CH-1608 Oron: Schloss

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Chateau d'Oron

Wer sich die Zeit nimmt, Autobahnen den Eiligen zu überlassen, wird immer wieder mit kleinen Entdeckungen belohnt. Vom Genfersee durch die Waadt nach Bulle tuckernd, kamen wir, wieder einmal, im Auto Kirschschokolade von Villars essend, an Oron vorbei. Ein Bilderbuchschloss. Das sogar als Schauplatz eines Comics herhalten durfte. Leider ist es nur Samstags geöffnet.

Bild: http://www.swisscastles.ch

Aus den Besitztümern der Abtei St. Maurice im Wallis entwickelte sich im 12. Jahrhundert die Herrschaft Oron. Um diese Zeit wurde auch das Schloss erbaut. Peter II., Graf von Savoyen und Earl of Richmond, auch der „Kleine Karl der Grosse“ genannt, unterwarf sich im 13. Jahrhundert einige der umliegenden Ländereien (u.a. Turin) und dehnte sein Herrschaftsgebiet zu einem kleinen Fürstentum aus, das neben dem Stammbesitz südlich des Genfersees nun weite Gebiete der Waadt umfasste. Die Herren unseres Schlösschen erhielten von ihm die Herrschaft Oron als Lehen. Während dieses Jahrhunderts erlebte die Herrschaft Oron eine Blütezeit; die Familie besetzte einflussreiche Posten im Waadtland. 1388 erlosch das Geschlecht, die Herrschaft ging als Erbe an die Grafen von Greyerz, auch diese Gefolgsleute der Savoyer..

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Nach der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 verblieb Oron zunächst bei der Grafschaft Greyerz, kam aber unter die Lehensherrschaft von Bern. Spannungen ergaben sich, als die Berner ab 1536 in den Gebieten der Waadt die Reformation einführten. Die Grafen von Greyerz lebten auf derart hohem Fusse, dass 1554 ein Konkurs unabwendbar wurde. Ihre Gläubiger teilten die Grafschaft unter sich auf. Letztlich gelangte Bern durch Kauf in den Besitz von Oron. Ab 1557 errichtete Bern in Oron eine Vogtei dritter Klasse und liess sie von Landvögten aus Bern regieren.

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Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte Oron-le-Châtel kurzzeitig dem Kanton Léman an, der anschliessend im Kanton Waadt aufging. Das Schloss fiel an den Kanton, der es zu einem Gefängnis umwandelte. Nach weiteren Besitzerwechseln wurde es 1936 an die Association pour la conservation du Château d’Oron übertragen, die sich für den Erhalt der Bausubstanz einsetzt.

Ältester Teil des heutigen Baus ist der runde Bergfried aus dem 13. Jahrhundert an der Nordostecke. Der unregelmässige Bau mit  ovalem Grundriss besitzt einen Innenhof und Wohngebäude, die bis zum 18. Jahrhundert mehrmals umgestaltet wurden und ist rundum geschützt von einem durchgehenden Wehrgang. Das Schloss beherbergt heute ein Museum und seit 1880 eine der grössten Privatbibliotheken Europas, die der franz. Romanliteratur des 18. Jh. gewidmet ist. 17’000 Bände.

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Wer nicht kommt zur Öffnungszeit, dem bleibt nur ein Blick in Dunkelheit.

Quellen: wiki, Historisches Lexikon der Schweiz

16 thoughts on “CH-1608 Oron: Schloss”

  1. Ein wahrhaft imponierendes Château – mit Schokolade von Villars (G. bevorzugt die Sorte Abricotine😉
    Einen schönen Sonntag für Frau L. und Dich.

  2. *Kirschschokolade* – es klingelt in meinen Ohren!
    Zu schade, wenn man trotz wahrhaftem Interesse und geneigtem Herzen vor verschlossenen Türen steht. Allein das Äußere läßt ihnen auf einiges hoffen.

  3. War wohl kein Samstag – ich schlage vor, dass Ihr es Samstag nochmals probiert und dann Bilder von innen mitbringt🙂

  4. Vor 3 Jahren waren wir in Oron-le-Châtel & Umgebung … eine beeindruckende Gegend.
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wir haben ganz wunderbar gegessen bei Carlo Crisci im Le Cerf in Cossonay😉
    Vielen Dank für deinen wunderbaren Beitrag .

