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CH-7550 S-Charl: Von Bären und Cordon bleus

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S-Charl (1810 m.ü.M) liegt, von Basel aus gesehen, am Ende der Welt. Von Schuls/Scuol windet sich rund 13 km lang ein schmaler Fahrweg durch einen gewaltigen Geröllcanyon entlang des Schweizer Nationalparks in ein kleines, wildes Seitental. Bald ist der geteerte Strassenabschnitt zuende, die Strasse unbefestigt bis S-Charl, einem kleinen Weiler, hinten im Tal. Der ursprüngliche Dorfkern gruppiert sich mit seinen 13 Häusern und 3 Gaststätten rund um eine Kirche. Das Dorf ist autofrei. Im Sommer verkehrt im Sommer ein Postauto. Bis 1920 war S-charl ganzjährig bewohnt. Im Winter ist die Zufahrtsstrasse gesperrt und das Dorf nur mit Pferdeschlitten, Tourenskis oder Schneeschuhen erreichbar. Eines der Hotel hat winters geöffnet.
In einer Schenkungsurkunde der Herren von Tarasp an das Kloster von Scuol erscheint der Ortsname S-charl um das Jahr 1095 erstmals.

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Dorfplatz
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Dorfstrasse
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Fensterbild
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Der letzte Bär

Wir sind in einem der Gasthäuser, dem Crusch Alba, weisses Kreuz, zu einem einfachen, aber sehr guten Mittagessen eingekehrt. Das Foto an der Wand zeigt die damaligen Dörfler und Dorfschönheiten im Sonntagsstaat, zu Füssen der im Jahre 1904 erlegte, letzte Braunbär der Schweiz. Über 100 Jahre sollten vergehen, bis sich wieder ein Bär in der Schweiz zeigte, und sogleich abgeknallt wurde. Bär gabs nicht auf der Speisenkarte, dafür Cordon bleu aus Kalb. Anlass, zuhause wieder einmal Cordon bleu zu machen. Übermorgen.

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Bär erlegt !
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kein Bär, Cordon bleu

 

Zwischen dem 12. und 17. Jh. und von 1811–1829 herrschte grosse Betriebsamkeit in dem einsamen Tal. Silber und Bleivorkommen wurden von Tiroler Bergknappen (das Unterengadin war lange Zeit habsburgisch) unter primitivsten Bedingungen von Hand abgebaut. Bis zum Auskauf des Unterengadins 1652 lag das königliche Bergwerksregal bei den Grafen von Tirol bzw. bei der Herrschaft Österreich. Danach kam der Bergbau zum Erliegen, die einheimischen Bauern verstanden sich nicht auf dieses fremde Handwerk. Zudem war auch der Ertrag zu klein: Aus einer Tonne Gestein wurden 1 kg Blei und 1 g Silber gewonnen.

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Kirchlein
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Bergbau Ruinen bei Schmelzra

Ein wundervolles Wandergebiet, leider führt der Weg meist hoch. Hier muss im Winter der absolute Frieden herrschen. Kein Auto !

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Türmchenbau im Geröllcanyon

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CH-8200 Schaffhausen: Erker und Kasematten

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Die zweite Ausreise führte uns nach Schaffhausen. Neben Basel die einzige grössere Schweizer Stadt, die nördlich des Hochrheins liegt.
Schaffhausen war seit dem Jahr 1000 aufgrund einer Furt ein wichtiger Umschlagplatz für Waren, die vom Bodensee Richtung Basel transportiert wurden. Wegen des unterhalb gelegenen Rheinfalls musste umgeladen und die Güter ein Stück weit auf dem Landwege transportiert werden.
Die Stadt wurde 1330 von Ludwig dem Bayern an Österreich verpfändet, erlangte jedoch 1415 ihre Reichsunmittelbarkeit wieder, d.h. sie war direkt und unmittelbar dem Kaiser untergeben. Bedrängt vom österreichischen Adel, schloss Schaffhausen 1454 ein 25-jähriges Bündnis mit den Eidgenossen, das nach einer Verlängerung am 19. August 1501 durch den Beitritt zur Eidgenossenschaft abgelöst wurde.

