH-6482 Gurtnellen Hotel Gotthard

Restaurant Gotthard Sommer 06Es ist ruhig geworden in Gurtnellen, seit der Eröffnung der Autobahn N2 im Jahre 1980. Die drei Schwestern Sicher: Evi, Leonie und Greta führen hier seit Jahrzehnten gemeinsam einen kleinen Betrieb, das Hotel Gotthard, den man unter Denkmalschutz stellen müsste. Die drei haben eine Lebenserfahrung von gewiss 200 Jahren vorzuweisen. Und was sie vorzuweisen haben ist einmalig. Weiterlesen

CH-1184 Vinzel, Restaurant Au Coeur de la Côte

Restaurant Coeur de la CôteMalakoff

An den Lac Léman (genauer an die rechtsufrige Route du Vignoble in der La Côte) fahren muss, wer Malakoffs geniessen will. Eine köstliche Westschweizer Käsespezialität, die aber in der übrigen Schweiz kaum bekannt ist. Schade. Malakoffs sind eine Art Käsebeignets, meist eine dünne Schicht Weissbrot, darauf wird eine Haube einer Käse-Ei-Mehlmasse gestrichen und das Ganze in Öl schwimmend ausgebacken. Das Beignet plustert sich zu einer Halbkugel auf, die Kruste wird schön hellbraun, beim Aufschneiden fliesst der geschmolzene Käse heraus. Gegessen werden sie als Vorspeise oder Hauptgericht mit Essiggemüsen wie Cornichons, Silberzwiebeln sowie Senf. Je nach Hunger kommen dann schon etwa 3-5 Stück zusammen, vom Servierpersonal auf dem Papierset mit einem Zählstrich vermerkt.

Waadtländer Soldaten, die in der französischen Armee während des Krimkrieges dienten und 1855 bei der Eroberung von Malakoff-Sebastopol dabei waren, sollen diese Käseschnitten ‘erfunden’ haben. In der ursprünglichen Form kleine, fingerdicke Stücke von Käse, mariniert in Weisswein, mit einem Weinteig überzogen und in in Öl fritiert.

Drei Waadtländer Pinten an der Route du Vignoble bieten Malakoffs an. Was da heute angeboten wird, sind  genaugenommen aber Croûtes de Vinzel und keine authentischen Malakoffs. Schmecken tun sie trotzdem. Was wirklich authentisch ist, weiss heute sowieso niemand mehr.

Mein Besuchsbericht: Weiterlesen