Archiv

Artikel getaggt mit ‘Grenzland’

Engadiner Engel

November 1, 2009 21 Kommentare

Engel 0_2009 09 18_2346

Sie leben in Friedhöfen des 19. Jahrhunderts: Engel mit Posaunen, die dem Jüngsten Gericht assistieren; in Anbetung oder Trauer versunken; Palmwedelschwingend oder ans Kreuz gestützt; trostspendend ins Jenseits weisend oder puttenhaft flatternd wie ordinäre Schutzengel. Nein, ich bin nicht nekromantisch veranlagt, dennoch besuche ich in den Ferien gerne Friedhöfe, wo derartige Grabkunst nicht aussortiert, sondern als Ausdruck einer vergangenen Zeit weiter bestehen darf. Im Engadin gibt es einige kleine Friedhöfe, in denen man sie noch findet. Deren Bestand ist nicht zu vergleichen mit jenem der grossen Friedhöfe z.B. in Wien (St. Marxer), Hamburg (Ohlsdorfer) oder Köln (Melaten), die ich aber alle leider noch nie besucht habe.

Hier einige Bilder, sortiert in meiner eigenen Typologie:

Kinderengel

Altersklasse 3-12 Jahre. Puttenhaft flattern sie auf den Gräbern herum, zur Freude der noch Lebenden.

Engel 15_2009 09 09_2488

keiner aus Gips !

Engel 6_2009 09 18_2341

Aus Gips einer !

Engel 16_2009 09 09_2487

junger Greis

Ach Jugend, wohin bist Du entschwunden ?

Adoleszente Engel

Altersklasse 13 bis 18 Jahre

Engel 13_2009 09 09_2486

da freut sich der Opa !

Engel 12_2009 09 05_2566

kann auch Schutzengeln passieren

Engel 5_2009 09 18_2344

die fromme Helene ?

Engel 10_2009 09 04_2579

anlehnungsbedürftig

Engel 3_2009 09 18_2330

psst, Spinne auf Haupt schläft

 

Langsame Annäherung an jene Altersklasse, die des tiefsten Ausdruckes von Trauer und Schmerz fähig ist:

 Jungfräuliche Engel

Altersklasse 18 bis 30 Jahre

Engel 8_2009 09 18_2333

der Blick nach rechts gesenkt

Engel 7_2009 09 18_2338

hier nach links

Engel 4_2009 09 18_2334

den Arm edel vor die Brust gelegt

Engel 2_2009 09 18_2328

hier scheint die Trauer echt

Reifere Engel

Altersklasse ab 30.

In der Altersklasse, der ich zugehöre, scheint es überhaupt keine Engel mehr zu geben.

Engel 1_2009 09 18_2326

Warum ?

Engel 11_2009 09 05_2564

Darum !

 

Sogar einen der seltenen Galvanoengel habe ich gefunden: Ihr Körper besteht aus Gips, der mit einer dünnen Bronzeschicht ummantelt ist – diese wird im Galvanischen Bade auf dem Gipskörper abgelagert -. Sie sehen aus wie richtige, gegossene Bronzeengel.

Engel 9_2009 09 18_2332

Heimgegangen bist Du, Jüngling, rinne
Sehnsuchtstränen auf den Aschenkrug;
Halbbetäubt noch steh ich hier und sinne,
ob es wahr sei oder Traumbetrug.
etc. ….
Um mich sprosste düstrer Bilder Kranz;
Bei des Grabelämpchens Scheine
Sah ich nur der Todesengel Tanz.
Novalis

was das mit einem food-blog zu tun hat ? hmmm…. Nicht viel, ausser dass morgen Allerseelen gefeiert wird und ich mich herzlich daran freue, dass ich nicht im Reigen der Seligen mittanzen muss, sondern mich, bei allem gebotenen Ernst, im Scheine eines normalen Stubenlämpchens über einen Gemüseteller hermachen darf.

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.., ++Gourmandisen Schlagworte:

CH-7500 St. Moritz: Schieflagen

Oktober 25, 2009 27 Kommentare

CH-7500 St. Moritz 00_2009 09 05_2574

Dabei habe ich mir geschworen, nie über St. Moritz berichten zu wollen. Bis 1880 war St. Moritz ein kleines, bescheidenes Dorf im Engadin. 1856, mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, begann der touristische Aufstieg des Ortes. Heute ist St. Moritz eine kosmopolitische Kleinstadt. Eine grausliche Mischung aus Armani, Versace und schlimmster Bausünden an jeder Strassenecke. Luftverschmutzung und Bodenpreise teils höher als in Städten des Unterlandes. Aber den Reichen und Schönen, bzw. Label-Shoppers und Botox-Gespritzten scheint es hier zu gefallen.

CH-7500 St. Moritz 0_2009 09 05_2570

Spontan wollen mir nur wenige Gründe einfallen, St. Moritz aufzusuchen:
1. die Bushaltestelle als Umsteigeort für Reisen im Oberengadin
2. der grosse COOP Laden
3. Konditorei Hanselmann, obwohl das Angebot vergleichbar dem anderer Konditoreien ist.
4. Die Hatecke-Boutique, mit wirklich guten Trockenfleischspezialitäten und einem anständigen espresso.
5. Das Studium der Restaurant-Aushänge, um zu sehen, was in den Töpfen der Profikonkurrenz so köchelt. Morgen gibts bei mir eine Nobelpizza, gesehen im Aushang der Chesa Veglia !