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Güterhof, ehem. Salzlager
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Weidlinge im Rhein am Lindli

Bei heissem Wetter war uns nach einem netten Mittagessen draussen. In der durch die Tochter des Mövenpick-gründers Ueli Prager geführten Sommerlust, direkt am Rhein fanden wir eine uns zusagende Gaststätte. Freundliche Bedienung. Als Hauptgericht Kalbsstreifen in einer Zitronenpanade, mit Asiagemüse aus dem Wok und Reis. Von Zitrone war nichts zu merken, das Gemüse im Wok verkocht, aber der Garten schön und erholsam.

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Garten der Sommerlust
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unser lunch

Danach ein kleiner Hupf bis zur Bergkirche in Büsingen am Hochrhein. Ein kleiner deutscher Ort, der, als einzige deutsche Exklave, vollständig von Schweizer Hoheitsgebiet umgeben ist. Geschichtlich war der Ort seit Jahrhunderten zwischen D und Schaffhausen, bzw. der Schweiz umstritten. 1406 zunächst an Schaffhausen verpfändet, gelangte die Gemeinde zur österreichischen Landgrafschaft Nellenburg. In der Folge einer gewaltsamen Entführung des Inhabers der österreichischen Lehensherrschaft verlor Schaffhausen die Pfandschaft über die mehrere Dörfer, zu denen Büsingen gehörte und konnte diese erst 1728 teilweise zurückkaufen. Büsingen hingegen wurde von den Österreichern einbehalten, zum ewigen Ärgernis der Schaffhauser. Allen Versuchen der Schaffhauser zum Trotz, wurde das Dorf im Pressburger Frieden von 1805 erst dem Königreich Württemberg zugeschlagen und gelangte später an das Großherzogtum Baden. Daran änderte auch der Wiener Kongress nichts mehr.
Bei einer 1918 durchgeführten Volksabstimmung entschieden sich 96 % der Büsinger Bürger für eine Angliederung ihres Dorfes an die Schweiz. Was Wunder, 1918. Weil sich aber keine Schweizer Gemeinde fand, die im Austausch sich an Deutschland anschliessen wollte, blieb Büsingen beim Deutschen Reich. Auch das kein Wunder. Zurück nach Schaffhausen.

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Bergkirche Büsingen
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Schiffshaltestelle Schaffhausen

Die kleine Wanderung durch die Stadt begannen wir am Fronwagplatz, dem zentralen und belebtesten Platz der Stadt.

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Blick in die Oberstadt
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Fronwagplatz, Südseite

In der Mitte des Platzes der Mohrenbrunnen, König Kaspar darstellend, Säule und Trog aus dem frühen 16. Jhdt. Auffallend die vielen schön verzierten Erker. Die rund 170 Erker haben der Stadt den Übernamen “Erkerstadt” gegeben.

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Mohr mit Doppeladler
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Erker am Fronwagplatz

Weiter Richtung Unterstadt das schöne Portal der Schmiedenzunft.

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An der Vordergasse steht eines der schönsten Schaffhauser Bürgerhäuser mit den bedeutendsten Renaissancefresken nördlich der Alpen. Er-/umgebaut 1566 durch Ritter Hans von Waldkirch, der um die 1569 die Fassadenbemalung von dem berühmten Schaffhauser Maler Tobias Stimmer ausführen liess. Weiter unten das prachtvolles Doppelhaus aus dem Jahre 1738 mit zwei Rokoko-Portal-Erkern. Vor dem Hause ein achteckiger Brunnen mit Wilhelm Tell als Symbol des freiheitsbewussten Schweizers.

