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Weinrallye 42: PIWI-Weine

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Solaris in voller Sonne

weinrallye_200 Heute ist (schon wieder) Weinrallye. Das Weinhaus Fabio will einen Beitrag über PIWI-Weine. Mich erinnert der Name PIWI immer an HIWI. Ich bin kein Marketingfachmann, aber wie man Weine unter diesem Oberbegriff vermarkten kann, soll mir erst mal einer erklären, das verstehe ich nicht. PIWI ist das Kürzel für Pilz-widerstandsfähige Rebsorten.

Mancher Winzer wäre daran interessiert, seine Weine umweltschonend auszubauen, auf chemisch-synthetische Spritzmittel und Kunstdünger zu verzichten. In den meisten Gebieten der niederschlagsreichen Schweiz machen jedoch Mehltau und andere Krankheiten der Rebe zu schaffen.  Die Umstellung auf pilzwiderstandsfähige Züchtungen sind eine mögliche Lösung dieses Problems.  Auch Bioweinbau kommt hierzulande nicht ganz ohne Spritzungen aus.  In der Schweiz gibt es ein paar Dutzend Winzer, die solche Weine anbieten. Gemäss Erhebungen der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil sind in der Deutschschweiz etwa 4 % der Rebfläche damit bestockt, gesamtschweizerisch gut 1 % und fristen damit ein Nischenproduktdasein. Eine  unvollständige Liste der Produzenten findet man hier. Die Stiftung Biovitis zur Förderung pilzresistenter Rebsorten berät umstellungswillige Weinbauern mit fachlicher Erfahrung über Chancen und Risiken der neuen Sorten.

Ich habe mir das kleine, erst seit 2005 bestehende Weingut Sitenrain  in Meggen ausgesucht. Winterpause auf Sitenrain. Der Laden geschlossen bis Anfang März. Meggen ? Das ist doch dort, wo Lucas Rosenblatt seine Kochwerkstatt hat und ich dem Wein erstmals begegnet bin ?  Er tischt die Weine zuweilen bei seinen Menus auf und führt sie in seinem Lädchen. Auf zu Lucas,  Tee getrunken, etwas zugeschaut bei seinen Vorbereitungen für ein grosses Entenessen und mit zwei Flaschen Sitenrain nach Hause gedudelt.

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Rebgut Sitenrain, Meggen, rechts der Pilatus... bewölkt

Auf 1.5 ha gedeihen hoch über dem Meggenhorn drei verschiedene Traubensorten: 0,75 ha Solaris, eine sehr resistente weisse Traubensorte, aus der der Solaris-Weisswein gekeltert wird. Zudem wachsen 0.38 ha der roten Traube Maréchal Foch und Cabernet Cortis. Daraus wird der Sitenrainer Rotwein gekeltert. Wenn es nicht regnet, sieht man auf die Alpen und den nahen See. Das Rebgut ist noch jung, die Reben werden von einem vollamtlichen Rebmeister gepflegt und ausgebaut im Weingut Rosenau in Kastanienbaum am Vierwaldstättersee.

Mein Wein
Solaris Sitenrain, 2009 (ausverkauft)
Produzent: Bioweingut Sitenrain, Meggen
Alkoholgehalt: zirka 13.0 %

In der Nase Noten von Ananas. Im Gaumen frisch, eine wahre Fruchtbombe von Ananas, Pfirsich und Zitrus. Ein gut gemachter Wein, der Freunden aromatischer Weine bestimmt gefallen wird. Mir persönlich ist er jedoch etwas zu füllig.  Nach einem Glas bin ich gesättigt. Ich bleibe bei meinen filigraneren Rieslingen. Ohne Bio.

Weinrallye 41: Sandwichweine

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Wer ist der Schönste im ganzen Land ?

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye. Bernhard von Bernhard Fiedlers We(in)blog widmet “sein” Weinrallye Weinen, die mindestens zwei, nicht aber älter als 5 Jahre sind. Also Weinen dazwischen. Wie steht es um diese Weine ?

