CH-3402 Burgdorf: Altstadt

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Burgdorf, am östlichen Eingang des Emmentals gelegen, ist kein Dorf, sondern seit altersher eine Stadt. Seit dem 11. Jahrhundert erhebt sich auf dem Stadthügel eine Burg, die hier jedoch als Schloss benannt wird. Um 1200 liess Herzog Berchtold V. von Zähringen anstelle der alten Burg eine neue, repräsentative Residenz errichten. Gleichzeitig gründete er die dazugehörige Stadt. Eine erste Stadterweiterung, welche die Lücke zwischen Stadt und Burgareal schloss, erfolgte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Als zweite Stadterweiterung wurde um die 1300 die Unterstadt bebaut. Andere Zähringergründungen sind in der Schweiz Bern, Fribourg, Murten, Rheinfelden und Thun. Wer hier regelmässig mitliest, weiss das.

Nach dem Tod von Berchtold V. als letztem Zähringer, fiel ein Grossteil des Erbes, so auch Burgdorf, an das Haus Neu-Kyburg, das mit den Habsburgern verbandelt war.

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Burgdorf, Schalgasse, Oberstadt

1273 trat die so genannte Goldene Handfeste in Kraft, die älteste erhaltene Fassung des Burgdorfer Stadtrechts. Manche Bestimmungen blieben über 500 Jahre, wären wohl heute noch in Kraft😉, wenn 1798 die alte Eidgenossenschaft durch den Franzoseneinfall nicht untergegangen wäre.
Burgdorf (Burdlef) erfreute sich einer weitgehenden Autonomie vom Adelsgeschlecht der Kyburger. Der rasante wirtschaftliche Niedergang und der daraus folgende Geldbedarf des Hauses Neu-Kyburg drohte die Autonomie der Stadt zu beschneiden. Die Nachbarstadt Bern packte die Gelegenheit beim Schopf, belagerte die Stadt 1383/84 mit 6000 Mann. Burgdorf wderstand der Belagerung während 45 Tagen. Ohne Entscheid zog sich der Krieg hin. Durch Annahme einer eidgenössischen Vermittlung erwarb Bern für die von den Eidgenossen im Kaufvertrag vom 5. April 1384 festgesetzte hohe Summe von 37.800 Gulden die Städte und Schlösser Burgdorf und Thun. Damit besass die freie Reichsstadt Bern die Tore zum Emmental und Oberland, starke Festungen sowie die grössten Märkte der Gegend. In Burgdorf hatte Bern eine starke und gute Erinnerung an die früheren Herren zu berücksichtigen. Im Friedensvertrag bestätigte es der Stadt die grossen Freiheiten, die Burgdorf von den Kyburgern erhalten hatte.

Der Kronenplatz ist durch herrschaftliche Kaufmannshäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert geprägt:

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Burgdorf, Kronenplatz, Oberstadt
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Burgdorf, Hotel Stadthaus, Oberstadt
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Burgdorf, Kirchbühl, Oberstadt
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Burgdorf, ehem. Zunfthaus zu Schmiede und Zimmerleuten, Oberstadt

Im 19. Jahrhundert begann sich die Stadt über die mittelalterlichen Stadtmauern hinaus zu entwickeln. Die Eröffnung der Bahnlinie Bern-Olten 1857 brachte der Stadt wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Aufschwung.

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Mittag gegessen haben wir in der Unterstadt im Restaurant Gedult, eine erfreuliche Entdeckung, die ich der Wilden Henne verdanke. Die Unterstadt wirkt auf den Besucher kleinstädtischer als die Oberstadt, ist dafür belebter.

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Burgdorf, Metzgergasse, Unterstadt

In der Unterstadt ist das Kornhaus nicht zu übersehen. 1770 als Kornspeicher erbaut, heute wird es als Museum für Volkskultur genutzt.