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Haus zum Ritter
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Zur Wasserquelle mit Wilhelm Tell

Am Fusse des Munothügels die ehemalige Trinkstube der Gerberzunft. 1708 – 1710 in heiterstem Rokoko erbaut. Nahebei führt eine bei Hitze sehr, sehr lange Treppe zum Munotturm, der eindrucksvollen Stadtfestung hoch über Stadt und Rhein.

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Gerbernstube
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Blick vom Munottörli auf den Rhein

Die kreisrunde Bastei wurde von 1564 bis 1589 von den Schaffhauserbürgern in Fronarbeit im Stil von Albrecht Dürers Rondellbefestigung erbaut und erlaubte eine ideale Rundumverteidigung. Militärisch wurde sie nur einmal genutzt, von den Franzosen, 1799 während des Rückzugs vor den Österreichern.

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Vorwerk des Munot
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Kühle Kasematten

Der Bericht ist lange geworden. Dabei habe ich die Stadt nur  punktuell gestreift und viele weitere Sehenswürdigkeiten ausgelassen. Ein andermal, bei tieferen Temperaturen.

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CH-3555 Trubschachen: Röschti und es Chacheli Gaffee

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Erst kam unsere Kochschullehrerin mit dem Heft, dann winkte Frau L. mit demselben und wollte unbedingt nach Trubschachen ausgefahren werden. Das war noch vor dem Unfall. Grund: ein Artikel aus der Saisonküche über die Zubereitung der perfekten Rösti. Das Geheimnis der guten Rösti, erklärt von einem Gastwirt aus Trubschachen, im hintersten Chrachen des Emmentals. Frau L. war beeindruckt, der mache seine Rösti genauso wie sie (hier ist ihre Rösti bereits verbloggt) und deshalb wollte sie seine, ihre, meine, unsere Rösti unbedingt in der Höhle des Löwen, bzw. des Bären, das Gasthaus gilt als älterster Bären des Kantons, essen gehen. Bitte. Mach ich gerne.

CH-3555 Trubschachen Bärenrösti Spiegelei weggeschoben
Bärenrösti Spiegelei weggeschoben
CH-3555 Trubschachen Biskuitfabrik Bruchware
Biskuitfabrik Bruchware

 

Die Gaststube voll und verraucht, wir nehmen Platz im Nichtraucherlokal mit dem Charme einer schweizerischen Mehrzweckhalle: darin alles was dazugehört, Fahnenkasten, Töggelikasten, Platz für einen Reisebus. Am Tisch nebenan erklärt ein anderer Gast seiner Begleitung  mit Bezug auf das Heft der Saisonküche, dass hier die weltbeste Rösti serviert werde. Na, wenn das nichts ist. Mittags gibts nur die ganz kleine Karte, sonst mag die Küche nicht mehr nach, wird uns beschieden. An Röstigerichten sind Rösti mit Spiegelei, Rösti Zermatt und Rösti mit Leberli zu haben. Nach Bergsteigen und Leberschau ist uns weniger, also bitte mit Spiegelei. Der grüne Salat mit viel geschmacklosem Lollo und Salsa pronto per l’usa wenig verheissungsvoll. Dann die Rösti, im Portionenpfännchen. In der grossen Pfanne vermutlich eher kurz angebraten, Deckel drauf, daher mehr gedämpft als gebraten, nach Bedarf eine Portion abgestochen und im Portionenpfännchen nachgewärmt. Fast keine Knusperkruste, kein Kuchen, nur lose Kartoffelschnipsel. Gewiss nicht schlecht, sorgfältig geraffelt, meist kriegt man sie in Gaststätten weniger gut, aber Frau L. freut sich: das Epizentrum guter Rösti liegt weiterhin in Basel und nicht im Emmental. Der Kaffee schmeckt, wie er im Emmental fast überall schmeckt: nach Gaffee. Einer undefinierbaren Mischung aus Schwarztee, Kakao und Kaffee.