Die weissen Hauptrebsorten der Schweiz, Chasselas und Müller-Thurgau (Riesling&Sylvaner), werden in der Regel als Jungweine getrunken. Seit einigen Jahren ist aber den Lokalfavoriten mit neuen (alten) Sorten eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen. Zum Beispiel im Kanton Wallis mit dem Petit Arvine. Eine  autochthone Rebsorte, die hier seit rund 400 Jahren angepflanzt wird. Die aufgrund ihrer kapriziösen Ansprüche  gegen Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts aber beinahe ganz aus den Weinlagen verschwunden war. Ganze 14 Hektaren waren im Wallis  noch damit bepflanzt. Sie gedeiht nur auf besten Lagen, der Boden darf nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein.  Sie verlangt nach mageren Böden, reagiert empfindlich auf Herbizide. Mag weder allzuviel Wind noch allzuviel Hitze, reift spät, gebärdet sich im Keller wie eine Mimose.

Mittlerweile sind im Wallis wieder 150 Hektaren mit der Petit Arvine angepflanzt. Die besten Weine daraus gehören zu den ganz grossen Weissweinen der Welt, intensive, vollmundige, trockene Weissweine mit lebendiger Säure und einer wundervollen Aromatik. Glyzinienblüten, Honig, Grapefruit, Limone und Ananas. werden bei Degustationen oft zitiert. Im Gaumen bestechen sie im Abgang durch eine charakteristische, leicht salzige, (eher) mineralische Note. Auch diese Weine werden meist jung getrunken, vertragen jedoch durchaus ein paar Jahre Lagerung.

Seit bald 2 Jahren lagere ich einen kleinern Bestand an 2007-er Petit Arvine in meinem Keller. Ich hätte ihn schon längst austrinken sollen, aber immer kamen wieder neue, andere Weine dazwischen. Nun kommt mir der event gerade recht, je ein Muster davon zu öffnen.

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Meine Weine

Petite Arvine, Clos de Cochetta, Robert Gilliard, 2007
Produzent: Maison R. Gilliard, Sion
Alkoholgehalt: 12.8 %

Petit Arvine, Chateau Lichten, Loèche, 2007
Produzent: Rouvinez Sierre
Alkoholgehalt: zirka 13.5% Vol.

Petit Arvine, Flaction, Saillon, 2007
Produzent: Cédric Flaction, Cave des Cailles, Sion
Alkoholgehalt: zirka 13.5 %

Alle drei Weine bewegen sich auf ähnlichem Qualitätsniveau. Der Clos de Cochetta ist mit einer Silbermedaille am Concours Mondial de Bruxelles ausgezeichnet worden, der Chateau Lichten mit der Silbermedaille an der Expovina Zürich.
Alle drei weisen eine helle grünliche bis goldgelbe Farbe auf, einen zarten floralen Duft nach Aprikosen, Melone. Im Gaumen Grapefruit, kräftig und fruchtig, lebhafte, aber nicht aggressive Säure, langanhaltende Aromen mit mineralisch-salzigem Abgang.
Einzig der Cochetta wirkt etwas weniger frisch, öliger als die beiden andern. Sieger meiner Vergleichsdegustation ist derjenige ohne Medaille: von Flaction.

Chateau Lichten und  der Flaction haben noch kaum von ihrer ursprünglichen Frische eingebüsst, keine Eile, sie auszutrinken.

Weinrallye 40: Autochthone Rebsorten

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Lagrein Riserva Abtei Muri 2007

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye. Wolf von Hausmannskost widmet “sein” Weinrallye authochthonen Rebsorten. Rebsorten, die dort, wo sie heute  angepflanzt werden, auch ihren botanischen Ursprung haben. An solchen Weinen herrscht bei mir kein Mangel. Aus der Schweiz wären einige zu vermelden. Viele sind jedoch so rar, dass sie praktisch ausschliesslich im Lande getrunken werden. Deshalb widme ich meinen Beitrag zwei italienischen Weinen, dem Lagrein (Südtrol) und dem Nerello Mascalese (Sizilien).