CH-7500 St. Moritz 2_2009 09 05_2572

Hanselmann Fassade

CH-7500 St. Moritz 3_2009 09 04_2594

Hanselmann Eingang

CH-7500 St. Moritz 9_2009 09 07_2513

Hatecke Wurstauswahl

CH-7500 St. Moritz 9_2009 09 04_2597

Chesa Veglia, Nobelpizzeria

 

Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm, ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500. Neigung: 5.5 Grad

CH-7500 St. Moritz 1_2009 09 18_2324

St. Moritz: Schiefer Turm

CH-7500 St. Moritz 7_2009 09 04_2598

St. Karl 1894, bolzgerade

Wie wohltuend ist dagegen, wenige Kilometer von St. Moritz entfernt in Celerina, die Einkehr in der Kirche San Gian. Teile des Langhauses, der Chor sowie der kleinere Turm stammen aus der Zeit um 1100. In der Spätgotik wurde ein grösserer Turm daneben erbaut. Im Innern nimmt einen die prachtvoll mit Ornamenten bemalte gotische Holzdecke von 1478 sofort gefangen. Die Wandmalereien entstammen der lombardischen Frührenaissance. Der grosse Turm wurde 1682 durch einen Blitzschlag getroffen, jedoch nicht mehr wieder hergestellt, da das Dorf seit 1669 eine Kirche mit Glockenturm im Dorfzentrum besass.

CH-7500 St. Moritz 5_2009 09 04_2602

Celerina: San Gian

CH-7500 St. Moritz 6_2009 09 04_2582

Celerina: San Gian Holzdecke

 

Wundervoll die verwitterte Arvenholztüre:

CH-7500 St. Moritz 10_2009 09 04_2585

Celerina San Gian: Pforte

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

CH-7550 S-Charl: Von Bären und Cordon bleus

Oktober 18, 2009 29 Kommentare

S-Charl 0_2009 09 07_2534

S-Charl (1810 m.ü.M) liegt, von Basel aus gesehen, am Ende der Welt. Von Schuls/Scuol windet sich rund 13 km lang ein schmaler Fahrweg durch einen gewaltigen Geröllcanyon entlang des Schweizer Nationalparks in ein kleines, wildes Seitental. Bald ist der geteerte Strassenabschnitt zuende, die Strasse unbefestigt bis S-Charl, einem kleinen Weiler, hinten im Tal. Der ursprüngliche Dorfkern gruppiert sich mit seinen 13 Häusern und 3 Gaststätten rund um eine Kirche. Das Dorf ist autofrei. Im Sommer verkehrt im Sommer ein Postauto. Bis 1920 war S-charl ganzjährig bewohnt. Im Winter ist die Zufahrtsstrasse gesperrt und das Dorf nur mit Pferdeschlitten, Tourenskis oder Schneeschuhen erreichbar. Eines der Hotel hat winters geöffnet.
In einer Schenkungsurkunde der Herren von Tarasp an das Kloster von Scuol erscheint der Ortsname S-charl um das Jahr 1095 erstmals.

S-Charl 6_2009 09 07_2526

Dorfplatz

S-Charl 1_2009 09 07_2520

Dorfstrasse

S-Charl 5_2009 09 07_2527

Fensterbild

S-Charl 2_2009 09 07_2521

Der letzte Bär

Wir sind in einem der Gasthäuser, dem Crusch Alba, weisses Kreuz, zu einem einfachen, aber sehr guten Mittagessen eingekehrt. Das Foto an der Wand zeigt die damaligen Dörfler und Dorfschönheiten im Sonntagsstaat, zu Füssen der im Jahre 1904 erlegte, letzte Braunbär der Schweiz. Über 100 Jahre sollten vergehen, bis sich wieder ein Bär in der Schweiz zeigte, und sogleich abgeknallt wurde. Bär gabs nicht auf der Speisenkarte, dafür Cordon bleu aus Kalb. Anlass, zuhause wieder einmal Cordon bleu zu machen. Übermorgen.

S-Charl 3_2009 09 07_2525

Bär erlegt !

S-Charl 4_2009 09 07_2523

kein Bär, Cordon bleu

 

Zwischen dem 12. und 17. Jh. und von 1811–1829 herrschte grosse Betriebsamkeit in dem einsamen Tal. Silber und Bleivorkommen wurden von Tiroler Bergknappen (das Unterengadin war lange Zeit habsburgisch) unter primitivsten Bedingungen von Hand abgebaut. Bis zum Auskauf des Unterengadins 1652 lag das königliche Bergwerksregal bei den Grafen von Tirol bzw. bei der Herrschaft Österreich. Danach kam der Bergbau zum Erliegen, die einheimischen Bauern verstanden sich nicht auf dieses fremde Handwerk. Zudem war auch der Ertrag zu klein: Aus einer Tonne Gestein wurden 1 kg Blei und 1 g Silber gewonnen.

S-Charl 7_2009 09 07_2528

Kirchlein

S-Charl 8_2009 09 07_2531

Bergbau Ruinen bei Schmelzra

Ein wundervolles Wandergebiet, leider führt der Weg meist hoch. Hier muss im Winter der absolute Frieden herrschen. Kein Auto !