Und weil sich in Trubschachen die grösste schweizerische Biskuitfabrik mit einem Fabrikladen befindet, nehmen wir das Dessert gleich dort:  hier werden die Guetzli zweiter Wahl in grossen Beuteln verkauft und von allem kann gekostet werden. Horden ausgehungerter Rentner beim Einkauf von Zehnjahresvorräten an Biskuits. Alles reichlich süss oder zusätzlich mit Industriecouverture überzogen oder gestopft. Das einzige, was uns schmeckt, sind hier die Militärbiskuits, fast ungesüsste petit-beurres, die für das schweizerische Militär hergestellt werden und ewig lagerfähig sind. Davon darf eine Packung mit. Weil die Dinger aber unglaublich trocken sind, musste nochmals ein zweites Chacheli Gaffee her.

CH-3555 Trubschachen Bauernhaus Hasenlehn
Bauernhaus Hasenlehn
CH-3555 Trubschachen Stöckli Hasenlehn
Stöckli Hasenlehn
CH-3555 Trubschachen Töpfercafé
Töpfercafé
CH-3555 Trubschachen es Chacheli Gaffee
es Chacheli Gaffee

Hier in Trubschachen haben Einheimische mit Unterstützung der Biskuitfabrik ein Heimatmuseum eingerichtet. Bestehend aus der traditionellen Siedlungsgruppe Bauernhaus (für die Jungen), Stöckli (für die Alten)  und Spycher (für die Vorräte). Im Bauernhaus gibts eine Schautöpferei (die Töpferwaren teils hübsch, teils fürs Gemüt) und ein im emmentalischen Laura Ashley-stil eingerichtetes  Töpfercafé. Auch der hier servierte Gotthelf-Café kann trotz schön getöpfertem Chacheli nicht verleugnen, dass er ein Gaffee ist, vermutlich zu Gotthelfs Zeiten geröstet, 150 Jahre gelagert und heute angebrüht. Das wäre doch eine Marktlücke für Kapselkaffeeanbieter: Gotthelfgaffee in der Nes.presso.kapsel. What else ?

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Chuehli engobiert und frisch bemalt
CH-3555 Trubschachen Chatze
Chatzen engobiert und frisch bemalt

Auf dem Heimweg haben wir uns gute, feisse Geranien geholt, im Emmental wachsen sie mit Kuhmist am schönsten.  Am nächsten Tag gabs  zuhause eine Rösti, eine perfekte.

CH-3555 Trubschachen Emmentaler Geranien
Emmentaler Geranien
CH-3555 Trubschachen Rösti nach Frau L.
Rösti nach Frau L.

Dann noch die paar Schritte auf den Lueg, ein steiler Hügel  (887 m) und Aussichtspunkt im Unteremmental, Nähe Burgdorf, der bei gutem Wetter eine schöne Rundumsicht zulässt. Wundervoll das Emmental, Rösti und Gaffee gehören hier einfach dazu.
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CH-2314 La Sagne: Mittagessen in der Vergangenheit

CH 2314 La Sagne
La Chaux de-Fonds, Wegweiser

Geplant war ein Ausflug in das Reich der grünen Fee, ins Val de Travers. Vom Jurahäuschen aus nicht weit gelegen. Frau L. bei schönstem Wetter einer Ausfahrt gewogen. Der Weg dahin war nicht gerade mit Steinen versperrt, aber doch mit schwerwiegenden Anfechtungen verbunden. Die erste davon ereilte mich an einer Wegkreuzung in La Chaux-de-Fonds. Bikini-Test ? Was da wohl und auf welche Weise getestet wird ? anklicken für grössere Ansicht

Frau L. beharrte auf Weiterreise, wollte nichts von Testverfahren hören, meine Warenprüfkenntnisse nicht gemehrt wissen, stopfte mir Wachs in die Ohren, verband mir die Augen und kettete mich am Lenkrad fest. Nur eine Kaffeepause in La Chaux-de-Fonds lag noch drin. Von dort ins das geliebte Vallée des Ponts et de la Sagne. Die Aufnahmen ohne Schnee stammen vom letzten Besuch im Oktober.