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Lagrein Riserva Abtei Muri 2007

An der Etsch ist mangerley weinreb als Muskateller, Vernetzer, Lagreiner, die seyn die besten wussten Klosterbrüder schon im 15. Jahrhundert. Lagrein ist die älteste autochthone Rebsorte Südtirols. Sie gedeiht sehr gut auf tiefgründigen, warmen, sandigen Lehmböden, die aus Ablagerungen von Flüssen und Bächen entstanden sind. Das Hauptanbaugebiet liegt im Bozner Talkessel mit der bekanntesten Lage Gries. Der Lagrein ist ein heikler Geselle. Passt ihm die Lage nicht, verdankt er das mit bitteren, harten und säurebetonten Weinen. Vor Jahren entschied ich mich für den Lagrein des Klosters Muri (Bozen, Gries) und dabei ist es bis heute geblieben. Obwohl es auch im Alto Adige und Terlanergebiet gute Produzenten gibt. Vielleicht spielt bei meiner Vorliebe auch die Tatsache eine Rolle, dass das Grieser Kloster von einem Teil des Konvents vom Kloster Muri (Aargau) 1845 als Exil gewählt wurde. Über das Kloster Muri habe ich unlängst einen Reisebericht verfasst.

Mein Wein:
Lagrein Riserva Abtei Muri, 2007

schwarzes, undurchdringliches Rot. Aromen von dunkeln Früchten, Kirschen, Kaffee. Im Gaumen körperreich, präsentes Tannin, langer Abgang.
Rebsorte: Lagrein dunkel
Alkohol: 13.5%

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Etna Rosso Guardiola 2007 Terre Nere

Hinzu füge ich noch eine Entdeckung, die ich kürzlich und  über die Weihnachtstage entkorkt habe. Die rote Rebsorte Nerello Mascalese. Auf Sizilien ist sie die zweitmeist angebaute Rebsorte. Bislang kannte ich von dieser Insel nur die meist breit-marmeladigen Nero d’Avola Weine.  Was in der Rebsorte Nerello Mascalese an Qualität steckt, zeigt sie an den Nordhängen des Vulkans Ätna in höheren, kühleren Lagen (DOC-Region Etna).

Im Cru Guardiola (2.1 ha) steht fast der gesamte Rebbestand auf 800 bis 900 Metere über dem Meeresspiegel. Der grösste Teil stammt noch aus Prephylloxera (Vorreblaus)-Zeiten und ist 40 bis weit über 100 Jahre alt. Die Vinifikation erfolgt nach burgundischem Vorbild. Das wird auf dem Etikett auch stolz vermerkt: Il Borgogna del Mediterraneo.

Mein Wein:
Etna Rosso Guardiola 2007 Tenuta Terre Nere

Dunkles rubinrot. Duft nach Kräutern, Minze, Thymian, dunkle Beeren. Am Gaumen druckvoll und doch sehr elegant, viel reifes Tannin, Lakritze, Tabak. So ganz anders, als man das von einem sizilianischen Wein erwarten würde. Mich erinnert er an einen grossen Barolo.
Rebsorte: 98 % Nerello Mascalese und 2 % Nerello Cappuccio
Alkohol: 14.0%

Weinrallye 39: Wein und Humor

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weinrallye_200Humor auf Bestellung. Heute ist Weinrallye. Carsten Henn vom Vinum Blog widmet “sein” Weinrallye dem Humor. Bild-Manipulationen, Zeichnungen, Berichte von komischen Erlebnisse mit Weinen, mit Winzern, in Weinrunden, alles ist erlaubt. Wein soll Spaß machen – in diesem Fall wortwörtlich.