    Liebe Grüße Kerstin

  5. Das ist wahrlich ein sehr imposantes Schloss – danke für die schönen Fotos und den Bericht dazu.

    In den Genuss dieser Kirschschokolade kam ich leider noch nicht und kann daher auch nicht mitreden😉

    Einen schönen Sonntag für euch zwei.

    LG Eva

  6. Aber auch nur von außen gucken ist schön. Druch die vielen Türmchen sieht es richtig zierlich aus.

  7. Da sind bestimmte angerostete Rüstungen zu sehen, die abgeranzten Wildschweinfelle, auf denen die Ritter saßen, und düstere Landschaftsbilder aus dem 19. Jahrhundert. Die 17.000 vorrevolutionären Romane während selbst mir zu viel, ich verfüge mich unterm trüben Himmel Preußens mit einem Roman policier und einem Glas saurem Roten aufs Faulbett. Gute Wünsche für weitere schokoladenreiche Reisen!

  8. Das ist wirklich ein erstaunlicher Bau, oder es liegt an der Perspektive. Von außen wirkt er tatsächlich klein und zierlich wie ein Renaissanceschlösschen, aber sobald man den Grundriss sieht, merkt man erst, wie geräumig er ist. Da steht wohl noch eine Begehung des Inneren an😉

  9. @Ti saluto Ticino: Abricotine, aus dem Wallis , nicht aus dem Tessein😉

    @Micha: ab einem gewissen Alter muss man nicht mehr jeden Stein umdrehen.

    @the rufus: Samstags/Sonntags bleiben wir immer schön zu Hause.

    @Verboten gut!: da waren wir noch nie, die Adresse ist mir jedoch bekannt.

    @Eva: im Sommer lässt sich die leider nicht versenden.

    @Rosa May: blättern wir halt im Comic.

    @April: ich nehme es schon, wenn mir es jemand schenken würde.

    @Poliader: französische Romanciers hatten früher viel zu erzählen, genau wie heute die französischen Politiker.

    @bee: möglich ist das schon. Irgendwann kommen wir immer wieder hier durch.

  10. oron klingt schon total mächtig! durch land- bzw. nationalstraßen tuckern ist halt doch schöner!

  11. Schöner Ausflug ins Welschland. Ich war auch noch nie im Schloss drinnen, irgendwie haben wir das mit den Öffnungszeiten auch noch nicht geschafft.

  12. Kirschschokolade mampfend im Auto herum tuckern… dafür könnt ich mich auch begeistern! Macht man dabei noch so wunderschöne Entdeckungen ist das doch einfach herrlich! Ich hoffe, ich hab auch irgendwann die Zeit für so schöne Ausflüge… bis dahin seh ich mir einfach an, wohin es Dich überall hin verschlägt und träum davon…

  13. @nysa: je nationaler die Strassen, desto mehr Verkehr.

    @Wilde Henne: den Büchern tut es gut, wenn nicht soviele drin blättern können.

    @Pepe Nero: Irgendwann in näherer Zukunft ist Schluss mit Ausflügen, dann muss ich mir Ausflüge auch im Blog ansehen. Das Auf und Ab des Lebens.

  14. .. ich weiss jetzt zwar nicht, wieso Du auf Ausflüge bald verzichten musst (kann höchstens Spekulieren) und da wir hier in der Oeffentlichkeit sind, erwarte ich auch keine Antwort darauf. Bin jedoch immerhin genug Alt um zu wissen, dass es leider selten so läuft, wie man es gern hätte… oder nicht für all zu lange…
    das tut mir jedenfalls sehr leid… ich habe dies auch nicht aus Neid geschrieben, ich mag Dir die schönen Ausflüge von ganzem Herzen gönnen! Mir würde es einfach auch sehr gefallen, wenn ich welche machen könnte, bei mir hat es wieder andere Gründe, weshalb dies nicht geht.
    Ich hoffe, Du findest etwas anderes, dass Dir Spass macht und das Leben ein wenig versüsst! Immerhin die Kirschschoggi wird Dir ja keiner verbieten… Liebe Grüsse Susann

    1. Danke. es gibt halt immer etwas, das einem seine Grenzen aufweist. Bei uns aber nicht etwa, weil ich mit Kirschschoggi oder Calvadostrauben im Mund in eine Polizeikontrolle geraten wäre😉 Drum geniessen wir die Ausflüge, solange wir noch können.

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