S-Charl 9_2009 09 07_2535

Türmchenbau im Geröllcanyon

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

Grenzland 2009: Dritte Auflage

Oktober 11, 2009 21 Kommentare

Grenzland Veltlin Bergell Valposchiavo

Wie jedes Jahr, verbrachten wir auch unsere diesjährigen Sommerferien im Engadin. Einmal mehr haben wir unsere alten, ausgetrampelten Wege begangen, aber auch neue betreten. Davon wird an dieser Stelle in den nächsten Wochen zu lesen sein. Alle Reiseberichte sind fein säuberlich mit dem tag Grenzland etikettiert, wie schon in den vergangenen zwei Jahren.

Die erste Ausfahrt hatte das Wiederanknüpfen mit den letztjährigen Neuentdeckungen im Veltlin zum Ziel. Kurz nach 11 Uhr lohnt es sich in Tirano den (guten) caffè auf der Terasse des Caffè del Duomo zu nehmen. Unvermittelt, aber pünktlich, beginnen die Kaffeetassen zu vibrieren, ja gar zu wackeln, ein zunehmendes Donnern, Rumpeln und Bimmeln dröhnt durch die Strasse. Kein Erdbeben, die Berninabahn (trenino rosso) donnert im Abstand von 2 Metern am Kaffee vorbei quer über die Kreuzung.

Veltlin 0_2009 09 02_2633

Danach gings nach Bianzone, Altavilla, zu Anna Bertola.
Hier haben wir uns an den ein langes Jahr vermissten Sciatt gütlich getan, eine weitere Veltliner Käsespezialität kennengelernt, chisciöi, ein Stück Casera-Käse, der in einem Teig aus Buchweizenmehl ausgebacken wird. Die Rotoli di vitello schmecken immer noch gleich gut und der 2005er Carteria von fay ist klar besser als der 2004er.

Veltlin 1_2009 09 02_2636

Bresaola

Veltlin 11_2009 09 02_2640

Sciatt

Veltlin 13_2009 09 02_2638

Chisciöi

Veltlin 14_2009 09 02_2643

Rotoli di vitello

Veltlin 12_2009 09 08_2497

Carteria

Veltlin 2_2009 09 02_2645

Misto bosco

Danach in einem Hupf über die berühmte Brücke aus dem Jahre 1778 nach Morbegno, direkt in die Altstadt und den Laden der Fratelli Ciapponi:

Veltlin 10_2009 09 15_2404

Morbegno ponte di Ganda

Veltlin 3_2009 09 02_2673

Fratelli Ciapponi

Während sich Frau L. mit dem alten Herrn Ciapponi unterhielt, habe ich in der Abteilung Holzgerümpel eine Spaghetti-Chitarra aufgestöbert. Daneben bei Grappa und Veltlinerkäse kräftig zugelangt.

Veltlin 7_2009 09 02_2657

was darin sein mag ?

Veltlin 9_2009 09 02_2668

Signore Ciapponi personalmente

Veltlin 6_2009 09 02_2647

hinein in die heiligen Hallen

Veltlin 4_2009 09 02_2652

Jungkäse und -Salsicce

Die Ciapponis kaufen ihre Käse direkt von den Erzeugern und lagern sie in den eigenen Kellern bis zu 10 Jahren.

Veltlin 000_2009 09 02_2665

In Morbegno lässt sich überhaupt gut einkaufen. Hier gibts den besten Früchte- und Gemüseladen weit und breit. Interessant die Figur des Christophorus auf der Brücke, die auf  die österreichische Besetzung hinweist.

Veltlin 15_2009 09 02_2676

Brücke über den Bitto

Veltlin 16_2009 09 15_2408

Orto & sapori

Die Altstadt von Morbegno ist schön, ausgedehnter, weniger touristisch als jene von Sondrio.

Veltlin 0000_2009 09 15_2407

Gasse in Morbegno

Hier gehts zu den entsprechenden Berichten aus dem letzten Jahr:

I-23030 Bianzone: Trattoria Altavilla
I-23017 Morbegno: Gourmetparadies Flli. Ciapponi

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

CH-7535 Müstair: Karl der Grosse und die Katze

September 21, 2008 11 Kommentare
Kloster St. Johann Müstair

Kloster St. Johann Müstair

Keine Engadinferien ohne Besuche im Val Müstair (Münstertal). Das im östlichsten Teil der Schweiz gelegene Val Müstair besteht aus sechs Gemeinden mit knapp 1700 Einwohnern. Das sich vom Ofenpass bis zur italienischen Grenze erstreckende Tal ist etwa 26 km lang bei einer Fläche von knapp 20′000 ha.