Frau L. verlangt jeden Abend von mir eine Gutenachtgeschichte. Seit Jahren. Meist lese ich aus einem Buch vor, die gesammelten Werke Gotthelfs sind jedoch längst erschöpft, die Geschichten Konrad Ferdinand Meyers sind oft und oft erzählt, Gottfried Keller und Rudolf von Tavel sind ausgebeutet und selbst Giovanno Bocacccio wäre verlegen, was er mir nach dem Decamerone an passenden Abenteuern zum Vorlesen noch erzählen könnte.
Da muss ich denn einen tieferen Griff in die deutsche Dichtung tun, um den Bedarf einigermassen decken zu können. In schlichtes Deutsch zurückversetzt, eignen sich Gedichte und Balladen sehr gut, von mir nacherzählt zu werden.
Als ich ihr Uhlands Ballade von des Sängers Fluch vorsetzte, stiess ich auf unerwartete Widerstände.
Mein König liess alles weit hinter sich, was je blutig und finsterbleich auf einem Thron gesessen hatte. Denn, sagte ich mir, wenn ihre Majestät das Schicksal später ereilt, muss es ein klarer Sieg des Guten über die Niedertracht werden. Aber Frau L., die sich früher am Fernseher so gerne Fürstenhochzeiten angesehen hatte, zeigte eine schwer zu bekämpfende Liebe zum monarchischen Prinzip oder mindestens zu gut aussehenden, regierenden Monarchen.
Aufs schönste stellte ich ihr das Sängerpaar vor, den würdigen, greisen Spielmann im schneeweissen Bart und den herrlichen Jüngling im blonden Lockenhaar, wie sie ihr Lied von Lenz und Liebe vor dem finsteren König ertönen liessen. Und gleich darauf liess ich das Blut des von des Königs Schwert durchbohrten Jünglings spritzen.
Vielleicht, wandte Frau L. ein, mochte der König keine Lieder ?
Aber Frau L. widersprach ich, da braucht er doch nicht gleich mit dem Schwert nach dem armen Knaben zu werfen.
Vielleicht, meinte Frau L. zweifelnd, hat er ihn gar nicht treffen wollen, oder der Jüngling wollte vor den Augen des Königs mit der Königin anbandeln ? Armer König.
Aber Frau L. ! der König war und ist ein böser Fiesling, der muss seine Strafe haben ! warnte ich eindringlich.
Lass doch bitte den König sagen, dass er es nie wieder tun will ! war ihre schlaftrunkene Antwort.
Ich wurde weich. Mit Donnerstimme liess ich den alten Harfner fragen, ob der König von nun an brav sein wolle. Und er versprachs hoch und heilig. Und so oft seither wieder Musikanten ins Schloss kamen, endete ich meine Geschichte, ging der König selbst an die Haustüre, machte ihnen auf, und die Königin fragte gleich, ob sie Durst hätten und was sie trinken wollten. Und da sagten sie…
Bordeaux murmelte Frau L. schon halb in den Armen Morpheus’ und wir waren beide glücklich, dass einmal mehr in der Welt etwas besser ausgegangen war, als es die düsteren Gesänge deutscher Dichter wahrhaben wollen.

Für diese nicht ganz ernst zu nehmende Kurzgeschichte habe ich die Anekdote “Des Sängers Fluch” von Eugen Roth rücksichtslos geplündert.

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für den Wein plünderte ich, ebenso rücksichtslos, meinen Keller. Bei trübem Regenwetter.
Bordeaux, St. Emilion, Chateau Canon La Gaffelière 1999
Besitzer: Stephan, Graf von Neippberg (Noch einer vom gut aussehenden Adel)

einer meiner besseren Bordeauxweine, die ich derzeit in meinem Keller hüte. Das muss reichen als Beschreibung. Weinbeschreibungen liest ja doch niemand.

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Weinrallye 38: Scheurebe aus Dardagny, GE

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weinrallye_200Heute kein Sonntagsauflug. Heute ist Weinrallye. Marqueee von Allem Anfang… widmet “sein” Weinrallye einer “Neu”-züchtung aus dem Jahre 1916, die in Deutschland zunehmend durch “höherwertige” Sorten bedrängt wird und auch in Österreich und der Schweiz nur ein Nischenprodukt-Dasein fristet: der Scheurebe.