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Burgdorf, Kornhaus, Unterstadt

Quellen: wiki

15 thoughts on “CH-3402 Burgdorf: Altstadt”

  1. …und beim Gertsch warst du nicht? Nicht dass ich das Museum sooo toll finde, aber einmal ansehen sollte man es schon.
    Aber auch sonst ist Burgdorf schön. Ganz besonders der Blick vom Burgturm.
    liebe Grüsse vom Muger

    1. Ich finde den Gertsch total überbewertet! Das Gebäude hingegen gefällt mir sehr gut. Und im zugehörigen Art Café wirtet neu meine ehemalige Chefin. Und darum gibt es dort übrigens den weltweit besten Schoggikuchen.😉

  2. Ich glaube, da war ich vor Ewigkeiten mal – irgendwie kommt mir das bekannt vor. Wunderschöne Bilder, wie immer bei Dir.

    Hanne hat recht, dieses Gefühl, dass alles gut ist, kommt da immer gut rüber. Danke dafür. Irgendwie ist bei Deinen Fotos auch immer blauer Himmel.

  3. @Cooketteria: Regenschirm nicht vergessen ! Bei dem Regenwetter bleiben wir zuhause.

    @der Muger: Entweder Stadt besichtigen oder Museum. Sonst macht mir Frau L. den Handstand. Fotorealismus in der Kunst ist nicht so meins. Ein Dia an die Wand projizieren und die Konturen mit der richtigen Farbe ausfüllen. Hmm. Da guck ich mich lieber im Wald um.

    @Nathalie: das gibt dem Bewohner so etwas Geborgenes.

    @Pepe Nero: alles behäbig-bernerisch.

    @Hanne: das „Alles ist schlecht“ blende ich bewusst aus. Das kann man sich in der Tagesschau ansehen. Wer will.

    @Barbara: Da muss man schon hinter den ersten Emmentaler Hügeln durchfahren, um Burgdorf zu finden😉 Wir verreisen nur bei gutem Wetter. Sonst gibts keine Fotos.

    1. Und auch dieses Projekt wird uns Steuerzahler eine Unsumme kosten – wie in den 90er Jahren bereits das Kornhaus. Und auch dieses Projekt wird wahrscheinlich vor allem Geld verschlingen und dann einfach rote Zahlen schreiben. Burgdorf ist schön – aber die Touristenströme verschlägt es nun mal nicht hier hin, auch wenn das Schloss irgendwann eine Jugi sein sollte. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil positiv überraschen.

  4. Wow, super schön stellst Du meine Heimat vor🙂 Wenn man selber so drin lebt, fallen einem die schönen Dinge gar nicht richtig auf, weil normal. Aber die Stadt durch Deine Brille betrachtet ist schön.
    Darf ich noch was anmerken? Das Kornhaus war mal Zentrum für Volkskultur, seit 2005 nicht mehr. In den neunziger Jahren wurde das Gebäude umfassend und total überteuert saniert, dann zog dort eben mit grossem Brimborium das Museum für Volkskultur und (schweizerisches Trachtenmuseum) ein. Das Museum (Stiftung) schrieb von Anfang an tiefrote Zahlen, die erwarteten Besucherströme blieben – wie vom grossen Teil der Bevölkerung erwartet – aus. Ab 2005 war dann endlich Schluss mit Museum. Seither steht das Kornhaus leer. Nun wird dort die Burgdorfer Gasthausbrauerei, die derzeit im Restaurant Schützenhaus untergebracht ist, neu ihre Brauerei einrichten. Ich glaube Bier rentiert einfach mehr als Trachten😉

  5. @Rosa May: Die Burg ist ein wenig duster.

    @Micha: das war noch bei Sonnenschein. Seit ein paar Tagen ist es hier grau oder regnet.

    @Bachbummele: vielleicht erlebe ich das noch eher als den Auszug der Frauenstrafanstalt aus Schloss Hindelbank.

    @Wilde Henne: Danke, die meisten Fotos schaffens ausPlatzgründen nicht in den Blog. Hab mich noch gewundert, warum rund um das Kornhaus eine grosse Baustelle ist. Dann freue ich mich auf ein Bier. Trachten sind an stämmigen Bernermeitschi eh hübscher als an magern Schaufensterpuppen im Museum.

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