Die historisch dokumentierte Besiedlung begann Ende des 8. Jhdts. mit der Gründung eines Herbergsklosters, das in der Folge die Entwicklung des Münstertals stark prägte, ihm sogar den Namen gab (monasterium, Kloster). Als Karl der Grosse sich 772-774 des Langobardenreiches bemächtigte, machte er den Churer Bischof Constantius zum weltlichen Verwalter von Churrätien, damit sicherte er sich die Passübergänge.
Anfang 12. Jhdt. lag das von Benediktinern geführte Kloster darnieder, erst die Einrichtung eines Frauenstiftes brachte das Haus wieder zur Blüte. Im 14. Jahrhundert trat der damalige Churer Bischof immer mehr Grundrechte an Österreich ab. Dagegen wehrten sich die Leute in allen Talschaften des Bistums und gründeten 1367 zur Abwendung der östlichen Gefahr den Gotteshausbund. Das Münstertal bildete zusammen mit den Gotteshausleuten im Vinschgau ein Hochgericht mit Sitz in Müstair. Im Schwabenkrieg (vor und nach der Schlacht an der Calven 1499) wurde das Münstertal und das Kloster dafür von österreichischen Truppen geplündert und verwüstet.

Plantaturm 10. Jhdt.

Plantaturm 10. Jhdt.

Wirtschaftshof mit Torturm 15. Jhdt.

Wirtschaftshof mit Torturm 15. Jhdt.

Eingang durch südl. Torturm

Eingang durch südl. Torturm

Spätgotisches Netzgewölbe 15. Jhdt.

Spätgotisches Netzgewölbe 15. Jhdt.

Die Klosterkirche St. Johann erlangte ihre heutige Berühmtheit (UNESCO-Welterbe) durch die Entdeckung eines Ende 800 entstandenen, einzigartigen Freskenzyklus aus karolingischer Zeit. Die Tafeln erzählen das Leben und Wirken Christi, den Wänden entlang, wie ein Bilderbuch. Im ausgehenden 12. Jhdt. liess der Frauenstift die Kirche mit expressionistischer romanischer Malerei aus- und übermalen.

Karolingische und romanische Fresken

Karolingische & romanische Fresken

Karl der Grosse, Statue 11. Jhdt.

Karl der Grosse, Statue 11. Jhdt.

Christus im Wellenberg (11. Jhdt)

Christus im Wellenberg (11. Jhdt)

Die Reformation erfasste die oberen Gemeinden des Tales früh, das Klosterdorf Müstair blieb hingegen beim Katholizismus. In der Zeit der Bündner Wirren 1620-35 wurde das Tal wechselweise von österreichischen, französischen und spanischen Truppen besetzt. Die strategische Bedeutung der Pässe ins Veltlin (Umbrailpass), nach Livigno und ins Engadin habe ich im Beitrag über Glurns schon erwähnt. 1728 verkaufte der Bischof von Chur das Tal an Österreich um 21′000 Gulden, 1762 erzwangen die Drei Bünde den Rückkauf um denselben Betrag.

Nächste Station talaufwärts ist Santa Maria im Münstertal. Kreuzungsort von Ofenpass und Umbrailstrasse. Ein hübscher, durch die enge Hauptstrasse aber leider verkehrsbelästigter Ort mit netten Läden.

Kirche in Sta. Maria, 15. Jhdt.

Kirche in Sta. Maria, 15. Jhdt.

Sta. Maria, Häuserzeile

Sta. Maria, Häuserzeile

Sehenswert in Sta. Maria auch die älteste Mühle und Stampfe der Schweiz mit unterschlächtigem Strauberrad-Antrieb (1676). Essenswert ein einfacher Teller Pizzoccheri (meine Rezeptversion hier) in der innovativen Bäckerei/Furnaria Meier.

Sta. Maria, Mühle Mall

Sta. Maria, Mühle Mall

Pizzocals

Pizzocals

Ein kleiner Umweg bringt uns in die auf 1920 m  höchstgelegene politische Gemeinde der Schweiz: Lü, die einen schönen Ausblick ins Tal eröffnet. Die arg zerzausten Ohren des Dorfkönigs legen Zeugnis ab von alten geschlagenen Schlachten in dieser jahrhundertelang umkämpften Talschaft.

Kirchlein in Lü

Kirchlein in Lü

Dorfkönig von Lü

Dorfkönig von Lü

Ein letzter Blick auf dem Ofenpass ins Val Müstair zurück. Die abendlichen Sonnenstrahlen werfen bereits lange Schatten. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr. Der Abschluss der diesjährigen Grenzland-Berichte. Alle bisherigen sind unter dem tag Grenzland aufrufbar.

Blick zurück ins Münstertal und auf die ferne Ortlergruppe

Blick zurück ins Münstertal und auf die ferne Ortlergruppe

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

I-39020 Glurns/ Glorenza: von Zwergen und Mäusen

September 14, 2008 14 Kommentare
Glurns

Glurns

Glurns (ital. Glorenza) ist eine der kleinsten und merkwürdigsten Städte der Alpen im Vinschgau. An alten, strategisch wichtigen Handelswegen gelegen (Reschenpass ins Nordtirol bzw. Ofenpass ins Engadin) erlangte sie Wohlstand als Umschlagplatz für Salz, das aus Hall im Nordtirol Richtung Süden, und Südfrüchten, Schmiedewaren sowie Gewürzen, die aus Italien in den Norden transportiert wurden. Das heute italienische Vinschgau und das grossenteils schweizerische Münstertal waren seit dem Frühmittelalter zwischen dem Bistum Chur und der Grafschaft Tirol umstritten. Der Bischof von Chur kontrollierte im Mittelalter als «Fürstbischof» des Heiligen Römischen Reiches grosse Teile des heutigen Graubündens, Chiavenna, Bormio und den Vinschgau.