Erst wollte ich zu einer Spätlese von Alois Kracher greifen, die ich vor Jahren mal probiert hatte, liess das aber gerne sein, nachdem ich in der Schweiz fündig geworden bin. Die Schweizer Weissweine wurden noch vor wenigen Jahren beinahe ausschliesslich von Chasselas (Gutedel), Riesling-Sylvaner (Müller-Thurgau) und Johannisberg dominiert. Seit einigen Jahren experimentieren Nischenbewusste Winzer mit andern Sorten. u.a. der Scheurebe, einer Zufallsentdeckung des deutschen Rebzüchters Dr. Georg Scheu. 1916 gelang ihm die Kreuzung aus  einer unbekannten Wildrebe und der noblen Sorte Riesling. Deutschland, als das Geburtsland der Züchtung, ist nach wie vor Hauptproduzent, in Österreich hat sie am Neusiedlersee und in der Steiermark Fuss gefasst. In der Schweiz kann man die Winzer, welche die Scheurebe reinsortig ausbauen, an zwei Händen abzählen. Kleinere Bestände findet man in der Bündner Herrschaft (Andrea Davaz und Markus Stäger, die Süssweine, durch den Traubenkocher Föhn begünstigt, herstellen). Auch am Zürich- und am Walensee wachsen auf einigen Parzellen Scheurebe. Meist trockene Weine, nur in Ausnahmejahren gelingt es, daraus Süssweine herzustellen.

Auf geringfügig breiterer Basis Fuss gefasst hat die Scheurebe bei wenigen Winzern in der Genfer Region.  1994 hat sie Claude Ramu von der Domaine du Centaure als Erster angepflanzt. Ihm folgten die Familie Mistral-Monnier, Domaine des Faunes, und Marc Ramu, Clos des Pins, sowie Raymond Meister im benachbarten Satigny. Die vier Winzer belassen dem Saft der Scheurebe einen Restzuckergehalt von etwa fünf Gramm Zucker pro Liter. Dieser Hauch Restsüsse verleiht dem aromatischen Wein Finesse und Eleganz.

mein Wein:

Scheurebe 2009
Domaine les Faunes
1283 Dardagny GE

Hellgelbe Farbe, klar, nicht ganz brillant, in der Nase  schwarze Johannisbeeren, im Gaumen viel Grapefruit. Angenehme Säure, die sich gut mit der minimalen Restsüsse verbindet. Ein Wein, der auch für trockene Schweizer Gaumen gut zu trinken ist. In der Aromatik liegt er näher bei einem Sauvignon blanc als bei einem Müller-Thurgau. Ein idealer Aperitivwein und als Sorte für mich eine positive Entdeckung.

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Weinrallye 36: Wein und Musik

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Logo-211x300Heute ist wieder Weinrallye. Das Weinreich Rheinland Pfalz (hinter dem Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH steckt) möchte wissen, zu welchen Weinen wir bei welcher Art von Musik greifen, oder ob es sich umgekehrt verhält ! Ob wir uns auf unsre Lieblingsmusik freuen und dazu einen entsprechend en Wein wählen ? Welchen ?

Da ich eh nur Opern höre, ist die Antwort einfach: Im Winter Rotwein, Bordeaux zu Oper. Im Sommer deutscher Riesling zu Oper. Und weil im Moment Sommer ist… richtig.

Wenn Don Giovanni in der Champagner-Arie Fin ch’han dal vino (Auf denn zum Feste, Froh soll es werden) anstelle des üblichen Glases Schaumwein, einen Gesöff-Kelch mit rotem, ab 0:46 gelbem Dry Martini und einer Scheibe Orange in Fingern hält, so kann das nur in einer Katastrophe enden. Recht geschieht ihm, wenn dieser Mensch am Ende des zweiten Aktes von der Hölle verschlungen wird.

Ich hingegen will ins Himmelreich und habe mir eine Flasche

Joh.Jos. Prüm, Graacher Himmelreich, Auslese, 2005

geöffnet. Ein unbestrittenes Ausnahmegut in Deutschland. Dessen Weine kommen immer Monate später als die vergleichbare Konkurrenz auf den Markt. Man lässt sich und den Weinen Zeit auf dem Weingut J. J. Prüm. Schönungen, um die Weine rasch verkaufsfertig zu machen, werden unterlassen.  Diese Weine sind für ein langes Leben gemacht.