 

 

 

CH 2314 La Sagne
Vallé des Ponts et de la Sagne

Ein merkwürdiges Hochtal, rauh, durchzogen von einer einzigen Strasse, an der die Bauernhäuser an der Strassenzeile wie eine Perlenkette aufgereiht sind. Bemerkenswert die Architektur der Häuser, stabile, der Wetterseite zugewandte Seitenmauern. Flachgeneigte Satteldächer.

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La Sagne: Haustyp
CH-2314 La Sagne
La Sagne: Seitenmauern

Das etwa 18 km lange, abgeschlossene  Hochtal erstreckt sich entlang der allgemeinen Faltrichtung des Juras. Es beginnt auf etwa 1150 Metern ü.M. Nähe La Chaux-de-Fonds mit einer Breite von etwa 400 m und zieht sich nahezu topfeben,  langsam fallend und breiter werdend, dahin. Südlich von Les Ponts de Martel ereicht es eine Breite von ca. 3 km, wird abgeschlossen durch einen niederen Geländeriegel, und fällt dann etwa 300 m steil ins Val de Travers ab.

Ansiedlern wurde Anfang des 14. Jhdt. vom Neuenburger Adel weitgehende Steuerfreiheit zugesichert, um das Hochtal urbar zu machen und unter Kontrolle zu bekommen. Siedlungen entstanden bevorzugt auf der Sonnenseite des Tales.

Im Lauf des 18. Jahrhunderts hielten im Vallée des Ponts Spinnerei und Spitzenklöppelei in Heimarbeit Einzug. Später kam die Uhrenherstellung hinzu, die im 19. Jhdt. dem armen Tal zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf, der aber durch die Weltwirtschaftskrise in den dreissiger Jahren des 20. Jhdt. abrupt beendet wurde. Heute lebt das Tal wieder wie ehedem vorwiegend von der Landwirtschaft, was auf dieser Höhe Viehzucht, Milchwirtschaft und Käseherstellung bedeutet.

CH 2314 La Sagne

In La Sagne erwartete uns die zweite Anfechtung, das Hotel von Bergen. Ein Kleinod von Hotel, vieles noch aus der Jahrhundertwende und liebevoll restauriert, ein einfaches Restaurant, kleine, regionale Menus, bescheidene Preise. Das Haus wurde 1871 als Kurhotel eröffnet und konnte sich bis heute halten. 5 schlichte Zimmer. Evelyne Bühler kocht einfache, aber gute, regionale Küche, so wie man hier im Jura zuhause kocht.

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Hotel von Bergen
Blick in die Gaststube
Blick in die Gaststube

Eindrucksvoll der Kühlschrank, ein elektrischer Frigidaire aus den 30-Jahren, der heute aber an einem zentralen Kälteaggregat im Keller läuft. Noch schöner der Sarina Holzherd in der Küche, auf dem heute noch täglich, ausser Dienstags, gekocht wird.

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Das Buffet
CH-2314 La Sagne
Frigidaire
CH-2314 La Sagne
Kochherd
CH-2314 La Sagne
Gemüsesuppe in Jugendstil

Nach dem Essen (Gemüsesuppe, Salat, Boeuf Bourgignon, Kartoffelstock, Dessert) trotz überzogenem Himmel dann die Weiterfahrt über das Vallée de la Brévine, das schweizerische Sibirien ( –41.8 °C am 12. Januar 1987 ) Richtung Val de Travers. Ein urplötzlich einsetzender Schnee- und Eisregen mit Temperaturanstieg von -16°C auf  -8°C,  dem die Scheibenwischerflüssigkeit kaum mehr Herr wurde, erzwang einen Abbruch der Ausreise und die Umkehr. Das ist Jurawetter. Die dritte Anfechtung, die  grüne Fee muss warten.