Glurns

Glurns

Der Machtzuwachs der Habsburger unter Maximilian I. führte ab 1494 zu einem langwierigen Konflikt mit Frankreich um die Vorherrschaft in Italien. Zankapfel waren die Alpenpässe, die eine direkte Verbindung zwischen Innsbruck und Mailand ermöglichten. Hinzu kamen Streitigkeiten mit den Eidgenossen als Folge der Ausbreitung der Macht Habsburgs in Graubünden. 1499 wurde nahe Glurns in der Schlacht an der Calven ein überlegenes kaiserliches Herr (von Maximilian I.) von einem Heer der Drei Bünde nach einem Umgehungsmanöver vernichtend geschlagen. Im Anschluss daran plünderten die siegreichen Truppen die Stadt, steckten sie in Brand. Die Oesterreicher rächten sich später durch Verwüstung des Münstertales. Im Zuge des Wiederaufbaus von Glurns wurde die heute noch bestehende Stadtbefestigung errichtet.

Stadtmauern

Stadtmauern

Noch mehr Stadtmauern

Noch mehr Stadtmauern

Etwa 1580 vollendet, begann der wirtschaftliche Abstieg der Stadt. Neue Handelsrouten wurden erschlossen (Brenner durchs Eisacktal). Zudem war die neue Stadtbefestigung schon Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Entwicklung des Kriegswesens militärtechnisch wertlos. Im 19. Jahrhundert herrschten in der ehemaligen Handelsstadt überwiegend kleinbäuerliche Wirtschaftsstrukturen. Noch heute werden Kühe und Ziegen innerhalb der Stadtmauern gehalten.

Laubengasse in Glurns

Laubengasse in Glurns

Glurns

Glurns

Das intakte Stadtbild von Glurns macht den Eindruck eines kleinen Zwergenstädtchens. Alles ist klein, überschaubar, die Stadtmauern lassen sich in wenigen Minuten umwandern. Kulinarisch lässt sich nichts erwähnenswertes berichten. Auch vom 500 Jahre alte Gasthof zum Grünen Baum nicht. Immerhin zwei gute Kaffehäuser. Eher erwähnenswert der 1519 in Glurns durchgeführte Mäuseprozess: In Folge einer grossen Mäuseplage wurden die Mäuse im Umfeld der Stadt vor Gericht zitiert. Nach einer umfassenden Beweisaufnahme, an der auch ein Anwalt der Mäuse anwesend war, erfolgte der Urteilsspruch. Die Mäuse wurden zwar aufgrund ihrer Natur als unschuldig erkannt, aber trotzdem aus der Region verbannt. Immerhin kam man neugeborenen und schwangeren Mäusen soweit entgegen, dass man ihnen einen zweimaligen Aufschub der Frist von 14 Tagen gewährte. Ihre Nachkommen lachen noch heute über die Justiz.

Malsertor

Malsertor

Gasthof zum grünen Baum

Gasthof zum grünen Baum

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

CH-7610 Soglio: Palazzo Salis

August 24, 2008 7 Kommentare
Fassadendetail Palazzo Salis

Soglio: Fassadendetail Palazzo Salis

Immer wieder eindrücklich: Der Gang durch die engen Gassen entlang der aneinander gedrängten, ärmlichen, steinbedeckten Kleinbauernhäuser und Ställe aus Holz und Bruchsteinen.

Heutiges Sonnenlicht

Heutiges Sonnenlicht

Einstige (?) Armut

Einstige (?) Armut

Plötzlich steht man vor dem grossen, barocken Palast der Familie von Salis, der Casa Battista. 1630 als einfaches Wohnhaus durch Johann Baptist von Salis erbaut, hat der Palazzo Salis sein heutiges Aussehen durch einen grossen Umbau im Jahre 1701 erhalten. Verschiedene Generationen der Familie haben dem Haus ihren Stempel aufgedrückt und zur Ausstattung mit Möbeln, Bildern und Wandmalereien beigetragen. Hübsch der teils als Gartenwirtschaft benutzte, barocke Garten hinter dem Palazzo mit Buchsheckenkompartimenten, Wiesen, Mammutbäumen, Obstbäumen und Blumen.
Als Napoleon 1797 das Veltlin und Chiavenna vom Bündner Freistaat abtrennte, ging viel Grundbesitz verloren. Die traditionellen Einkünfte aus Diensten in fremden Heeren versiegten. Die Salis verliessen schliesslich Soglio. Das Haus ist noch heute in Familienbesitz, wird aber seit 1876 als Hotel genutzt.

Auf Wanderung, haben wir im Restaurant des Hotels Palazzo Salis einen traumhaften Risotto gegessen, Rosmarinrisotto mit Taleggio. Den hab ich inzwischen perfekt nachgekocht. Rezept am Dienstag.

Der Palazzo

Der Palazzo

Risotto im Palazzo

Risotto im Palazzo

Garten des Palazzo

Garten des Palazzo

Blick in den Friedhof von Soglio

Blick in den Friedhof von Soglio

Mit Veltliner im Blut ist es tatsächlich ratsam, Schritt zu fahren, obwohl ein Glas Veltliner mehr kostet als die angedrohte Busse.

Schritt fahren !

Schritt fahren !