Helles, klares Zitronengelb, ein sinnliches Fruchtelixier in der Nase, Pfirsich,  Agrumen, ein Hauch Botrytis, Honig. Im Gaumen weich und gleichzeitig präsente Säure. Langanhaltend. Ein starkes Erlebnis.

Da ich noch ein paar Flaschen davon besitze, halte ich mich gerne an die Überlebenden und stimme in den Schlussgesang der Oper Don Giovanni mit ein:

In der Hölle tiefstem Schlund
Wird des Frevlers Wohnung sein.
Aber wir, ihr guten Leute,
Stimmen froh zusammen heute
In die alte Weise ein:
Also stirbt, wer Böses tat.
Ja, dem Sünder wird Vergeltung,
Wenn die letzte Stunde naht!

[Im Video singt Simon Keenlyside: Don Giovanni, im Hintergrund Anton Scharinger: Leporello. Zürich 2006]

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Weinrallye 35: Stein und Wein

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weinrallye_200Heute ist wieder Weinrallye. Andreas von Der Weinfreak will von uns Aufschluss über die Wortverbindung “Stein und Wein”. Weine, die im Namen den Begriff “Stein” tragen, die von Reben stammen, die auf bestimmten Bodenformation wachsen und deshalb nach Stein und Boden schmecken. Weine die nur an bestimmten Bodenformationen diesen Ausdruck zeigen, oder die ganz einfach zeigen, dass die Verbindung “Stein und Wein” nicht willkürlich ist.

Meine Gedanken gingen erst in Richtung trockener, mineralisch-steinig schmeckender Weine, wie z.B Chablis, gewisse Sancerre, Pouilly-Fumé (Silex, Feuerstein). Doch gibt es auch in der Schweiz trockene Chasselas-weine mit  Feuersteingeschmack. Zwei, drei Weine tragen den Namen pierre à fusil, Feuerstein, sogar in ihrem Namen. Gerade die Chasselasweine erlauben Kennern (ich zähle mich nicht dazu) die Herkunft, das Klima und den Boden deutlich herauszuschmecken.

Zu den Weinen mit ausgeprägt mineralischem Geschmack zählen die Weine der Gemeinde Yvorne (im Chablais). Die Weinbauregion des Waadtländer Chablais erstreckt sich von Villeneuve am obern Seeende des Genfersees bis zur Walliser Grenze. Sie ist geprägt durch ihre steinigen Böden, aber auch durch den Einfluss des Föhns. Manche Rebberge von Yvorne sind auf dem Schuttkegel eines Bergsturzes von 1584 angelegt, der den Weinen angeblich ihre spezielle Würze mit dem Feuerstein-Geschmack verleiht. So auch meinem Wein, dem Clos du Rocher.  Ein  traditionell ausgebauter Wein, den man auf der Karte vieler Restaurants findet. Das Gut umfasst 10 ha steinig-lehmig-schiefrige Böden (Kalkgehalt 15 – 20 %) unterhalb grosser Felswände (rocher) und gehört Obrist, einem der grossen Weinproduzenten und -Händler der Schweiz.

Yvorne Grand Cru Clos du Rocher 2009
Drehverschluss
Ausbau: Inox Stahltank, grosse Holzfuder ?  je nach Quelle unterschiedliche Angaben
Alkohol: 12.5 % Vol.
Säuregehalt : 3.13 g/l

Hellgelb, klar, Noten von Steinobst. Lebhafter Auftakt durch frische Kohlensäure, einem Nebenprodukt des Säureabbaus. Saftige, dichte, mineralische Struktur, Honigton, jedoch für meinen Geschmack etwas zu gastronomisch, zu wenig Säure. Das kommt vom hier traditionellen, malolaktischen Säureabbau, mit dem dieser Wein auf den durchschnittlichen Schweizer Weingeschmack abgestimmt wird. Ursache und Kehrseite seines Erfolgs. Und der Feuerstein ? Vielleicht ist es zu lange her, dass ich mit Feuersteinen Funken geschlagen habe. Wie schmeckt Feuerstein ? Ich weiss es nicht mehr. Ich muss es andern überlassen, sich an diesem Thema die Zähne auszubeissen bzw. den Stein des Weisen zu finden.

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