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Schnee- und Eisgestöber im Vallée de la Brévine

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CH-7610 Soglio: Palazzo Salis

Fassadendetail Palazzo Salis
Soglio: Fassadendetail Palazzo Salis

Immer wieder eindrücklich: Der Gang durch die engen Gassen entlang der aneinander gedrängten, ärmlichen, steinbedeckten Kleinbauernhäuser und Ställe aus Holz und Bruchsteinen.

Heutiges Sonnenlicht
Heutiges Sonnenlicht
Einstige (?) Armut
Einstige (?) Armut

Plötzlich steht man vor dem grossen, barocken Palast der Familie von Salis, der Casa Battista. 1630 als einfaches Wohnhaus durch Johann Baptist von Salis erbaut, hat der Palazzo Salis sein heutiges Aussehen durch einen grossen Umbau im Jahre 1701 erhalten. Verschiedene Generationen der Familie haben dem Haus ihren Stempel aufgedrückt und zur Ausstattung mit Möbeln, Bildern und Wandmalereien beigetragen. Hübsch der teils als Gartenwirtschaft benutzte, barocke Garten hinter dem Palazzo mit Buchsheckenkompartimenten, Wiesen, Mammutbäumen, Obstbäumen und Blumen.
Als Napoleon 1797 das Veltlin und Chiavenna vom Bündner Freistaat abtrennte, ging viel Grundbesitz verloren. Die traditionellen Einkünfte aus Diensten in fremden Heeren versiegten. Die Salis verliessen schliesslich Soglio. Das Haus ist noch heute in Familienbesitz, wird aber seit 1876 als Hotel genutzt.

Auf Wanderung, haben wir im Restaurant des Hotels Palazzo Salis einen traumhaften Risotto gegessen, Rosmarinrisotto mit Taleggio. Den hab ich inzwischen perfekt nachgekocht. Rezept am Dienstag.

Der Palazzo
Der Palazzo
Risotto im Palazzo
Risotto im Palazzo
Garten des Palazzo
Garten des Palazzo
Blick in den Friedhof von Soglio
Blick in den Friedhof von Soglio

Mit Veltliner im Blut ist es tatsächlich ratsam, Schritt zu fahren, obwohl ein Glas Veltliner mehr kostet als die angedrohte Busse.

Schritt fahren !
Schritt fahren !

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I-23022 Chiavenna: Einkaufen-Essen-Trinken

Castello Balbiani, bzw. was Schweizer Landsknechte und eine Versicherungsgesellschaft von ihm stehen gelassen haben
Chiavenna: Castello Balbiani, bzw. was Schweizer Landsknechte und eine Versicherungsgesellschaft von ihm stehen gelassen haben

Über Chiavenna, die Perle der Alpenstädtchen, berichtete ich letztes Jahr schon einmal weitere Fotos siehe hier. Heuer haben wir es von Süden angefahren, von Varenna aus, der Perle am Comersee. Schwül-heisser Samstag, ich wäre lieber den ganzen Tag am Ufer sitzengeblieben, doch wir wollten noch in Chiavenna einkaufen für das Wochenende. Kein Schritt in Chiavenna, ohne den ersten espresso im Caffè svizzero. Fleissige Leser wissen warum.

Varenna
Lago di Como: Varenna
der Unvermeidliche
der Unvermeidliche

Am Anfang der Via Dolzino, gegenüber dem Palazzo Salis, steht der Laden der Fratelli del Curto. Kleines, aber feines Angebot an Bresaola, Salumi, Mortadella mit Leber. Die Viola di Capra, eine ganze, luftgetrocknete Ziegenschulter, die an die Form einer Klampfe erinnert, gibts leider nur am Stück. In dieser Macelleria könnte man zum Fleischesser werden. Natürlich kein Zufall, dass wir die Kühlbox im Auto hatten. Weiter unten an der Via Dolzino in der Bäckerei Balgera gibts zu den Wurstwaren köstliche Roggenringbrote mit Anis gebacken.