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

I-23022 Chiavenna: Einkaufen-Essen-Trinken

August 17, 2008 16 Kommentare
Castello Balbiani, bzw. was Schweizer Landsknechte und eine Versicherungsgesellschaft von ihm stehen gelassen haben

Chiavenna: Castello Balbiani, bzw. was Schweizer Landsknechte und eine Versicherungsgesellschaft von ihm stehen gelassen haben

Über Chiavenna, die Perle der Alpenstädtchen, berichtete ich letztes Jahr schon einmal weitere Fotos siehe hier. Heuer haben wir es von Süden angefahren, von Varenna aus, der Perle am Comersee. Schwül-heisser Samstag, ich wäre lieber den ganzen Tag am Ufer sitzengeblieben, doch wir wollten noch in Chiavenna einkaufen für das Wochenende. Kein Schritt in Chiavenna, ohne den ersten espresso im Caffè svizzero. Fleissige Leser wissen warum.

Varenna

Lago di Como: Varenna

der Unvermeidliche

der Unvermeidliche

Am Anfang der Via Dolzino, gegenüber dem Palazzo Salis, steht der Laden der Fratelli del Curto. Kleines, aber feines Angebot an Bresaola, Salumi, Mortadella mit Leber. Die Viola di Capra, eine ganze, luftgetrocknete Ziegenschulter, die an die Form einer Klampfe erinnert, gibts leider nur am Stück. In dieser Macelleria könnte man zum Fleischesser werden. Natürlich kein Zufall, dass wir die Kühlbox im Auto hatten. Weiter unten an der Via Dolzino in der Bäckerei Balgera gibts zu den Wurstwaren köstliche Roggenringbrote mit Anis gebacken.

Macelleria del Curto

Macelleria del Curto

Enrico del Curto

Enrico del Curto

Salami, Bresaola, Prosciutto

Salami, Bresaola, Prosciutto

Via Dolzino

Chiavenna: Via Dolzino

Am andern Ufer der Mera, in der via P. Bossi, gehts in den Veltliner Spezerei- und Gemüseladen des charmant deutsch parlierenden Francesco Bedognotti (seine Frau ist Deutsche). Er hat, wenn man im richtigen Zeitpunkt kommt, die schönsten und frischesten Gemüse. Die Zucchiniblüten erinnern an die Mittagszeit: einmal mehr ins Ristorante Passerini, das Grotto Crotasc ist im Umbau und das Cenacolo geschlossen. Ein andermal.

Franceso Bedognottis Laden

Franceso Bedognottis Laden

Ristorante Passerini

Chiavenna: Ristorante Passerini

Bei Passerini wie immer ein sehr gutes und gepflegtes Essen, hier hats Dauergäste die täglich hier essen und denen wir Jahr für Jahr wieder begegenen. Wir haben gegessen: Zucchiniblüten (weibliche) mit Ricotta gefüllt, Maisravioli mit fave, Vitello tonnato und als Dessert ein gelato di fiordilatte con Amaro braulio, das Milcheis einfach mit Braulio umgossen, etwas weniger elegant als bei Anna Bertola.

Unsere Rückendeckung im Passerini

Unsere Rückendeckung im Passerini

mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten

mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

I-23017 Morbegno: Gourmetparadies F.lli. Ciapponi

August 8, 2008 11 Kommentare
F.lli Ciapponi

Morbegno: F.lli Ciapponi

Morbegno liegt an der SS38 zwischen Colico und Sondrio. Wer durchs Veltlin fährt, muss hier durch. Die Aussenquartiere trostlos, bislang kein Anreiz, ins centro storico vorzudringen. Wäre da nicht das Gourmetparadies der Fratelli Ciapponi, mitten in der Altstadt. Erstmals sind wir hieher gekommen. Und welche Überraschung. Die Altstadt pittoresk, eng, etwas verlottert. Die Gebrüder Ciapponi betreiben in dem alten, verwinkelten Haus ein 1883 gegründetes Handelsgeschäft mit den guten Erzeugnissen des Veltlins: Käse, Wein, Spezereien, Delikatessen, Grappe, Salumi.

Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden

Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden

Die Einrichtung stammt noch aus den Gründerjahren, nichts wurde weggeworfen, alte Registrierkassen, Waagen, Berkel-Aufschnittmaschinen und Behältnisse bilden einen fast musealen Rahmen für die angebotenen Waren. Als ob hier die Zeit stehengeblieben wäre.

Hochregallager

Hochregallager

manual computing

manual computing

Die alten Gebrüder laden einen herzlich ein, die Gewölbekeller, Kammern und Winkel des Hauses frei zu durchstöbern und gucken derweil im Kontor auf den Bildschirm der Telekamera. Die aktuellen Registrierkassen sind topmodern. Die Zeit also doch nicht stehengeblieben. Die Waren sind thematisch gruppiert im Haus (Parterre und zwei Untergeschosse) verteilt. Bekannt ist der Laden vor allem durch die vorzüglichen Veltlinerkäse. Im Herbst kaufen sich die Ciapponis direkt ab Alp die besten Laibe und affinieren sie in den eigenen Kellern. Bittokäse wird während der Alpsömmerung vom 1. Juni bis 30. September aus Rohmilch über offenem Holzfeuer in Messingkesseln hergestellt. Er lagert hier bis zu 10 Jahren.

