CH-4052 Basel: Venedig in Basel

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St. Alban Kirche Basel

Eines kalten Februartages wanderte ich (wieder einmal) vom Münsterhügel durch die St. Albanvorstadt in das St. Albantal. Von Baslern liebevoll „Dalbeloch“ genannt. Hier wurde im Jahre 1083, veranlasst vom damaligen Basler Bischof Burkhard von Fenis, auf den Fundamenten älterer Sakralbauten ein Cluniazenser Priorat gegründet, das erste Kloster in Basel. Das heutige Gotteshaus stammt aus dem Jahre 1270.  Das Kloster hatte einen umfangreichen Grundbesitz inner- und ausserhalb der Stadt. Um-, Aus- und Neubauten wurden in rascher Folge durchgeführt, insbesondere nach dem verheerenden Erdbeben 1356 und einem Brand von 1417. Nach der Reformation von 1529 wurde das Kloster aufgehoben, gelangte in städtischen Besitz, wurde 1840 verscherbelt. Die Kirche selbst wird seit 1971 an orthodoxe Glaubensgemeinschaften vermietet und ist heute baulich in einem desolaten Zustand.

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Blick durch den Kirchhof zu St. Alban

Vom Kloster sind leider nur noch die St. Alban-Kirche und ein Teil des ehemaligen Kreuzgangs übrig. Die Katze ist neueren Datums.

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Reste des Kreuzgangs im heutigen Wohnhaus mit Katze auf dem kalten Blechdach

Die günstige Lage am Rhein zog bald Handwerk an. Im 12. Jahrhundert wurde im Auftrag des Klosters vom Flüsschen Birs ein Kanal abgezweigt, der St. Alban-Teich, der an der historischen Stadtgrenze in zwei Arme geteilt wurde. Das erlaubte die Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe. Einst trieben die Kanäle die Wasserräder von zwölf Mühlen im St. Alban-Tal an. Im Spätmittelalter wurde zehn dieser Mühlen zu Papiermühlen umgebaut, die das Quartier im 16. und 17. Jahrhundert zum bedeutendsten Papierproduzenten der Schweiz werden liessen. Den Papiermühlen verdankte Basel die Anziehungskraft für Buchdrucker und Humanisten. Die zentrale Verfügbarkeit von Papier und hervorragende Druckereien waren der Grund, dass bedeutende humanistische Publikationen in Basel erschienen, sich der bedeutende Humanist Erasmus von Rotterdam sogar in Basel niederliess.

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Gewerbebauten am Hinteren Teich
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Wohnbauten, links Pfefferhof, am Vorderen Teich

Seit 1980 wird in der Stegreif- und Gallicianmühle das heutige Papiermuseum betrieben. In diesen beiden Gebäuden wurde über 400 Jahre lang, bis 1924, Papier hergestellt.  Das heutige Hauptgebäude des Museums war bis 1428 eine dem Kloster Klingental zugehörige Kornmühle, die erst zu einer Hammerschmiede und 1453 durch Antonius Gallician zu einer Papiermühle umgebaut wurde.

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Gallician-Mühle
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Vorderer Teich, mit Museum für Gegenwartskunst
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Alter spiegelt sich in der Gegenwart

Der Gründer des Klosters, Burkard von Fenis, liess auch die erste Basler Stadtbefestigung erbauen. Ein kleines Stück der Äusseren Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert und das St. Alban-Tors sind erhalten geblieben.

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Mittelturm und Teichturm der Stadtmauer
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Mittelturm und Messeturm, älteren und neueren Datums

Die Letzitürme standen früher direkt im Wasser des Rheinufers. Der Barockturm wurde erst 300 Jahre später, 1676 erbaut.

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der rechteckige, innere Letziturm, dahinter der äussere Barockturm
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Blick durch die St. Albanvorstadt auf das St. Albantor

Im Tordurchgang sind neben der grossen Holztüre noch die schweren Pfähle zu sehen, mit denen der Stadteingang verriegelt werden konnte.

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Der idyllische Platz im St. Alban-Tal mit dem Schindelhofbrunnen
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Blick in die Vergangenheit
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Blick über den Rhein in die Neuzeit, die Beleuchtung ist dieselbe

Quellen
Papiermuseum
wiki Kloster St. Alban
wiki St.Alban-Teich

29 thoughts on “CH-4052 Basel: Venedig in Basel”

  1. I bi begeischteret vo däm Struus vo scheene Helge, gspiggt mit perseenlige und träffende Kommentär. I wynsch dir/eych e scheene Sunntig !
    P.S. An dir isch e Bildposchtkaartefotograf verlore gange 😉

  2. Gerade das historische Basel liebe ich, mit seinem Kopfsteinpflaster, seinen prächtigen Bäumen und den Häusern aus anderer Zeit. Da läßt sich auch in der Stadt schön spazieren gehen.

  3. Scheint so, als müsste man wirklich nicht aus der Schweiz rausfahren, weil ihr habt alles einfach da.

  4. Das kannst Du doch nicht machen! Jetzt bin ich seit 12 Jahren fern der Heimat, kämpfe seit Monaten gegen starkes Heimweh und jetzt das… Dank Dir für diese Impressionen!

  5. Das Museum für Gegenwartskunst (für die Eltern) und die Papiermühle (für die Kinder) waren in den 80er Jahren unsere Lieblingsziele in Basel.
    Vielen Dank für den Bericht!