Macelleria del Curto
Macelleria del Curto
Enrico del Curto
Enrico del Curto
Salami, Bresaola, Prosciutto
Salami, Bresaola, Prosciutto
Via Dolzino
Chiavenna: Via Dolzino

Am andern Ufer der Mera, in der via P. Bossi, gehts in den Veltliner Spezerei- und Gemüseladen des charmant deutsch parlierenden Francesco Bedognetti (seine Frau ist Deutsche). Er hat, wenn man im richtigen Zeitpunkt kommt, die schönsten und frischesten Gemüse. Die Zucchiniblüten erinnern an die Mittagszeit: einmal mehr ins Ristorante Passerini, das Grotto Crotasc ist im Umbau und das Cenacolo geschlossen. Ein andermal.

Franceso Bedognottis Laden
Franceso Bedognettis Laden
Ristorante Passerini
Chiavenna: Ristorante Passerini

Bei Passerini wie immer ein sehr gutes und gepflegtes Essen, hier hats Dauergäste die täglich hier essen und denen wir Jahr für Jahr wieder begegenen. Wir haben gegessen: Zucchiniblüten (weibliche) mit Ricotta gefüllt, Maisravioli mit fave, Vitello tonnato und als Dessert ein gelato di fiordilatte con Amaro braulio, das Milcheis einfach mit Braulio umgossen, etwas weniger elegant als bei Anna Bertola.

Unsere Rückendeckung im Passerini
Unsere Rückendeckung im Passerini
mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten
mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten

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I-23030 Bianzone: Trattoria Altavilla

Anna Bertola ?
Trattoria Altavilla: Anna Bertola ?

Im verschlafenen Oberdorf von Bianzone führt Anna Bertola einen kleinen Laden, Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs, eine Trattoria und eine Pension mit rund einem Dutzend Zimmern. Begrüsst wird man in wechselnder Reihenfolge und sehr freundlich von Hund Olaf, dem flachen Modell der Wirtin, der Wirtin selbst und ihrer Mutter. Der Hund hat es bei drei Besuchen immer als Erster geschafft.

Speisesaal mit Hochaltar
Speisesaal mit Hochaltar
Blumenterrasse
Blumenterrasse

Gegessen haben wir lokale Spezialitäten aus dem Veltlin, verschiedene Sorten Bresaola, geräuchert und ungeräuchert. Die berühmten Sciatt, in Buchweizenteig frittierte Käsewürfel, dann ausgezeichnet schmeckende Buchweizenravioli mit Walnuss und Bresaola gefüllt, Kalbsroulädchen mit Rohschinken und Bittokäse gewürzt und zum Dessert den Sorbetto di Amaro Braulio. Anna Bertola, die Herzlichkeit in Person, kennt ihre Veltlinerweine und spricht gerne und kompetent darüber.

Bresaola vom Rind, Pferd und Hirsch
Bresaola vom Rind, Pferd und Hirsch
allerköstlichste Sciatt
allerköstlichste Sciatt
Buchweizenravioli mit Walnüssen
Buchweizenravioli mit Walnüssen
Rotoli di vitello
Rotoli di vitello

Solche Lokale machen das Essen zur unbeschwerten Freude und zum Genuss. Das Auffinden von Haaren in der Suppe überlasse ich an solchen Orten Kritikern, die davon leben. Starkochrummel, Sterne und Effekthascherei gibts hier nicht. Klar, dass wir nicht die ersten sind, die dieses Lokal aufgespürt haben. Siehe z.B.: hier, mit Foto der Anna Bertola. Ich bin ja auch nicht ganz zufällig in dieses verschlafene Nest gekommen.

Morgen wird gekocht: Die Sciatt der Anna Bertola.

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