CH-3047 Bremgarten BE: entlang der Aare

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Das Fahr von Reichenbach an der Aare

Unsere „Wanderung“ entlang der Aare begann an der Emme, genauer: in Burgdorf, im Restaurant Gedult.

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Danach wechselten wir den Flusslauf, bei Reichenbach, nahe bei Bern, fanden wir die junge Aare. Reichenbach gehört zwar zu Zollikofen, aber wen stört das schon, wenn das Wasser so schön blau ist ?

In Reichenbach steht ein Schloss. Früher eine einsame Burg an einem der Aarebogen, in der der Sieger der Schlacht bei Laupen, Rudolf von Erlach, 1360 in hohem Alter verstarb oder ermordet wurde, so genau weiss man das nicht mehr. 1683-1688 wurde die trutzige Burg vom Berner Patrizier Beat Fischer zu einem Schloss in hochbarockem, französischem Stil umgebaut. Beat Fischer war der Gründer des Postwesens in der alten Stadt und Republik Bern. Er baute die bernische Post zu einem der schnellsten Postdienste Europas aus und nutzte sein Informations-Netzwerk, um die erste Berner Wochenzeitung, die 1677 begründete Gazette de Berne herauszugeben. Für seine Verdienste wurde er 1680 von Kaiser Leopold I. mit dem erblichen Reichsritterstand geadelt. Die Postkutscher und -knechte stammten damals mehrheitlich aus Bayern. Als vorbildlicher Arbeitgeber liess er zu deren Erfrischung nördlich an das Schloss angrenzend eine Brauerei errichten.

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Schloss Reichenbach, von der Aare aus gesehen

1890 wurden Schloss und Brauerei an einen bayerischen Braumeister verkauft, dessen Rechtsnachfolgern Brauerei und Schloss noch heute gehören (Rugenbräu). Die Zufahrt zum Schloss ist eingerahmt von einem Sammelsurium von Gerümpel, Bierlastwagen, einem Getränkehandel, einem Brockenhaus, einem Autopneuhändler, einer Schlosserei, Abstellräumen aller Art. Herr Beat von Fischer würde sich im Grabe umdrehen, müsste er das noch mitansehen.

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Occasions-Terrine

Frau L. wurde im Brockenhaus fündig und schleppte mir eine Ententerrine an. Günstig, wahrlich, das war sie. Ich habe sie in unsern Zoo aufgenommen unter der Bedingung, dass ich sie einmal mit Ente befüllen darf. Schlaues Kerlchen !

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Blick auf die Aare

Wenn man die Zufahrt beim Fotografieren ausblendet, sieht das Schloss hingegen hübsch aus.

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Schlosseingänge mit Wappenfisch „von Fischer“

Anschliessend wandten wir uns Aareabwärts, nach Bremgarten. Der alte Kern von Bremgarten liegt auf einer Halbinsel in einer Aareschleife. Hier wurden in der Karolingerzeit (10. Jahrhundert) eine Kirche im romanischen Stil sowie eine Burg samt Burgstädtchen erbaut.

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Bremgarten: Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert

Kirche, Burg und Ortschaft bildeten in den beiden folgenden Jahrhunderten das Zentrum einer mittelalterlichen Herrschaft, welche die nordwestlich von Bern gelegenen Ortschaften umfasste und den Herren von Bremgarten gehörte. Die aufstrebende Stadt Bern eroberte 1298 Bremgarten, brandschatzte Burg und Kirche und verkaufte die Herrschaft 1306 an den in Münchenbuchsee residierenden Johanniterorden. Als Folge der Reformation von 1528 gelangte der geistliche Besitz erneut an die Stadt, die ihn 1545 an den Berner Patrizier Hans Franz Nägeli verkauft. Der baute die Burg zu einer Schlossanlage im Stil der Zeit um. Nach vielen Handwechseln wurde das Schloss im 18. Jahrhundert durch Albrecht Frisching, einem Professor der griechischen Sprache, in spätbarockem Stil weitgehend neu erbaut.

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Das neue Schloss des Albrecht Frisching. Zutritt verboten.

Reiche Berner erbauten hier habliche Landsitze. Bauernhöfe, Kleingewerbe und Kleinbauern siedelten sich an.

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Bauernhaus

Die kleine romanische Eigenkirche wurde im 12. Jahrhundert erweitert, der Turm 13. Jahrhundert hinzugefügt. Im 14./ 15. Jahrhundert wurde die halbrunde romanische Apsis durch ein hoch aufstrebendes, gotisches Chorhaus ersetzt.

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Kirche Bremgarten BE

Hoffentlich hab ich nichts vergessen. Schliesslich wohnt hier eine eifrige Leserin😉

Tief unten an der Aare liegt die Neubrügg (Neue Brücke) die trotz ihres Namens die älteste erhaltene Holzbrücke im Kanton Bern ist. Die Neubrügg ersetzte 1534/35 eine im Jahre 1466 erbaute, ältere Brücke, die Aarburg mit Bern verband. Sie ist gedeckt und steht auf vier Steinpfeilern.

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Bremgarten: Neubrück

Früher war die Überwindung der Anhöhe nach Stuckishaus für Pferdefuhrwerke recht anstrengend. Für unsere Rösser kein Problem. Wenige Kilometer westlich lohnt eine wunderschöne Aussicht den Betrachter. Was sollen wir denn auf den Malediven ?

