CH-8597 Landschlacht: St. Leonhardskapelle

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Der Winter meldet sich aus den Frühlingsferien zurück. Der Wetterbetrübnis zum Trotz wagten wir uns bei Dauerregen auf eine Ausreise. Nach Frauenfeld. Die Mühe hätten wir uns ersparen können. Auch dort regnete es dauer. Fotoapparat blieb eingepackt. Frau L. wars nicht um Museumsbesuche. Also fuhren wir nach dem Mittagessen in Richtung des geliebten Bodensees. In Landschlacht gedachte ich, den Winter in eine weitere Abnützungsschlacht zu verwickeln. Aber der Gegner wich blitzschnell über den Bodensee zurück: der kalte Regen hörte auf. Landschlacht ist ein kleines Dorf bei Münsterlingen. Darin befindet sich ein kleines Kapellchen, das im 10. Jahrhundert erbaut wurde.

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trocken !

Der karge Bau auf freier Wiese ist unverputzt. Rundum wird die Kapelle von Mehrfamilienhäusern bedrängt. Die dem heiligen Leonhard (Schutzpatron der Gefangenen, Kettenheiliger, Nothelfer, Patron und Fürsprecher für das liebe Vieh unter besonderer Berücksichtigung der Pferde) geweihte Kapelle ist weltbekannt durch ihre gotischen Wandmalereien, die aus verschiedenen Epochen stammen. In der Osthälfte des Raums wird das Leben des hl. Leonhard geschildert (1432, datiert); die Westwand zeigt Szenen aus der Passionsgeschichte Christi (Ende 15. Jh.), die Südwand weitere sieben Passionsfelder (1300/1330).

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Passionszyklus
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ist ers ? Der Kettenheilige in der blauen Küchenschürze ?

Die schöne Holzdecke stammt aus dem Jahr 1644. Leider haben nachträglich ausgebrochene Fenster einen Teil der Fresken zerstört.

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Das Innere

Die westliche Kapellenhälfte mit dem Eingang ist romanisch und aus groben Feldsteinen errichtet. Die östliche Kapellenhälfte ist gotisch und wurde Ende des 14. Jahrhunderts angebaut. Die Kapelle ist mit gotischen Masswerkfenstern ausgestattet.

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Wers eilig hat, kann über eine Himmelsleiter den direkten Weg in den Himmel wählen. Wir blieben lieber der Erde verbunden und setzten unsere Heimreise nach einem Kaffee in der Psychiatrie Münsterlingen fort.

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10 thoughts on “CH-8597 Landschlacht: St. Leonhardskapelle”

  1. Kann ich gut verstehen, dass Ihr lieber den Kaffee am Bodensee nehmen wolltet, als die Leiter ins Nirgendwo raufzusteigen! Und gut, dass der Regen sich geschlagen gegeben hat! Bei uns ist es auch – noch – trocken, aber kühl. Wenn ich aber aus dem Fenster sehe, leuchten mir weiß Tausende von Kirschblüten entgegen! Wünsche Euch einen schönen Sonntag!

  2. Auch hier im Tessin hat sich das schöne Wetter leider verabschiedet (aber morgen soll es wieder zurück kehren). Der Winter kam heftig zurück. So heftig, dass es G. gestern daran gehindert hat, ins Tessin zu reisen.

  3. Da hat der Johannes in der Nachbarschaft wohl abgefärbt: Fenster statt Fresken, eine Leiter zum Himmel, hier macht man kurzen Prozess😉

  4. Eine wunderschöne Kirche!!! Die einzigartigen Fresci mit diesen wunderbaren Holzkonstruktionen macht solche Kirchen zu einzigartigen Architekturdenkmälern. Ich wünsche der Kirche alles Gute, daß sie nicht von Unwissenden verdrängt wird. Cari Saluti Giovanni

  5. Wie tröstlich, dass es in der Psychiatrie für Externe einen Kaffee gibt, nachdem sie den heiligen Leonhard mit der blauen Küchenschürze besucht haben.

  6. Lueg biite bim Buechfink
    Bi immer no am Tegschte gsi, aber so nätt formuliert han‘ is noni zämme brocht (gha). 🙂
    I wynsch dir/Eych e scheene Kuchisunntig (bi däm Wätter)

  7. @Sugarprincess: was ? schon Kirschblüten ? Wie Schnee im Frühling.

    @Sabine: und ich dachte, das Gotthardloch verbinde die Menschen in Süd und Nord😉

    @bee: in revolutionären Zeiten wackeln die Köpfe.

    @Giovanni: die Existenz der Kapelle ist schon sicher, aber die Wiese davor ?

    @Rosa Mayland: yes, quiet and quaint.

    @Buchfink: es handelte sich zwar nur um Automatenkaffee in Selbstbedienung, aber neuerdings ist ja Bescheidenheit in der Kirche angesagt.

    @Basler Dybli: so nett Baseldytsch schreibt ausser Dir keine/r😉

    @Rufus: Engel haben notfalls noch ihre Flügel.

  8. Was so eine Kapelle – oder fast ist’s schon ein kleines Kirchlein – so alles zu sagen hat, wenn man genau hinguckt, die beiden Stilrichtungen, die sich harmonisch zusammenfügen. Die gotischen original Wandmalereien sind natürlich wundervoll. Mich beeindruckt sowas immer sehr, das Bunte, die Feinheit. – Und du siehst überall Küchenschürzen? *lach* Das finde ich lustig.
    LG, Franka

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