Casera, Bitto & Co

Casera, Bitto & Co

Die Kleinen

Die Kleinen

Wie die Bilder aus den Weinkellern zeigen, lagert hier alles, was in Italien und im Veltlin Rang und Namen hat. In den verstaubten Winkeln warten vergessene Flaschen darauf, gehoben zu werden. Oder wurden sie absichtlich verstaubt und hingelegt ?

Im tiefen Keller

Im tiefen Keller

Gaja & Co.

Gaja & Co.

Öl, Essige, Konserven, Spezereien locken. Nur eines blieb mir bis heute ein Rätsel. Etwa ein Dutzend auf der Ladentheke aufgeschichtete Dosen mit der Aufschrift „Cloppenburger Bockwurst„. Habe ich da etwas verpasst ?

Feinwaage für Safranfäden

Feinwaage für Safranfäden

Konservatorium für Konserven

Konservatorium für Konserven

Ein, zwei Stündchen kann man in diesem Laden problemlos verbringen. An den Samstagen weniger empfehlenswert, wenn sich Carladungen von Touristen in den Gewölben tummeln. Lohnenswert ein Gang durch die pittoreske Altstadt, der Atmosphäre wegen.

Morbegno Altstadt

Morbegno Altstadt

Idylle

Morbegno: Idylle

Zwei Kirchen, die ältere S. Antonio und S. Giovanni Battista mit einer theatralischen Barockfassade. Den Palazzo Malacrida sparen wir uns auf nächstes Jahr. Wie der Löwe von San Marco sieht mein Brunnentiger ja nicht gerade aus, obwohl das Gebiet südlich von Morbegno im 16/17. Jhdt. direkt an venezianisches Hoheitsgebiet grenzte. Wasser oder Wein spendete er auch nicht, so gabs den espresso im Caffè gegenüber dem theatrum sacrum.

S. Giovanni Battista

S. Giovanni Battista

secco

Ecco il leone: secco

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

Fromme Reben

August 3, 2008 5 Kommentare
Sant' Antonio im hohen Gras

Teglio: Sant' Antonio im hohen Gras

Von Bianzone führt uns eine enge direttissima auf verschlungenen, schattigen Wegen durch Kastanienhaine direkt nach Teglio. Wir haben die Reise dreimal gemacht, im Regen und im Sonnenschein. Das erklärt die Lichtwechsel der Fotos. Die Pfarrkirche Sant’Eufemia in Teglio hat einen prachtvollen Portalbogen. Das Innere mit Fresken, die von der Romanik bis ins Barock reichen. Der Ort mit rund 5000 Einwohnern hat im Zentrum und in den umliegenden Weilern 16 Kirchen zu bieten. Erbe der tiefverwurzelten Religiosität der Veltliner. Die kann man nicht einfach per Dekret aus der Welt schaffen. Das hatten die protestantischen Bündner Glaubenseiferer in der Zeit der Reformation nicht begriffen.

Portal zur Kirche Sant'Eufemia

Teglio: Portal zur Kirche Sant'Eufemia

Fresken gegenüber Sant'Eufemia

Teglio: Weltliches Portal

San Pietro

Teglio: San Pietro

San Martino

Teglio: San Martino

Weiter über die Panoramica-strasse nach Tresivio. Während der Herrschaft der Mailänder Visconti und Sforza (1325 bis 1500) war Tresivio der Hauptort des Tales und eine bedeutende Pfarrei. Mit der Einnahme durch die Bündner 1512 wurde die Verwaltung nach Sondrio verlegt. Die gewaltige Kirche ist weitherum im Tale zu sehen. Beeindruckend die vielen terrassierten, steilen Rebhänge in der Weinbauzone Grumello. Das Veltlin weist eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von ca. 1900 Stunden pro Jahr aus, deshalb gedeihen hier nicht nur Reben, sogar Zitrusfrüchte sind neben Kernobst anzutreffen.

Steile Rebhänge im Grumello

Steile Rebhänge im Grumello

Santa Casa

Tresivio: Santa Casa

Oberhalb der Steillagen der Zone Inferno fahren wir über Poggiridenti in die Weinbauzone Sassella zur Madonna del Sassella, eine aus dem Beginn des 16. Jhdt. stammende Kirche. Rundum Reben. Schön. Hier ruhen die Gebeine von Nicolò Rusca, dessen führende Rolle in der Gegenreformation durch die Bündner Behörden grausam bestraft wurde. Weniger schön. Dessen Tod war eine der Ursachen für den Veltliner Mord, der 600 Protestanten das Leben kostete und die weitere Ausbreitung der Reformation im Veltlin zum Erliegen brachte.

S. Fedele in den Reben

Poggiridenti: S. Fedele in den Reben

Madonna della Sassella

Madonna della Sassella

Mittagessen in Sondrio, im Ristorante Sale e Pepe, das Montags geöffnet hat. Gut waren die Ricottaravioli, hingegen war die Vorspeise, gebackene Zucchiniblüten mit Sardellenfüllung zu schwer. Die Piazza Garibaldi immer noch eine riesige Baustelle. Ein Spaziergang in der Altstadt von Sondrio, dann Schluss mit Kultur und ab ins Schlemmerparadies nach Morbegno. Demnächst.