  6. Angesichts dieser kulturfördernden Wirkung bekommt der Begriff „Schreibfluss“ gleich eine ganz andere Bedeutung😉

  7. Das Papiermuseum habe ich vor einigen Jahren mal besucht und habe es noch in guter Erinnerung.
    Neugierige Frage: Am Kirchhofeingang ist links ein blau-grüner Wegweiser zu sehen – worauf weist der hin?

  8. @Hesting: gleich Heimatgefühl😉

    @Basler Dybli: wer versendet denn heute noch Bildpostkarten, bei dem teuren Briefmarkenporto🙂

    @Micha: im Moment gibt es schon noch frei liegendes Land, bald wird aber auch das zugebaut sein, so dass wir von der Grosstadt Schweiz sprechen können.

    @Bonjour Alsace: Danke, heute gilt ausruhen vom gestrigen Kochkurs.

    @zorra: ist schon lange her, da war ich noch jünger😉

    @turbohausfrau: ich grüble schon lange an einer neuen Sonntags-Reihe „Unser: ….“ die genau diesen Anspruch belegt.

    @Daniela: nicht ? soll ich denn ins Markgräflerland oder ins Elsass ?

    @cooketteria: so fern und doch so nah😉

    @Hanne:
    @Rosa May:
    ich bin ja selber gerne dabei.

    @mlocuc: im Museum für Gegenwartskunst war ich noch nie, bin noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen.

    @bee: Fotografie bringt gehemmten Schreibfluss zum Fliessen.

    @Ute-S: das blaue Täfelchen gehört zu einem 30-Jahre alten Fussgänger-Touristen-Leitsystem. Grün (auf Blau) steht für den Rundgang mit Hans Holbein (zu beiden Seiten des Rheins). Dazu gibts einen i-Guide.

  9. Das moderne Hochhaus steht auch in München – das neue Verlagsgebäude der Süddeutschen Zeitung. Sieht genauso aus. Leider sind moderne Gebäude oft nicht mehr individuell.

  10. Das sieht ja sehr schön aus! Ich war vor ca. 25 Jahren mal an der Muba. Dann bin ich einmal noch auf dem Weg ins Elsass über die Basler Autobahn gebrettert… mehr kenne ich von diesem offensichtlich sehr schönen Kanton in dem es sogar die berühmten Blechdachkatzen gibt leider nicht… ein Mangel, wie mir scheint.

  11. @the rufus: damals gabs noch keine shredder.

    @Nathalie: in diesen Hochhausvierteln kann man sich den immer gleicen Fassaden entlang totlaufen, mag ich überhaupt nicht.

    @Pepe Nero: vor 25 Jahren ging ich auch noch an die Muba. Früher war das noch eine Lestungsschau, heute ein Gemischtwarenladen, den man sich nicht mehr anzusehen braucht.

  12. Da sind wir uns ja vielleicht sogar über den Weg gelaufen ohne es zu wissen, an der Muba… lach! Auf solche Grossveranstaltungen kann ich inzwischen so oder so gut verzichten, ich mag es lieber etwas ruhiger und ueberschaubarer. Habe übrigens gestern die Basler-Läckerli gegessen, die mir mein zweitältester vom Militärdienst mitgebracht hat. Vielleicht macht mich der Umstand, dass ich die Dinger liebe ja etwas symphatischer, so als St.Gallerin… die eigentlich Bernerin ist…

  13. @Pepe Nero: Basler Leckerli magst Du ? Das macht allerdings sympathisch, obwohl ich weder Vorurteile gegen St. Gallerinnen, noch Bernerinnen habe. Wenn ich wieder mal Leckerly mache, will ich Dir ein paar zusenden.

    @kochfrau: die Bilder sind aber etwas chaotisch geordnet😉

  14. Oh, also damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet! Das ist ja sehr lieb! Die machst Du sogar selber? Ueber so viel Fleiss kann ich nur bewundernd staunen!
    Ich habe sehr darüber gestaunt, dass das Militär die Guetzli in ihr Food-Programm aufgenommen hat. Früher gab es doch nur diese trockenen in Silberpapier eingepackten Einheitsguetsli… inzwischen gibt es da eine regelrechte Auswahl. Bis zum August werde ich diesbezüglich gut versorgt sein… lach! Muss ja schliesslich auch die ganze nicht immer sehr angenehm riechende Militär-Wäsche waschen…

  15. Wieder ein sehr schöner Bildbericht, der mir deine Stadt näher bringt! Fein anzuschauen und zu lesen! Jetzt geht es nur mehr darum: Wann kann ich endlich wieder nach Basel und deine Plätze aufsuchen?
    Was ist denn das Schild im zweiten Bild – blau und grüne Frau mit Hut? Darf frau hier nur Hut tragen?
    Und wo sind die Gondeln im Schweizer Venedig?

    1. > Nur mit Hut !🙂
      Spass bei Seite, es handelt sich dabei um einen der offiziellen, empfehlenswerten Stadtrundgänge, siehe:

      > Auf dem Rhein, man nennt sie Fähri und es hat deren vier

        1. Man merkt, dass es regnet. Sogar die alten Sachen werden angeguckt🙂
          Danke für alle Erklärungen, Hätt ich auch erst zusammensuchen müssen.

          1. Danke Basler Dybli und mlocuc für eure Erklärungen.
            Wenn ihr mal wen seht, der in Basel mit grünem Hut auf euren Stadtrundwegen lustwandelt, dann ist das die Ente.😉
            Ich schau auch die alten Sachen wenn es nicht regnet. Wien war sonntags noch trocken.😉
            Ziehe den Hut!

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