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Berner Panorama ob Meikirch

Quellen
Neubrügg wiki
Beat Fischer wiki
Bremgarten wiki

24 thoughts on “CH-3047 Bremgarten BE: entlang der Aare”

  1. Ob des Panorama-Bildes entfährt mir begeistert: Es lebe die Schweiz!

    Wobei heute alle Fotos Bilderbuch-Charakter haben.

  2. Endlich mal ein Ort, an dem ich auch schon war… zwar als Kind, aber immerhin…
    Ich hoffe, es findet sich eine Ente in der Grösse der Terrine, sie scheint mir nicht all zu gross zu sein… In dem Brockenhaus hätte ich auch gern ein bisschen gestöbert.
    Ganz wundervolle Bilder und ein Traumwetter!

  3. Wunderbare Bilder und die Ententerrine stell ich mir gefüllt ebenso wunderbar vor. Und übrigens, Du bist ja fast häufiger in der Gedult als ich😉

  4. Ein stimmungsvoller Sonntag!
    Schon lange frage ich mich, woher der Ausdruck „Brockenhaus“ stammt. Etwa vom französischen Brocante? Wir haben Verwandtschaft, deren Einrichtung komplett aus dem Brockenhäusern in Basel und Brienz stammt.
    Viele Grüße z.Zt. aus Portugal

  5. @Hesting: was man gleich vor sich sieht, kann man oft essen😉

    @Micha: wenn die Sonne scheint, geht das fotografieren mit A(utomatic) besser.

    @Kirsten: wenn sie nicht zu nahe stehen und weder mit Schatten noch mit Geröll um sich werfen, mag ich Berge auch.

    @Pepe Nero: ich dachte jetzt eher an die Entenleber😉

    @SchnickSchnackSchnuck: muss schon beklemmend sein, das Flachland.

    @Winnieswelt: Der Ausblick von hier hat sogar in der Belletristik Eingang gefunden. Deshalb musste ich mal von hier obe in die Ferne blicken….

    @Wilde Henne: so oft auch nicht, das hängt bei uns von vielen Faktoren ab.

    @Rosa May: 180°, to be exact.

    @Nathalie: nach dem Essen sind wir vom essen und trinken zu müde.

    @anglogerman translations: Schweizer sinds jedenfalls nicht, Schweine können sich als Schnitzel nicht mehr wehren.

    @Buchfink: habs eben hier nachgelesen. http://de.wikipedia.org/wiki/Brockenhaus

    @the rufus: Rösti nur mit alten.

  6. Eure Wanderung begann an der Emme? In dieser Gegend wildert doch auch die Wilde Henne😉
    Warst Du schauen, ob sie noch ein Würstel übrig hat von ihrem idyllischen Ausflug am Fluss?

  7. So so – eine Brauerei für die bayerischen Postkutscher! Früher wussten die noch, was den Leuten gut tut.
    A propos Belletristik: Nicht nur die phänomemale Aussicht, auch Schloss Reichenbach ist mir schon zwischen Buchdeckeln begegnet. Zu gerne möchte ich mich erinnern können wo. Bei von Tavel, Maria Waser, Evelyne Hasler oder Lukas Hartmann? Kann jemand meiner Erinnerung nachhelfen?

  8. Soo schön! Du hast auch den Blick dafür, die allerschönsten Motive zu „fangen“!

    Und, man sieht deutlich, dass die Aare hier noch Gebirgsfluss ist…

  9. @Bonjour Alsace: Sabine, sehen wir so aus, als ob wir noch wandern würden ? Wir lassen wandern.

    @Bachbummele: in den Schriften von Rudolf von Tavel bin ich belesen, schliesslich ist er mein Berner Reiseführer: Im Schloss Reichenbach wohnten der Oberst Lombach und seine Blanche. [in: Götti und Gotteli, und Houpme Lombach]

    @twocents: Gletschermilch😉

    @entegut: Milchwecken an Gemüsebrühe schmeckt nicht als Füllung. Ich will Ente.

  10. @Buchfink Zu den Brocken – die sind nicht nur schweizerisch. Bekannt wurde die Brockensammlung von Friedrich von Bodelschwingh, der die Anstalt Bethel (bei Bielefeld, NRW) gründete. Mein Onkel (Ruhrgebiet) verwendete das Wort Brocken immer als Synonym für Sachen. „Pack mal deine Brocken zusammen!“ Manchmal drückt man sich eben diesseits und jenseits des Röstigrabens gleich aus. Als ich in der Schweiz zum ersten Mal das Wort „Brockenhaus“ hörte, wusste ich sofort, was gemeint war. Theoretisch hätte es natürlich auch ein Hexenhaus im Harz sein können, aber das passte nicht so recht in den Kontext.🙂

  11. @anglogermantranslations:
    Hausgemachte Ravioli, hausgeräucherter Fisch, hausgebackene Kuchen sind hier etablierte Begriffe. Dass das hausgeklopfte Fleisch gegenüber dem ausserhäusig geklopften vorzuziehen ist, kann ich mir gut vorstellen. Ausser Haus wir vermutlich gewalzt statt geklopft.

  12. I ha „Götti und Gotteli“ wieder einisch gläse u wou gläbt dranne! I freue mi scho uf e nächscht Reisebricht wo der Rudolf von Tavel het dörfe Reisefüehrer sy.

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