Ristorante Sale e Pepe

Sondrio: Ristorante Sale e Pepe

Ricottaravioli mit Tomaten

Ricottaravioli mit Tomaten

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

CH-7504 Pontresina: verspätete Postkartengrüsse

Juli 27, 2008 12 Kommentare
Postkartengrüsse

Postkartengrüsse

Pontresina ist ein idealer Ferienort. Wenn es regnet und man im Nebel keine 100 m weit sieht, kann man sich im örtlichen Kiosk Postkarten mit besonnten Bildern der umliegenden Berge anschauen. Welcher Ferienort an der Adria bietet mir bei Sonnenwetter Postkarten mit Regenfotos ?

Der Ferienort hält die unterschiedlichsten Unterkünfte für die unterschiedlichsten Geschmäcker bereit:

Nobel-Gediegen

Nobel-Gediegen

Imperial-Alpin

Imperial-Alpin

Rustikal-Luftig

Rustikal-Luftig

m. fl. k. u. w. Wasser

m. fl. k. u. w. Wasser

Sehenswert die alte Bergkirche Santa Maria mit ihren freigelegten Malereien und Fresken aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Mein liebster Aufenthaltsort in Pontresina: der Friedhof von Santa Maria mit den so konzentriert und ernsthaft blickenden Engeln. Stundenlang könnte ich ihnen beim Blumenstreuen zuschauen. Sie reden nicht viel und ich muss Ihnen die Welt nicht erklären.

Chiesa Santa Maria Pontresina

Chiesa Santa Maria Pontresina

Engel weiblich

Engel weiblich

In einem Bergort stehen Berge. Das lässt sich nicht ändern. Das gibt einerseits Gelegenheit für schöne Aussichten, ist andererseits mit viel lästigem Auf- und Abwärtswandern verbunden, immerhin verheissen die Wanderwegweiser Trinkkelche, gute Zeichen:

Aus- und Fernsichten

Aus- und Fernsichten

Oberengadiner Seen

Oberengadiner Seen

Bernina und Biancograt

Bernina und Biancograt

Verhungern muss man auch nicht, der Ort weist einige taugliche Essstätten auf:

Rindsbraten an Barolo

Rindsbraten an Barolo

Essterrasse geschlossen

Essterrasse geschlossen

Das allerbeste an Pontresina aber ist die Engadiner Torte von Kochendörfer, die möchte ich nachbacken können. Drei dünne Nussmürbeteigschichten, dazwischen Butter-Kirschcreme, zuoberst ein Deckel aus Mandelkrokant, Pinoli und Sultaninen. Nicht zu verwechseln mit der Engadiner Nusstorte.

Engadinertorte

Engadinertorte

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:++Besuch in.. Schlagworte:

Die Sciatt der Anna Bertola

Juli 23, 2008 19 Kommentare
Sciatt mit chiffoniertem Chicoree

Sciatt mit chiffoniertem Chicoree

Sciatt (auch Sciätt) sind neben den Pizzoccheri Valtellinesi hier mein Rezept das bekannteste Gericht der Veltliner Küche. Kleine Käsewürfel aus Veltlinerkäse (Casera oder Scimudin), umhüllt mit einem Bierteig aus Weiss- und Buchweizenmehl, ein Schuss Grappa, dann fritiert. Serviert mit fein chiffoniertem Chicoreesalat. Ich durfte bei Anna Bertola in der Küche zuschauen, wie sie gemacht werden.

Zutaten
200 g Weissmehl
300 g Buchweizenmehl
300 g junger Caserakäse oder Scimudin (Alternative: Fontina oder junger Camembert)
1 Schuss Bier, 2 Elf. Grappa, kaltes Wasser, Salz
Fritieröl, früher Schweineschmalz

Zubereitung
(1) Weiss- und Buchweizenmehl mischen, salzen, mit wenig Bier und dem Grappa einen flüssigen Teig (wie ein Bierteig) herstellen.
(2) Käse entrinden und in gleichmässige Würfel von einem cm Kantenlänge schneiden. Die Käsewürfel in den Teig geben und darin 1-2 Stunden ruhen lassen.
(3) Dann mit Hilfe eines Löffels oder einer Küchenpinzette herausnehmen und in heissem Fritieröl bei 160°C ausbacken. Auf Küchenpapier trocknen.

Der fein chiffonierte Salat wird vorab serviert und vom Gast mit einer Auswahl an Olivenölen und Essigen selbst angemacht.

Sciatt brutzelbraun

Sciatt brutzelbraun

Das Innenleben

Das Innenleben

Anna Bertola bei der Zubereitung

Anna Bertola bei der Zubereitung

Anmerkung
Die Rezeptur der Sciatt ist überall ähnlich, Anna Bertolas Rezept ist im Buch Vie e Vini della Valtellina von Reto Thörig abgedruckt. Andere Quellen verwenden etwas mehr Buchweizenmehl, verwenden Bittokäse oder als Fritieröl Schweineschmalz. Wichtig ist die Kontrolle der Temperatur, zu heiss gebacken werden sie rasch schwarz ohne dass der Käse anschmilzt, zu tief gebacken werden sie nicht knusprig. Beim Fritieren plustern sie sich etwas auf und werden rund. Frisch aus der Pfanne genossen, sind die „Sciatt“ ein Genuss, den man nur schwer vergisst !

AddThis Social Bookmark Button

Kategorien:Vorspeisen /Antipasti Schlagworte: